Unser Redaktör besuchte neulich erst ein Fussballspiel in Belgien. Kann man machen, muss man aber nicht.
K.A.A Gent vs. K.A.S Eupen (14. August 2010)
Anreise
Gent erreichen Sie mittels öV via Paris und Brüssel schon auch, und das Stadion liegt auch ganz nah der Sint-Pieters-Station, aber es empfiehlt sich im recht artisanalen Belgien manchmal schon, auch über ein individuelles Verkehrsmittel zu verfügen. Dank Navi findet man das Stadion auch recht einfach. Vor Ort parkiert man dem Genter einfach das Quartier zu, das tut der belgische Fussballzuschauer offenbar.
Übernachten
Der Berichterstattende hat im NH-Hotel im wunderschönen Zentrum Gents genächtigt. Gent lockt mit gotischen Kirchen, u.a. mit dem berühmten Genter Altar, sympathischen City-Bootstouren und zahlreichen besuchenswertestmöglichen Bierhäusern. Probieren Sie ggf. umbedingt De Dulle Griet: 150 verschiedene Biere in überaus gemütlicher Ambiance!
Stadion
Das übersichtliche Jules-Otten-Stadion fasst 12’900 Zusehende. Es ist auch schon etwas älter und sollte eigentlich per Saisonstart vom Neubau Arteveldestadion abgelöst werden. Letzterer ist jedoch nicht termingerecht gebaut worden, weil sich dessen Finanziers nicht ganz einig seien.
Verein
K.A.A. steht für Koninklijke Atletiek Associatie und heisst auf spanisch bspw. einfach “Real”. Die Buffalos, wie das Team von seinen Fans genannt wird, sind amtierender Cupsieger und Vizemeister - Achtung: Fanfreundschaftspotenzial! - und haben soeben in der Europa-League-Quali Feyenoord Rotterdam eliminiert. In der Gruppenphase trifft man nun auf Sporting Lissabon, Lille und Levski Sofia.
Tickets
Eintrittskarten bekommen Sie vor Ort am entsprechenden Schalter. Für Sitzplätze im linken oberen Drittel der Haupttribüne zahlen Sie dort 26.- €, aber wenn Sie dann mit 2 Fünfzigern zahlen wollen, kann es passieren, dass der Verkäufer sagt, 50.- seien auch ok.
Verpflegung
Es werden hier keine Schnecken, dafür aber tiptop Hotdogs, Burger und aber auch Chili-Burger verkauft. Für 4.- erhalten Sie ein Brett aus gepresstem Hackfleisch in einem Ciabatta-Brötchen und Chili-Sauce. Gar nicht übel.
Beim Bier ist alles etwas komplizierter: Zuerst muss man nämlich beim örtlichen Bon-Verkäufer anstehen und dort ebensolche erstehen, bevor man diese an der Bar gegen 3dl-Becher Maes, ein belgisches Pils, eintauschen kann. (Pfft. Bons kaufen. Wo gibts denn sowas noch?!) Im Bierparadies Belgien ist das natürlich etwas unschön, aber janu. Es würden auch liebliche 2dl-Petfläschli Mineralwasser verkauft. Wie in England gilt, dass keine Lebensmittel auf die Tribüne mitgenommen werden dürfen. Ausserdem wurde mit einem trümmligen Blech das Geländer verstärkt, damit man ja auch nicht nur einen Streifen Grün erblicken kann vom Gang aus. Toilette kostet -.30 €, aber man fragt sich dann, warum die Dame für das Geld nicht wenigstens ein bisschen putzt.
Spiel
Gästefans und zufällig anwesende Zaungäste aus der Schweiz werden in Gent gern auch mal in Deutsch begrüsst – v.a., wenn der Gast aus Eupen kommt. Ansonsten gilt niederländisch in Gent als Amtssprache. Französisch hilft schon sehr, Englisch natürlich auch. Erwähnen Sie beiläufig, dass Sie nicht Deuscher sind. Der Belgier scheint dahingehend nämlich noch einige Ressentiments zu pflegen.
Gent und Eupen kennen weder Ultras, wo vorsingen, noch Pyro. Dafür wird dann gern der nichtbesetzte Teil der Gäste-Stehplatzrampe mit einem grossen Banner eines Sponsoren bedeckt. Für die in max. 2 Reisecars mitgereisten Euper hatte es trotzdem locker Platz. Die Heimkurve macht im Gegensatz zur Schweiz nicht Dauer-Stimmung, dafür singt die Haupttribüne gern auch ebiz mit. Wenn’s gut läuft, zumindest.
Nach der verdienten Euper 1:0-Führung zur Pause drehten die Genter das Spiel.
Wenn auch Sie, geschätzte LeserInnen, an dieser Stelle von Ihren Reisen in die fussballerische Provinz berichten möchten, wenden Sie sich bitte an unseren zuständigen Redaktör.






Hat aber immerhin 8 Kommentare …
Aha, Sie sind sicher alle noch am Lesen und Linksfolgen.
Mir haben wie immer die Schnecken am besten gefallen.
Ein löblicher Bericht aus einer in diesem Fachblog ziemlich vernachlässigte Fussballregion.
Gut, das hat vielleicht damit zu tun, dass es der Belgier mehr mit Bier und Fritten hat als mit dem runden Leder.
Sehr umfassender und lernreicher Bericht Herr Natischer, bravo!
Gent?
Dort startet doch dieses Randsportrennen nach Wevelgem, oder?
Ich danke Ihnen.
Aber Sie sind ein Gränni, Herr Natischer.
Haben Sie den ganzen Text gesehen, den ich dafür aufbringen musste, Frau Pipistrella? Also.
Gestern hätt ich mir beinah ein Portemonnaïe mit Schweizer Kreuz als Ausland-/Euro-Geldsack gekauft …
Pfft. Bons kaufen. Wo gibts denn sowas noch?
Hihi. Der Arnheimer zu Holland kennt sogar eine klubeigene Währung welche am Automaten gewechselt werden kann. Ohne die gibt es nüschts.
Sehr schön, hoffentlich spielen die bald euperopäisch.
Eupen Eupen … Da hab ich doch letzthin was gelesen bzw. gesehen vonwegen deutschsprachig und Provinzclub und endlich oberste Liga … 11 Freunde?
Ja, haben Sie ganz schön geschrieben, Herr Natischer.
Hier noch was “zum Thema”.
Belgien und Fussi. Da kommt mir eigentlich nur einer in den Sinn:
Jetzt sind es schon sieben.
Oh, da wäre ja noch dieser Auffrischungsknopf gewesen.
Ah nein, Quatsch. Es gibt ja noch einen Zweiten:
Ihr Erster und ihr Zweiter sind mittlerweile ergraut. Einer darf sich immerhin bald in der Champions League präsentieren – wenn auch nicht mit einem belgischen Team.
So ungefaehr sehen also fremde Richter aus, ich verstehe…
Es hat min. noch einen Dritten in Belgien:
Fanfreundschaftspotenzial
Sie verdraengen da was, Herr Natischer!
Ich meinte natuerlich:
Sie verdraengen da was, Herr Natischer!
Dass die Buffalos in Blau-Weiss spielen, Herr Blaustrumpf?
Hihi Herr Pelocorto. Ja. Ich muss den Brotberuf aufgeben. Falsche Prioritätensetzung. Werde grad noch rasch vor Mitternacht auf Ende Monat kündigen.
Ähmm… Oder meinten Sie gar, ich verdränge da was, Herr Blaustrumpf?
Jetzt, wo sie es sagen, genau das meinte ich!
Kein Bild von Mpenza in rot-weiss? Sie verdraengen da was…
Gelb fuer mich: Aber eine Minute fuer Fignon!
Wie in England gilt, dass keine Lebensmittel auf die Tribüne mitgenommen werden dürfen
Also in den englischen Stadien, in welchen wo ich war, durfte man alle Lebensmittel, ausser Alkoholika, auf die Tribüne nehmen und dort auch verzehren.
Ah, dann hab ich da was gemischelt, tschuldigung. In Gent gingen weder Essen noch Trinken. Und Rauchen eh nicht.
… dafür sasssen wir ganz oben unterm Dach auf den Presseplätzen mit Tischli …