Kultur


Webflaneur

Spaziergänge im World Wide Web

Archiv für die Kategorie „Vorsichtiges“

App die Post

Webflaneur am Montag den 18. Juli 2011

Ob er wirklich an alles gedacht habe, fragt sie. «Klar», sagt der Webflaneur, «die Reise kann beginnen». Da sie ihn etwas misstrauisch ansieht, zählt er auf: Zuerst habe er die App-Läden nach Reiseführern fürs Smartphone durchstöbert. «Und ich bin tatsächlich fündig geworden.» Sollten sie unterwegs ein Hotel buchen müssen, werde er die App einer Reiseplattform anwerfen, etwa jene von Booking.com (iOS/ Android), Hostelworld.com (iOS/ Android), Hotels.com (iOS/Android), HRS (iOS/ Android) oder Kayak (iOS/ Android). Damit sie die lokalen In-Spünten nicht verpassten, habe er zudem Qype (iOS/ Android) installiert: Darin seien auch Ausgehtipps von Einheimischen zu finden. Die iApps von World Top 7 wiederum verzeichneten je sieben Tipps pro Stadt. Auch an ein Wörterbuch habe er gedacht, was ihn einige Batzen gekostet habe. Zudem habe er die App Google Translate (iOS/ Android) installiert, die er zur Überwindung von Sprachbarrieren zu Hilfe zu nehmen gedenke. Auch einige Landkarten lägen vor: Damit die Kosten für die Datenübertragung nicht aus dem Ruder laufen, habe er auf dem Android-Smartphone Google Maps-Ausschnitte heruntergeladen und zudem OsmAnd installiert. Auf dem Apple-Teil setze er auf Off Maps 2 und Open Maps Pro. Und die App von Accu Weather (iOS/ Android) werde sie übers Wetter auf dem Laufenden halten.

Nun kommt der Webflaneur erst richtig in Fahrt. Sollten sie sich nächstes Mal für eine Autoreise entscheiden, werde er die iApp SRF Verkehrsinfo im Blick behalten, oder den Verkehrslage-Layer von Google Maps. Vor Reisen per Flugzeug installierte er die App der Fluggesellschaft. Da sie dieses Mal aber den Zug nähmen, habe er es bei den Apps der SBB (iOS/ Android) und deren ausländischen Pendants belassen. Den Stapel mit den ausgedruckten Buchungsblättern müssten sie übrigens nur zur Sicherheit mitschleppen, sagt der Webflaneur: Er habe die App Worldmate (iOS/ Android) installiert, mit der sich der Papierkram verwalten lassen soll.

«Du siehst: Ich habe an alles gedacht.» Sie schüttelt besorgt den Kopf. «Identitätskarte?», fragt sie. «Badehose? Zahnbürste?» Der Webflaneur errötet noch vor dem ersten Sonnenbad.

Gut gegen Böse

Webflaneur am Dienstag den 21. Juni 2011

Irgendetwas stimmt mit diesem Computer nicht: Er rattert und rattert – und kommt doch keinen Schritt weiter. Nach einigen Klicks und langer Warterei stellt der Webflaneur fest: Auf dem Computer des Kollegen wütet ein Virus. Das Antivirenprogramm lässt sich in nützlicher Frist nicht starten. Mit dem normalen Windows und den installierten Programmen ist dem Virus nicht mehr beizukommen. Deshalb zieht der Webflaneur dem Rechner erst mal den Stecker. Nun braucht er eine Rettungs-CD mit Antivirenprogramm. Der Trick: Anstelle des verseuchten Betriebssystems will er ein sauberes ab CD starten. So könnte er den Schädling von aussen effizient bekämpfen. Viele Hersteller liefern solche CDs beim Kauf eines Antivirenpakets mit. Doch auf dem Stapel neben dem Computer des Kollegen liegt keine.

Deshalb sucht der Webflaneur eine entsprechende Software im Internet – und findet gleich mehrere: Soll er den kostenlosen System Sweeper herunterladen, die neue Rettungssoftware von Microsoft? Sie basiert auf einem abgespeckten Windows und nutzt Microsofts eigenes Antivirenprogramm. Oder setzt er besser aufs kostenlose AntiVir Rescue System von Avira, auf die F-Secure Rescue- oder die BitDefender Rescue CD? Eine Alternative dazu ist Desinfec’t: Diese CD wird von den Machern des Computermagazins «c’t» herausgegeben und beinhaltet mehrere Analyse- und Antivirenprogramme. Allerdings kann das Paket, das als CD der Ausgabe 8 des Magazins beiliegt, aus Lizenzgründen nicht einfach heruntergeladen werden.

Der Webflaneur entscheidet sich für eine Software, lädt sie herunter und brennt sie auf eine CD. Dann steckt er den verseuchten Computer wieder ein, startet ihn ein erstes Mal, um die CD einzulegen, und dann ein zweites Mal ab CD. Schliesslich kann der Webflaneur das Virus entfernen. Das Gute siegt also doch noch. Und der Webflaneur freut sich teuflisch.

“Wo bisch?”

Webflaneur am Dienstag den 15. März 2011

Der Jüngling flätzt sich breitbeinig auf den Sitz. Er zieht die Nase hoch. Immer und immer wieder. Und das nicht einmal im Takt der Musik, die aus seinem Kopfhörer dröhnt. Kaum ist der Zug angefahren, kramt er auch noch sein Smartphone aus der Kunstlederjackentasche, streift den Hörer vom Kopf. Dem Webflaneur, der heute mit dem linken Fuss aufgestanden ist und der bereits ziemlich gereizt im Abteil schräg vis-à-vis sitzt, schwant Böses.

«Nun probier aber keine Klingeltöne aus!», fleht er den Jüngling leise an. Dieser tuts tatsächlich nicht. Viel schlimmer: Er telefoniert – in einer Lautstärke, dass ihn sogar der Zugführer hören muss. «Hey Mann, wo bisch?» fragt er. Und er schiebt nach: «Was machsch, Mann?»

Da reisst dem Webflaneur der – heute zugegebenermassen äusserst dünne – Geduldsfaden. Er holt tief Luft und wird selbst laut: «Hey Mann», ruft er dem Jüngling zu, er solle besser die Klappe halten und den Sound auf Zimmerlautstärke zurückdrehen. Und vor allem: Er solle mit der überflüssigen Fragerei aufhören. Er besitze ja offensichtlich ein Smartphone, das ihm Mami und Papi aus einem unerfindlichen Grund finanzierten. Also solle er dieses auch nutzen. «Du kennst doch Google Latitude?», fragt er ihn. Er solle ihm den Gefallen tun und diese App installieren. Und der Kollege auf dem Smartphone auch, das ihm dessen Mami und Papi aus einem unerfindlichen Grund finanzieren. Dann sähen sie stets, wo der andere sei und bräuchten nicht mit der «Wo bisch»-Fragerei zu nerven. Sollte ihm Latitude nicht behagen, könne er auch Facebook Places nehmen, Foursquare oder sonst eine App.

So redet sich der Webflaneur in Rage – bis der Jüngling kontert. Was die Freunde des Webfleurs von der Episode zu Gesicht bekommen? «Eingecheckt im Zug» auf Latitude. Und später eine Statusmeldung: «Mit blauem Auge davongekommen.»

Sehnsucht nach der guten alten Schreibmaschine

Webflaneur am Dienstag den 28. September 2010

Der Webflaneur sollte unbedingt seine Kolumne schreiben. Doch gerade als er beginnen will, poppt ein Fenster auf: Eine E-Mail sei eingetroffen, steht darin. Der Webflaneur guckt nach. Um die Nachricht ad acta legen zu können, beantwortet er sie postwendend. Nun gehts aber an die Arbeit an seiner Kolumne!

Doch als er mitten im ersten Satz steckt, räuspert sich der Chef neben ihm. Sie diskutieren kurz, was zu diskutieren ist. Nun müsse er aber die Kolumne schreiben, sagt der Webflaneur schliesslich. Und er wendet sich wieder dem Bildschirm zu. Vielleicht wirft er besser rasch einen Blick auf den Nachrichtenticker, um nichts Wichtiges zu verpassen. Einige Minuten später macht er sich wirklich an die Texterei. Doch gerade als er den zweiten Satz zu Computer bringen will, trudelt eine Chatnachricht ein. Sie muss nicht dringend beantwortet werden. Bei dieser Gelegenheit schaut der Webflaneur aber rasch, was die Freunde auf Twitter und Facebook treiben. Nun sei es allerhöchste Zeit für die Kolumne, sagt er sich. Er schreibt. Doch immer wieder wird er abgelenkt. So darf es nicht weitergehen, beschliesst er. Er brauche Ruhe.

Da erinnert er sich an ein Programm, das eben diese Ruhe verspricht: die minimalistische Textverarbeitung Writemonkey. Er lädt sie herunter und startet sie. Auf einen Schlag herrscht Ruhe: ein schwarzer Bildschirm, ein heller Cursor – sonst ist nichts zu sehen. Die Leisten und Fenster sind weg. So lässt sichs arbeiten! Der Webflaneur greift in die Tasten.

Was denn das wieder sei, fragt plötzlich der Chef. Der Webflaneur – jäh aus seiner Arbeit gerissen – dreht sich zu ihm um. Damit liessen sich alle Störungen ausblenden, erklärt er ihm. Oder zumindest fast alle.

Der verlorene Freund

Webflaneur am Dienstag den 1. Juni 2010

Gestern hat der Webflaneur einen Freund verloren. Vielleicht waren es sogar mehrere. Von einem aber weiss er es genau. Dieser hat ihm die Freundschaft mündlich aufgekündigt, als er ihn per Zufall auf seinem Arbeitsweg der Aare entlang angetroffen hat.

Der Freund hat ihm tief in die Augen geschaut. Dann hat er unvermittelt gesagt, es sei vorbei mit der Freundschaft. Der Webflaneur zuckte zusammen. Was los sei, wollte er fragen, und ob er etwas falsch gemacht habe. Doch da fuhr der (Ex-)Freund bereits fort: Er gedenke heute, am Quit Facebook Day, sein Konto zu löschen – und damit alle Freundschaftsverbindungen. Der Webflaneur atmete auf. Weshalb, fragte er. Facebook fehle jeglicher Respekt vor privaten Daten, polterte der Freund. Und ausufernd führte er aus, was Facebook-Chef Mark Zuckerberg in den letzten Monaten alles im Schild geführt haben soll und wo er erst auf grossen öffentlichen Druck hin wieder zurückgekrebst sei. Deshalb hätten sich 29000 Facebook-Nutzer – darunter auch er – entschlossen, ihre Kontos zu löschen.

Der Webflaneur, der ihm schweigend zugehört hatte, wendete ein, dass sich die Nutzer selbst darum kümmern müssten, welche Daten sie auf Facebook wem zur Verfügung stellten. Das schaffe ein normaler Anwender nicht innert nützlicher Frist, kritisierte der Freund. Der Webflaneur konterte: Immerhin habe Zuckerberg jüngst versprochen, dass diese – zugegebenermassen etwas komplizierten – Einstellungen vereinfacht würden. Der Freund schüttelte den Kopf. Zuckerberg krebse bloss einmal mehr zurück – um gleich die nächste Offensive auf seine Privatsphäre zu starten. Bis sich etwas ändere, fliesse noch sehr viel Wasser die Aare hinunter.

Fingerübungen auf der Kommandozeile

Webflaneur am Freitag den 16. April 2010

Schauen Sie, wie der Webflaneur auf der Kommandozeile herumturnt! Er füttert dem Rechner kryptische Befehle – weiss auf schwarz. Sobald er Enter drückt, jagt dieser als Antwort seitenweise Buchstaben über den Bildschirm. Der Webflaneur nickt zufrieden oder schüttelt den Kopf. Schon tippt er den nächsten Befehl ein. Woran er arbeitet? Keine Ahnung, aber es muss kompliziert und wichtig sein. Beim Zugucken wird sofort klar: Der Webflaneur ist ein Computercrack.

Doch halt: Ist die Kommandozeile nicht ein Relikt aus jener Zeit, als das Betriebssystem einem noch kein Fenster zum bequemen Klicken öffnete? Ganz und gar nicht, finden die Freunde des Webflaneurs, die wirklich etwas von der Computerei verstehen. Sie schwören auf die Kommandozeile, die Konsole, das Terminal. Damit seien sie schneller und könnten mehr machen als über Klickibunti-Oberflächen, sagen sie. Tatsächlich stockt dem Webflaneur fast der Atem, wenn er den Freunden bei ihrer rasanten Konsolenarbeit zuschaut. Und so hat er es schliesslich selbst probiert.

Dabei hat er festgestellt, dass die Konsole oft praktisch ist. Neulich musste er Bilder drehen, die ein Scanner verkehrt eingelesen hatte. Dazu brauchte er keine teure Software, sondern nur den richtigen Befehl auf der Konsole. Seither versucht er es mit der Kommandozeile, wenn er mit der grafischen Oberfläche nicht ans Ziel kommt. Und: Wenn er jemanden beeindrucken will.

Der Webflaneur rät deshalb: Lernen Sie vier, fünf der Befehle auswendig, die Sie in Online-Listen finden. Und benutzen Sie diese, wann immer Sie jemanden tief beeindrucken wollen. Aber Achtung: Lassen Sie die Konsole besser Konsole sein, wenn die Zuschauer etwas von der Computerei verstehen. Unter uns: So macht es auch der Webflaneur.

Ferienarbeit

Webflaneur am Dienstag den 27. Oktober 2009

Der Webflaneur ist in den Ferien. Doch plötzlich ruft die Arbeit. Technisch gesehen ist dies kein Problem, denn der Webflaneur hat vorgesorgt: Er hat die nötigen Daten auf einem Speicherplatz im Internet abgelegt. Er kann also von überall, wo es einen Internetanschluss gibt, darauf zugreifen. Genau das hat er nun vor.

Er tippt seinen Nutzernamen ein und ins nächste Feld das Passwort. Doch der Speicherdienst meckert. Wahrscheinlich habe er sich vertippt, murmelt der Webflaneur und probiert es nochmals. Oder hat er das falsche Passwort genommen? Eines nach dem anderen probiert er aus. Ohne Erfolg: Was immer er tippt, der Speicherdienst lässt ihn nicht an seine Daten heran. Zurücksetzen kann er das Passwort nicht, da der Dienst dies aus Sicherheitsgründen nicht zulässt. Schliesslich bleibt dem Webflaneur keine andere Wahl, als ohne die Grundlagendaten in die Tasten zu greifen. Es geht auch so. Eines nimmt sich der Webflaneur aber vor: Vor den nächsten Ferien wird er die Passwörter in einen digitalen Tresor legen. Natürlich wird er darauf achten, dass die Daten gut verschlüsselt übertragen und gespeichert werden. Und er wird nachlesen, ob der Tresorbesitzer vertrauenswürdig ist. Einige Adressen hat er schon zur Hand: Bei Passpack könnte er die Codes einzeln eintippen. Mit Xmarks könnte er jene, die er in seinem Webbrowser abgespeichert hat, einfach mit dem Netbook synchronisieren, das er in die nächsten Ferien mitzunehmen gedenkt. Oder er könnte ein spezielles Tresorprogramm installieren, etwa jenes von Keepass.

Der Webflaneur schüttelt ob seines Passwortlapsus den Kopf. Doch dann sagt er sich, das müsse so sein: Ferien sind erst richtig Ferien, wenn man das eine oder andere Passwort vergisst.

Goethes Lektor

Webflaneur am Freitag den 4. September 2009

Seit seiner Pensionierung engagiere er sich als Lektor, sagt sein Gegenüber. Wessen Texte er denn korrekturlese, fragt der Webflaneur – und freut sich diebisch ob des nebenbei eingeflochtenen Genitivs. «Ach», sagt der ältere Herr vis-à-vis, «Goethe, Schiller, Lessing und wie sie alle heissen.» Der Webflaneur guckt ihn verdutzt an. «Sie lektorieren Goethe?», fragt er. «In der That», sagt dieser; das «h» haucht er lange. Bislang habe er ausschliesslich Werke grosser Autoren gelesen. Ob er fragen dürfe, wie er dazu gekommen sei, sagt der Webflaneur. Ach, das sei einfach, sagt sein Gegenüber: Eines Tages habe er gehört, dass im Internet Lektoren gesucht würden. Er habe auf der Website der «Distributed Proofreader» auf Pgdp.net ein Konto eröffnet. Und seither arbeite er dort mit.

Wie das funktioniere, will der Webflaneur wissen. «Das Ziel des Projekts ist es, alte Bücher ins digitale Zeitalter hinüber zu retten», holt sein Gegenüber aus. Erfahrene Nutzer wählten ein Buch, das nicht mehr unter Urheberrechtsschutz stehe, aus. Das sei in Europa der Fall, wenn der Autor vor über 70 Jahren gestorben sei. Das Buch werde eingescannt. Und der Text werde von einem Programm automatisch erkannt. Leider mache dieses viele Fehler. Und deshalb brauche es Leute wie ihn, die die Texte korrigierten. Sobald sie mehrfach geprüft und richtig formatiert seien, würden sie im Archiv von Gutenberg.org abgelegt. Und von dort dürften sie kostenlos heruntergeladen werden. «Heute korrigiere ich eine Stunde pro Tag – ehrenamtlich, wie die Anderen auch», sagt der ältere Herr. Und er stelle mit Freude fest, wie die digitale Bibliothek wachse.

«In der That», sagt nun der Webflaneur, lässt das «h» lange nachklingen. Sein Gegenüber lacht. Bei Goethe nehme er es mitunter nicht so genau, sagt er. «Schliesslich soll dieser einmal selbst gesagt haben, er kenne für jedes Wort gleich mehrere Schreibweisen.»

Im Fluss

Webflaneur am Dienstag den 7. Juli 2009

Am Uferweg hängt ein Plakat. Der Webflaneur, soeben dem Fluss entstiegen, bleibt tropfend davor stehen. Die Aaretemperatur könne per SMS abgerufen werden, liest er. Das koste ihn nur 40 Rappen. Der Webflaneur schüttelt den Kopf. Zweckmässiger sei es doch, einfach mal eine Zehe ins Wasser zu tunken, sagt er zum Mitschwimmer.

Doch die Temperaturfrage lässt ihn nicht kalt. Zu Hause eingetrudelt, setzt sich der Webflaneur auf den Balkon und wirft das Notebook an. Zuerst surft er bei Aaremarzili vorbei. 20 Grad sei die Aare warm, zeigt die letzte Messung. Damit ist sie bedeutend wärmer als die Gürbe und im Vergleich zur Emme schon fast lau, wie der Webflaneur der Zusammenstellung von Wiewarm entnimmt. Wie warm ist eigentlich der Thunersee? Beim Amt für Wasser und Abfall findet der Webflaneur detaillierte Messwerte sauber auf einer Karte eingetragen. Und ausserhalb des Kantons? Für diese Zahlen schaut er bei der Landeshydrologie vorbei.

In der Zwischenzeit ist die Sonne verschwunden. Die Temperatur wäre gut für ein Jogging, redet sich der Webflaneur ein. Doch wie hoch ist der Ozonpegel? Der Ozonticker der Stadt Bern steht auf 90 Mikrogramm pro Kubikmeter. Doch das Studieren, ob joggen unter diesen Bedingungen gesund sei, erübrigt sich. Denn ganz plötzlich bricht die Wolke. Sintflutartig prasselt der Regen hernieder. Der Webflaneur flüchtet vom Balkon in die Wohnung. Mit lautem Krachen schlägt in der Nähe ein Blitz ein. Die Scheiben klirren, der Boden bebt. Der Webflaneur wirft einen Blick auf die nicht mehr so schöne, braune Aare – und abonniert vorsorglich schon mal die Hochwasserwarnungen von Stadt und Kanton sowie gleich auch noch den allgemeinen Wetteralarm.

Der digitale Rossini

Webflaneur am Dienstag den 23. Juni 2009

Die Noten liegen zu Hause. Und die Zeit ist zu knapp, um sie vor der Chorprobe dort zu holen. Der Webflaneur sieht sich bereits ohne Rossini an der Probe stehen. Er spürt den vorwurfsvollen Blick der Dirigentin. Er hört Sopräne und Altistinnen über seinen Fauxpas tuscheln. Und er sieht sich vor Scham erröten.

Doch da hat er einen Geistesblitz. Gibts nicht Sammlungen von Noten mit abgelaufenem Urheberrechtsschutz? Der Webflaneur schaut nach – und landet bei Imslp.org, dem «International Music Score Library Project». Dort findet er tatsächlich die «Petite Messe Solenelle» von Gioacchino Rossini. Die Noten sind aus einer alten Ausgabe eingescannt. So sehen sie auch aus: Die Linien sind verwischt, der Text nicht immer einfach zu entziffern. Fürs Notenstudium sind die Scans interessant, fürs Blattlesen aber sind sie weniger geeignet. Deshalb schaut der Webflaneur bei Cpdl.org vorbei, der «Choral Public Domain Library». Dort findet er eine computergesetzte Version der Messe. Er lädt die Noten herunter. Das Werk ist 135 Seiten lang. Der Chef hätte kein Musikgehör, wenn er sie im Büro druckte. Zum Glück trägt der Webflaneur gerade ein E-Book-Lesegerät mit sich herum. Er kopiert die Noten darauf und fährt los.

Die Chorgspändli gucken erstaunt, als der Webflaneur die Noten auspackt. Der Kollege aus dem Bassregister vergisst vor Staunen fast das Singen. Und das Chörli attestiert dem Webflaneur unisono, dass er heute vorbildlich leise blättere. Trotzdem tut sich dieser während der Probe schwer: Seine Taktzahlen stimmen nicht mit jenen der gedruckten Ausgabe überein. Und die Noten sind auf dem Bildschirm etwas klein.
Das nächste Mal, sinniert der Webflaneur, suche er die Musik besser beim Mutopiaproject.org. Denn dort heruntergeladene Noten könnte er mit etwas Zeit und Bastelgeschick an die Grösse des Bildschirms anpassen. Oder noch besser: Er lässt die Noten in Zukunft nicht mehr zu Hause liegen.