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Webflaneur

Spaziergänge im World Wide Web

Archiv für die Kategorie „Kommerzielles“

Wie der Musikant Eintrittskarten verkauft

Webflaneur am Mittwoch den 11. Juli 2007

Screenshot Amiando.ch 

Es war vor einem Jahr: «Wo kriegt man Karten», fragt der Webflaneur. Der Musikant zuckt die Schultern. Wie die Tickets an die Zuhörer gebracht werden, sei noch unklar. «Kann man sie günstig übers Netz verkaufen?», fragt er. Nun zuckt der Webflaneur die Schultern. «Keine Ahnung», sagt er, «vermutlich schon – irgendwie müssen all die Chöre, Orchester und Theatergruppen die Eintrittskarten loswerden».

Der Webflaneur hat sich getäuscht: Die meisten Kartenverkäufer haben es auf die Grossen abgesehen: Sie vermitteln ausgeklügelte Systeme und kassieren nebst den Provisionen auch noch happige Grundgebühren. Nun aber beginnt der Markt allmählich zu spielen: Bei Amiando können neu nicht mehr bloss Veranstaltungen eingetragen und Freunde eingeladen, sondern auch gleich Eintrittskarten dazu vertrieben werden. Kostenpunkt: 5 Prozent des Ticketpreises, bei Bezahlung mit Kreditkarte 7.5 Prozent. Das hat auch bisherige Verkäufer auf den Plan gerufen: Auf der Schweizer Plattform Ticketino kostet der Verkauf neu lediglich 7.9 Prozent des Kartenpreises. Die Tickets werden online und über eine 0900-er-Nummer verkauft, zudem sind sie in den Reisebüros von Kuoni- und Helvetic-Tours sowie in Bern im «Olmo» erhältlich. Ein Start-Paket hat auch Tixoo aus Deutschland geschnürt: Veranstalter berappen damit lediglich 30 Euro-Cents pro Eintrittskarte.

Aber eben: Die Ticketverkäufer sind zu spät gekommen fürs Konzert des Musikanten. Zuerst haben der Webflaneur und er mit dem Gedanken gespielt, mit  Free Seat einen eigenen Ticketshop aufzusetzen. Doch dann hat ihnen vor dem Theater mit der Bezahlung gegraust. Und sie waren dankbar, dass schliesslich ein Ladenbesitzer Musikgehör hatte.

Das Handy bleibt am Ball

Webflaneur am Mittwoch den 31. Mai 2006

Schön diskret: Footiefox

Das erinnere ihn nun sehr an die unsägliche Szene damals im Jahr 1970, sagt sein Spottsfreund. Genau, das Dribbling, der Haken, dann die Schwalbe, die selbst ein Blinder nicht übersehen könne, schwadroniert der Berner Zeitungsblogger: Ja, das sei wie damals im 1970. Sie nicken sich mit ernster Mine zu – und brechen dann in schallendes Gelächter aus. Zwar haben sie sich für den Champions-League-Final vor «Kairos» Flimmerkiste gesetzt. Von Fussball verstehen sie aber wenig. Erst als die hartgesottenen Fans nebenan dicke Hälse kriegen, hören sie mit dem «Fachsimpeln» auf.

Wie er die WM ohne eigenes Fernsehgerät durchzustehen gedenke, fragt der Spottsfreund nun den Zeitungsblogger. Er müsse sich einen Schlachtplan zurechtlegen, sagt dieser – damit er während der WM etwas mitreden könne, in keine Fettnäpfchen trample, sich keine Blösse gebe. Klar, er könnte versuchen per SMS, MMS oder Handy-Videos am Ball zu bleiben – Swisscom Mobile biete WM-Abos zwischen 2 Franken und 24 Franken an, Orange verschenke in einer Promoaktion Filmchen, Sunrise habe ein Bündel mit Video-Handy und Fussball geschnürt. Oder er könnte sich über Swisscoms Sprachportal zur WM informieren lassen. Er könnte auch die kostenlose MMS-Zeitung abonnieren, mit der sich «20 Minuten» gegen «Heute» zu verteidigen versucht. Er könnte sich bei SMS- und MMS-Sportdiensten einschreiben. Er könnte sich WM mobil 2006 auf den Westentaschenrechner laden. Er könnte sich mit Polyglotts WM Guides Reiseführer zu 12 Austragungsorten aufs Handy kopieren, oder gezielt mit Langenscheidts Fussballsprachführer auf hitzige Debatten in Fremdsprachen hin trainieren. Er könnte sich während der WM für 10 Franken ein Abo bei Adsl.tv leisten, um zuhause wie im Geschäft per Internetfernsehen dabei zu sein.

«Doch ich lasse es bleiben», sagt der Zeitungsblogger. Er installiere lediglich ein Zusatzprogrämmchen zum Webbrowser Firefox: Footiefox zeige ihm diskret den aktuellen Spielstand; alternativ könnte er sich Microsofts Football Scoreboard laden, das Resultate und Neuigkeiten direkt auf den Desktop bringt. «Und wenn du einmal nicht online bist?», fragt der Spottsfreund nun. Der Zeitungsblogger grinst. «Dann sitzen wir beide garantiert in einem Restaurant vor einer Flimmerkiste – beim Fachsimpeln.»

Rendez-vous im Netz?

Webflaneur am Mittwoch den 5. April 2006

Swissflirt.ch

Spät in der Nacht an einer Party: Nein, sagte sie, niemals würde sie sich in einer Partnerbörse einschreiben, niemals. «Warum nicht?», fragte der Berner Zeitungsblogger. Die Verweigerin antwortete ausschweifend. Kurz zusammengefasst: Die Partnerbörsen seien ineffizient, sagte sie: Stundenlang schreibe man E-Mails, dabei erledigte sich die Chose an einem Treffen in Augenblicken. Sie seien teuer: Die Betreiber zockten hemmungslos ab. Und überhaupt: Anbandeln im Netz sei unsexy.

Als sie irgendwann Luft schnappte, gelang dem Zeitungsblogger der Konter: Für viele Suchende seien die Portale sehr wohl effizient, sagte er, nicht jeder und jede könne und wolle nächtelang an Partys herumhängen. Und sie böten die Chance, Leute auf andere Art kennen zu lernen: Das Aussehen und Auftreten stehe dabei nicht an erster Stelle.

Die Verweigerin und der Zeitungsblogger hätten noch lange diskutiert, hätte der Gastgeber nicht die Lichter gelöscht. Vergiss deine Streifzüge durchs Nachtleben, hätte der Zeitungsblogger ihr gesagt, mache es dir mit dem Rechner auf dem Sofa gemütlich: Die Erfolgsaussicht im Netz liege laut einer Schweizer Studie bei 23 Prozent – weitaus höher als jene in der Disco. Offenbar floriere das Geschäft mit den Suchenden, hätte er nachgedoppelt: In der Schweiz gebe es laut einem Singleboersenvergleich über 500 Portale – von Datingpoint, Elitepartner und Friendscout24 über iLove, Meetic und Match bis zu Neu, Partnerwinner und Swissfriends.

Gesagt hat er es nicht. Der Gastgeber hat ihn vorher rausgeworfen. Egal, die Liebesmüh hätte nichts mehr gefruchtet, wie der Zeitungsblogger eben gerade feststellt: Er klickt sich, aus rein beruflichen Gründen, durch Annoncen auf Swissflirt – einem der wenigen Portale, wo er kein Abo lösen muss. Die E-Mail an die Frau, deren Annonce er nun entdeckt, ist ihm den Preis von 70 Rappen wert: Es ist unverkennbar die Partnerplattform-Verweigerin.

Oh, du fröhliche

Webflaneur am Mittwoch den 14. Dezember 2005

Gut gekleidet ins Geschäft

Läden lassen Lichtlein leuchten, Glitter glänzen, Weihnachtsmänner winken. Und die Kinderlein kommen und bringen Mami und Papi und Gotti und Götti mit deren Plastikkarten mit. Und auch die anderen kommen und kaufen und hasten und bugsieren. Ausser dem Zeitungsblogger: Dieser stösst sich am Gedrängel in den Konsumtempeln. Eine geschlagene halbe Stunde lang ist er neulich ums Shoppyland gekurvt. Dann hat er aufgegeben. Nein, in dieses Getümmel stürzt er sich nicht mehr. Er brüht sich stattdessen ein Glas Glühwein, setzt sich vor seinen Rechner und kauft von zu Hause aus ein.

Eine CD für die kleine Schwester? Der Zeitungsblogger sucht in einem der vielen Musikshops eine passende aus. Ein Buch für die Mutter und eines für den Vater? Der Zeitungsblogger klickt sich durch Klappentexte und Kritiken in Online-Buchhandlungen und stöbert in Antiquariaten – per Suchmaschine in vielen gleichzeitig. Ein Lexikon für die Schwester? Der Zeitungsblogger schaut sich die Wikipedia-DVD genauer an. Die Verwandten hingegen beglückte er mit Selbstgemachtem: eigenen Fotos in Büchern oder Kalendern, wie sie von vielen Labors angeboten werden . Wie wärs mit einem Gutschein vom Filmverleiher DVD One für den Kollegen Kinogänger? Freute sich der Mitsänger an einem iTunes.ch-Gutschein und sein Mitstudent über freien Eintritt per Museumspass? Würde der Single mit einer Lizenz zum Flirten warm? Wie wäre es mit Präsenten ab Geschenkabo.ch: Für den Bruder, der nur noch schick gekleidet ins Geschäft kommt, bestellte er ein Socken- oder Krawattenabo. Nähme ihm der Kumpel, dessen Freundin sich jüngst zu später Stunde abschätzig über das Unter-der-Gürtellinie geäussert hat, ein Unterhosenabo wohl übel?

Schliesslich bestellt der Berner Zeitungsblogger noch, was er im Festmahl verkochen und in seinen Christstollen verbacken will: Sowohl Migros als auch Coop liefern den Einkauf nach Hause. Das ist ihm die paar Extra-Franken wert. Zufrieden lehnt sich der Zeitungsblogger nun zurück. Der Glühwein ist ausgetrunken, der Weihnachtseinkauf erledigt. Doch da fällt ihm noch etwas ein: Er schaut bei Lindt vorbei und bestellt ein Paket mit Pralinées – für den Pösteler.

Im Freudentaumel

Webflaneur am Mittwoch den 11. Mai 2005

Die Büro-Gspänli rieben sich die Augen: Der Berner Zeitungsblogger tanzte. Er tanzte mit seinem iPod, freudentaumelte durch die Schreibstube – zu den Songs, die er sich für je eineinhalb Franken aus dem soeben gestarteten iTunes-Musikladen geholt hatte.

Der Zeitungsblogger tanzte – etwas ungelenk, wie die Büro-Gspänli spotteten. Sein iPod ist wohl zu lange stumm geblieben. Allzu umständlich schien es dem Zeitungsblogger, ins Musikgeschäft pilgern und eine CD kaufen zu müssen, um einzelne Songs auf den Rechner und dann auf den iPod laden zu können. Zwar hätte er vermehrt Musik in Tauschbörsen beschaffen können. Doch dabei war ihm nie wohl zumute gewesen, obschon ihm Kollegen versichert hatten, Piratenjäger könnten ihm keinen Strick drehen, solange er nur Musik kopiere, nicht aber anbiete. Zu geklauter Musik mochte der Zeitungsblogger ganz einfach nicht tanzen. Kaufen konnte er online aber auch keine – weder bei Coca Cola, noch bei Migros Nr. 1, Migros Nr. 2 oder bei Sonys brandneuem Shop Connect: Der iPod goutiert das Format der Konkurrenz nicht. Nur beim Nischenanbieter One2joy fand der Zeitungsblogger Musik, und beim umstrittenen, aber technisch überzeugenden Portal All of MP3, wo er die Qualität ordern kann, die er will: Komprimierte Songs kosten weniger als solche in bester Tonqualität. Musik extra für den iPod gab es bislang nicht. Die Schweizer mussten zuschauen, wie Andere mit dem iPod tanzten. Als sie allzu eifersüchtig wurden, forderten sie Apple in einer Online-Petition zum Vorwärtsmachen auf. Auch der Zeitungsblogger ärgerte sich – und tanzte nicht.

Heute aber freute er sich, tanzte quer durch die Schreibstube, bis dies der Kollegin vis-à-vis zu bunt wurde und sie mit Vehemenz den Stopp-Knopf seines iPod drückte. «Bevor du auch noch zu singen anfängst…», raunte sie und befahl dann streng: «Schreib, Zeitungsblogger, schreib.»

Et voilà.