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Webflaneur

Spaziergänge im World Wide Web

Archiv für die Kategorie „Kommerzielles“

Aufgeräumtes Adressbuch

Webflaneur am Dienstag den 7. Februar 2012

So gehe das nicht, sagt sie. «In meinem Adressbuch herrscht ein gigantisches Chaos.» Während sie immer nervöser auf dem Smartphone herumfingert, ruft sie aus: Viele Personen seien doppelt, drei- oder gar vierfach verzeichnet. Bei manchen stehe der Vor-, bei anderen der Nachname zuerst. Und einige würden zusätzlich unter ihrem Spitznamen aufgelistet. «Ich kann mir nicht erklären, wie dieses Durcheinander entstehen konnte», sagt sie.

Er sich schon, sagt der Webflaneur: Das Smartphone ziehe Kontakte aus unterschiedlichsten Quellen zusammen: ab der SIM-Karte, aus dem E-Mail-Programm, von Facebook, Twitter, Skype und so weiter. Das sei sehr praktisch, da man so sämtliche Kontaktinfos stets mit dabei habe. Allerdings führe dies auch dazu, dass ab und zu ein Kontakt doppelt aufgeführt werde. Er rät: «Du musst doppelte Einträge halt zusammenführen.»

Sie verwirft die Hände. «Bei meinem dicken Adressbuch kostet mich das Tage», ruft sie aus. In diesem Fall versuche sie es wohl besser mit einem Automaten, sagt der Webflaneur – am besten mit jenem des Schweizer Start-ups Connex.io. Sobald sie dort ein Konto eröffnet habe, könne sie die Adressbücher von Gmail, Facebook, Linkedin sowie von Android-Smartphones oder dem iPhone anbinden. Der Dienst durchkämme die Adressen nach Duplikaten und miste die Datenbank aus – während 60 Tagen gratis, anschliessend für fünf Franken pro Monat.

Doch eigentlich sei es egal, ob ein Eintrag ein- oder mehrmals im Adressbuch stehe, fügt der Webflaneur an. Schliesslich verfüge dieses doch über eine gute Suchfunktion.

Ab die Post!

Webflaneur am Dienstag den 29. März 2011

Adresse notieren, Umschlag zukleben – und ab die Post. Doch beim Briefkasten wird der Webflaneur jäh ausgebremst. Der Markenautomat fehlt und jener drüben bei der Poststelle auch. Unverrichteter Dinge fährt der Webflaneur an diesem Abend wieder nach Hause. Ihm bleibt nur der Amtsweg. Da dieser lediglich während der ordentlichen Postöffnungszeiten beschritten werden kann, schleicht er sich tags darauf, als der Chef gerade nicht aufpasst, aus dem Büro und eilt zur Poststelle – zum ersten Mal seit langer Zeit. Dort staunt er übers postmoderne Kundenmanagement: Zu den Schaltern wird nur vorgelassen, wer ein nummeriertes Zettelchen vorzulegen hat. Er nimmt eines und irrt durch den bunten Basar des Postproduktesortiments, bis seine Nummer auf der Leuchtanzeige blinkt.

«B-Post», sagt der Webflaneur. Die Angestellte sucht im dicken Ordner nach der passenden Marke, klebt sie aufs Couvert und sagt: «85 Rappen.» Sie nimmt das Geld entgegen, klaubt das Rückgeld aus der Kasse. Eineinhalb Minuten dauert das Prozedere. Was denn mit den Markenautomaten passiert sei, will der Webflaneur schliesslich noch wissen. Diese würden entfernt, sagt die Postmitarbeiterin. «Denn sie rechnen sich nicht.»

Dieses verquere Effizienzstreben tue er sich nie mehr an, sagt sich der Webflaneur. Als er das nächste Mal einen Brief verschicken muss, loggt er sich auf der Post-Website ein und gestaltet eine Webstamp. Zugegeben: In der Zeit, die er fürs Gestalten, Bezahlen und Drucken benötigt, hätte er den Brief gleich selbst ausliefern können. Mit den paar Bogen, die er nun ausdruckt, gehts fortan aber schneller.

Trotzdem trauert der Webflaneur den Markenautomaten nach. Denn wo sonst wird er die Fünfräppler los?

Wettbewerb: Weshalb soll der Webflaneur ausgerechnet Ihnen einen Bogen Webflaneur-Webstamps zukommen lassen? Bitte begründen Sie in den Kommentaren. Der Chef des Webflaneurs wählt am 5. April die seines Erachtens beste Antwort aus.

Bauchpinseln

Webflaneur am Dienstag den 7. September 2010

Der Blogger nimmt kein Blatt vor den Mund. «Papiermedien sind von gestern», behauptet er. Schon bald werde fast nur noch im Internet gelesen. Dort aber lasse sich kein Abomodell einführen, wie das die Medienunternehmen gerne hätten; die Konkurrenz sei einfach zu gross. Die eine Lösung zur Finanzierung sei Werbung. Die andere heisse Micropayment.

«Kennst du Flattr?», fragt er. Und bevor der Webflaneur antworten kann, setzt der Blogger zu einer Erklärung an: Der Name sei ein Wortspiel aus Flatrate und flatter, dem englischen Wort für schmeicheln. Das Prinzip des Dienstes sei einfach: Man eröffne ein Konto und überweise monatlich einen selbst gewählten Betrag darauf. Stosse man beim Surfen fortan auf einen guten Artikel, klicke man auf den Flattr-Knopf daneben. Am Ende des Monats werde der einbezahlte Betrag durch die Anzahl Klicks geteilt und ausbezahlt. «Damit erhalten wirklich jene Autoren das Geld, deren Beiträge spannend waren.»

Er kenne den Dienst, unterbricht der Webflaneur den Redeschwall des Bloggers. Er bezweifle aber, ob sich mit einem freiwilligen Bezahlsystem tatsächlich genügend Geld verdienen lasse. «Im Moment wird Flattr doch bloss von idealistischen Bloggern genutzt, die sich damit gegenseitig bauchpinseln», polemisiert er. Zudem verlange der Betreiber mit 10 Prozent des Betrags eine doch recht stattliche Gebühr.

Der Blogger lässt sich nicht umstimmen. Flattr sei das bislang überzeugendste Bezahlsystem, argumentiert er. Und er schwärmt weiter, bis sich der Webflaneur fragt, ob er den Dienst nicht doch einmal testweise auf seinen Seiten einbauen sollte. Vorläufig bedankt er sich aber artig beim Blogger für die Anregung zu dieser Kolumne – natürlich einfach und bequem per Klick auf dessen Flattr-Knopf.

Die Webbrowserwahl

Webflaneur am Dienstag den 2. März 2010

Der Webflaneur hört sie bereits klagen: «Was soll dieses Fenster?», werden einige Bekannte, die mit Computern wenig am Hut haben, in den kommenden Wochen wissen wollen. Sie werden ein Fenster beschreiben, das plötzlich aufpoppt und das eine Liste mit Webbrowsern beinhaltet. Der eine oder die andere wird wohl sogar die Befürchtung äussern, Opfer eines Computervirus geworden zu sein.

Der Webflaneur wird die Fragenden beruhigen. Und er wird erklären: Microsoft habe mit Windows lange ein Fast-Monopol bei Betriebssystemen gehabt. Als der Konzern mit dem System auch gleich noch den eigenen Webbrowser – den Internet Explorer – installiert habe, sei dies den Konkurrenten sauer aufgestossen: Der Softwaregigant nutze sein Monopol aus, wetterten sie. Microsoft hingegen verteidigte den Internet Explorer als integralen Bestandteil des Systems. So wogte der Streit hin und her. Schliesslich sprachen die Wettbewerbshüter der Europäischen Union ein Machtwort. Microsoft zauberte daraufhin eine andere Lösung aus dem Hut: Der Internet Explorer bleibt vorinstalliert, die Anwender können aber auf einfache Weise auswählen, welchen Browser sie nutzen möchten. Und das werde nun gemacht, wird der Webflaneur sagen: Wer Windows XP, Vista oder ein Windows 7 installiert habe, erhalte nach einem Update eine Liste mit 12 zufällig angeordneten Browsern angezeigt – vom Internet Explorer über die Konkurrenten Firefox, Opera, Safari und Chrome bis zu unbekannter Surfsoftware wie Flock, Flash Peak und dem Green Browser. Ein Klick auf das Symbol, schon werde der Webbrowser der Wahl automatisch installiert.

So wird es der Webflaneur den verunsicherten Bekannten erklären. Oder er wird ihnen diesen Text schicken.

Aufgebretzelter Browser

Webflaneur am Freitag den 13. November 2009

Sie legt den Laptop auf ihren Schoss. Dann klickt sie auf das Symbol mit dem runden, blauen e. Der Webflaneur, der neben ihr auf dem Sofa sitzt, ist gespannt: Wie sieht er aus, der Frauen-Webbrowser, den die Zeitschrift «Annabelle» mit Microsoft entwickelt hat? Wurde der Browser in ein hübsches Kleidchen gesteckt, um ihn optisch zur «Internet-Explorerin» aufzubretzeln? Hat diese abgerundete Fensterecken und sanft fliessende Menüs? Hat Microsoft alles nicht Nötige – auf das vorab funktionsbesessene Männer bestehen – aus den Leisten und Menüs gekippt? Konnte in empirischen Studien gar gezeigt werden, dass Frauen anders surfen als Männer – also einer Benutzerinnenoberfläche bedürfen?

«Und jetzt?», holt sie den Webflaneur jäh aus den Tagträumen zurück. «Was ist anders?» Auf den ersten Blick unterscheidet sich die «Internet-Explorerin» kaum vom normalen Browser. Erst auf den zweiten Blick entdecken die beiden drei dynamische Lesezeichen – in männlicher Terminologie Webslices genannt: Sie verlinken zu einer «Annabelle»-Kolumne, zum Horoskop und «Schnäppchen der Woche». In den Lesezeichen finden sich weitere Links, gruppiert in Bereiche wie News, Shopping, Kochen und Männersachen. Darunter sind nebst Links zu Shoppingseiten auch Verweise auf «Annabelle»- und Microsoft.

Sie schüttelt den Kopf. Damit würden Frauen für blöd verkauft, sagt sie. Und der Webflaneur sinniert, dass sich die automatische, mit zwei Neustarts aber aufwändige Installation nicht gelohnt habe. Ausser für «Annabelle» und Microsoft: Die Medien berichten über den Frauen-Webbrowser. Und dank des Browser-Gags hat die eine oder andere Frau endlich den alten Internet-Explorer – der Graus der Webentwickler – durch den aktuellen ersetzt.

Die Stempeluhr

Webflaneur am Dienstag den 10. Februar 2009

Die ersten Wochen des Jahres sind wie im Nu verflogen. Nun hält der Webflaneur kurz inne. Er kramt die Vorsätze nochmals hervor, die er sich zum Jahreswechsel genommen hat. Effizienter wolle er werden, hat er sich damals gesagt, und die Zeit besser in den Griff kriegen. Er lässt die letzten paar Wochen Revue passieren. Doch, doch, er hat sich wacker geschlagen: Er war bienenfleissig, hat die eine und andere Pendenz abgetragen. Doch halt, er hatte auch Hänger. Und übers Ganze gesehen: Hat er erfüllt? Der Webflaneur zögert. Vielleicht müsste er Buch führen. Genau: Er braucht eine Stempeluhr! Der Webflaneur macht sich auf die Suche.

Er stösst zuerst auf den Online-Dienst Clocking it. Damit behielte er den Überblick selbst in Grossprojekten. Er sucht weiter. Er könnte – für einige Franken monatlich – ein Abo bei Mite lösen, bei Timicx, Tickspot oder Zep. Hätte er ein Unternehmen und möchte den Mitstreitern eine Zeiterfassung anbieten, installierte er wohl Kimai auf dem Zentralrechner, Open Time Tool oder  Time Edition. Für ihn alleine macht das aber keinen Sinn. Für ihn tut es etwas Einfacheres. Wie wäre es mit dem Slimtimer? Das Motto zumindest tönt viel versprechend: «Make love not timesheets.» Doch der Webflaneur zaudert. Was, wenn er beim Arbeiten ausnahmsweise mal nicht online ist? Ein Programm an Stelle eines Webdienstes ist dann wohl praktischer. Wie wäre es mit Paymo oder Klok? Auch die Java-Programme Rachota und Baralga sehen praktisch aus – und sie laufen auf allen Betriebssystemen.

Die Programme und Webdienste können alle, was der Webflaneur sucht: Sie stoppen, wie lange er an einem Projekt arbeitet, und spucken Ende Monat eine Abrechnung aus. Der Webflaneur sitzt vor dem Computer, sinniert und probiert aus.  Bis er schliesslich merkt: Ihm rennt wieder mal die Zeit davon.  

Aber etwas Besonderes soll es sein…

Webflaneur am Freitag den 21. November 2008

Dieses Mal kauft er früh ein, hetzt nicht mehr in letzter Minute den Weihnachtsgeschenken nach. Das hat sich der Webflaneur fest vorgenommen. Eines regnerischen Novemberabends setzt er sich deshalb an den Computer, um auf Online-Einkaufstour zu gehen. Etwas Besonderes soll das Geschenk sein, kein Produkt ab Stange.

«Wie wäre es mit einem Kalender aus eigenen Fotos?», brabbelt er vor sich hin. Doch er lässt den Gedanken gleich wieder fallen. Seit jedes Fotolabor solche im Angebot hat, wissen die lieben Verwandten kaum noch wohin mit all den Kalendern. Und vielleicht sollte er sich nach all den vergangenen «Kalenderjahren» mal etwas Neues ausdenken. «Ein Fotobuch?» Er schüttelt energisch den Kopf. Das Werk drohte bloss im Regal zu verstauben. «Eine Tasse mit Familienbild?» Nein, die Verwandten haben genügend Tassen im Schrank.  «Aus dem Kollektivgeschenk wird wohl nichts», sagt sich der Webflaneur. Und er sucht für alle einzeln etwas.

Dem Vater, der auch mal T-Shirts mit Namen von Tourismusdestinationen spazieren führt, könnte er bei Homeshirt.ch ein trendiges Teil mit dem Namen seines Dörfchens drucken lassen. Und wie wäre es mit einem Kalender von Name4you.ch für die Mutter  – mit Fotos, auf denen ihr Name zu finden ist? Ach nein, einen solchen hat sie schon. Seinem Bruder, der nun selbstständig und viel unterwegs ist, könnte er – mit dem Hinweis, nun müsse er den Gürtel etwas enger schnallen – einen nostalgischen Gurt schenken: Jene von Streetbelt.ch schnallt man sich mit Von-Roll-Hydranten-Nummernplättchen um. Apropos: Er könnte ihm auch bei My-belt.de einen individualisierten Gürtel zusammenklicken oder ihm von Selina von Bellty.ch ein Unikat fabrizieren lassen. Doch halt: Hat er ihm nicht schon letztes Jahr einen Gurt geschenkt? Dann vorerst weiter: Seiner grossen, kleinen Schwester könnte er eine Tasche schenken. Soll er es mit dem Klassiker von Freitag.ch versuchen, bei dem er den Ausschnitt der Lastwagenplache, aus dem die Tasche geschneidert werden soll, selbst bestimmen kann? Oder ist Freitag – weil so populär – schon altväterlich? Soll er bei Nike.com selbst gestaltete Schuhe bestellen? Auch das sei keine gute Idee, denkt er, bemalt die Schwester ihre Schuhe doch mit Vorliebe selbst. Und die andere Schwester, die nun einen eigenen Haushalt führt? Er könnte ihr bei Mymuesli.ch eine grosse Tüte einer individuellen Flockenmischung bestellen. Als er so sinniert, hört er plötzlich, wie seine Schwester anmerkt: «Aber ohne Dörrfrüchte!» Der Webflaneur zuckt zusammen. «Du liest mit?», fragt er erschrocken. Und er lässt die Kolumne sofort und sehr abrupt enden.

Bloss keine Bugs im Bett

Webflaneur am Mittwoch den 18. Juni 2008

Der Platz im Zug ist gebucht. Doch wo soll der Webflaneur logieren? Er klickt sich durch die Hotelannoncen aus der fremden Stadt. Doch er kann sich nicht entscheiden: Auf den Fotos sehen die Hotels fast alle einladend aus, und die meisten Beschreibungen sind verheissungsvoll. Doch der Webflaneur möchte genau wissen, wohin die Reise führt: Wie ist es im Hotel wirklich? Hält es, was die Annonce verspricht?

«Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen», rezitiert der Webflaneur Matthias Claudius und macht sich auf die Suche nach Hotelbewertungen.  Er guckt bei Holidaycheck vorbei, einer ehemals kleinen Schweizer Website, die zum grossen Meinungsportal mit vielen Ablegern sowie zum Reiseanbieter geworden und von einem internationalen Verlag übernommen worden ist. Er klickt sich dann durch die Bewertungen auf der Website Tripadvisor, die dem US-Reiseanbieter Expedia gehört. Er liest die Kommentare auf dem italienischen Portal Venere. Schliesslich macht er Abstecher zu Websites wie Cooleferien, Holidayranking, Hotelbewertung, Trivago und Votello.

Eine Stunde lang guckt der Webflaneur Fotos an, liest die Annoncen der Hotelbetreiber und die Kritiken ehemaliger Gäste. Doch es ist zum Verzweifeln: Immer, wenn er ein hoch gelobtes Hotel buchen will, springt ihm  ein gehässiger Kommentar über «diese hinterletzte Absteige» ins Auge: Jemand frotzelt über die dreckige Dusche. Jemand beklagt sich, nach einem Mahl mal Durchfall gehabt zu haben. Jemand mokiert sich über «Bugs» im Bett.  
Der Webflaneur kratzt sich am Hinterkopf. Er fragt sich, ob da wohl der eine oder andere  Hotelmanager beziehungsweise der eine oder andere Konkurrent in die Tasten gegriffen hat. Schliesslich schaut er grosszügig über die schlimmsten Ausreisser hinweg und schenkt der Masse Glauben. Und so klappt es doch noch mit der Buchung. Während der Webflaneur die Kreditkarte zückt, beschliesst er: Er wird eine seriöse Bewertung mit ausführlichem Kommentar veröffentlichen. Aber jetzt gehts erst mal ab in die Ferien.

Gerüstet für die Euro

Webflaneur am Mittwoch den 4. Juni 2008

Auf diesen Moment schien er gewartet zu haben: Als die Diskussion der munteren Gesprächsrunde auf die Euro 08 kommt, zückt der Apfelfan das Handy, hält es triumphierend hoch und ruft: «Damit bleibe ich am Ball.» Er fingert auf dem Display herum. Das Uefa-Logo erscheint. «Von Spielständen bis Statistiken – mit dem Euro-2008-App bin ich auf dem neusten Stand», sagt er. Und mit aufgesetzt mitleidigem Lächeln in Richtung Webflaneur fügt er an: «Sorry, aber das läuft nur auf iPhones.»

Der Webflaneur, dem die Apfel- und Fussballmanie der Kollegen auf die Nerven geht, kontert: Ein ähnliches Programm gebe es auch für Handys, die unter Symbian oder Windows-Mobile laufen. (Dass  EM Mobil 2008 einige Euro kostet, verschweigt er geflissentlich.) Zudem könne man sich auch über Uefas Handy-Website, einen Sport-SMS-Dienst oder per Computer auf dem Laufenden halten. Apropos PC, fährt er fort, am besten trage man die Matchs gleich in die digitale Agenda ein. Dazu brauche man lediglich eine Termindatei zu importieren oder einen Onlinekalender zu abonnieren. Im Netz finde man übrigens alles Wichtige zur Euro. Etwa bei den Geo-Diensten: Wer wissen wolle, wo die Grossleinwände stehen, surfe bei Map-Search vorbei. Bei  Local sehe man zudem, wo Partys abgehen. Und wer Stadien erkunden will, fliege per Google Earth durch die 3D-Modelle. Aber zurück zum PC: Dieser könne Zweikämpfe um die Fernbedienung verhindern – wenn darauf die TV-Software Zattoo installiert werde. Sollte man trotz Euro eines Abends arbeiten müssen, lasse man sich von Footifox oder dem EM-2008-Widget auf dem Laufenden halten.  Wer noch auf die Schnelle ein Wettspiel organisieren wolle, schnappe sich die Excel-Vorlage von Hexceler oder installiert die Skripte von Goalkick. Mit den Vorlagen von Excely und von Office-Lösung wiederum führe man selbst Buch übers Turnier. Die Zeit bis zum Anpfiff schliesslich, fährt der Webflaneur ohne abzusetzen fort, vertreibe man sich etwa mit einem Spiel in der  Fussball-Challenge oder mit dem Eurokicker.

«Das hast du alles installiert und ausprobiert?», unterbricht ihn ein Kollege erstaunt. Nein, sagt der Webflaneur. «Wenn wir jetzt aber nicht sofort das Thema wechseln, installiere ich den  No-Euro-Countdown – eine Firefox-Erweiterung, die die Tage bis zum Ende der Euro zählt.»

Blauer Abend im Krankenbett

Webflaneur am Mittwoch den 13. Februar 2008

Sie war zu stark für ihn: Ein kurzes Gefecht – schon hatte sie seine Abwehrkräfte übermannt. Dann hat sie ihn flachgelegt. Und da liegt der Webflaneur nun mit seiner Erkältung. Der Kopf schmerzt. Tief und dunkel hängen die Tränensäcke. Die Nase läuft. Wie er so im Bett liegt mit seiner Erkältung, kommt sie herein und bringt einen Krug Tee. Sie schüttelt den Kopf. Nein, aus dem Kinobesuch werde nichts, sagt sie. Schade, sie habe sich darauf gefreut. Der Webflaneur schnäuzt sich.

«Wie wärs mit Heimkino auf dem Laptop?», fragt sie nun. Sie habe gerade gelesen, dass Apple eine Online-Videothek eröffnet habe. «Erst in den Staaten», wiegelt der Webflaneur mit heiserer Stimme ab. «Schade», sagt sie. «Es gibt auch andere Anbieter», sagt er. «Willst du einen Film aussuchen?» Sie nickt, eilt davon und kommt mit seinem Notebook zurück. Nein, sagt er, er brauche ihre Windows-Maschine, denn fast alle Verleiher lieferten Filme mit rigorosen Kopiersperren, die nur mit dem Media Player abgespielt werden könnten. «Kein Problem», sagt sie, eilt erneut davon, kommt  mit ihrem Notebook zurück und schlüpft unter die Bettdecke.

Zuerst schauen sie bei Pactevod.sf.tv vorbei, wo das Schweizer Fernsehen einheimische Filme verkauft. «Wie wäre es mit ‹Achtung, fertig, Charlie› für 24 Stunden zu 6 Franken?», fragt der Webflaneur. «Bist du krank?», fragt sie. Sie besuchen One4movie.de. Sie gucken sich Anixehd.tv und One4dvd.de an, wo Filme sowohl für 24 Stunden gemietet wie auch dauerhaft gekauft werden können, einige davon sogar in hoher Auflösung. Schliesslich entscheiden sie sich für In2movies.ch. Sie installieren das etwas sperrige Programm ab der Website, klicken sich durch die Beschreibungen einiger der 2200 Filme und TV-Episoden im Shop. Es springt ihnen gerade nichts ins Auge. Die meisten Filme kosten Fr. 10.95 oder Fr. 19.95; bloss wenige lassen sich für Fr. 4.95 einen Tag lang mieten. Zwanzig Franken sei viel Geld für einen billigen Streifen, sagt der Webflaneur. Elf Franken für dieses Opus finde sie hingegen voll in Ordnung, sagt sie und deutet auf einen Filmtitel. Und so kaufen sie schliesslich Kieslowskis Film «Bleu» mit Juliette Binoche. Und der passt irgendwie gut zu diesem Abend im Krankenbett.