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Webflaneur

Spaziergänge im World Wide Web

Webflaneur am Mittwoch den 9. August 2006

Pickel überpinseln, Touristen vertreiben

Screenshot Snapmania.com

Heute Abend nehme er es gemütlich, sagt der Turnschuhfotograf: keine Party-People fotografieren, keine Bands in Szene setzen, keine Models ins rechte Licht rücken. Die Kamera habe er trotzdem dabei, frotzelt der Berner Zeitungsblogger. Klar, denn man wisse nie, wer einem vor die Linse stolpere, kontert der Partyfotograf. Er stellt die Tasche auf den Bistrottisch, packt die Kamera aus. «Eine schöne Maschine», sagt er und rattert in Serienschussgeschwindigkeit Technisches herunter. «Eine schöne Maschine», pflichtet ihm der Zeitungsblogger bei. Apropos, sagt er dann: «Wie kriegt man es hin, dass die bunten Birnen im Partyschuppen zeichnen, ohne dass diejenigen im Vordergrund käsig werden?» Der Fotograf erklärt es. Und er verrät auch, warum Abgelichtete selbst nach nächtelangem Feiern weder glänzende Haut noch gerötete Augen haben, geschweige denn Pickel. Bis am frühen Morgen haben die beiden schliesslich gefachsimpelt. Und der Zeitungsblogger hat sich dabei mit dem Fotografierfieber infiziert.

Zur nächsten Geburtstagsfeier nimmt der Zeitungsblogger seinen Apparat mit – eine Rollfilmkamera zwar, denn eine ähnlich gute digitale ist ihm noch zu teuer. Während nach der Feier in einem Labor jemand die Bilder auf CD brennt, installiert er schon mal Googles Picasa. Darin ordnet, beschriftet und korrigiert er die Fotos. Einige bearbeitet und schneidet er im kostenlosen Fotoshop-Pendant Gimp oder mit Neximage, der Bildverarbeitung für den Webbrowser. Schliesslich kümmert er sich noch um diese leidige Sache mit den Touristen, die ihm immer wieder zwischen Linse und Monument getrampelt sind. Mit dem Tourist Remover vertreibt er sie definitiv: Dazu speist er all die Fotos ein, die er vom Monument gemacht hat. Schon errechnet der Computer eine touristenfreie Version.

Die Bilder sind bereit. Was aber stellt er nun damit an? Er könnte sie – wie ein richtiger Party-Fotograf – ins Netz stellen, etwa auf eine Fotoplattform wie Flickr, Heypix, Ourpictures, Hello und Slide. Er könnte versuchen, die Fotos zu verkaufen. Er könnte die schönsten vergrössern lassen. Oder er könnte die besten in einem Fotobuch vereinen – pickelbereigt und entglänzt wie jene des Turnschuhfotografen.

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