Webflaneur

Spaziergänge im World Wide Web

Webflaneur am Dienstag den 31. August 2010

Die Musiksammlung

Der Musikfreak guckt ihn triumphierend an. Sein iPod sei prall gefüllt, prahlt er. Und immerhin biete das Gerätchen Platz für 40000 Songs, fügt er an, während er es liebevoll streichelt. Doch der Webflaneur hat kein Musikgehör. Ihn nervt die Angeberei. Er werde dem Freak die Freude vergällen, beschliesst er.

Er brummelt: «40000? Immerhin.» Dann legt er nach: Wobei – seine Sammlung umfasse bald 6 Millionen Songs. «Und darunter ist keine einzige Raubkopie.» Der Freak schaut ihn mit grossen Augen an. Er stammelt: «6 Millionen?» – «Ja», sagt der Webflaneur. Er habe den brandneuen Dienst Simfy.ch abonniert, betrieben von einem Kölner Start-up. Für 15 Franken pro Monat erhalte er Zugriff auf eine riesige Musikdatenbank. «Das ist etwas ganz anderes», höhnt der Musikfreak. «Ich will schliesslich nicht am Computer Musik hören!» Das müsse er auch nicht, kontert der Webflaneur. Dank den Smartphone-Apps von Simfy könne er überall Musik hören. «Aber sicher nicht im Flugzeug oder im Ausland, wenn man besser offline ist», wendet der Freak ein. «Auch dann», sagt der Webflaneur – vorausgesetzt er lade die Songs seiner Wiedergabeliste vorher herunter. Für ihn stehe die Qualität vor der Quantität, sagt nun der Musikfreak. Der Webflaneur antwortet: «128 bis 192 Kilobit pro Sekunde.» Und mit Genugtuung stellt er fest, wie dem Musikfreak die Argumente ausgehen. «Aber 15 Franken», sagt er noch. Er finde das nicht viel für unlimitierten Musikgenuss, fällt ihm der Webflaneur ins Wort. «Apropos: Wenn du dich nicht an der Werbung störst, kannst du bei Simfy auch kostenlos Musik hören.»

Der Musikfreak zieht etwas geknickt mit seinen 40000 Songs von dannen. Der Webflaneur wartet, bis er verschwunden ist. Dann geht er in den nächsten Laden. Denn die neuen Songs seiner Lieblingsband – die kauft er doch lieber als dass er sie mietet.

Webflaneur am Dienstag den 10. August 2010

Ein Blumenkübel geht um die Welt

Nein, der Webflaneur hat nichts Lustiges gesagt. Sein Satz war weder überraschend noch zweideutig. Trotzdem prustete die Runde los, wie auf Kommando. Der Webflaneur begreift erst nach und nach: Es war das eine Wort. Er hätte es nicht benutzen dürfen, nicht hier, nicht heute. Das Wort war: Blumenkübel.

Bis er das begriff, brauchte es einige Erklärungen. Diese kamen vom Kollegen vis-à-vis: Als die Lachwelle verebbt war, fragte er den ganz perplexen Webflaneur: «Hast du die Sache mit dem Blumenkübel auf Twitter nicht mitbekommen?» – «Welcher Kübel?», fragte dieser. Er habe sich in den zwei letzten Tagen abgeschottet, die Arbeit habe gedrängt. Dann brauche er ein Update, sagte der Kollege.

Also: Vor einem Altersheim in Neuenkirchen in Deutschland sei in der Nacht – wohl bei einem Saubannerzug – ein Blumentopf in die Brüche gegangen. Eine Praktikantin der «Münsterschen Zeitung» habe eine Meldung dazu verfasst. Tags darauf sei plötzlich der #Blumenkübel-Sturm durch Twitter gefegt: Die Kunde vom Kübel verbreite sich rasant. Bald schon in abenteuerlichen Variationen: Eine Beteiligung der Al-Qaida könne nicht ausgeschlossen werden, habe einer geschrieben. BP habe das Ölleck mit einem Blumenkübel abgedichtet, habe ein anderer kolportiert. Und ein weiterer habe SPD-Chef Brandt zitiert: «Jetzt muss zusammenwachsen, was zusammengehört.» Bald darauf seien auf Youtube die ersten Videos aufgetaucht: eine dramatisierte Blumenkübel-Lesung etwa, ein «Bekennervideo» der Vandalen und – wie seit dem «Maschendrahtzaun» und «Coup de Boule» üblich – gleich ein Lied dazu. «Das alles hast du in zwei Tagen Netzabstinenz verpasst!»

«Henusode», sagt der Webflaneur. Nun müsse er aber gehen. Er wolle wirklich noch in seinen Terrassengarten – ja, wegen des umgefallen Kübels. Zum Abschied sagt er mit theatralisch erhobenem Zeigefinger: «Wenn ihr mich das nächste Mal so auslacht, dann vertopfe ich euch.»

Webflaneur am Dienstag den 27. Juli 2010

Arbeitslos

«Der Redaktor wird überflüssig», behauptet der Blogger. In Zukunft brauche es keine teuren Arbeitskräfte mehr, um Meldungen zu einer Zeitung oder einem Magazin zusammenzustellen. Der Webflaneur schluckt leer. Dann aber schüttelt er energisch den Kopf. In einer Zeit, in der die Menschheit von einer Informationswelle überrollt werde, brauche es sie mehr denn je: die Redaktorinnen und Redaktoren, die die Flut zu kanalisieren wüssten, die mit Blick auf ihre Leserinnen und Leser gezielt Informationen auswählten, diese gewichteten und aufbereiteten.

«Du verkennst das Potenzial des Empfehlungswebs», kontert nun der Blogger. Er packt sein iPad aus. «Guck dir diese App an», sagt er und tippt auf das mit Flipboard beschriftete Symbol. Auf dem Bildschirm öffnet sich ein Magazin – nicht ganz so elegant wie ein gedrucktes, aber durchaus ansprechend mit all den Bildern, den Kurzanrissen, der schlichten Gestaltung. Dieses Magazin beschäftige keine Redaktoren, sagt er. Es werde von seinen Freunden gemacht: «Empfehlen sie auf Facebook und Twitter Artikel weiter, werden diese in mein eigenes Magazin aufgenommen.»

Diese Idee sei nicht wirklich neu, so der Webflaneur. Ähnliches habe er bereits bei diversen Webdiensten gesehen – bei Twittertim.es etwa, bei Meehive.com, Yourversion.com und Thoora.com. «Aber Hand aufs Herz: So etwas kann eine professionell gestaltete Zeitung nicht ersetzen.» Der Blogger ist dezidiert anderer Meinung. Und als der Webflaneur etwas länger mit der wirklich eleganten Flipboard-Applikation herumspielt, wird er plötzlich etwas unsicher. Hat der Blogger längerfristig vielleicht sogar recht?

Diskutieren Sie mit! Der Webflaneur freut sich über Kommentare und vor allem Empfehlungen. (Denn auch er will mal in dieses Flipboard.)

Webflaneur am Dienstag den 13. Juli 2010

Spielen mit Larry

Indiana Jones hat er regelrecht durchgepeitscht: Der Webflaneur war nicht vom Monitor wegzulocken, bis er alle Rätsel gelöst hatte. Kurz darauf entdeckte er den bereits etwas älteren Larry Laffer. Doch mit ihm wurde der Webflaneur nicht warm: Das Kultspiel war bloss auf Englisch greifbar. Und was Larry tun sollte, musste man ihm per Textkommando mitteilen. Zudem bediente sich Larry einer doppeldeutigen, schlüpfrigen Sprache. Und dieser war der Webflaneur, der erst gerade seine ersten Englischlektionen erhalten hatte, nicht mächtig. Der jugendliche Webflaneur war vom Spiel hin- und hergerissen: Die Eskapaden des Schürzenjägers faszinierten ihn, genierten ihn aber zugleich. Und selbst wenn er sich anstrengte: Mehr als einen – artig zensierten – Akt vermochte er aus den Figürchen nicht herauszukitzeln.

Nun kriegt der Webflaneur eine zweite Chance: Ein holländischer Programmierer hat den guten alten Larry Laffer auf Sarien.net zu neuem Leben erweckt – direkt spielbar im Browser. Auch andere Klassiker der Spielschmiede aus den 1980er-Jahren sind dort zu finden: Nochmals arbeitet man sich etwa in «Police Quest» vom Polizisten zum Drogenfahnder hoch. Und nochmals düst man in «Space Quest» mit schrägem Humor durchs All. Schade bloss, dass die Games noch nicht ganz stabil laufen und der Sound fehlt. Wobei: Das damalige Piepsen tönt wohl nur in der Erinnerung gut.

Der Webflaneur macht sich also mit Larry auf die Jagd. Und er staunt, wie die Zeit vergangen ist. Die pixeligen Grafiken, die triviale Steuerung: Sie standen damals für neue Höhepunkte in der Game-Geschichte. Zuvor hatten Abenteuerspiele aus Text mit einzelnen Bildchen bestanden. Larry und Co. hingegen konnte man frei durch die Pixelwelt steuern. Das begeisterte Spieler der ersten Stunde. Zumindest bis Lucasarts Sierra überrundete. Etwa mit Indiana Jones – mit dem der Webflaneur mit noch mehr Leidenschaft gespielt hat als mit Larry.

Webflaneur am Dienstag den 29. Juni 2010

Schnellstart

Sie sei nicht allein. So versucht der Webflaneur sie zu trösten. Bereits viele Leute hätten ihm geklagt, dass ihre Computer lange brauchen, bis sie auf Touren kommen, erzählt er. Er habe jeweils geraten, nicht zu viele Miniprogramme automatisch starten zu lassen. Sie hätten ihn daraufhin gefragt, welche sie entfernen dürften und wie man das mache. Das müsste man im Einzelfall prüfen, habe er geantwortet. Viele hätten sich dann wohl oder übel mit der langen Startdauer arrangiert – und schalteten bis heute nach dem Knopfdruck eine Kaffeepause ein.

«Henusode», sagt sie, während sie den Knopf ihres Notebooks drückt. «Ich mache mir mal eine Tasse Kaffee.» – «Warte», sagt nun der Webflaneur. Er habe etwas ganz Neues entdeckt. Wenn sie ihm eine Tasse Kaffee bringe, helfe er ihrem Windows auf die Sprünge. Sie willigt ein.

Der Webflaneur lädt den Startbeschleuniger von Soluto herunter. Die Installation dauert volle zwei Kaffeetassen lang. Dann verlangt das Programm nach einem Neustart. «Nicht schon wieder Kaffee», ruft sie aus. Nach dem Start präsentiert das Programm eine Zeitstatistik. Und es trumpft mit Lösungsvorschlägen auf. Werde auf den Java-Schnellstarter verzichtet, gewinne man 19 Sekunden. Dieser sei nicht nötig, Probleme nach dem Entfernen seien keine bekannt. Ein Klick, und weg ist er! Der Schnellstarter für iTunes muss ebenso dran glauben wie der Google-Helper (je eine Sekunde) und zahlreiche weitere Miniprogramme. Und das rechnet sich wirklich: Als der Webflaneur den Computer nach den ersten Änderungen neu startet, braucht dieser bereits einen Drittel weniger lange. Mit gespielt tiefem Bedauern sagt sie nun: «Sorry, das reicht in Zukunft wohl nicht mehr für den Kaffee.»

Webflaneur am Dienstag den 1. Juni 2010

Der verlorene Freund

Gestern hat der Webflaneur einen Freund verloren. Vielleicht waren es sogar mehrere. Von einem aber weiss er es genau. Dieser hat ihm die Freundschaft mündlich aufgekündigt, als er ihn per Zufall auf seinem Arbeitsweg der Aare entlang angetroffen hat.

Der Freund hat ihm tief in die Augen geschaut. Dann hat er unvermittelt gesagt, es sei vorbei mit der Freundschaft. Der Webflaneur zuckte zusammen. Was los sei, wollte er fragen, und ob er etwas falsch gemacht habe. Doch da fuhr der (Ex-)Freund bereits fort: Er gedenke heute, am Quit Facebook Day, sein Konto zu löschen – und damit alle Freundschaftsverbindungen. Der Webflaneur atmete auf. Weshalb, fragte er. Facebook fehle jeglicher Respekt vor privaten Daten, polterte der Freund. Und ausufernd führte er aus, was Facebook-Chef Mark Zuckerberg in den letzten Monaten alles im Schild geführt haben soll und wo er erst auf grossen öffentlichen Druck hin wieder zurückgekrebst sei. Deshalb hätten sich 29000 Facebook-Nutzer – darunter auch er – entschlossen, ihre Kontos zu löschen.

Der Webflaneur, der ihm schweigend zugehört hatte, wendete ein, dass sich die Nutzer selbst darum kümmern müssten, welche Daten sie auf Facebook wem zur Verfügung stellten. Das schaffe ein normaler Anwender nicht innert nützlicher Frist, kritisierte der Freund. Der Webflaneur konterte: Immerhin habe Zuckerberg jüngst versprochen, dass diese – zugegebenermassen etwas komplizierten – Einstellungen vereinfacht würden. Der Freund schüttelte den Kopf. Zuckerberg krebse bloss einmal mehr zurück – um gleich die nächste Offensive auf seine Privatsphäre zu starten. Bis sich etwas ändere, fliesse noch sehr viel Wasser die Aare hinunter.

Webflaneur am Mittwoch den 5. Mai 2010

Ganz voll

Die Festplatte des Notebooks rotierte auf Hochtouren. Und trotzdem arbeitete es langsamer denn je: Nach jedem Tastendruck und jedem Mausklick vergingen lange, bange Sekunden ohne jegliche Reaktion. Dem Webflaneur schwante Böses: Er hatte sich doch hoffentlich kein Virus eingefangen! Sofort machte er sich auf die Jagd nach dem Übeltäter. Bald stellte er fest: Es war kein Virus, das den Rechner blockierte. Dieser kämpfte damit, dass die Festplatte übervoll war.

Der Webflaneur liess alles liegen. Denn er wusste: Eine volle Festplatte bremst Computer nicht nur aus, sondern kann mitunter zum Absturz und Datenverlust führen. Er tat, was er in solchen Situationen immer tut: den Abfalleimer packen und schwungvoll leeren. Zudem liess er die Software zur Datenträgerbereinigung alles Unnötige über Bord kippen.

Der Computer rechnete nun wieder flotter. Doch der freie Speicherplatz war noch immer knapp. Der Webflaneur durchsuchte die Festplatte nach fetten Files. Er stiess auf einen Stapel gigantisch grosser Fotos sowie auf besonders platzfressende Video- und Tonaufnahmen. Löschen wollte er diese nicht. Aber er könnte sie in ein platzsparenderes Format umwandeln. Es gibt viele kostenpflichtige und einige kostenlose Software zum Konvertieren von Bild- und Tondateien. Viel brauche er zum Konvertieren nicht, sinnierte der Webflaneur. Für Fotos genüge ein einfaches Image Magick. Für die Ton- und Videodateien setze er auf Ffmpeg beziehungsweise WinFF.

Einige wenige Klicks – schon konvertierte der Computer die Dateien stapelweise in platzsparendere Formate. Und das rechnete sich: Bald war auf der Festplatte wieder gigabyteweise Speicher frei. So geht das.

Webflaneur am Dienstag den 27. April 2010

Das Upgrade

Sie lese vor dem Schlafengehen noch einige Seiten, sagt sie. Er müsse noch etwas ausharren, sagt der Webflaneur. Der Computer aktualisiere gerade sein Betriebssystem. Und dabei dürfe man ihn unter keinen Umständen unterbrechen. «Warum muss das spätabends sein?», fragt sie im Weggehen. Die Antwort ist einfach: Der Webflaneur kann nicht länger warten. Er will wissen, was das neue Ubuntu-Linux bringt – und zwar sofort, auch wenn die «Lucid Lynx» oder «klarer Luchs» genannte Version erst am Donnerstag in die freie Wildbahn entlassen wird. Und warum nicht abends? System-Upgrades sind bei Linux keine grosse Sache.

Etwas später ist die Aktualisierung abgeschlossen. Der Computer startet neu. Der Webflaneur packt sein Notebook und flätzt sich zu ihr aufs Sofa. Sie blättert in einer Modezeitschrift. Der grosse Moment sei gekommen, sagt er: Das sei das brandneue Ubuntu. Sie wirft einen flüchtigen Blick auf den Monitor. Was daran anders sei, fragt sie. «Vieles», sagt er. Zum einen sei das System optisch überarbeitet worden. «Das in Brauntönen gehaltene Kleid wurde abgestreift. Neue Modefarbe ist Aubergine.» Auch die Symbole seien eleganter. «Seit wann legst du Wert auf Äusserlichkeiten?», fragt sie. Wichtiger seien natürlich die neuen Funktionen, fährt der Webflaneur fort: So sei im aktuellen Ubuntu ein Musikshop, in dem die internationalen Hits zu finden seien, direkt eingebunden. Gekaufte Songs würden übrigens, wie auch die Adressdaten, als Sicherheitskopie auf einem Server abgelegt. Dank besserer Integration ins Menü behalte man zudem den Überblick über die Chats und die Statusmeldungen aus Twitter, Facebook und Co. Noch wichtiger seien indes die vielen Änderungen unter der Haube.

«Und wenn dieses Ubuntu doch etwas nicht kann?», fragt sie. «Dann kanns sicher die nächste Version, die in einem halben Jahr erscheint», sagt der Webflaneur und grinst. «Ich mag schon fast nicht mehr warten.»

Webflaneur am Freitag den 16. April 2010

Fingerübungen auf der Kommandozeile

Schauen Sie, wie der Webflaneur auf der Kommandozeile herumturnt! Er füttert dem Rechner kryptische Befehle – weiss auf schwarz. Sobald er Enter drückt, jagt dieser als Antwort seitenweise Buchstaben über den Bildschirm. Der Webflaneur nickt zufrieden oder schüttelt den Kopf. Schon tippt er den nächsten Befehl ein. Woran er arbeitet? Keine Ahnung, aber es muss kompliziert und wichtig sein. Beim Zugucken wird sofort klar: Der Webflaneur ist ein Computercrack.

Doch halt: Ist die Kommandozeile nicht ein Relikt aus jener Zeit, als das Betriebssystem einem noch kein Fenster zum bequemen Klicken öffnete? Ganz und gar nicht, finden die Freunde des Webflaneurs, die wirklich etwas von der Computerei verstehen. Sie schwören auf die Kommandozeile, die Konsole, das Terminal. Damit seien sie schneller und könnten mehr machen als über Klickibunti-Oberflächen, sagen sie. Tatsächlich stockt dem Webflaneur fast der Atem, wenn er den Freunden bei ihrer rasanten Konsolenarbeit zuschaut. Und so hat er es schliesslich selbst probiert.

Dabei hat er festgestellt, dass die Konsole oft praktisch ist. Neulich musste er Bilder drehen, die ein Scanner verkehrt eingelesen hatte. Dazu brauchte er keine teure Software, sondern nur den richtigen Befehl auf der Konsole. Seither versucht er es mit der Kommandozeile, wenn er mit der grafischen Oberfläche nicht ans Ziel kommt. Und: Wenn er jemanden beeindrucken will.

Der Webflaneur rät deshalb: Lernen Sie vier, fünf der Befehle auswendig, die Sie in Online-Listen finden. Und benutzen Sie diese, wann immer Sie jemanden tief beeindrucken wollen. Aber Achtung: Lassen Sie die Konsole besser Konsole sein, wenn die Zuschauer etwas von der Computerei verstehen. Unter uns: So macht es auch der Webflaneur.

Webflaneur am Dienstag den 2. März 2010

Die Webbrowserwahl

Der Webflaneur hört sie bereits klagen: «Was soll dieses Fenster?», werden einige Bekannte, die mit Computern wenig am Hut haben, in den kommenden Wochen wissen wollen. Sie werden ein Fenster beschreiben, das plötzlich aufpoppt und das eine Liste mit Webbrowsern beinhaltet. Der eine oder die andere wird wohl sogar die Befürchtung äussern, Opfer eines Computervirus geworden zu sein.

Der Webflaneur wird die Fragenden beruhigen. Und er wird erklären: Microsoft habe mit Windows lange ein Fast-Monopol bei Betriebssystemen gehabt. Als der Konzern mit dem System auch gleich noch den eigenen Webbrowser – den Internet Explorer – installiert habe, sei dies den Konkurrenten sauer aufgestossen: Der Softwaregigant nutze sein Monopol aus, wetterten sie. Microsoft hingegen verteidigte den Internet Explorer als integralen Bestandteil des Systems. So wogte der Streit hin und her. Schliesslich sprachen die Wettbewerbshüter der Europäischen Union ein Machtwort. Microsoft zauberte daraufhin eine andere Lösung aus dem Hut: Der Internet Explorer bleibt vorinstalliert, die Anwender können aber auf einfache Weise auswählen, welchen Browser sie nutzen möchten. Und das werde nun gemacht, wird der Webflaneur sagen: Wer Windows XP, Vista oder ein Windows 7 installiert habe, erhalte nach einem Update eine Liste mit 12 zufällig angeordneten Browsern angezeigt – vom Internet Explorer über die Konkurrenten Firefox, Opera, Safari und Chrome bis zu unbekannter Surfsoftware wie Flock, Flash Peak und dem Green Browser. Ein Klick auf das Symbol, schon werde der Webbrowser der Wahl automatisch installiert.

So wird es der Webflaneur den verunsicherten Bekannten erklären. Oder er wird ihnen diesen Text schicken.



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