Vor genau 40 Jahren war Stephen Urquhart, heute Chef von Omega, 22-jährig und Mitglied der Kommunikationsabteilung der Luxusuhrenmarke. Als gebürtiger Schotte betreute er die angelsächsischen Länder und erhielt damals einen besonderen Auftrag: Er sollte am Hauptsitz in Biel die Liveübertragung der Mondlandung verfolgen und alles aufschreiben, was für Omega von Interesse sein könnte. Dafür konnte Urquhart auf eine direkte Verbindung ins Flugkontrollzentrum in Houston zurückgreifen.
Auf dem Weg zum Mond waren nämlich nicht nur drei Menschen, sondern auch drei Uhren von Omega. Als Edwin «Buzz» Aldrin als zweiter Mensch den Erdtrabanten betrat, trug er eine «Speedmaster» ums Handgelenk. Neil Armstrong hatte seine Omega zur Sicherheit in der Mondlandefähre zurückgelassen. In Blindtests der US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte sich Schweizer Qualität gegen amerikanische Produkte durchgesetzt. Noch immer ist Omega offizieller Uhrenlieferant der Nasa.
Die Nasa hatte den Astronauten aus psychologischen Gründen Uhren mitgegeben. «Einmal auf dem Mond, stellte die Uhr eine Verbindung mit zu Hause, der Erde, her», sagt Urquhart. «Zudem betrachteten die Astronauten die Uhr als Absicherung, sollte die Bordelektronik ausfallen.»
An die Mondlandung erinnert sich Urquhart noch genau:
«Es war in vielerlei Hinsicht unglaublich. Erst einmal wurde das Ereignis in Echtzeit im Fernsehen übertragen. Ich sehe die flimmernden Bilder noch jetzt vor mir. Wir sprechen hier nicht von einer Fussballübertragung, sondern von Menschen, die auf dem Mond gehen! Zweitens war es ein Erfolg für die Marke, weil Omega die erste Uhr war, die überhaupt auf dem Mond getragen wurde.»
Omega nutzte dies für eine weltweite Werbekampagne – was Ende der 60er-Jahre ziemlich ungewöhnlich war: «Einige Tage später haben wir unsere wichtigsten Vertriebspartner nach Biel eingeladen. Vor ihnen breiteten wir 160 Zeitungen aus, in denen wir ein Inserat geschaltet hatten: Darin gratulierten wir der Mannschaft von ‹Apollo 11› zur geglückten Mission», sagt Urquhart. Auch 40 Jahre später ist die Mondlandung ein wichtiger Pfeiler der Werbekommunikation von Omega.
Die Stimmung und das politische Umfeld, in denen die Mondlandung stattgefunden haben, prägten den jungen Stephen Urquhart:
«Was ich jetzt sage, mag viele erstaunen. Aber damals wurde die Mondlandung nicht als wirklich aussergewöhnlich wahrgenommen, wie das in späteren Jahren der Fall sein sollte. Die 60er waren eine sehr bewegte Zeit. Es herrschte der Kalte Krieg, beide Blöcke hatten Atomraketen aufeinander gerichtet. Hinzu kamen viele ereignisreiche Vorfälle: die Ermordung von John und Robert Kennedy sowie von Martin Luther King, die 68er-Bewegung, Woodstock und der Vietnamkrieg. Da war ‹Apollo 11› nur ein turbulentes Ereignis unter vielen.»