Blogs


Wir sind viele!

Von Roland Fischer am Sonntag, den 12. Mai 2013, um 12:58 Uhr

Bloggen? Ist das nicht total von gestern? Aber ganz und gar nicht, muss hier die Antwort natürlich lauten. Und man darf auch im grösseren Kontext festhalten: Blogs waren mal das grosse neue Ding, dann waren sie ziemlich langweilig und nun sind sie einfach und ganz unspektakulär ein neues und gut etabliertes Medium geworden. Unterdessen fand die re:publica, die einst als «Bloggertreffen» angefangen hat, schon zum siebten Mal statt, und der extra nach Berlin beorderte Sonderkorrespondent des Blogs Ihres Vertrauens war beeindruckt, was daraus geworden ist über die Jahre: 5000 Teilnehmer, hunderte Vorträge und Workshops, ein breites Themenfeld von Politik über Kultur bis Medientheorie (und so weiter und so fort).

Und: natürlich hatten alle immer den Laptop offen oder zumindest das Smartphone im Anschlag, und natürlich brach das offene Netz immer mal wieder zusammen (obwohl es dieses Jahr anscheinend ganz passabel funktioniert habe). In einem Panel kam mal kurz die Frage, wieviele der Anwesenden einen Blog schreiben würden – gut zwei Drittel der Arme gingen nach oben. Nicht ganz repräsentativ natürlich, aber doch schön, sich mal nicht als Eigenbrötler hinter der Tastatur, sondern als Teil eines Mainstreamphänomens zu fühlen. Blog on!

Bespielen statt nur spielen

Von Christian Zellweger am Freitag, den 10. Mai 2013, um 21:37 Uhr

Wer sagt denn, dass ein Sänger nicht vom Gerüst hinter dem Vorhang der Dampfzentrale-Bühne herab- und hervorsingen darf, nicht mit Schellenringen und Schlagzeug-Becken um sich werfen und die Wände mit Drumsticks traktieren kann? Es verbietet einem auch niemand, sich auf dem Rücken liegend durch den Raum zu schieben und weiterzusingen. Nicht die knapp mehr als 20 Zuhörer und schon gar nicht der Dampfere-Booker Roger Ziegler, auch wenn er ab und zu die Hände verwarf.

Die ersten Ausflüge von Parenthetical-Girls-Sänger Zac Pennington in die Weiten des Raumes dienten offenbar der Soundkontrolle. Es war ihm «substantially» zu leise und nach mehreren Klagen darüber musste Ziegler dann doch noch auf das Recht verweisen: Man dürfe nun mal nicht lauter, «it’s just a legal matter».
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Wie die Jungfrau zur Vanille

Von Miko Hucko am Donnerstag, den 9. Mai 2013, um 05:28 Uhr

Nater/Glatthard/Bachmann hiess das Trio einst, das mit seinem Recherchemusiklautsprechertheater gewitzt hinterfragte, analysierte, erzählte und dabei immer locker blieb. Die Truppe ist gewachsen und der Name zu «Theater Marie» mutiert, dessen Leitung Nater, Bachmann, Bachmann und Noorlander vor kurzem übernommen haben. Auch auf der Bühne hat sich etwas verändert: Während Michael Glatthard und Pascal Nater sich bis und mit «Format Radio» gegenseitig die Bälle zuspielten, ist nun ein Dritter mit von der Partie, der Bariton Philip Meyer. Gemeinsam haben sie sich für diesmal vorgenommen, von der schleichenden Vanillisierung der Gesellschaft zu erzählen.

Am Grundkonzept hat sich nicht viel verändert: Die adrett gekleideten Herren stellen einander vor und steigen bald ins Thema ein, das mit Songs untermalt und Interviews gefüttert ist. Anekdoten, ein spielerischer Umgang mit der trockenen Materie und sogar ein bisschen «echtes» Theater ist dabei: Das Bühnenbild ist grösser, die Kostüme farblich abgestimmt, und es wird auch geschauspielert. Leicht, schön und unterhaltsam bleibt der Abend allemal, nur will diesmal nicht so recht was hängen bleiben. Die Geschichte der Vanille entfaltet sich nicht, vieles wird angeschnitten, aber nicht ausgeführt – ein Abend, dessen Duft uns lieblich umhüllt wie die Ploppknisterfolie das Bühnengeschehen, aber ein bisschen mehr Biss vertragen könnte.

«Von der schleichenden Vanillisierung der Gesellschaft» läuft noch bis zum 11. Mai 2013 im Schlachthaus Theater.

Zwei, die zurückkehren

Von Christian Zellweger am Mittwoch, den 8. Mai 2013, um 11:30 Uhr

Es nennt sich hier zwar KulturStattBern, aber ab und zu wagen wir doch auch einen Blick hinaus, über den Tellerand unserer kleinen Stadt. Diesmal in die weite Welt der Popmusik, wo am Horizont dieser Tage gleich zwei versunken geglaubte Helden auftauchten.

Eine regelrechte Schnitzeljagd veranstalteten dabei die schottischen Brüder der Boards of Canada. Zum Record Store Day versteckten sie eine Platte mit einem ersten Hinweis, dem ersten Teil eines ellenlangen Codes, in einem Plattenladen in New York. Weitere Hinweise gabs dann im Internet, über Radio und Fernsehen. Wer alle Zahlen gesammelt hatte, konnte mit der Kombination auf dieser mysteriösen Website den Teaser für das erste Album seit 2005 freischalten.
(Der Code: 699742628315717228936557813386519225).
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When you live in Bern

Von Roland Fischer am Mittwoch, den 8. Mai 2013, um 05:00 Uhr

Gifs! Alter Hut, ich weiss, aber immer eine Augenfreude, wenn sie gut gemacht sind. Seit kurzem gibt es einen neuen Gif-Blog speziell für Bern. Wenn man in Bern wohnt, wird einem das alles ziemlich bekannt vorkommen. Zum Beispiel wenn jemand stolz verkündet, er habe einen Backstage-Pass für den Gurten:

Apropos Gurten – So stellt man sich vielleicht die typische Reaktion bei der Bekanntgabe der Headliner vor:

Aber so schlimm ist es ja gar nicht. Immerhin macht Müslüm den Schluss und mit Bastille oder dem Black Rebel Motorcycle Club hat es auch noch ein paar nette Programm-Nachnominierungen gegeben. Und sowieso, die Verantwortlichen zeigen bei der Programmierung durchaus Humor, haben sie doch am Samstag extra eine Warnung auf die Bühne geholt, mit Beware of Darkness, bevor am Sonntagabend zum Schluss die Dunkelheit selbst über das Festival kommt.

Adieu Woodrock

Von Gisela Feuz am Dienstag, den 7. Mai 2013, um 11:53 Uhr

Ja, man habe schon auch ein Zeichen setzen wollen, erklärt die gute Seele vom Woodrock Festival Nick Werren. Das kleine aber feine Open Air auf der Moosegg im wunderschönen Emmental feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiliäum und diese 20. Ausgabe soll zugleich die letzte sein. Überholt seien sie, erklärt Werren, die Konkurrenz von zahlreichen anderen grossen und kleinen kommerziell orientierten Open Airs sei zu gross geworden, da könne und möge man nicht mehr mithalten. Oder wie es der Woodrock-Wirt auf den Punkt gebracht hat: «Vor 20 Jahr hets chönne Chatze hagle, d’Lüt si geng no cho. Wes hüt äs chlises Rägeli git, chunnt ke Sou me.»

Für die allerletzte Woodrock-Ausgabe wird’s im beschaulichen Emmental ein Stelldichein der Berner Musikszene geben: von Fiji über die Kummerbuben, Chica Torpedo, Tomazobi, Trummer, Frau Feuz’ Monofones, Bubi eifach bis hin zu den unsäglichen YB-Rabauken Mani Porno wird alles live zu erleben sein. Die Herren aus der Abteilung Sprechgesang Greis, Baze und Diens haben sich gar für eine exklusive Zusammenarbeit zusammengetan, auf die man gespannt sein darf. Generell wird dem Publikum wohl die eine oder andere Überraschung serviert werden, so haben diverse Bands musikalische Gäste eingeladen und offenbar wird bereits heimlich an Tanzchoreographien, Pyroshows und Flitzer-Einlagen herumgefeilt.

Man sei definitiv furchtbar traurig über diese Beerdigung, erklärt Nick Werren. Aber schlussendlich sei es die einzig sinnvolle Konsequenz, die man ziehen könne. In diesem Sinne: Adieu Woodrock, es war schön mit dir. Auf dass es dir im Open Air-Himmel gut ergehen möge!

Wer dem Woodrock Festival die letzte Ehre erweisen will, der kann dies vom 4. bis am 6. Juli auf der wunderschönen Moosegg im Emmental tun. Das gesamte Programm findet sich hier, die Benützung des Vorverkaufs wird wärmstens empfohlen und Nein, Backstage-Tickets wird es gemäss Werren keine geben.

Schöftland geht den Bach runter

Von Gisela Feuz am Dienstag, den 7. Mai 2013, um 05:27 Uhr

Schöftland geht den Bach runter. Nicht so wie Sie jetzt vielleicht meinen, werte Leser und Leserinnen. Weder muss in der beschaulichen Aargauer Gemeinde der soziale Notstand ausgerufen werden, noch hat sich die gleichnamige Berner Gruppe aufgelöst. Dafür unternehmen diese aber eine Tournee entlang der Aare (bzw. dem Rhein), wobei letztes Wochenende an deren Ursprung im tiefsten Berner Oberland gestartet wurde und das Abschlusskonzert Ende Mai in Rotterdam gespielt wird.

Ein fulminanter Start sei das gewesen in Innertkirchen, erklärt Schöftland Sänger Floh von Grünigen. Sie hätten mit dem lokalen Frauenchor einige Songs vom neuen Album einstudiert und diese Zusammenarbeit sei äusserst vergnüglich gewesen und habe auch beim Publikum Anklang gefunden. An der zweiten Station in Interlaken habe es dann aber leider geharzt mit dem Publikumsaufmarsch, so von Grünigen weiter. So ist das halt im Wellental des Musikbusiness.

Die Idee sei auf einer der zahlreichen Aareböötli-Fahrten entstanden. Er sei ja ein ganzes Jahr lang jeden Monat um den 20. herum vom Eichholz ins Marzili gepaddelt und habe dabei Filmaufnahmen gemacht, erklärt Hobbykapitän von Grünigen. Irgendeinmal sei man dann vor einer Europakarte gesessen und habe die Idee gehabt, in Ortschaften entlang der Aare bzw. dann eben dem Rhein zu spielen, und zwar vom Ursprung bis zur Einmündung ins Meer. Fürwahr eine schöne Idee, zumal es ja normalerweise kein verbindenes Elemet zwischen den Spielorten gibt, wenn man unterwegs ist auf Tournee. Heute Abend legen Schöftland in der Dampfzentrale an und es ist zu hoffen, dass ihnen ein publikumsmässiger Wellenberg beschwert werden möge.

Das Konzert der deutschsprachigen Folkrock-Band Schöftland heute Abend in der Dampfzentrale beginnt um 20:00h. Als Spezialgast wird Herr Trummer mit von der Partie sein.

Diese Masochisten vom Theater

Von Roland Fischer am Montag, den 6. Mai 2013, um 11:55 Uhr

Es gibt da ja diese existenzphilosophische Betrachtung des SM-Verhältnisses: Wenn es für einen Masochisten ein Genuss ist zu leiden, müsste ihn dann der wahre Sadist nicht quälen, indem er ihm dieses Leiden erspart und ihm so den Genuss verwehrt? Die Frage stellt sich auch ganz zum Schluss des neuesten Theaterabends am KTB, der am Samstag im Rahmen des Aua Premiere hatte. Ein moderner Masochist flüchtet sich aus der Banalität des BDSM-Szenen-Bösen in das reale Grauen der Arbeitswelt, entdeckt dabei seinen Ehrgeiz und seine fast grenzenlose Leidensfähigkeit und gewinnt am Ende die Arbeitssklaven-Olympiade. Als Preis bekommt er eine Villa und viel Geld – darf sich nun nicht mehr knechten lassen und sitzt gequält herum. Mission erfüllt – oder?

Schauspieler brauchen ja sowieso eine masochistische Ader - ihre Arbeitsmoral und ihr Eingebundensein im Theaterbetrieb betreffend. Die vier, die im Bekenntnis eines Masochisten ein fliessendes Rollenkonglomerat geben, konnten sich jedenfalls allesamt wunderbar ausleben auf der Vidmar-plus-Bühne, sie loten die Lust an der Knechtung sehr schön aus, finden Tiefen und auch Untiefen. Das Stück bietet Grotesken zuhauf, und die Akteure wissen damit was anzufangen, ohne gleich zu übersteuern.

Es ist nicht ganz klar, ob der Autor Roman Sikora da eine tiefenpsychologische Erklärung des Kapitalismus (bzw. seiner Unüberwindbarkeit) versucht oder einfach eine BDSM-Groteske auf die Bühne haut – das Thema ist ja gerade wieder mal sehr virulent. Der Regisseur Dominic Friedel lässt das auch in der Schwebe, und das funktioniert eigentlich ganz gut. Allzu grosse Deutlichkeiten kämen dem (ohnehin ein wenig eng fokussierten) Abend wohl nicht zugute.

Kulturbeutel 19/13

Von Resli Burri am Montag, den 6. Mai 2013, um 05:56 Uhr

Herr Burri empfiehlt:
Versprochen ist versprochen: Das Künstlerpaar Lang/Baumann stellt sein neues Buch «More is More» vor und zwar in der Kunsthalle zu Bern am Mittwoch. Für alle, die selten in Adelboden sind: Kairo liegt näher und hat Bubi eifach auch auf die Fahne geschrieben.  Zur Auffahrt kann man auf die Kapelle abfahren. Mit dabei sind Greis und unsere Frau Feuz.

Frau Feuz empfiehlt:
Gehen Sie am Donnerstag zu Raveonettes ins ISC. Der Garagenrock des Duos aus Dänemark klingt nach den psychedelischen 60er Jahren, richtig schön warm mit viel Hall und Gerumpel. Am Freitag lohnt sich dann ein Ausflug in die nicht allzu bernferne Pamapa: In der Kühltür Grosshöchstetten sind die Aeronauten zu Gast.

Herr Zellweger empfiehlt:
Besuchen Sie am Mittwoch das Schlachthaus. Dort berichtet das Theater Marie aus dem Aargau von der schleichenden Vanillisierung der Gesellschaft. Am Donnerstag besuchen die Parenthetical Girls aus Washington mit ihrem Queer-Pop die Dampfzentrale, begleitet vom heimlichen Exportschlager der Schweizer Untergrundszene, Reto Mäder.

Filmische Tour de Berne

Von Gisela Feuz am Freitag, den 3. Mai 2013, um 12:01 Uhr

Bereits zum fünften Mal präsentiert die «Tour de Berne» preisgekröntes Berner Filmschaffen. Während den Monaten April und Mai werden im ganzen Kanton in ausgewählten Kinos Filme gezeigt, welche dieses Jahr mit dem Berner Filmpreis ausgezeichnet wurden, oder die als besonder sehenswert beurteilt wurden. Gestern startete die Tour de Berne im Kino Kunstmuseum mit den drei Kurzfilmen «Er/ich», «Traumfrau» und «Work Hard Play Hard».

Unterschiedlicher könnten die drei Beiträge von Karin Bachmann, Oliver Schwarz und Marcel Wyss nicht sein, was ihre Machart anbelangt. Thematisch lassen sich aber sehr wohl Bezüge herstellen, spielt doch Nähe und Distanz in zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. der Umgang mit gesellschaftlichen Phänomenen unserer Zeit eine zentrale Rolle.
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