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Archiv für die Kategorie „Wüsten & Oasen“

Sendschreiben aus Neapel: Ciao Al!

Roland Fischer am Mittwoch den 8. Februar 2012 um 05:42 Uhr

Wir kennen das ja in Bern – Stadtpräsidenten mit Sendungsbewusstsein. Gegen den Showmann Luigi De Magistris nehmen sich Tschäppäts Auftritte allerdings geradezu blass aus. Der Sindaco von Neapel greift schon mal zur grossen Youtube-Keule, um seiner Stadt zu ein wenig Aufmerksamkeit zu verhelfen. Neapel hat zwar gleich zwei Filmfestivals (das grössere von beiden findet allerdings dummerweise in Florida statt), doch mit Venedig oder Rom kann man sich natürlich nicht messen.

Wäre aber doch schön, mal eine grosse Premierenkiste aufzutun, hat man sich im Palazzo San Giacomo wohl gedacht, und gleich mal eine hochoffizelle Anfrage an Al Pacino ins weite Web hinausgeschickt:

Aber was hat De Magistris wohl mit den nach Norden gerichteten Augen gemeint? Dass die Jungen mit vernünftiger Ausbildung zwar im Herzen Neapolitaner bleiben, früher oder später aber samt und sonders in den Norden abwandern, wo es noch Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt gibt? Al Pacino hat übrigens prompt geantwortet, allerdings klang das insofern fast schon ein wenig sarkastisch: «Napoli erinnert mich an die Bronx, wo ich aufgewachsen bin. Ich tue gern etwas für die Jugend der Stadt.» Grazie, Al!

Seifenglas

Gisela Feuz am Samstag den 4. Februar 2012 um 10:58 Uhr

Wollten Sie sich schon lange mal als GlasbläserIn betätigen, hatten aber die nötigen Utensilien gerade nie zur Hand? Dank den momentan herrschenden sibirischen Verhältnissen brauchen Sie nun dazu bloss ein bisschen Wasser, Geschirrspülmittel und ein Seifenbläterlidings. (Weiss jemand, wie man das fachsprachlich korrekt nennt? Herr Val der Ama vielleicht?)

Gesehen bei Herrn Gartentor.

Fragezeichen: Privat-Schaufenster

Ruth Kofmel am Samstag den 28. Januar 2012 um 06:26 Uhr

Minikanone mit Mörser

Wir haben es hier definitiv mit einem Schaufenster zu tun.  Nur ist es äusserst rätselhaft, was hinter diesem Schaufenster vor sich geht. Werden Waren an den geneigten Käufer gebracht? Eine Minikanone, um dem rolligen Kater eins vor die Pfoten zu knallen? Einen Mörser, um das Schiesspulver klein zu bekommen? Oder haben wir es hier mit einem Wortspiel zu tun? Warum aber die Feuerwehr von Lyss, die doch sicherlich unbewaffnet Feuer löscht und ihr zu Füssen liegt Argentinien? Ein historischer Seitenhieb?

Schatullen und LöschkübelWährend wir es also rechts mit grobem Geschütz zu tun haben, finden wir linkerhand hübsche Schatullen, die sich durchaus auch für Schmuck eignen würden – oder wie wir sehen, auch für Abzeichen. Es sind derer nicht gerade viele – ausgestellte Bescheidenheit? Vielleicht ist das ganze aber auch nur eine Hommage, respektive einen Antrag an die Porträtierte im kleinen Holzrähmchen. Die ist dummerweise bis zum heutigen Tage nicht an diesem Fenster vorbeigekommen und so bleibt uns das Arrangement wohl weiterhin erhalten.

Zur Not steht da aber auch noch ein Löschkübel.

Money Matters

Benedikt Sartorius am Dienstag den 24. Januar 2012 um 06:07 Uhr

Auf einer kleinen Stadtwanderung, abseits der weitherum gesperrten Pfade, durfte man am Samstag abgeblättertes aufsuchen. Denn der Troubadour aus Tapete, der seit dem Mai 2011 am Mani Matter-Stutz aufgepappt ist, zerfasert und wird wohl nicht mehr lange überleben.

Später entdeckte ich – allenfalls spät wie das letzte Tram – eine andere wortspielerische Blätterkunst, die den Nachrichtenlosen mitteilt, wieso sein prominenter Papp-Kamerad wohl nicht erhalten bleiben kann:

Kunst in der Provinz

Gisela Feuz am Montag den 23. Januar 2012 um 13:19 Uhr

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie Münsingen hören? «Münsingen links»? Das Klösterli-Pub? Oder gehören Sie zu den Menschen, die Münsingen vor allem aus der Zugpassagier-Perspektive als vorbeiflitzende Häuserzeile kennen?

Wie die Schreiberin letztes Wochenende herausfand, hat Münsingen durchaus auch kulturelles Potential. Gleich bei der Autobahn-Abfahrt (fairerweise muss gesagt werden, dass dieser Fleck Erde noch zu Rubigen gehört) kann man nämlich einen völlig absurden und grandios hässlichen bemerkenswerten Dinosaurier-Park besuchen, in dem sich Kunststoff-Nachbildungen von diversen Dino-Spezien tummeln, die im Grossen und Ganzen einen recht zufriedenen Eindruck machen. Einzig der Sauropode streckte alle Viere von sich, hatte ihm Sturmtief Gisela (haha) offenbar übel zugesetzt. Vielleicht machte er aber auch einfach nur ein Nickerchen.

Im Industrieviertel von Münsingen, gleich hinter dem Bahnhof, befindet sich zudem die unten abgebildete, nun ja, interessante Installation. Irgendwie guckt man sich automatisch nach einem überdimensionalen Robidog-Kasten um, nicht? Wie auch immer, es lebe die Provinz, denn sie steckt voller Überraschungen!

Highlife im Schweizerhof

Benedikt Sartorius am Samstag den 21. Januar 2012 um 12:33 Uhr

Ich war rasch weg – und durfte bei meiner nächtlichen Rückkehr erfreut feststellen, dass in Sachen Nachtleben, mitten in Berns Zentrum, doch noch was geht. Das Lokal hört auf den Namen Hotel Schweizerhof und es ging im ersten Stock allem Anschein nach ziemlich hoch her – mit Disco-Kugel, Slow-Dance und frohen Hits aus allen Zeiten.

Ich ging dann trotzdem nicht rein, machte mich auf den Heimweg, erblickte noch kurz einen frisch gestrichenen Weiss-Fleck, dort, wo einst ein Logo eines beliebten Clubs prangte. Dann ging ich schlafen.

Fragezeichen: Holzlabor hinten in der Lorraine

Christian Pauli am Mittwoch den 18. Januar 2012 um 06:05 Uhr

Hier komme ich öfters joggernderweise und saisonalbedingt zur Zeit meist in der Dunkelheit vorbei: Beim Holzlabor, ganz unten und ganz hinten in der Lorraine.

Altes Gewerbehäuschen, Zeuge einer Manufaktur im ehemaligen Arbeiterquartier (Marcel Linder, mech. Schreinerei, Tel. 42 45 71). Seit kurzem offenbar neu besetzt/belegt/beleuchtet/bewohnt. Hat, wie ein Blick nach innen verrät, mit Holz und Holzverarbeitung zu tun, aber auch mit Gastronomie:

«Heute kein Ruhetag» könnte zwar auch biblisch gemeint sein, aber eine weitere Tafel verscheucht die Zweifel, dass hier eine Freikirche ihr Unwesen treibt. Das Holzlabor hat auch Campari Soda und Gurtenbier im Angebot. Das Internet bietet zwar eine Adresse, aber nicht viele Informationen. Auf einer Facebook-Seite heisst’s: «Kriegst du Holz vor der Hütte? Haben wir!»

Na ja, ich lasse das mal so stehen und jogge, sozusagen rechechier-los heimwärts. Dort gibts auch Bier, wenn auch von einer anderen Landesgegend.

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In der neuen Serie «Fragezeichen» berichten wir über urbane Rätselhaftigkeiten. Um Antworten wird jeweils höflich gebeten.

Fragezeichen: Wohnung in der Lorraine

Roland Fischer am Mittwoch den 11. Januar 2012 um 05:00 Uhr

Vielleicht ist es auch schon aufgefallen: Ein Wohnungsinserat, das seit Jahren (!) Woche für Woche für eine günstige Wohnung in der Lorraine wirbt – offenbar erfolglos.

Was für ein Loch sich hinter der unscheinbaren Anzeige wohl verbirgt? Dieses hier?

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Mit dem Karussell ins neue Jahr

Benedikt Sartorius am Sonntag den 1. Januar 2012 um 12:13 Uhr

Das neue Jahr begann bei mir mit einer wilden Fahrt auf dem Karussell – als verkaterter Pantoffellheld, wie es sich für einen traditionell Vorsilvesterfeiernden angemessen ist. Denn Alfred Hitchcocks Filmadaption der Patricia-Highsmith-Erzählung «Strangers on a Train» zieht im Finale auf den Rummel, der zum Tatort eines Mordes wurde. Unbedingt sehenswert – aber das ist beim Meister des Fachs keine Überraschung.

Dieses Filmerlebnis wurde mir ermöglicht vom DVD-Verleih Dr. Strangelove in der Rathausgasse: Nicht nur fand ich im gut sortierten Laden von Stefan Theiler den passenden Film, sondern durfte auch ein notwendiges und im Haushalt fehlendes Scart-Kabel ausborgen. Es sei ihm herzlich gedankt.

Nun wünsche ich Ihnen – im Namen von KulturStattBern – nur das Beste im 2012. Ahoi!

I-Doser im Selbstversuch

Gisela Feuz am Mittwoch den 28. Dezember 2011 um 12:02 Uhr

Seit Menschengedenken experimentieren Menschen mit Substanzen jeglicher Art und erhoffen sich davon Entspannung oder gar Erleuchtung. Während man sich bereits in der Antike lustige Pflanzen einverleibte, die Mutter Natur für uns im Giftkämmerchen bereitgestellt hat, lädt sich der moderne Mensch heute bei I-Tunes sogenannte I-Doser-Alben herunter.

I-Doser verspricht mit Hilfe von unterschiedlichen Frequenzen und Schallwellen bestimmte Hirnregionen zu stimulieren und das auf die gleiche Weise, wie es diverse Drogen tun. So kann man sich z.B. «Opium» oder «Absinthe» als Audio-Datei herunterladen und sich so mit Hilfe von Kopfhörern auf einen virtuellen, legalen Trip begeben. Oder auch nicht.

Aus Neugier und Experimentierfreudigkeit hat sich die Schreiberin gestern Abend eingehend mit solchen I-Doser-Stücken beschäftigt. Mit «Out of Body» wurde der Selbstversuch gestartet. Wenn schon denn schon! Was einem da via Kopfhörer durch die Hirnwindungen gesäuselt wurde, erinnerte an den Soundtrack eines mystischen Psychothrillers. Einfach ohne Schreck-Geigen, dafür mit einem konstanten Störgeräusch, welches an einen Staubsauger erinnerte, der in Bass-Tonlage brummt. Die einzige körperliche Erfahrung, die sich einstellte, war ein Krampf im linken Fuss, was allerdings mehr mit dem übermässigen nachmittäglichen Espresso-Konsum zusammengehangen haben dürfte.

Da es mit der Nahtoderfahrung nicht so recht funktionieren wollte, wurde als nächstes die psychedelische Abteilung aufgesucht. Und bei «Peyote» tat sich dann tatsächlich was. Eine gewisse Leichtigkeit und Entspanntheit machte sich breit, allerdings war diese von visuellen Halluzinationen à la «Fear and Loathing In Las Vergas» weit entfernt.

Ob I-Doser tatsächlich funktioniert, ob sich nur ein Placebo-Effekt einstellt oder ob das ganze Humbug ist, darüber streiten sich die Fach-Foren und entsprechend muss das wohl jeder und jede für sich selber herausfinden. Einleuchtend ist, dass die tieftonigen repetitiven und dadurch hypnotischen Klangmuster hilfreich sind zur Meditation. Aber das kriegen Sie wahrscheinlich auch mit Walgesängen hin.

I-Doser lässt sich einfach und legal auf I-Tunes herunterladen. (Achtung: auf der I-Doser-Seite selber kann es teuer werden!) Nebst den «Drogenprogrammen» gibt es mittlerweile auch Stücke, die religiöse Empfindungen stimulieren oder zur Persönlichkeitsbildung beitragen sollen.