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Archiv für die Kategorie „Nachtleben & Freizeit“

Drinnen buskern

Roland Fischer am Samstag den 11. August 2012 um 11:05 Uhr

Ja, es wurde schon ziemlich eng gestern in den Altstadtgassen - das Buskers ist definitiv ein grosser Publikumsmagnet geworden, aber ein nach wie vor sehr sympathischer, kein Zweifel. Und immer mehr Lokale und Altstadtnachbarn nutzen die Gelegenheit, um einen schönen Sommerabend standesgemäss ausklingen zu lassen. So war im und vor dem Adrianos nach Mitternacht noch jede Menge los, und das ONO funktionierte für einmal nicht als Kellerlokal, sondern hatte sich gleich über die ganze (verkehrsfreie) Kramgasse breit gemacht.

Drüben beim Münster gab es währenddessen Musik nicht nur draussen auf der Strasse, sondern auch drinnen, in intimem Rahmen. In der Milieu-Galerie war so etwas wie ein Anti-Buskers angekündigt: Der Kern des Labels Oh, Sister versprach «Lärm statt Pop, in noisiger und experimenteller Manier». Allein der Aufbau der Gerätschaften machte neugierig – und wäre problemlos als artige Rauminstallation durchgegangen.

Was die beiden Musiker von Labrador City und Silver Firs darboten, war dann aber keineswegs unstimmig oder ungemütlich. Die Soundwände wurden zwar langsam aufgebaut, blieben aber ganz passend zur Sommerabendunbeschwertheit immer leicht und schwebend. Darüber eine leise Stimme, und eine Buskers-Attraktion der etwas anderen Art war perfekt.

Grossangelegter Geheimtipp

Roland Fischer am Freitag den 27. Juli 2012 um 05:09 Uhr

Die Biennale Bern ist (auch bei der inzwischen dritten Austragung) immer noch ein Festival für Eingeweihte – warum auch immer das so ist, es sollte sich jetzt endlich mal ändern. Das hat sich auch die Programmleitung gesagt und sich für dieses Jahr ein entsprechend lautes wie aktuelles Thema ausgesucht: Das Kapital.

Das Festival versammelt alle zwei Jahre die grossen Kulturinstitutionen der Stadt während zehn Tagen unter einem thematischen Dach – vor vier Jahren wurde fremdgegangen, vor zwei Jahren gewütet, und jetzt also kapitalisiert. Oder etwa kapituliert? «Weshalb finden die wahren Problemherde der heutigen Welt in der Kunst kaum Niederschlag? Wieso schürte die grosse Wirtschaftskrise von 2009 bei zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern viel zuverlässiger die Furcht vor Subventionskürzungen als die ernsthafte Auseinandersetzung?» heisst es im Programmeditorial.

Das Kuratorium hat genauer hingeschaut, es hat gesucht – und es hat natürlich gefunden. Eine breite Veranstaltungspalette nimmt sich der komplexen Fragen um Kapital, Kultur und Gesellschaft an. So kommt die namhafte Theatergruppe Rimini Protokoll mit ihrer Marx-Kapital-Spurensuche nach Bern, es gibt einen Wissensschwarzmarkt mit nicht weniger als 50 Experten zum Thema, es gibt eine «Gute Bank», es gibt einen verschwörerischen Rundgang durch die Reitschule unter dem Titel «Kultur/Kapital/Spionage». Und es gibt wiederum das von Raphael Urweider ausgerichtete Festivalzentrum im Stadttheater, wo man bestens alles Geld der Welt versaufen und dabei noch etwas lernen kann, ganz umsonst.

Weniger Regen, mehr Pyro

Nicolette Kretz am Sonntag den 15. Juli 2012 um 12:56 Uhr

Es würde natürlich Filz-Vorwürfe hageln, wenn ich jetzt erzählen würde, wie gut mir das gestrige Monofones-Konzert am Gartenfestival gefallen hat, deshalb bleib ich besser bei den Fakten: Es gab zum Auftakt eine krasse Pyro-Show (siehe Bild), es wurde crowdgesurft und der kleine Kairo-Keller damit kurz ein bisschen in ein Städchen de Suisse verwandelt, Schweiss und Wodka flossen eimerweise und es war eine verdammt geile Show.


Davor war der Abend im Hof neuseeländisch geprägt. Beim Gig von Delany Davidson und Freunden war ich jedoch körperlich, bei dem des Orchestra of Spheres geistig ein bisschen zu weit weg. Insbesondere die zweite Band, eine Haufen junger, ziemlich abgefahrener musikalischer Spitzenhipsters kam aber beim Publikum sehr gut an.

Überhaupt schien das Publikum einmal mehr begeistert von dem Anlass. Garten, Strasse und Keller waren bis spät proppenvoll, erfreulicherweise richtig quartierfestmässig mit ganz unterschiedlichen, gutgelaunten Leuten, so durchmischt, wie man sie in Bern an kulturellen Anlässen eigentlich nur selten antrifft.

Apéro mit Inhalt

Nicolette Kretz am Samstag den 30. Juni 2012 um 14:37 Uhr

Das Belluard ist bekannt für seine kreativen Eröffnungsapéros. Die Häppchen werden jährlich neu in Szene gesetzt. Dieses Jahr wurden sie passend zum Festivalthema «Retox» von Klinikpersonal serviert. In weissen Polystryrol-Böxchen, die heute, glaub ich, nicht mal mehr die führenden Fast-Food-Ketten zur Verpackung der Hamburger verwenden, wurden gefüllte Auberginen, kleine Salätchen, Foccacia-Stückchen, Süssspeisen und andere Leckerchen gereicht. Da man erst nach dem Öffnen sah, wonach man gegriffen hatte, entstand ein lustiger kleiner Tauschhandel unter den Gästen.

Der gut beleuchtete Abfallberg wuchs und wuchs und manch einer fragte sich, wie viel «Toxifikation» der Umwelt für ein bisschen Spass erlaubt ist. Dass bereits das Eröffnungsapéro zu existentiellen Diskussionen führt, schafft wahrlich nicht manches Festival!

Die Eröffnungsproduktion «Big Hits» von Getinthebackofthevan war dann ebenfalls ziemlich umstritten, weil zwar einerseits sehr schräg, aber andererseits sehr, sehr tief in den Ironie-Topf gegriffen. Das alles spülte man sich mit einer «White Temptation» vom preisgekrönten Barmann Andy Walch runter: ein sehr erfrischender Longdrink, in dem ich Bacardi, Ingwer und Zitonenmelisse identifizieren konnte. Macht jedenfalls Lust auf mehr Belluard – auch aber nicht nur an der Cocktail-Bar.

Vor einem leeren Plastikrasen

Bjørn Schaeffner am Donnerstag den 21. Juni 2012 um 12:12 Uhr

Es gibt noch etwas nachzutragen - «die Uhren ticken einfach langsamer hier in Barcelona», meint unser Korrespondent lapidar. Soll gelten, er wäre ja sowieso ein paar Tage zu früh gekommen mit der Mittsommernacht.

Das nennt man einen gelungenen Auftakt. Also eigentlich ist es der gelungene Abschluss eines gelungenen Auftakts: Mit «Snooze 4 Love», dieser filigranen, wunderbar-blubbernden Synthie-Meditation des Norwegers Todd Terje, eine Art Wiegenlied für Dancefloors, lassen Radiorifle ihr neunzigminütiges Sónar-Set ausklingen. Ein schon fast augenzwinkerndes Statement zur noch halb-schläfrigen Stimmung im Festival-Zelt, denn getanzt hat noch kaum jemand an diesem Samstag. Die Leute trudeln erst ein, hier zur Sónar by Day, das sich jeweils kurz vor der Mittsommerwende in der Altstadt Barcelonas ans Museum für Gegenwartskunst schmiegt.

Radiorifle am Sonar in Barcelona

Man könnte es als undankbar bezeichnen, als erster Act vor einem fast leeren Plastikrasen zu spielen, wäre dies eben nicht das Sónar, dieses immer noch wichtigsten Festival für elektronische Musik in Europa. Später wird in diesem Zelt DJ Harvey auflegen, die bärtige Disco-Legende, der ganze Armeen von Club-Eklektikern mit seinem Anything-goes-Credo infiziert hat. Über vier Ecken – und zwei Generationen von Plattenlegern – hat Harveys Segen wohl auch die beiden Residents des Berner Bonsoir-Clubs und Alumnis der Red Bull Music Academy erreicht, machen die beiden doch einen formidablen Job: ihr Introset ist eine sonnendurchflutete Vierviertelmelange, ausnahmslos distinguiert und ellentief im Soul verwurzelt. Wenige Minuten nach ihrem Gig trifft man sich im Pressebereich und prostet sich mit einem Bier zu. Den Radiorifle-Artisten steht jetzt ein wohliges, ja irgendwie postkoital-seeliges Lächeln ins Gesicht. Man denkt dabei: DJ-Schweiz, volle Punktzahl.

Alles bleibt neu – oder very contemporary

Roland Fischer am Dienstag den 22. Mai 2012 um 04:46 Uhr

Eigentlich beginnt der Umbau der Turnhalle ja erst im Juni - trotzdem waren gestern schon allerhand Leute im Saal und draussen an der Fassade am Werken. Allerdings wird da nichts heruntergerissen, sondern im Gegenteil noch rasch Neues aufgebaut. Bis am Freitag Abend wird eine grosse Ausstellung mit im weiteren Sinn street-artiger Kunst aus dem Boden gestampft. Und bis kurz vor der Vernissage kann man den Künstlern beim Machen auch zusehen, die Turnhalle-Bar bleibt geöffnet.

Hinter diesem Kunsterlebnis 2.0 steht das junge Kollektiv Soon-Art, das sich schon vor einem Jahr für eine kurze und kraftvolle Ausstellung im Progr eingenistet hatte. Oben in der Aula waren die jungen Wilden noch ein wenig gebändigt worden von den örtlichen Begebenheiten. Man darf gespannt sein, was die Künstler mit den Räumlichkeiten einen Stock weiter unten anfangen, wenn sie nicht viel Rücksicht nehmen müssen. Nur soviel: Sie werden nicht nur mit Pinsel und Spraydose ans Werk gehen, sondern auch gröberes Geschütz auffahren, wie man hört.

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Vernissage von «VeryContemporary12» ist am Freitag um 17 Uhr, zu sehen ist die Ausstellung bis am folgenden Mittwoch. Beteiligte Künstler: Onur Dinc, Rodja Galli (*ro), Remo Lienhard (WES21), Schwarzmaler, The Cows, M8, Janosch Abel, Innocent Inc.

Gestrige, heutige, morgige Zukunft

Roland Fischer am Sonntag den 13. Mai 2012 um 12:06 Uhr

Ein kurzes Wort zum gestrigen Aua-Schlussabend, der sich gut in den Sonntagmorgen zog (soviel zum Thema Gestern, Heute und Morgen). «Alte Helden rosten gut», schrieb Kollege Pauli dazu bereits auf einem anderen Kanal, während Kollegin Kretz einen neuen Vornamen verpasst bekam und Kollege und Nachtreporter Sartorius auf seinen DJ-Auftritt mit Ex-Kollegin Pergoletti wartete.

Tatsächlich hat sich da als «Die Zukunft» eine All-Star-Band aus der Vergangenheit zusammengefunden, ein Keller-Buena-Vista-Social-Club. Bernadette La Hengst, GUZ und Knarf Relloem spielten alte und neue Hits à gogo, liessen es mal rumpeln, mal krachen und hatten offensichtlich ihren Spass. Das Publikum liess sich gern anstecken und tanzte danach fröhlich weiter, bis der Veranstalter irgendwann den Stecker zog. Eine sehr gelungene Geburtstagsparty war das – wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.

Berneon

Roland Fischer am Samstag den 14. April 2012 um 05:43 Uhr

Dieses Jahr fallen zwei leuchtende Jubiläen zusammen, die zunächst nur technisch verbrüdert sind: Vor hundert Jahren wurde die erste Neon-Reklame vor einen Coiffeursalon in Paris gehängt und vor fünfzig Jahren begann der amerikanische Künstler Dan Flavin als erster damit, mit Neonröhren als Skulpturen herumzuexperimentieren. Heute ist Neon aus dem Strassenbild fast ganz wieder verschwunden, dafür hat es sich einen festen Platz im Werkzeugkasten der zeitgenössischen Kunst erobert.

Auf einer losen Tour durch Berns Strassen und Kunsträume wollen wir in den nächsten Monaten dem speziellen Jubiläumsjahr Referenz erweisen und dabei anekdotisch die Geschichte des Neonlichts in Werbung und Kunst aufrollen. Die ungleichen Brüder haben natürlich viel mehr gemein, als es auf den ersten Blick den Anschein macht.

Danke!

Nicolette Kretz am Samstag den 31. März 2012 um 14:57 Uhr

Es wird ja derzeit heftig diskutiert, was die Medien dürfen und was nicht. Auch wir Blogberichterstatterinnen kommen oft in den Konflikt, wie weit wir gehen dürfen. Erzählt man wer und vor allem: wie getanzt hat? Nennt man die mentalen Flughöhen der Anwesenden? Schätzt man die Literzahl der ausgeschenkten Freigetränke?

Über das gestrige Abschiedsfest von Roger Merguin und Christian Pauli in der Dampfzentrale gäbe es so einiges Saftiges zu berichten. Der Abend wird zweifellos in die „Weisch no denn, wo…“- Annalen eingehen. Aber, um nicht nie mehr an solche Anlässe eingeladen zu werden, behalte ich die Details für mich, auch wenn’ es zum Beispiel durchaus eine schöne Story gäbe vom Moment, als Schwäbi die Foyertreppe bestieg, um Ruhe bat, zur Menge sprach und den beiden scheidenden Leitern ein Lied widmete. Aber eben: keine Details.

Stattdessen möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Herrn Merguin und Herrn Pauli für ihre wunderbare, zum Glück selten unumstrittene Arbeit der letzten sechs Jahren zu danken! Sie haben Bern viele tolle und spannende Momente beschert! Danke! 

Dass die Dampfzentrale nun führungslos vor sich hintümple, wie von den Zeitungen immer und immer wieder behauptet wird, ist ein Affront. Zwar ist eine Nachfolge noch nicht gefunden, aber bis dies geschehen ist und die neue Person antreten kann, wird das Haus von einem äusserst fähigen, motivierten und guten Team mit jahrelanger Erfahrung geleitet. Ich hoffe, dass Medien und Politik dessen Leistung nun langsam auch anerkennen. Und dass die Turbulenzen der letzten Monate bald vergessen werden können und eine spannende neue Leitung wohlgesinnt in Bern begrüsst wird.

Schönes Fest

Benedikt Sartorius am Samstag den 10. März 2012 um 10:53 Uhr

«Hoch! Hoch!» soll es werden, das Hochhaus der Träume des Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät auf der Schützenmatte. Doch das ist Zukunftsmusik. Gegenwärtig ist nämlich im hinteren Perimeter noch anderes angesagt, beispielsweise an diesem Wochenende das Rabe-Fest in der Reitschule.

Viele Konzerte habe ich mir zwar gestern nicht angehört, da ein Ticketkauf inklusive Rössli-Aufenthalt und Dachstock-Programm geradezu fahrlässig verpasst wurde. Und so lag der Schwerpunkt auf der Geselligkeit, die gestern an diesem herrlichen Platz wunderbar erschien, man lauschte den Bastelbands im Hof und DJs, die am Morgen dann wegen einem schlimmem Floh im Ohr kurzzeitig nicht gerade gepriesen wurden, und trank zum Schluss einen farbigen Sirup. Schön wars.