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Archiv für die Kategorie „Nachtleben & Freizeit“

Klang für den Sommer

Miko Hucko am Mittwoch den 15. Mai 2013 um 05:48 Uhr

Stellen Sie sich vor, es ist Sommer. Ich weiss, es schmerzt und ist nicht leicht, aber versuchen Sie es. So.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Garten, einen schönen grossen grünen Garten. Vielleicht haben Sie ja wirklich einen. Oder ihre Freundinnen. Oder ihre Nachbarn. Oder die Nachbarinnen von Freunden. So:

Jetzt fehlt in diesem Garten nur noch die Party, und für eine Party ist passende Beschallung von Nöten. Schön wäre es, wenn Sie mit einer echten Band angeben könnten, nicht?

Pompöser Auftritt des Vermittlungsprojekts «Le Son d’Été»! Auf der bunten Website können sich sowohl spielfreudige Bands als auch (und vor allem jetzt wird’s für die Gartenbesitzenden interessant) musikfreudige Partyveranstaltende melden mixen matchen, damit für beide Seiten ein schöner Abend entsteht. Richtig, für beide Seiten. Zwar steht Geld nicht im Mittelpunkt, aber es sollte doch möglich sein, dass – gegenseitige Absprache halt – beide Seiten etwas vom Konzert haben. Wenn Sie sich also Menic, das Trio Miesch am Rügge oder Mischa Wyss ab 1. Juni in den Garten (oder die regenfeste Stube) holen wollen , dürfen Sie den Musizierenden etwas dafür geben! Also hopp nicht lange zögern und schon mal die Party planen. Der Sommer kommt bestimmt.

Wifag the System

Roland Fischer am Sonntag den 21. April 2013 um 00:54 Uhr

Was ist eigentlich mit dem Wifag-Gelände – nochmal? Im einen Trakt haben sich chaotische Piloten breitgemacht, ein anderer wird neu von Zürich aus verwaltet, und ein dritter hat das Potential, ein Zuhause für die Kreativwirtschaft zu werden – ein Anfang ist gemacht. Und nun also auch noch eine wildere Art von Immobilienbewirtschaftung – die Kinder von Bern haben ein ganzes Gebäude gekapert, wohl bloss für ein verlängertes Wochenende, wenn die Drohungen der Besitzer ernst gemeint sind.

Ein kurzer Besuch gestern endete mit der leisen Enttäuschung, dass der wunderbare Dachstock (von dem hier auch schon die Rede war) das exklusive Reich der Besetzer bleibt und nur das nüchterne Erdgeschoss zum etwas gross geratenen Partyraum umfunktioniert wurde. Auf dem Heimweg ging es dann gleich weiter mit den Enttäuschungen – der weitreichende Arm der Ordnungshüter hatte schon vor der angekündigten Räumung oben im Wyler die hintere Lorraine gestreift und die Türe der tollen zur Soon-Galerie gehörenden Zoo-Bar geschlossen. Man sei daran, eine Lösung mit den Behörden zu suchen, erfährt man dazu auf Facebook. Hoffentlich wird sie bald gefunden.

Gastromeile an der Speichergasse

Roland Fischer am Sonntag den 24. März 2013 um 10:27 Uhr

Nein, es ist kein Ableger hiervon, die Neueröffnung an der Speichergasse. Vielmehr gibt es seit Freitag im ehemaligen China-Restaurant Peking visavis vom Progr einen McGspürsch-mi – «das schweizweit erste Lokal für nachhaltigen Fastfood». Nicht ganz nachhaltig war übrigens die Geschäftsstrategie der chinesischen Vorgänger-Familie, die offenbar über Nacht das Weite gesucht und das Lokal in betriebsfertigem Zustand zurückgelassen hat. Filmreife Geschichte, wie man hört.

Auf der anderen Strassenseite wird unterdessen auch mit grosser Kelle angerührt: Die Turnhalle bekam beim Umbau auch gleich noch eine richtige Küche verpasst. Dort gibt’s ab Ostern Essen über Mittag und Happen von früh bis spät, am Wochenende sogar bis 3 Uhr in der früh. Hört man als Nachtschwärmer gern, dass sich da eine Alternative zum (ja eigentlich unschlagbaren) Casa Marcello auftut.

Der Vollständigkeit halber dann noch, weiter die Gasse rauf: Im Burgunder kann man am Sonntag bestens brunchen, und auch im Lehrerzimmer gibt es seit Februar sehr feine Menüs über Mittag und etwas Warmes auch am Abend – wobei vor allem der Toast-nach-Wunsch-Dienstag immer einen Besuch wert ist.

Tanz dich (nicht so) frei in Zürich

Roland Fischer am Sonntag den 3. März 2013 um 01:50 Uhr

Ein Abend in Zürich, mit Berner Impressionen. Zunächst gab’s viel Kunst rund um die Langstrasse, initiiert unter anderem von Livio Baumgartner, der seit ein paar Jahren in der Diele die wohl kleinste Galerie Zürichs betreibt. Bald mal verdichteten sich die Gerüchte, dass der Kunstfreistaat Binz die bevorstehende Räumung der besetzten Fabrik nicht sang- und klanglos sondern standesgemäss mit einigem Lärm begehen würde, und das nicht in der Peripherie draussen. Die Besetzer würden ihren Frust diesen Abend mitten hinein in die Stadt tragen, war von allen Seiten zu hören.

Tatsächlich tauchten bald die ersten Soundwagen auf, um durchs Zürcher Ausgehviertel zu rollen. Man war gespannt, wie frei hier getanzt würde – und mischte sich mit schönen Erinnerungen unter die Meute. Richtige Feierlaune kam aber nicht auf, und das lag nicht bloss an der humorlosen Polizei, die bald mal mit Wasserwerfern und Tränengas ins Geschehen eingriff. Eine Stadt besiegt vom zügellosen Nachtleben? Das hat in Bern besser funktioniert. Aber womöglich haben es die Zürcher Tanzdemonstranten mit ihrer Inbeschlagnahme des Stadtraums auch ein wenig politischer gemeint, von Anfang an.

Offen. Auch mal für neue Formate

Miko Hucko am Freitag den 1. März 2013 um 05:19 Uhr

Offene Bühnen gibt es ja in Bern mittlerweile mindestens deren vier, wie R.B. bereits berichtet hat. Ich habe mich nun einem Selbstversuch ausgesetzt und bin heute Abend eine dieser «Nächte, in denen alles passieren kann» besuchen gegangen, die Offene Bühne in der Piazza Bar.

Das sah folgendermassen aus:

Zugegeben, das mit dem Fotografieren muss nochmal geübt werden. Die junge Dame auf dem Bild jedenfalls hat neben ihrer Stimme auch grad ihre ganze Band mitgebracht. Falls Sie sich jetzt wundern, wo diese wohl geblieben sei – es handelte sich bei dieser Performance um das berühmt-berüchtigte Halbplayback. So fühlte ich mich denn sachte an SRF-Formate wie «Music Star» erinnert. Auch schön. Der Rest des Abends wurde eindeutig von Singer/Songwritern (sic) dominiert, die bei mir allerhöchstens in die Kategorie hoffnungsvoll gefallen sind. Alles in allem: Falls Sie sich mal, was auch immer Sie beruflich so treiben, zur Gesangskunst hingezogen fühlen, hier ist der richtige Ort, sich auszuprobieren. Das Publikum ist wohlgesonnen, der Eintritt besteht aus Kollekte, das Bier ist kühl – auf geht’s!

Tage ausserhalb der Zeit

Urs Imhof am Freitag den 28. September 2012 um 06:21 Uhr

Die Bar 25 am Berliner Spreeufer war Club, Restaurant, Bar, Hostel und Zirkus. Kurz, ein Wunderland für Erwachsene, eine pulsierende Welt fernab von Raum und Zeit. Nun kommt die verblichene Bar 25 nach Bern – zumindest auf die Leinwand.

Wohl kein anderes Ausgehlokal schlug so hohe Wellen – und dies weit über die Landesgrenzen hinaus. Unzählige Mythen um endlose Partys, um Unmögliches und Verbotenes ranken sich um die legendäre Berliner Bar 25. Wer es einmal geschafft hatte, reinzukommen, der kam so schnell nicht wieder raus. Stunden wurden hier zu Tagen, Augenblicke zur Unendlichkeit.

Doch die Umstrukturierung des Spreeufers in Berlin machte auch vor der Bar 25 nicht Halt und so wurde der Betrieb im September 2010 – nach einer fünftägigen Party – eingestellt. Nur kurz darauf wurde das Gelände von der Polizei geräumt, um Platz für neue Bürogebäude zu schaffen. Für viele Kritiker der Stadtentwicklung wurde die Bar 25 deshalb zu einem Symbol der Gentrifizierung.

Nun kann man jedoch die guten alten Zeiten nochmals hochleben lassen. Im Mai feierte der Dokumentarfilm «Bar 25 – Tage ausserhalb der Zeit» in Deutschland Premiere und morgen Samstag wird er offiziell in Bern vorgestellt. Im Film lernt man Christoph, Steffi Lotta, Danny und Juval kennen. Sie sind die Macher der Bar 25 und stehen für ein Leben jenseits von festgefahrenen Ideologien und Normen ein. Aus einer Brache an der Spree erschufen sie einen Jahrmarkt für Erwachsene. Musik, Ekstase und Kunst sind ihre Formen des Protests für ein selbstbestimmtes Leben. Absolut sehenswert (auch für «Nicht-Raver»)!

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Die offizielle «Bar 25 Film & Soundtrack Tour» kehrt morgen Samstag, 29. September 2012, in der Kulturarena in Kehrsatz ein. Türöffnung: 19:00h / Der Film: 20:00h / Der Tanz: 22:00 – 06:00h. Artists: Danny Faber (Bar25 / Berlin), Nico Stojan (Bar25, Upon.You / Berlin), Dreksler & Haerle live (Elektrostubete / Bern), Luca De Grandis (Tanzkarussell / Bern), Yves Cavalié (Housecast Rec / Bern)

15 Massnahmen

Benedikt Sartorius am Freitag den 14. September 2012 um 09:36 Uhr

Das lange versprochene Nachtleben-Konzept der Stadt Bern liegt nun vor. Dieses sieht 15 Massnahmen vor, die so aufgereiht sind:

Was sich dahinter alles verbirgt? Man wirds in naher Bälde sehen.

Unverdorbene Feierlaune

Roland Fischer am Samstag den 1. September 2012 um 16:45 Uhr

«Willkommen» steht auf dem Plakat über der grossen Bühne, die tatsächlich heute nachmittag noch auf dem Bundesplatz stand, aber schon einen ziemlich verlorenen Eindruck machte. Ein freundlicher Willkommensgruss ans Konzert Theater Bern würde allerdings anders aussehen – der erste Programmhöhepunkt des neuformierten Hauses, das Openair-Konzert des BSO, fällt schon mal ins Wasser.

Viel freundlicher dann die Stimmung am Trockenen, im Theater drüben. Dort wurde den ganzen Tag über geprobt, gemustert, gespielt und herumgeführt. Ein sehr munteres Treiben war das, vom Foyer bis unters Dach. Da will sich ganz offensichtlich eine umtriebige Truppe die Feierlaune von Unplan- und Unwägbarem nicht verderben lassen. Und das ist doch mal eine Ansage.

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Das Konzert des BSO findet dennoch statt, um 20.30 Uhr im Kulturcasino. Der Eintritt ist frei. Und um 22 Uhr wird im Theater drüben als Auftakt zur Theaterfest-Party eine Kostümshow gegeben, für die die Kostümabteilung die schönsten und prächtigsten, schrägsten und absurdesten Kostüme aus dem Fundus herausgesucht hat.

West-östliches Altstadtfeeling

Roland Fischer am Freitag den 24. August 2012 um 05:40 Uhr

Eben noch eingetroffen: eine Postkarte aus Bukarest, als Randbemerkung zum Nachtruhestreit. Die rumänische Hauptstadt ist ein ziemlich toller Bastard, auch und vor allem was die Architektur angeht. Da steht viel Altes, mitunter in lamentablem Zustand, neben historisch sich aufspielendem Neuem. Ein fröhliches Wirrwarr, das trotz (oder gerade wegen?) der vielen Bausünden einen sehr lebendigen und sympathischen Eindruck macht. Und das Nachtleben ist auch nicht ohne.

Ceausescu hat bekanntlich ziemlich gewütet auf seiner Mission, aus der grossen Provinzhauptstadt eine stolze Metropole zu machen. Den historischen Stadtkern indessen hat er unangetastet gelassen, und so verfügt auch Bukarest, gar nicht so anders wie Bern, über ein Altstadtjuwel, das viele Jahrhunderte Stadtplanungsdurcheinander unbeschadet überstanden hat. Das heisst: verfügte. Denn heute ist die Altstadt zwar wieder schön herausgeputzt (sie hat auch mal düsterere Zeiten gesehen), doch ist die Aufwertung ein wenig aus dem Ruder gelaufen.

Die Rumnänen haben nämlich offensichtlich Nachholbedarf in Sachen Party, und so haben sie die Altstadt kurzerhand in ein grosses Vergnügungsviertel verwandelt. Bar an Pub an Club reiht sich in den engen Gassen, die zuweilen nur noch eine enge Passage für Passanten freilassen, weil das Volk in den heissen Nächten draussen sitzen will. Die oberen Etagen scheinen derweil alle verwaist – hier möchte wohl niemand mehr wohnen. Und so drängt sich beim Herumstreunen der Gedanke auf, dass das mit dem Schlafen-Feiern-Kompromiss wohl tatsächlich ziemlich schwierig ist. Optimales Anschauungsmaterial für Stadtplanungsdelegationen: Bern kompromisslos auf der einen, Bukarest ebenso kompromisslos auf der anderen Seite. Und die Mitte?

Marathon und Taufe

Roland Fischer am Samstag den 18. August 2012 um 02:05 Uhr

Es ist doch noch ein spendabler Sommer, so auf die letzten Wochen hin. Und einen wunderbaren Musikabend gab’s obendrein, gestern abend. Zunächst machte die junge Bündnerin Martina Linn im Zelt des Progr-Hofs mit feinen Liedern ohne viel überflüssiges Drum und Dran glücklich. Und dann hörte man auf einmal von einer Überraschungsplattentaufe von Lunik sagen, zu der man gerade noch rechtzeitig kam.

Trotz Geheimniskrämerei war es dann gehörig voll im kleinen Garten hinter dem Parterre-Haus. Und obschon alles ein wenig improvisiert aussah hatte doch auch eine satt klingende Tonanlage irgendwo Platz gefunden, so dass rasch richtig Konzertstimmung aufkam, kaum hatte Jaël die Gäste begrüsst und die Band die ersten Takte gespielt. Sie hätten noch nicht so recht Zeit zum Üben gehabt, meinte sie ein paar Lieder später, und so richtig viel sagen möge sie ansonsten auch nicht, nach dem Interviewmarathon die ganze Woche über. Aber spielte gar keine Rolle, schöner hat Lunik vielleicht noch nie geklungen, und schöner kann man eine Platte wohl auch nicht taufen.