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Archiv für die Kategorie „Hip & Hop“

Bern gepresst: Hot Jam & Luana Records

Till Hillbrecht am Donnerstag den 6. Juni 2013 um 15:27 Uhr

Es ist immer wieder eine Freude, wenn Bern einen Teil zum konstant wachsenden Vinylmarkt beiträgt – es geschieht selten genug. Umso schöner, wenn man gleich von zwei Fällen berichten kann. In diesem Sinne geht’s hier auch weniger um eine Plattenrezension als vielmehr um einen guten Moment, die Labels in Szene zu rücken.

Im ersten Fall handelt es sich sogar um das Stell-Dich-Ein des neuen Berner Labels HOT JAM. Es hat sich klar den Gefilden um die in Chicago und Detroit geborenen Deep House-Music verschrieben. Auf der ersten EP geben Matto & Matsuki vor, wie die erklärte Musikidentität des Imprints zu klingen hat: Puristische, analoge, reduzierte Grooves bei maximaler Discoattitüde. Oder wie vor kurzem Matsuki spätnachts gesagt hat: «Hot Jam muss einfach nach Jack-Sound klingen.» Wichtig zu wissen: Mit «Jack» ist nicht etwa Whiskey-Musik zum Mitlallen gemeint. Der Begriff weist auf den epochalen Bezug zur amerikanischen, elektronischen Clubmusik der späten Achtziger hin.

Luana Records hat hingegen schon einen eindrucksvollen Katalog vorzuweisen: Zwischen 2010 und heute hat der Inhaber Le Copain Pale beachtliche zehn 7″-Singles (davon 3x in Grau, 1x in Orange, 1x in Weiss, 1x in Blau und 4x in Schwarz), drei 10″-Platten und geschlagene drei Alben (1x Vinyl und 2x Kassetten) herausgebracht. Die Künstler darauf sind kaum Berner (vielleicht sogar nie – man weiss es nicht genau), selten Schweizer, sondern fast immer von Welt. Gerade erschienen auf Luana Records: «Wisdom Comes Through Struggle» von Valance Drakes. Ob mit Struggle, dem englischen Wort für Kampf, das harte Business eines Plattenlabels gemeint ist? Schwierig herauszufinden, denn es handelt sich dabei um drei rein instrumentale Cuts – was nicht weiter verwunderlich ist, den Luana bringt ausschliesslich Instrumentals raus – oder zumindest zu 99.9% (Zitat Le Copain Pale: «Auf einem Tape hat es irgendwo Raps drauf»). Die EP des jungen Engländers ist eine verspielte Downbeat-Angelegenheit, deren Struktur zwischen klaren Grooves und abstrakten Knisterei-Geflechten pendelt. Dem ersten Track hört man den britischen Club-Ursprung noch rudimentär an, die zwei weiteren entziehen sich jeglicher vernünftigen Genre-Beschreibung. Es bleibt zu sagen: Verspielt, aber nicht verschnörkelt – im positiven Sinne.

Die Nostalgie von morgen

Nicolette Kretz am Mittwoch den 5. Juni 2013 um 05:19 Uhr

Nun traut man sich ja langsam endlich ein bisschen, an den Festivalsommer zu denken. Das kürzlich erschiene Belluard-Programm lässt die Vorfreude jedenfalls steigen. Es wird eine ganz besondere Ausgabe des Festival Belluard Bollwerk International in Fribourg werden, denn es ist zugleich das 30. Jubiläum wie auch die letzte Ausgabe, der derzeitigen Leiterin Sally De Kunst. Das Festival vom 28. Juni bis 6. Juli läuft sodann auch unter dem passenden Motto «Future Nostalgia».

Das Programm zeichnet sich wieder durch viel Spartenübergreifendes und schwer Klassifizierbares aus. Da stechen z.B. einige workshop-artige Veranstaltungen ins Auge wie «tools for the next revolution» bei dem man von Christoph Wachter und Thomas Jud, wie man Mobiltelefone, ohne auf Mobilfunk-Anbieter zurückzugreifen, zu einem Netzwerk verbindet. Oder man bastelt sich mit dem Domestic Science Club in «Big Fat Failed Beginnings» seine ganze persönliche Urkatastrophe.

Doch auch die Bühnenstücke sind dieses Jahr wieder ebenso vielfältig wie vielversprechend: Der relativ durchgeknallte bulgarische Performance-Künstler Ivo Dimchev präsentiert seine Diva-Figur «Lili Handel», die zwischen urkomisch, schräg und bemitleidenswert tragisch changiert. Ein ziemlich abgefahrener Trip. «Jake & Pete’s Big Reconciliation Attempt for the Disputes from the Past» ist wunderbarstes Physical Theatre der beiden Brüder Jakob und Pieter Ampe übers Geschwister-Sein. Sehr rührend und lustig!

Es gibt noch vieles, vieles mehr zu entdecken in Fribourg. Am besten sucht man sich einen beliebigen Abend aus und schaut sich alles an, was dann läuft. Dazwischen geniesst man im schönen Festivalzentrum den Sommer. Zum Schluss spielt nochmals Reggie Watts auf, der auch schon am Belluard zu Gast war. Diesmal spannt der MC, Beatboxer und Comedian allerdings mit einer Konstellation aus lokalen Musikern und vielen Gästen zusammen. Das wird zweifellos eine grosse Sause.

 

Adieu Woodrock

Gisela Feuz am Dienstag den 7. Mai 2013 um 11:53 Uhr

Ja, man habe schon auch ein Zeichen setzen wollen, erklärt die gute Seele vom Woodrock Festival Nick Werren. Das kleine aber feine Open Air auf der Moosegg im wunderschönen Emmental feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiliäum und diese 20. Ausgabe soll zugleich die letzte sein. Überholt seien sie, erklärt Werren, die Konkurrenz von zahlreichen anderen grossen und kleinen kommerziell orientierten Open Airs sei zu gross geworden, da könne und möge man nicht mehr mithalten. Oder wie es der Woodrock-Wirt auf den Punkt gebracht hat: «Vor 20 Jahr hets chönne Chatze hagle, d’Lüt si geng no cho. Wes hüt äs chlises Rägeli git, chunnt ke Sou me.»

Für die allerletzte Woodrock-Ausgabe wird’s im beschaulichen Emmental ein Stelldichein der Berner Musikszene geben: von Fiji über die Kummerbuben, Chica Torpedo, Tomazobi, Trummer, Frau Feuz’ Monofones, Bubi eifach bis hin zu den unsäglichen YB-Rabauken Mani Porno wird alles live zu erleben sein. Die Herren aus der Abteilung Sprechgesang Greis, Baze und Diens haben sich gar für eine exklusive Zusammenarbeit zusammengetan, auf die man gespannt sein darf. Generell wird dem Publikum wohl die eine oder andere Überraschung serviert werden, so haben diverse Bands musikalische Gäste eingeladen und offenbar wird bereits heimlich an Tanzchoreographien, Pyroshows und Flitzer-Einlagen herumgefeilt.

Man sei definitiv furchtbar traurig über diese Beerdigung, erklärt Nick Werren. Aber schlussendlich sei es die einzig sinnvolle Konsequenz, die man ziehen könne. In diesem Sinne: Adieu Woodrock, es war schön mit dir. Auf dass es dir im Open Air-Himmel gut ergehen möge!

Wer dem Woodrock Festival die letzte Ehre erweisen will, der kann dies vom 4. bis am 6. Juli auf der wunderschönen Moosegg im Emmental tun. Das gesamte Programm findet sich hier, die Benützung des Vorverkaufs wird wärmstens empfohlen und Nein, Backstage-Tickets wird es gemäss Werren keine geben.

«Synapse, ich hör dir trapsen»

Gisela Feuz am Donnerstag den 2. Mai 2013 um 10:52 Uhr

Eins vorneweg: Die Herren Smith & Smart sind sich für keinen, aber wirklich absolut keinen musikalischen Unfug zu schade und das live mitzuerleben ist grösstmögliches Unterhaltungs-Kino! Gestern waren die zwei Rabauken aus Berlin im Rössli der Reitschule zu Gast und es war eine wahre Freude den beiden dabei zuzuschauen, wie sie – noch ein bisschen bleich von der Feier am Vorabend, deswegen aber keinesfalls weniger dynamisch – ihren deutschen Sprechgesang aufs Publikum abfeuerten und sich dabei bei so ziemlich allen möglichen und unmöglichen Genres der Musikgeschichte bedienten.

Frischfröhlich kreuzten die Herren Smith & Smart Criss Cross mit Prodigy, auf eine einwandfreie Hardcore-Einlage folgte brettharter Techno, dann wieder wurde über die 80er-Jahre hergezogen, um gleich darauf den unsäglichen Münchner Freiheit- Hit «Ohne Dich» anzustimmen. Dabei kalauerte, freestylte, kommentierte und zitierte Herr Smart (der für sein Mundwerk ja eindeutig einen Waffenschein bräuchte) mit viel Witz, Geist, Liebe zur Sache und Selbstironie, während Herr Smith (der übrigens so heisst, weil er eines Morgens nach einer durchzechten Nacht ausgesehen habe wie der Frontmann von The Cure) wie wild an den Plattentellern rumfuhrwerkte und diese auch gerne mal verkehrt herum bediente.

Man könne ruhig auch einfach im Geiste mitklatschen, allenfalls mit den Synapsen, wenn man sich ansonsten nicht bewegen möge, erklärte Bewegungstherapeut Smart gestern dem Rössli-Publikum gutgelaunt. Bewegt haben sich dann allerdings ausnahmslos alle, und zwar bis in die hintersten Reihen, denn es ist schwer sich nicht von der guten Laune und den äusserst tanzbaren Beats von Smith & Smart anstecken zu lassen. Da ertappt sich selbst die gestandenste Musikspezialistin dabei, wie sie plötzlich frischfröhlich bei «vamos a la playa» mitsingt. *hüstel* Macht aber nüscht.

Smith & Smart sind mit ihrem neuen Album «Anderdogs» live am Samstag 18. Mai im Café Bar Mokka zu sehen. Hingegen! Und wer mehr über die beiden Herren, ihren Werdegang und ihren musikalischen Hintergrund hören möchte, der soll hier das Smith & Smart-Interview auf 95,6 RaBe vom 19. Februar 2013 nachhören. 

Chop Records, Rathouse Records, Rockaway Beach, Take Five!

Christian Zellweger am Samstag den 20. April 2013 um 13:42 Uhr

Sie haben noch geöffnet: Der Chop und der Rockaway Beach bis 17.00 Uhr, der Take Five bis 16.00 Uhr. Über den Rathouse Records ist vom Küchentisch aus nichts Genaueres zu erfahren, gehen Sie vorbei an der Elisabethenstr. 33 im Breitsch.

Diese Berner Plattenläden machen mit beim heutigen Record Store Day.

An diesem Tag verweisen wir auf die um einiges ausführlichere Berichterstattung im letzten Jahr. Und wenn Sie wissen wollen, wie es den Berner Plattenhändlern 2013 geht, dann hier lang.

Candy from a not so stranger

Christian Zellweger am Dienstag den 16. April 2013 um 12:19 Uhr

Er war viermal beim Eurovision Song Contest dabei, damals als sich die Veranstaltung noch ehrenvoll Concours Eurovision de la Chanson nannte. Er segelte auf den Meeren dieser Welt, lebte auf den Bahamas und besang Wale und die Inseln, die jeder braucht. Es gibt ein Tribut-Album mit seinen Songs und Wikipedia sagt, er gehöre zur Spitzengruppe der Schweizer Musiker, woran es nichts zu zweifeln gibt. Die Rede ist natürlich vom Vater aller singenden Seglern, Peter Reber.

Etwas weniger honorig sind die Damen und Herren von Candy From A Stranger, aber sie sind auch um einiges jünger. Immerhin haben sie aber eine Ehrung der Burgergemeinde in der Tasche, für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Organisation der Berner Rap-Nacht.

Zusammen sind sie, noch damals im Winter, der plötzlich so weit weg scheint, auf den Gurten gestiegen. Da haben sie auf Video festgehalten, wie Peter Reber beweist, dass er auch mit 65 Jahren keinerlei Berührungsängste kennt, nicht mit Hip Hop und schon gar nicht mit Gurten-Gartenbahnen.

Weil wir uns hier dem Berner Kulturschaffen in all seinen Facetten widmen, soll Ihnen diese Zusammenarbeit nicht vorenthalten bleiben. Setzen Sie sich hin, lehnen Sie sich zurück und dann: Film ab.

«Sein Style ein Blueprint für Generationen»

Christian Zellweger am Freitag den 15. März 2013 um 16:22 Uhr

«Goht no paar Minütli bis i mi derfür hass‘, verfluech und aazwiifle, dasi das cha», reimt der Rapper Manillio aus Solothurn auf seinem Album Irgendwo. Einer der hadert und hinterfragt, leidet am Leben und sich wundert, über sich und seine Freunde, das Leben im digitalen Zeitalter. Das soll der neue Schweizer Rap-Star sein?

Ja, sagt seine Plattenfirma Soundservice. Das, und noch viel mehr:

Er strotzt vor verbaler Präzision und subtiler Beobachtungsgabe. Er ist ein Visionär, der das Genre weit über seine Grenzen hinausträgt. Seine Musik ist ein Glück für die Jugend, sein Style ein Blueprint für Generationen.

So ein Visionär will ordentlich präsentiert werden, ein exklusives Showcase im Kairo-Keller inklusive Autogrammstunde ist gerade gut genug.

Niisi

Doch der, der da am Donnerstagabend auf der Keller-Bühne steht, im schwarzen Hemd, mit adrettem Seitenscheitel, will so gar nicht zum vollmundigen Promo-Text passen. Es ist die erste Show mit dem neuen Material, das erste Konzert mit der Band. Auch hier hadert er, mit der Technik, mit der Nervosität, der MC sorgt sich um sein Publikum.

Dabei ist alles gut, denn das Setting passt ganz wunderbar. Die Keller-Intimität verschmilzt mit den nonchalant vorgetragenen Texten. Die Berner Support-Band gibt sich keine Blösse, der linkische Charmeur hat sein Publikum von Anfang an in der Tasche und je länger die Show dauert, umso wohler fühlt er sich auch selbst.

Manillio und seine Crew sind bereit für die Bühnen dieses Landes und sollte er an seinem Auftritt zweifeln, kann es nur einen Grund geben: «I bi mitti 20, und es schiind, min Chopf und d’Realiät rede nid di gliichi Sprooch».

Enthusiasmus in Moll

Nicolette Kretz am Dienstag den 11. Dezember 2012 um 13:27 Uhr

Wenn einer gefühlte fünfzigmal in einer Show sagt, er sei ein «musical genius» oder ein «virtuoso», muss das einen stutzig machen. Wenn er das dann aber selbst mit (selbstverständlich wiederholt gerapptem) «I call myself musical genius but I repeat it until it becomes meaningless» entlarvt, sind wir wieder im grünen Bereich. Dies ist exemplarisch für das brillante dramaturgische Geschick, das Chilly Gonzales gestern in der proppenvollen Basler Kaserne bewies. Ob er nun ein musikalisches Genie ist, kann debattiert werden, aber zweifellos ist er ein grandioser Entertainer.

Kennt man sein neustes Album «Solo Piano 2», so stellt man sich bei der gleichnamigen Tournee auf ein eher ruhiges, fast schon melancholisches Klavierkonzert ein. Nach zwei Stücken biegt Gonzales aber ab in eine fulminante One-Man-Show irgendwo zwischen humorvoller Musikvermittlung, Spokenword-Show und Gig. Er erklärt, dass die Konzertversionen wenig mit den Stücken auf dem Album zu tun hätten, da er im Studio bewusst neutraler spiele, um emotionale Leerstellen zu lassen, die der Hörer dann selbst fülle. Das kann eine faule Ausrede sein, nimmt man ihm aber insofern ab, als klar wird, dass  Studiotage für diese Rampensau wohl eher eine Qual sein müssen. Da ist es nur konsequent, dass das Live-Erlebnis auch für die Zuschauer einen erheblichen Mehrwert bieten muss.

So erklärt er in der Show zum Beispiel, was ein Arpeggio ist und kann, und spielt zur Illustration Glen Millers «In The Mood» ohne Arpeggien – eine langsame Folge pathetisch gegriffener Akkorde. Oder er erläutert, dass Dur konservativ, ja gar «right-wing» sei (nicht zuletzt, weil man auf der Klaviertastatur, um aus dem offenen Akkord einen Dur-Akkord zu machen, für den dritten Ton mit dem Finger leicht nach rechts gehen müsse, während der dritte Ton für den Moll-Akkord leicht links davon liege). Im Gegensatz dazu sei Moll progressiv, gar revolutionär. Ihm gefalle Moll grundsätzlich besser und er zeigt uns mit Moll-Versionen von Alltags-Hits wie «Happy Birthday», «Bruder Jakob» oder «Chariots of Fire» wieso.

Bloss beim wiederholten Zuschauer auf die Bühne holen wird der Abend ein bisschen zur Kinderparty. Aber Gonzales rettet uns mit seiner Bühnenkompetenz und Souveränität auch aus diesem Abgrund, gleicht mit intelligenten Rhymes und unglaublicher musikalischer Vielseitigkeit wieder aus und beweist den ganzen Abend lang, dass er für alles, was er persifliert und verwurstelt gleichzeitig einen grossen Respekt hat. Ein Abend, dessen Enthusiasmus noch lange nachhallt!

Tagebuch der Schläge

Ruth Kofmel am Mittwoch den 5. Dezember 2012 um 05:57 Uhr

Lieber, lieber Weihnachtsmann, dies hier ist dringend: Bitte peitsche deine Rens Richtung Everestrecords und hol mir da die wunderhübsche Box mit dem Titel Beat Diary aus dem Regal – ich will zu Weihnachten Schläge, nichts anderes als Beats! Danke.

Verantwortlich für die zwölf Schallplatten gefüllt mit Rhythmen ist der Schlagzeuger Julian Sartorius. Eine solche Produktion ist ja wohl eher ein Unding,  – wer will sich schon stundenlang Beats anhören – unvorstellbar, dass das spannend sein könnte. Das ist es aber, und wie!

Die Idee über ein Jahr hinweg mit Beats ein Tagebuch zu führen ist ja das eine, das dann aber tatsächlich über ein Jahr hinweg durchzuziehen und immer neue und aussagekräftige Klänge zu entdecken ist das Andere und Erstaunliche. Julian Sartorius hat sich wohl mehr als einmal selbst verwunschen für diese Projektansage und hat trotzdem weiter gemacht.

Dass das gut gekommen ist, hat damit zu tun, dass Julian Sartorius eine unerschöpfliche Spielfreude und einen kindlichen Entdeckergeist sein eigen nennt und dass er ein superber Musiker ist, der weit über das Schlagzeug hinaus seine Bahnen zieht und sich ebenso im Produzieren von Beats, wie im Geräusche sammeln und erzeugen, im Arrangieren und Komponieren zu Hause fühlt. Und ein Synästhetiker ist er offenbar auch. Also kommt seine Beat Diary mit Bildband daher, der zu jedem Tag und jedem Beat ein Bild vom jeweiligen Ort des Geschehens zeigt.

Die Beat Diary ist also das klingende Tagebuch eines Mannes auf Reisen. Sie erzählt während 365 Tagen vom Wo, Was und Wie, sie hält fest, wie ein Mann die Welt abtrommelt und zum klingen bringt. Darüber hinaus ist sie ein Lexikon der Beats. Ein neu erfundenes und interpretiertes Nachschlagewerk für Beats, die die Musikgeschichte der letzten zwanzig Jahre vereinen und aufführen.

Lieber Weihnachtsmann, bitte presch schon mal los – peitschen, peitschen, peitschen – die Box kommt am 14. Dezember auf dem Label Everestrecords heraus und wird am 21. Dezember im Dachstock getauft.

Baze auf 96 Kanälen

Gisela Feuz am Donnerstag den 17. Mai 2012 um 13:18 Uhr

«Ä uhure Macchina! Sicher öppe 96 Spure», erklärten gestern die beiden anwesenden Tontechniker mit glänzenden Äuglein der Schreiberin im Backstage vom ISC. Mit der «uhure Macchina» war das Ding gemeint (man vergebe mir meine Technik-Unwissenheit), mit welchem Ton-Häuptling Jan Stehle gestern das Konzert von Baze und seinen wackeren Mannen aufgenommen hat. Die Herren beenden nämlich gestern und heute im ISC ihre Tournee zu «D’Party isch vrbi» mit einem Doppelkonzert, welches aufgenommen und als live Album herausgegeben werden soll.

Während hinten also über Mischpulte und Kanäle gefachsimpelt wurde und die Herren Mischer über Hornhaut an den Fingern klagten (jedem Beruf seine Krankheit), besprachen vorne die Herren Musiker beim Soundcheck, wie man denn jetzt genau wolle und arrangierten auch noch schnell den einen oder anderen Song ein Bisschen um. Von dieser kurzfristigen Organisation liess sich dann allerdings während des Konzerts nichts feststellen, denn schliesslich sind die Herren Anliker, Jakob, Kuelling und Baumann alle Profis auf ihrem Gebiet.

Die Herren Baze und Baumann in mentaler Vorbereitung

Er sei «scho bitz nervös», verkündete Herr Baze dem vollen ISC-Club. Das merkte man aber höchstens zwischen den Songs bei den Ansagen. Da wusste der Sprachakrobat vom Dienst vor lauter Aufnahme-Herrjesses offenbar nicht so recht, was man jetzt genau wie sagen soll. Ansonsten lieferten die Herren aber ein einwandfreies Konzert und zeigten sich musikalisch vielseitig. Ein spannendes Album wird das werden, welches sich definitiv zu kaufen lohnt. Falls denn der Herr Stehle gestern all seine 96 Dinger im Griff hatte.

Heute Abend findet das zweite Konzert von Baze im ISC statt, welches ebenfalls aufgenommen wird. Wann genau das live Album herauskommen wird, wurde ganze einfach vergessen zu fragen konnte bis Redaktionsschluss nicht herausgefunden werden.