Neapel hat ein ziemlich seltsames Verkehrsnetz. Metrolinien, die den Namen verdienen, gibt es genau zwei, die 1 (die ist ziemlich lang und fährt sogar so etwas wie einen grossen Kehrtunnel, aber am Hauptbahnhof und überhaupt im Stadtzentrum kommt sie nicht vorbei) und die 6 (die ist ziemlich kurz und irgendwo im Westen, kein Mensch weiss genau wo). Dann gibt es noch die 2, die hält auch am Hauptbahnhof, aber die ist eigentlich ein Vorortszug, der halt häufig im Tunnel fährt.
Dann gibt es noch drei Standseilbahnen, die oben auf dem Hügel alle am selben Ort ankommen, und sogar eine einsame Trolleybuslinie. 
Was das mit Kultur zu tun hat? Das merkt man am besten, wenn man die Cumana nimmt, im mitten im Gewühl gelegenen alten Bahnhof Montesanto, der, wie viele andere Stationen, in den letzten Jahren für ziemlich viel Geld aufgehübscht worden ist, unter anderem auch mit Kunst. Die Züge dagegen sehen alle etwa so aus:
Es gibt hier eine sehr lebendige (und zumeist, aber nicht nur, auch sehr oldschoolige) Graffiti-Szene, über die ich in einem sehenswerten Dokfilm einiges erfahren habe. Sehr hübsch beispielsweise die Szene, als der Putzkolonnenchef durchrechnet, wie viele Züge sie pro Woche wieder sauber bekommen und wie viele neue inzwischen besprayt werden. Und wie dann noch einer der Saubermänner erzählt, wie er manchmal abends in der Bar Freunde trifft, die zur Sprayerszene gehören. Und wie sie dann zusammen lachten, wenn er von der Arbeit erzählt.
Aber im Ernst, die Züge sind allerdings in ziemlich lausigem Zustand und bleiben auch entsprechend häufig liegen. Das hat mir eine Neapolitanerin auf der «Metro Art Tour» erzählt, mit dieser hier sehr typischen Balance aus Entrüstung und Achselzucken. Die Kunstführung durch die Metrostationen ist eine sehr seltsame Sache, diesbezüglich. Während nämlich die Infrastruktur bröckelt, wird bei der Deko so richtig geklotzt, auch mit berühmten Namen. Höhepunkt ist der unlängst eröffnete Süsswarenladen «Università». Das Geld kommt aus europäischen Sondertöpfen, und das Resultat wird auch in bester Stadtmarketingmanier ausgeschlachtet, aber die Neapolitaner, die wären einfach froh, wenn der ÖV richtig funktionieren würde.




















