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Archiv für die Kategorie „Hin & Weg“

Berneon (5)

Roland Fischer am Mittwoch den 23. Mai 2012 um 06:10 Uhr

Eine Folge aus der Ferne: Am Sonntag ist in Paris eine Sammelschau zu Neonkunst zu Ende gegangen, die ich leider verpasst habe (merci NZZ, für den Hinweis vier Tage vor Schluss). Natürlich ist es kein Zufall, dass gerade hier und gerade 2012 die erste umfassende Retrospektive zum Thema ausgerichtet worden ist – auch die Macher verweisen auf das magische Datum 1912, als in einer Pariser Strasse die allererste Neonreklame hing (sie wissen allerdings auch nicht wo genau, leider).

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Alles bleibt neu – oder very contemporary

Roland Fischer am Dienstag den 22. Mai 2012 um 04:46 Uhr

Eigentlich beginnt der Umbau der Turnhalle ja erst im Juni - trotzdem waren gestern schon allerhand Leute im Saal und draussen an der Fassade am Werken. Allerdings wird da nichts heruntergerissen, sondern im Gegenteil noch rasch Neues aufgebaut. Bis am Freitag Abend wird eine grosse Ausstellung mit im weiteren Sinn street-artiger Kunst aus dem Boden gestampft. Und bis kurz vor der Vernissage kann man den Künstlern beim Machen auch zusehen, die Turnhalle-Bar bleibt geöffnet.

Hinter diesem Kunsterlebnis 2.0 steht das junge Kollektiv Soon-Art, das sich schon vor einem Jahr für eine kurze und kraftvolle Ausstellung im Progr eingenistet hatte. Oben in der Aula waren die jungen Wilden noch ein wenig gebändigt worden von den örtlichen Begebenheiten. Man darf gespannt sein, was die Künstler mit den Räumlichkeiten einen Stock weiter unten anfangen, wenn sie nicht viel Rücksicht nehmen müssen. Nur soviel: Sie werden nicht nur mit Pinsel und Spraydose ans Werk gehen, sondern auch gröberes Geschütz auffahren, wie man hört.

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Vernissage von «VeryContemporary12» ist am Freitag um 17 Uhr, zu sehen ist die Ausstellung bis am folgenden Mittwoch. Beteiligte Künstler: Onur Dinc, Rodja Galli (*ro), Remo Lienhard (WES21), Schwarzmaler, The Cows, M8, Janosch Abel, Innocent Inc.

Louft u louft u louft

Grazia Pergoletti am Sonntag den 20. Mai 2012 um 16:00 Uhr

Züri West in Basel, welches laut Kuno immer zwei Grad wärmer ist, zwei Dezibel lauter und das immer zwei Tore vorne liegt. Die grosse Halle der Kaserne war mit 1250 Menschen proppenvoll und es war mörderisch heiss. Das Publikum total gemischt, nicht mehr hauptsächlich der grosse Teenieaufmarsch wie noch vor einigen Jahren. Oder vielleicht doch, bloss, dass die Teenies von dazumal nun auch in die Jahre gekommen sind. Und fast ebensoviele Herren wie Damen, die mitsangen und ihrer Begeisterung lautstark Ausdruck verliehen (Herr Rrrr war übrigens auch da).

Der Sound war ebenfalls sehr warm, etwas weniger rockig, etwas mehr in Richtung Trip-Hop (falls es dieses Wort überhaupt noch gibt). Vor allem die famosen Bläser veredeln diesen bauchigen Sound, machen Züri West eleganter und erwachsener, aber keinesfalls langweiliger. Auch die Songs des neuen Albums «Göteborg», die bis jetzt noch nicht gerade zu den allerliebsten ZW-Songs der Schreiberin gehören, gewinnen live ganz enorm. Super Konzert mit einer bombastisch coolen Lightshow, traurig bloss, dass Jürg Schmidhauser fehlte. Ansonsten: Immer wieder verblüffend gross!

«Direkt» zum zweiten

Roland Fischer am Sonntag den 6. Mai 2012 um 14:32 Uhr

Gleich noch einmal Aua, zu später Stunde (so gegen halb eins leerte sich das ausverkaufte Schlachthaus erst, und manche Gespräche mit den Protagonisten des Abends zogen sich noch viel länger hin). Und unverschämt direkt ging es auch in «The Best Sex I’ve Ever Had» der kanadischen Gruppe Mammalian Diving Reflex zur Sache.

Eigentlich wurde man da allerdings ein wenig betrogen als Zuschauer (aber nicht so, dass man sich hätte ärgern müssen). Der Abend, den es gestern zu sehen gab, heisst nämlich neu «All The Sex I’ve Ever Had» – ein kleiner, aber sehr wesentlicher Unterschied, was die Grundatmosphäre des Stücks angeht. War dieses nämlich im Ursprung, wie man sich hat sagen lassen, hemmungslos pornografisch, eine detailreiche Reise durch die (guten) erotischen Erinnerungen alter Menschen, so hatte es gestern einen ganz anderen Fokus. Denn wenn Menschen, die heut zwischen 70 und 80 Jahre alt sind, frank und frei von ihrem Sex- und Beziehungsleben berichten, dann wird es dabei auch um viel schlechten Sex gehen – und um irritierend simple Rollenverteilungen.

Man hört den elf Protagonisten gebannt zu (auch über zwei Stunden), wie sie ihre ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten erzählen, raffiniert verflochten und von einem gutgelaunten Moderator von Jahreszahl zu Jahreszahl vorangetrieben. Und merkt als Nachgeborener immer deutlicher, wie glücklich man sich schätzen kann, in einer sexuell befreiten Zeit aufgewachsen zu sein. Denn so amüsant der Abend immer mal wieder ist (es gibt gut getimte Pointen zuhauf, und die Erzähler liefern immer wieder spontane, verschmitzte Zusatzeinlagen) – da sind auch sehr viele ernste Momente, da tun sich unversehens Abgründe auf, da wird geschlagen, geschieden, gelitten – manchmal wird das fast unerträglich. Zum Glück wird aber auch viel geliebt, und zum Höhepunkt, zum besten Sex, findet der Abend dann natürlich auch – oft reichlich spät, aber nirgends kann man mit mehr Recht sagen: lieber spät als nie.

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«The Best Sex I’ve Ever Had» wird heute Abend noch einmal gegeben, um 20 Uhr im Schlachthaus.

Rundherundherundherum

Roland Fischer am Dienstag den 1. Mai 2012 um 11:53 Uhr

Binsenwahrheit des Tages: Bilder zeigen nur einen Ausschnitt der Welt. Stimmt allerdings nicht immer, Wunderwerke der Digitaltechnik sei dank:

Aber musste es erst 2012 werden, damit wir so einen Rundumblick auf die Welt tun können? Durchaus nicht, schon vor 200 Jahren hat man sich an derlei Panoramen versucht. Allerdings ging es damals ein wenig länger, einen 360-Grad-Blick festzuhalten. Fünf Jahre, von 1809 bis 1814, hat der Basler Marquard Wocher am ältesten erhaltenen Panorama der Welt gearbeitet. Es zeigt auf sage und schreibe 285 Quadratmetern ein perfektes Thuner Stadtidyll und steht heute im Schadaupark.

Einen Besuch ist das Thun-Panorama vor allem deshalb auch heute noch wert, weil das alte Gemälde mit immer neuen Sonderausstellungen ergänzt und kontrastiert wird. Derzeit spielt der Zürcher Illustrator Ingo Giezendanner (alias GRRRR) mit der musealen Thun-Beschaulichkeit, indem er ihr die Tunis-Lebendigkeit gegenüberstellt. Giezendanner hat eigens für den Ausstellungsraum ein fragmentiertes und sich beim Betrachten immer wieder veränderndes Stadtpanorama gezeichnet, das aus 360 locker 720 Grad (oder noch ein paar mehr) macht. Kunst kann sowas.

Berneon (3)

Roland Fischer am Montag den 30. April 2012 um 12:47 Uhr

Wie gesagt, Neon-Reklamen sind nicht sämtlich von gestern. Aber ein bisschen Retro sind sie natürlich schon, auch wenn sie nigelnagelneu sind. Hier ein allseits bekanntes Beispiel aus der Mittelstrasse.

Ob es auch ein wenig am schön aus dem Halbdunkel glimmenden Schriftzug liegt, dass die Leute gleich am ersten ein wenig sommerlichen Tag Schlange stehen bis auf die Strasse hinaus? Werden wir angezogen von den leuchtenden Versprechungen wie Motten vom Licht? Auf jeden Fall soll es hier laut Eigenwerbung nicht einfach Berns, sondern gleich «the world’s finest gelato» geben.

Bern auf Koks

Roland Fischer am Donnerstag den 26. April 2012 um 11:52 Uhr

Ich hatte mich ja beim Durchblättern des Programmhefts vom diesjährigen Visions du Réel in Nyon schon auf diesen Film gefreut – gelaufen ist dann tatsächlich der Berner Namensvetter «Work Hard Play Hard». Fast – nur fast – wäre es ein mehr als achtbarer Ersatz geworden. Leider kommt der Film kurz vor der Ziellinie dann noch ins Stolpern und schafft es deshalb nicht aufs persönliche Nyon-Treppchen.

Zwei kantige Berner Köpfe erzählen in «Work Hard Play Hard» erfrischend direkt vom Koksen. Zunächst scheint die Personalwahl ein wenig beliebig – viel Auswahl wird der Regisseur nicht gehabt haben, denkt man. Doch je länger der Film dauert, desto klarer schält sich da ein stiller Konflikt heraus, eine ziemlich spannende Figurenkonfrontation: Hier das Party-Animal, mitten im (Berufs)Leben stehend und sich selbst seinen Konsum immer schönredend, dort das Bühnentier, das nach einem Suizidversuch tatsächlich losgekommen ist vom Pulver und sich selbst und die Droge einiges klarer im Blick hat als sein junger Gegenpart. Die beiden Erzählschienen laufen leichthin und dabei sehr aufschlussreich nebeneinander her, bis der Regisseur auf die unglückliche Idee kommt, seine Protagonisten zu einer kokstherapeutischen Plauderstunde zusammenzubringen. Da bekommt dann der Film selbst ein Koksnäschen und tut viel wichtiger als man ihn bis dahin zu nehmen bereit war. Schade drum.

Schade drum galt irgenwie sowieso in Nyon: Man wird den Eindruck nicht los, dass seit letztem Jahr (und dem Chefwechsel) ein anderer Wind weht am Visions du Réel. Die verspielte Auseinandersetzung mit Realität und Fiktion hat einem Engagement-Kino Platz machen müssen, das oft ziemlich verkrampft daherkam. Hinterfragungen des filmischen Dokomentierens gab es zwar auch (zb. hier oder hier), doch sie wirkten oft gezwungen – ein neue Ichbezogenheit ist da ins Dokumentarkino gekommen. Wollte sich der Dokumentarfilmer früher hinter der Kamera möglichst unsichtbar machen, so drängt es ihn heute unwillkürlich mit ins Bild. Das kann erhellend sein, was die Subjektivität eines jeden Blicks auf die Welt betrifft – zuweilen kommt es einem aber schlicht ziemlich eitel vor.

Berneon (2)

Roland Fischer am Mittwoch den 25. April 2012 um 05:00 Uhr

Wer hats erfunden? Der Franzose Georges Claude, heisst es in den Geschichtsbüchern – am Salon de l’Auto in Paris zeigte der Ingenieur 1910 einen Prototypen, bevor er zwei Jahre später die erste Neonreklame anfertigte. Schöner Zufall, dass gerade in diesen Tagen ein aktueller Text hereingetwittert kam, der an diesem Gründungsmythos kratzt.

Ein Haushistoriker am National Museum of American History ist beim Wühlen in den Beständen auf zwei alte Neon-Schriftzüge gestossen, zusammen mit folgender Notiz: «Luminous Sign Designed by P. G. Nutting, Made by Sperling – National Bureau of Standards, Exhibited at St. Louis Exposition 1904.» Eine kleine Sensation? Nicht so ganz – herumexperimentiert mit den Leuchtgasen wurde schon eine Weile, bevor es Claude gelang, die Gasgewinnung erschwinglich zu machen. Diese «französischen» Neonlichter fanden dann erst in den 20er Jahren ihren Weg nach Amerika.

«History is not static and is rarely crystal clear. In many ways the past is as difficult to see as the future», schreibt der Historiker dazu sehr schön. Zum Glück gibt es auch in Bern immer noch eine ganze Menge Neon-Kunst, die einen ganz einfachen Blick in die (mitunter sehr ferne, mitunter ganz gegenwärtige) Vergangenheit erlaubt.

«Hoch! Hoch!» (2)

Roland Fischer am Dienstag den 27. März 2012 um 11:46 Uhr

Weiter geht’s mit unseren Vorschlägen für höhere architektonische Weihen in Bern. Heute ein Vorschlag für die Angleichung der Bebauungshöhen zwischen Matte und Altstadt. Eventuell wären die oberen Etagen auch über eine Hängebrücke direkt von der Münsterplattform oder von der Kirchenfeldbrücke aus zugänglich zu machen. So oder so, ein architektonischer Impuls würde dem Schwellenmätteli auf jeden Fall gut tun.

Zäme zmitts im Chleefäud

Roland Fischer am Montag den 26. März 2012 um 14:33 Uhr

Gestern war es zu schön zum Computern, deshalb also heute noch ein Samstagstermin nachgereicht: Ab diesem Wochenende hat eine der grossen Eingangszeilen des Bernrocks eine ganz neue Bedeutung. Endlich gibt es in Bern ein Übernachtungsangebot jenseits von Parlamentarier-Biederkeit und Jugendherbergs-Funktionalität.

«Im Klee» nächtigt man sehr angenehm in liebevoll eingerichteten Zimmern – die Macher (unter anderem unser Ehemaliger Herr Gnos) haben den früheren Heimräumlichkeiten unweit des Museums Paul Klee den Mief gehörig ausgetrieben. Hier ein paar fotografische Eindrücke vom sehr gemütlichen und von allerlei musikalischen Freunden besuchten Eröffnungstag: