Es ist ja eine Binsenwahrheit, dass das Fernsehprogramm in Italien zu wünschen übrig lässt – wer etwas gegen unsere privaten Sender hat, der soll mal die öffentlich-rechtlichen unserer Südnachbarn einschalten. So richtig lustig wird’s aber erst, wenn man die Lokalsender mit zur Auswahl hat. Da bekommt man die Volksseele dann so ungefiltert um die Ohren gehauen, dass man vielleicht lieber Kulturatheist wird. Aber so einfach umschalten kann man halt auch nicht, wenn solcherlei geboten wird:
Wenn man neapolitanische Freunde auf das lokale Liedgut anspricht, auf derlei TV-Erlebnisse verweisend, dann reagieren die eher genervt. Da trifft man nämlich den Musikantenknochen, sozusagen. Das «echte» neapolitanische Liedgut hat mit gefühligem Schlagergeträller tatsächlich nicht viel zu tun, habe ich hier gelernt. Da geht es mehr um raffinierte Texte und ein erstaunlich zurückhaltend intoniertes Leiden und Sehnen. Erinnert sehr an Fado, in meinen Ohren (hier die Expertenmeinung dazu). Kontrastprogramm also, wunderschönes:
Aber nun, heute tönt es in Neapel natürlich ganz anders. Und so kommt auch ein eher zweifelhafter Schweizer Kulturexport in diesen Tagen zu einem gross beworbenen Auftritt. Und schon vor gut vierzig Jahren stellte man sich den Klang von Neapel ganz anders, das heisst sehr folkloristisch, vor – hierzulande zumindest. Das Sehnen immerhin, das hatten die Neapolitaner da noch: «Zu Rosita sagte er: “Nimm’s nicht so schwer”. Und in seinem Fischerboot fuhr er dann ins Morgenrot»













