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Archiv für die Kategorie „Elektronisches“

Norient: Klangstudie Schweiz

Gisela Feuz am Samstag den 19. Mai 2012 um 15:33 Uhr

In Bern sei also deutlich mehr gelacht worden als in Züri, stellten die drei Herren vom Kollektiv Norient im Anschluss an ihre Klang- und Bildperformance im Kino der Reitschule fest. «Sonic Traces: From Switzerland» heisst «das klingende Biest» (Der kleine Bund vom Freitag), in welchem Thomas Burkhalter, Simon Grab und Michael Spahr sich die Schweiz vorknöpfen oder genauer: Wie diese klingt.

Foto: Christian Krebs

Während genau einer Stunde betrieben die drei Norient-Herren eine klangliche Fallstudie zur Schweiz und kreierten so einen wunderbaren Dokumentarfilm für die Ohren. Munter wurden da Jodlerchörli manipuliert, aktueller Pop und Hip Hop fand ebenso Platz in der Klanginstallation wie der Räuber Hotzenplotz, Jack Stoiker, Sportreporterlegende Hans Jucker oder abstrakte Clubmusik von Bit-Tuner, improvisierter Jazz, Insektenbrummen und SBB-Bahnhofsdurchsagen. Dazu wurden visuell Statements von Musikern miteinbezogen, welche sich zur Befindlichkeit des schweizerischen Musikschaffens äussersten. (Im Bild oben links Herr Filewile, gemäss Steuerverwaltung «Hobbymusiker»)

Es war eine wahre Freude, den drei Norient-Herren zuzuschauen, wie sie tief über ihre Plattenspieler und Laptops gebeugt wild an Knöpfen herumschraubten und so zusammenbrachten, was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen will, es aber doch wunderbar tut. Die ganze Performance habe fixe dramaturgische Punkte, an welchen man sich orientieren könne, dazwischen werde aber improvisiert, was das Zeugs hält, erklärt Video-Chef Spahr im Anschluss. Verschiedenste Aspekte, Meinungen, Auffassungen und Blickwinkel wurden da audio-visuell aufgezeigt und genau diese Widersprüchlichkeit war zum Teil ungemein komisch, zumal die Gegensätze dann eben doch wieder komplementär zueinander stehen. Welcome to Switzerland. Sehr schön war das!

«Sonic Traces: From Switzerland» wird morgen Sonntag im Haus für elektronische Künste in Basel aufgeführt, vom 31.8. bis am 2.9. am Theaterspektakel in Zürich und am 28. und 29. September im Schlachthaus in Bern.

Im Juli gehts raus aus der Laube

Benedikt Sartorius am Mittwoch den 2. Mai 2012 um 11:50 Uhr

Seit Februar 2011 suchte der Berner Ableger des Kulturbüro neue Räume. Die Annonce damals ging so: «Ca. 100 – 200 m2 Verkaufs- und Arbeitsfläche, Lager separat. Mit WC. Stadt Bern, möglichst zentral, je nach Standort auch in der Lorraine, Breitenrain, Länggasse, Matte etc. Gut mit ÖV erreichbar. Parkplatz oder Garage für unseren Mietbus. Nur langjähriger Mietvertrag.»

Nun ist ein neuer Standort gefunden: Dieser liegt in naher Nähe der Rathausgasse, genauer an der Brunngasse 58, und bietet dank Zugang zur Grabenpromenade einen weiteren Blick als bis anhin unter den Lauben.

Gezügelt wird im Juli, und ab Ende des Sommermonats darf kulturproduktionsspezifisches Equipment dort ausgeliehen werden. Für Zaungäste wie mich bleiben die wechselnden und immer lohnenden Schaufenster.

Rundherundherundherum

Roland Fischer am Dienstag den 1. Mai 2012 um 11:53 Uhr

Binsenwahrheit des Tages: Bilder zeigen nur einen Ausschnitt der Welt. Stimmt allerdings nicht immer, Wunderwerke der Digitaltechnik sei dank:

Aber musste es erst 2012 werden, damit wir so einen Rundumblick auf die Welt tun können? Durchaus nicht, schon vor 200 Jahren hat man sich an derlei Panoramen versucht. Allerdings ging es damals ein wenig länger, einen 360-Grad-Blick festzuhalten. Fünf Jahre, von 1809 bis 1814, hat der Basler Marquard Wocher am ältesten erhaltenen Panorama der Welt gearbeitet. Es zeigt auf sage und schreibe 285 Quadratmetern ein perfektes Thuner Stadtidyll und steht heute im Schadaupark.

Einen Besuch ist das Thun-Panorama vor allem deshalb auch heute noch wert, weil das alte Gemälde mit immer neuen Sonderausstellungen ergänzt und kontrastiert wird. Derzeit spielt der Zürcher Illustrator Ingo Giezendanner (alias GRRRR) mit der musealen Thun-Beschaulichkeit, indem er ihr die Tunis-Lebendigkeit gegenüberstellt. Giezendanner hat eigens für den Ausstellungsraum ein fragmentiertes und sich beim Betrachten immer wieder veränderndes Stadtpanorama gezeichnet, das aus 360 locker 720 Grad (oder noch ein paar mehr) macht. Kunst kann sowas.

Streicheinheiten

Ruth Kofmel am Mittwoch den 18. April 2012 um 06:10 Uhr

Beim Wort Streichquartett denkt meinereins an klassische Konzerte, gespielt in kühlen Kirchen. Dass das einmal mehr ein sträfliches Vorurteil ist, beweist das Berner Streichquartett Kaleidoscope String Quartet. Bei denen geht es eher hitzig zu und her. Es wird in allen möglichen musikstilistischen Teichen gefischt und immer wieder ein kapitaler Fang an Land gezogen, der schillert und zappelt und hervorragend schmeckt.

Am besten treffen die vier Streicher aber meinen Geschmack mit dem reduzierten Remix des Stücks «One Life?» von Patrik Zeller. Dazu hat der Gestalter Steven Götz ein verträumt schwebendes Video geschaffen.

Auch sehenswert ist die kleine Interviewrunde mit den Machern von Stück, Remix und Video.
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Das Kaleidoscope String Quartet spielt am ersten Juni im Moods im Halbfinale um den diesjährigen ZKB Jazzpreis.

Reintanzen in den Congotronic

Benedikt Sartorius am Samstag den 7. April 2012 um 12:53 Uhr

Eine unglaubliche Qual der Wahl herrscht in diesen Ausgangs-Festtagen, zumal für Freunde und Freundinnen von tanzenden Beats. Unsereiner entschied sich nach dem donnerstäglichen Kugel-Auftritt von DJ Shadow im Dachstock für einen Ausflug ins Thuner Mokka, wo Konono No 1 ihre «Musik aus dem Ersatzteillager» präsentierten.

Ihre Daumenklaviere – die Likembes –, die die Kongolesen an Verstärker anschliessen und durch Verzerrgeräte verfremden, geben den Ton und Bass an, das rudimentäre Schlagzeug und die Congas den durchgehenden Beat, in den man reintanzen muss: Zu Beginn ist diese Musik verwirrend und ungreifbar, wird dann aber immer klarer, zumal an einem Konzert in solch intimem Rahmen gut ersichtlich ist, wer was zu diesem Congotronic-Sound beisteuert. Und in der ständigen Wiederholung erreichen Konono No 1 die schöne Ekstase, die der Dancefloor immer wieder verspricht.

Nur schade, dass das Konzert an diesem Karfreitagabend dann doch ziemlich abrupt beendet war. Wobei: Ein Mangel an Weitertanzalternativen bestand ja gestern zum Glück nicht.

Goldener Wohlklang

Ruth Kofmel am Montag den 2. April 2012 um 12:07 Uhr

Gestern Abend in die ausverkaufte Turnhalle, um ein Ohr von Céu zu nehmen – dem neuen Stern am brasilianischen Pop-Himmel. Mit nur einem Lied, welches ich mir im Vorfeld anhörte, war ich allerdings nicht gut gerüstet für den Abend. Ich stellte mir die Musik viel abwechslungsreicher, wilder und verschrobener vor und war dann leise enttäuscht, dass mehrheitlich hübsche Melodien gesungen und gespielt wurden, alle in ähnlich zurückgelehntem Tempo – schön, entspannt, einlullend, aber auch wohlbekannt und wenig anregend.

Allerdings gibt es nun wirklich Unangenehmeres, als von Wohlklang umspült zu werden. Dazu war Céu eine Augenweide im Goldfischkleid, mit langen Beinen und in Kombination mit ihrer warmen, einladenden Stimme bezauberte sie die Anwesenden mit Leichtigkeit. Die Menge hüftschwenkte sanft mit und war selig – alles in allem ein tip topes Schlafelixier für den Sonntagabend also.

Livemusik – eine kleine Kulturgeschichte

Roland Fischer am Samstag den 24. März 2012 um 11:58 Uhr

Live ist, wenn eine Band ihre Instrumente vor den Augen des Publikums bearbeitet, wenn der Klang also von einer Mensch-Maschine-Interaktion kommt, um es mal ein wenig technisch zu sagen. Nicht live wäre dann, wenn die Maschine irgendwie von selbst Musik macht. So einfach? Gestern in der Dampfzentrale konnte man diesbezüglich ziemlich ins Grübeln kommen, denn da wurde im reichen Abendprogramm «Schicht-Werk» eine kleine Zeitreise in Sachen ‘live’ geboten. Und da ging es eben um dieses Durcheinander von Mensch, Klang und Maschine.

Spielt dieser Mann Piano? Nein, er spielt Phonola.

Das ging gleich mal los mit dem ersten Teil des Abends, in dem sich ein liebenswert kauziger Herr vor ein Piano setzte, um, nicht etwa das Piano, sondern eine Lochstreifenmaschine zu bedienen, die den guten alten Flügel auf ungehörte Weise abheben liess. War das jetzt live? Wozu brauchte es da den Interpreten (davon abgesehen, dass er die Sache sehr charmant moderierte)?

Im Zwischenblock gab es dann zeitgenössische und zuweilen durch den Computer verschlaufte Schlagzeugmusik (mit einer Uraufführung eines Stücks von Daniel Weissberg). Das war dann sehr heutig, was die ‘live’-Frage angeht: Das kennt man ja, das Rätseln, welche Klänge vom Bandmitglied und welche vom elektronischen Hilfspersonal kommen. Man hat gelernt, da nicht mehr allzu puristisch zu sein, was die Durchschaubarkeit der Darbietung angeht. Apropos Durchschaubarkeit: das war dann tatsächlich der Clou des letzten Programmpunktes, des orchestralen Grossangriffs auf George Antheils legendäres «Ballet Mécanique» aus dem Jahr 1924.

Die beiden Lichtflecken vorne auf dem Bild gehören zu Player Pianos, analogen Samplern, gewissermassen. Diese gläsernen Klaviere spielen wie von Geisterhand, und das schönste ist, dass man dieser geisterhaften Klangerzeugung (die natürlich streng vorprogrammiert ist) ‘live’ zuschauen kann. Hinter den beiden hell erleuchteten Stars rackerten sich noch sechzehn Musiker ab, um beim wilden Klangritt mitzuhalten. Und das erinnerte dann wiederum sehr an heutige Konzerterlebnisse, wenn Bands ganz nach der Pfeife des Drumcomputers tanzen.

Mein Lieblingsmoment war aber zweifellos die stille Passage, als nur die mechanischen Pianos ihre exakt getakteten Akzente setzten, der Dirigent aber trotzdem scheu weiterdirigierte. Schöner kann man das seltsame Marionettenspiel zwischen Mensch und Maschine, das bis heute die Musik (und unser Leben?) bestimmt, nicht aufzeigen.

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Auch wenn Frau Kretz Sie eher grinsen lassen möchte: Auch der Besuch von «Schicht-Werk» lohnt auf jeden Fall – heute abend gibt es noch eine Aufführung.

Im Probi mit Jimi Tenor

Ruth Kofmel am Donnerstag den 1. März 2012 um 12:14 Uhr

Jimi Tenor pflegt einen sehr unverkrampften Umgang mit Musik – soviel wurde gestern in der Turnhalle mehr als klar. Sein Sound wirkt immer retro, selbst wenn er in den pumpenden Beats der Jetztzeit angekommen ist. Auf jeden Fall liebt dieser Mann die Sechzigerjahre – nicht nur was sein Bühnenoutfit anbelangt.

Insgesamt klang es ein bisschen so, als ob man auf einem abgewetzten Samtsofa bei ihm im Probi hängen würde, der Joint gerade aus den Fingern gegeben hätte, sich mit halbgeschlossenen Augen zurücklehnen und seinen musikalischen Pröbeleien mit halbem Ohr zuhören würde. Es war durchaus auch amüsant, wenn er selbstvergessen auf eine Taste drückte und dem ausgelösten Loop etwas nachhörte, ein wenig an den Reglern drehte, bis er etwas fand, was er gerne weiterverfolgen wollte, auch wenn das meist ein schon bestehender Song war, den er dann zusammenbaute.

Dass Tenor ein stilsicherer, verschrobener und experimentierfreudiger Musiker und insbesondere Saxophonist ist, steht ausser Frage, auch wenn sein Auftritt gestern ein wenig gar eigenbrötlerisch daher kam.

Bewerben fürs Les Digitales

Benedikt Sartorius am Sonntag den 19. Februar 2012 um 11:34 Uhr

Die Festivalsaison wirft ihre Schatten voraus: Die Grossen geben allmählich ihre Programme bekannt, bei den Kleineren wartet man noch ungeduldig, derweil eine andere feine Nischenveranstaltung einen Call for Artists veröffentlicht hat.

Bei letzterer Veranstaltung handelt es sich um das Festival Les Digitales, das dieses Jahr in Genf, Porrentruy, Lausanne, La Chaux-de-Fonds, Zürich und Bern stattfindet. Les Digitales bespielt öffentliche Aussen-Orte – in Bern den botanischen Garten – mit elektronischer Musik.

Die Teilnahmebedingungen für interessierte Künstler sehen folgendermassen aus:

- Konzertdauer jeweils eine halbe Stunde.
- Musik die in öffentlichen Parks und vor Publikum auf Liegestühlen aufgeführt werden kann.
- Einfache technische Ausstattung (Zeit für Auf- und Abbau maximal 25 Minuten).
- Es steht keine Back-Line und nur ein Minimum an Channels zur Verfügung. Idealerweise nur ein Stereo-Anschluss.
- Jeder Künstler/Gruppe erhält einen Mitschnitt des Konzerts und eine Unkostenvergütung.

Bewerbungen gehen an demo2012_at_lesdigitales_ch, und der Einsendeschluss ist der 31. März.

Live-Blog-Remix mit Filewile

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 16. Februar 2012 um 06:17 Uhr

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Vor nahezu fünf Jahren fand auf diesen Seiten ein Live-Blog mit Andreas “Dustbowl” Ryser der Berner Formation Filewile statt. YB spielte an jenem Abend so, man bewirtschaftete noch exzessiv Myspace, und Andreas Ryser und Daniel Jakob veröffentlichten eben ihr Album «Nassau Massage».

In der Zwischenzeit geschah allerlei in der Filewile-Geschichte:
Das Laptop-Duo wuchs mit dem Bassisten Mago Flück und der Sängerin Joy Frempong zur veritablen Band an, veröffentlichte vor zwei Jahren die Platte «Blueskywell», tourte überaus ausgiebig und blickt nun, zum Abschluss dieses Zyklus, mit dem reich befrachteten Remix-Album «Rewile» nochmals zurück auf diese Ära. Kurz, der Gründe sind mehr als genug für eine Neuauflage des Live-Blogs.

Heute ab 14 Uhr
und also zur besten Bürozeit stehen Filewile für Ihre Fragen zur Verfügung. In der Zwischenzeit hören Sie sich natürlich die gesammelten Remixes an, lernen alle Drehs und Remix-Verantwortlichen auswendig und überhaupt: Schalten Sie (sich) ein auf diesem Kanal.