Wissen Sie, warum Stevie Wonder so gerne Mohnbrötchen isst zum Frühstück?
Weil immer so lustige Geschichten drauf stehen.
Haben Sie gelacht oder finden Sie, das gehe ja wohl gar nicht, denn über Behinderte mache man keine Witze? Falls Sie zur zweiten Sorte Mensch gehören, dann gehen Sie sich «Intouchables», die neue französische Komödie von Olivier Nakache und Eric Toledano, besser nicht anschauen, denn darin wird ein Witz nach dem anderen über einen Tetraplegiker gerissen und das ist wunderbar und zum Brüllen komisch. Aber lassen Sie mich erklären.
Ein höchst ungleiches Gespann wird in «Intouchables» vorgestellt, der übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht. Da ist zum einen der vermögende und gebildete Tetraplegiker Philippe, der gerne liest, klassische Musik hört, in die Oper geht und schwülstige Liebesbriefe an eine Unbekannte verfassen lässt. Zum anderen ist da der kräftig gebaute Afroamerikanerfranzose Driss, der gerade 6 Monate im Knast abgesessen hat, aus ärmlichen Verhältnissen stammt, zu Hause rausgeworfen wurde und nun Unterschriften sammelt, damit er Arbeitslosengeld ausbezahlt bekommt. Philippe ist dermassen angetan von Driss’ frecher Klappe, seinen Sprüchen und von der Tatsache, dass er sich von Philippes Behinderung offenbar keinesfalls beeindrucken lässt, dass Philippe Driss sogleich als seinen Pfleger einstellt.
In unserer Zeit von (teilweise absurd übertriebener) political correctness ist es höchst wohltuend, dass hier in einem Film auch mal hemmungslos über eine Behinderung Witze gerissen werden. Und genau das ist es ja auch, was Philippe an Driss so schätzt. Dadurch, dass dieser Philippes Tetraplegie mit solch unbekümmerter Neugier gegenübertritt, diese unverfroren kommentiert und gar Zoten reiss, zeigt er Philippe ja auch, dass er ihn als vollwertigen Menschen wahr- und ernstnimmt. Eine herzerwärmende Freundschaft wird einem da auf der Leinwand gezeigt, die im realen Leben offenbar bis heute gehalten hat. Frau Feuz kann sich der allgemeinen Euphorie um «Intouchables» also nur anschliessen und den Film mit ruhigem Gewissen wärmstens weiterempfehlen.












