Schon wieder so ein unverfilmbares Buch, das den Weg auf die Leinwand findet, Fitzgeralds Great Gatsby. Aber ich habe es glaubs schon einmal gesagt, so etwas wie ein «unverfilmbares» Buch gibt es natürlich nicht, und schon gar nicht für Baz Luhrmann. Der sieht die Weltliteratur sowieso mehr als Kellerbar mit seltsamen Bekannten denn als Kirche voller Heiligtümer. Und wenn man so will ist Romeo und Julia ja ein genauso schwieriger (oder einfacher, je nachdem wie man es anstellt) Filmstoff wie der Gatsby.
Das Buch ist ein eigentümliches Stück Literatur, man merkt ihm sehr an, dass es da um einen Aufbruch ging, um eine neue Generation und dementsprechend neue Erzählweisen. Fitzgerald hätte das selber vielleicht gar nicht behauptet, er war sich seiner Schreibe sowieso nie besonders sicher und alles andere als ein programmatischer Autor. Aber ein Erneuerer war er eben doch und vielleicht gerade deshalb. Was irritiert beim Lesen (und womit auch Luhrmann zu kämpfen hatte bei der Adaption) ist die Unentschiedenheit oder wohl eher bewusste Doppelspurigkeit, was die Hauptfigur angeht. Natürlich geht es um Gatsby, um diesen Gernegross. Aber es geht auch um den jungen Trader Nick Carraway, der uns das Ganze erzählt. Fitzgerald macht daraus ein vertracktes Spiel um Imagination und Wirklichekeit – es ist ein wenig, als hätte dieses kleine literarische Sonnensystem zwei Zentralgestirne, die sich unablässig umkreisen, wobei sich immer neue Konstellationen ergeben. Zum Schwindligwerden.
Ah, und dann ist da noch eine seltsame Paradoxie: eigentlich ist das nämlich ein ausgeprochen filmisches Buch. Immer neue Szenen, sehr harte Schnitte, Rückblenden und Zooms herein und heraus: es ist fast ein wenig, als hätte Fitzgerald da keinen Roman, sondern ein Drehbuch mit allen literarischen Freiheiten geschrieben. Kein Wunder haben sich immer wieder Filmemacher an dem Stoff versucht.

















