«Typisch RaBe», grinste gestern die Dame aus der Newsredaktion. Die Aussage bezog sich auf die Ausstrahlung eines Radio-Features zur Geschichte von Radio Bern, kurz RaBe, welches in aufwändiger Arbeit zusammengestellt worden war und im Vorfeld der gestrigen Kulturpreis-Verleihung im Progr ausgestrahlt werden sollte. Das Problem war bloss, dass besagtes Feature über einen kleinen portablen Radio ausgestrahlt wurde, der jedes Mal gewaltige Störgeräusche von sich gab, wenn jemand vor, hinter oder neben ihm durchmarschierte. Also eigentlich ständig.
Eine gewisse Unprofessionalität gehört zu RaBe, ja macht einen grossen Teil des Charmes aus, welcher das Berner Kulturradio versprüht. Wie Regierungsrat Bernhard Pulver und Marc Furrer, Präsident der ComCom, in ihren Reden richtig feststellten, bietet RaBe denjenigen Leuten eine Stimme, die sonst vielleicht nicht so oft zu Worte kommen, in Sprachen, die man sonst vielleicht nicht jeden Tag hört. Herz, Leidenschaft, die Liebe zum Seltenen und ganz viel Idealismus gehen hier definitiv vor Professionalität, Geschliffenheit und Mainstream, wodurch RaBe eine wichtige kulturelle Leistung erbringt und Brücken zwischen verschiedensten Kulturen baut.

RaBe-Gründungsmitglied Willi Egloff und (popelnde) RaBe Big Band
RaBe-Gründungsmitglied Willi Egloff machte im Anschluss in seiner Dankensrede einen amüsanten Rückblick auf den 1. März 1996, an welchem das Berner Kulturradio erstmals auf Sendung ging und bedankte sich bei der Berner Zeitung, die sich seit 15 Jahren konsequent weigert, das RaBe-Programm im Programmüberblick auch nur zu erwähnen. Dies könne man ja irgendwie auch als Bestätigung für die eigene Arbeit betrachten, «denn wir lassen uns weder kaufen noch verkaufen», so Egloff.
Es war eine schöne Feier gestern im Progr, bei der der Theatermacher Germain Meyer und RaBe mit dem Kulturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet wurden. Bumsvoll wars drinnen und draussen, wobei man nicht recht wusste, ob wegen RaBe, Meyer oder den lauen Temperaturen. Egal. Drinnen sorgte die RaBe Big Band (eigentlich die Uptown Big Band) für das musikalische Rahmenprogramm, wobei selbst die Sendungsmacher der härtesten Rocksendung anerkennend mit dem Kopf im Takt abnickten. Das wiederum ist so was von RaBe.