Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, was Bazon Brock am Montagabend für eine Lösung parat hatte für das etwas schwierig gewordene Verhältnis von Künstler und Publikum. Zunächst verlangte er, das Publikum müsse die Künstler fordern, um zu folgern, dass sich dieses, um solches leisten zu können, zwingend auskennen müsse in Sachen Kunst und Konsorten. Ein Expertenpublikum findet sich aber nicht so leicht, und da hatte Brock dann den originellen Einfall, die Künstler gewissermassen zur Rezeption zu verdonnern: 28’000 von ihnen gebe es in Deutschland, und wenn die nur regelmässig Publikum spielten, dann müsse sich die Kunst keine Sorgen machen, was eine fundierte Auseinandersetzung (und nebenbei: Besucherzahlen) angeht. Er rechnete vor: 1000 aktiv, ergo 27’000 passiv, verteilt auf 10 Kunstzentren, macht überall stolze 2700 Kunstkonsum- und rezipienten. In der Schweiz wären die Zahlen bestimmt noch verheissungsvoller.
So schön hat wohl noch niemand den hermetischen Zirkel, in dem die Kunst heute bis zum Hals drinsteckt, auf den Punkt gebracht. Kunst für Künstler? Darum würde es ja eben nicht gehen, aber vielleicht hat das der Nichtkünstler auch falsch verstanden. Also zurück zur Frage, wie es der Kunst heute denn überhaupt so geht (denn darum sollte sich diese von Gerhard Lischka eingefädelte und von der HKB organisierte Diskussion zwischen den «Koryphäen» Brock und Peter Weibel drehen). Dazu hatten die alten Herren dann leider nicht allzu viel zu sagen, ausser den «Marktterrorismus» zu geisseln, eine «Abschaffung der Kompetenz» zu diagnostizieren und überhaupt alles reichlich apokalyptisch zu finden. Und die Renaissance als gute alte Zeit zu beschwören, ohne genauer zu werden, was das für eine inzwischen doch ein paar hundert Jahre älter gewordene Welt bedeuten könnte.
Das war in seiner Verstiegenheit zuweilen auch mal ziemlich albern. Interessanter war ein anderer Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch das ganze Gespräch zog. Die beiden Kunsttheoretiker nannten nämlich Kunst und Wissenschaft immer wieder in einem Atemzug, als ginge es um im Grunde kongruente Kulturtechniken (und als hätten Künstler und Wissenschaftler ganz dieselben Ziele, Ansprüche und Probleme). Diese Engführung sagt doch einiges über den Zustand der Kunst in der Sicht von Weibel/Brock: Die Wissenschaft hat ihren unbestrittenen Platz in der Gesellschaft, sie ist Referenz und sie ist Taktgeberin, da ist kein Zweifel. Versucht sich da womöglich jemand als Trittbrettfahrer?


















