Am 1. Januar 1982 kurz nach Mitternacht war das Theater Basel rappelvoll. Doch man feierte nicht ausgelassen, sondern fieberte einer nächtlichen Aufführung entgegen, einer theatralen Wiederauferstehung. In der Nacht erlebte ein Stück eine zweite Uraufführung, das nach der Premiere über sechzig Jahre im literarischen Giftschrank verschlossen lag: Schnitzlers Reigen.
Es ist eine der skurrilsten Geschichten verbotener Literatur (a propos, diese Neuerscheinung sei sehr zu empfehlen), denn der Reigen ist nicht wegen unzüchtiger Worte ins Kreuzfeuer geraten, sondern wegen der berühmt gewordenen Gedankenstriche, mit denen Schnitzler seitenbreit angedeutet hat, wovon man damals nicht sprechen durfte. Das sieht dann zum Beispiel so aus:
Soldat.
Hab kein’ Angst….
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Dirne.
Auf der Bank wär’s schon besser gewesen.
Schnitzler wäre heute 150 Jahre alt geworden - den Reigen hat er vor über hundert Jahren geschrieben. Die Zahl frappiert, denn es ist ein ungemein aktuelles Buch, was die Anlage angeht: Da paaren sich zehn Leute nacheinander, immer schön weitergereicht, bis sich der Kreis am Ende wieder schliesst. Zumeist ist dieser Sex natürlich nichts besonderes, und es spielt deshalb auch eigentlich keine Rolle, ob man ihn zeigt oder nicht.



















