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Archiv für die Kategorie „Politik & Debatten“

Bücherkiste: Reigen

Roland Fischer am Dienstag den 15. Mai 2012 um 05:00 Uhr

Am 1. Januar 1982 kurz nach Mitternacht war das Theater Basel rappelvoll. Doch man feierte nicht ausgelassen, sondern fieberte einer nächtlichen Aufführung entgegen, einer theatralen Wiederauferstehung. In der Nacht erlebte ein Stück eine zweite Uraufführung, das nach der Premiere über sechzig Jahre im literarischen Giftschrank verschlossen lag: Schnitzlers Reigen.

Es ist eine der skurrilsten Geschichten verbotener Literatur (a propos, diese Neuerscheinung sei sehr zu empfehlen), denn der Reigen ist nicht wegen unzüchtiger Worte ins Kreuzfeuer geraten, sondern wegen der berühmt gewordenen Gedankenstriche, mit denen Schnitzler seitenbreit angedeutet hat, wovon man damals nicht sprechen durfte. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Soldat.
Hab kein’ Angst….
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Dirne.
Auf der Bank wär’s schon besser gewesen.

Schnitzler wäre heute 150 Jahre alt geworden - den Reigen hat er vor über hundert Jahren geschrieben. Die Zahl frappiert, denn es ist ein ungemein aktuelles Buch, was die Anlage angeht: Da paaren sich zehn Leute nacheinander, immer schön weitergereicht, bis sich der Kreis am Ende wieder schliesst. Zumeist ist dieser Sex natürlich nichts besonderes, und es spielt deshalb auch eigentlich keine Rolle, ob man ihn zeigt oder nicht.

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Baumelnde Seelen auf dem Vorplatz

Gisela Feuz am Freitag den 11. Mai 2012 um 04:01 Uhr

Es gibt Legenden und Legenden. Die einen haben gerade Mal noch fünf Zähne im Mund, wovon vier schwarz und angefault sind, können nicht mehr singen, sondern geben eine «rather» klägliche Gestalt ab, weil sie sich nicht weiterentwickelt oder den richtigen Zeitpunkt verpasst haben, aus dem Stromgitarrenbusiness auszusteigen. Dann gibt es diejenige, die in Würde gealtert sind. Ja, die gibt es. Zu diesen gehören die Bouncing Souls, welche gestern im ISC zu Besuch waren. Zwischendurch klangs wie Bad Religion light, was ja aber grundsätzlich keine so schlechte Adresse ist. Im Gegenteil. Die Fanschaft sang inbrünstig mit und was im Anschluss auf dem Vorplatz passierte, war sowieso und überhaupt «merveilleux»!

Recht auf den Vorplatz

Benedikt Sartorius am Samstag den 5. Mai 2012 um 05:18 Uhr

Einer der schönsten Ausgehabende in diesem Jahr? Nun, das war der Gründonnerstagabend. DJ Shadow spielte im Dachstock, man trank zufrieden und schaute dem Mann in der Kugel zu, wie er seine Platten aufgelegt hat. Nach dem Auftritt verlängerte sich der Abend wunderbar – dank der einzigartigen Vorplatzstimmung mit Ping-Pong-Spiel, Treffen mit alten Freunden, und vorletzten Getränken.

Nun soll gemäss dem Regierungsstatthalteramt Schluss sein mit solchen Abenden. Und Bern wäre, wenn dies wirklich umgesetzt werden würde, kaum mehr wirklich lebenswürdig, zumal nach Mitternacht. Ein Rezept dagegen? Wahrscheinlich dieses hier, auch wenn dies heute auch reichlich traurig erscheint:

Danke!

Nicolette Kretz am Samstag den 31. März 2012 um 14:57 Uhr

Es wird ja derzeit heftig diskutiert, was die Medien dürfen und was nicht. Auch wir Blogberichterstatterinnen kommen oft in den Konflikt, wie weit wir gehen dürfen. Erzählt man wer und vor allem: wie getanzt hat? Nennt man die mentalen Flughöhen der Anwesenden? Schätzt man die Literzahl der ausgeschenkten Freigetränke?

Über das gestrige Abschiedsfest von Roger Merguin und Christian Pauli in der Dampfzentrale gäbe es so einiges Saftiges zu berichten. Der Abend wird zweifellos in die „Weisch no denn, wo…“- Annalen eingehen. Aber, um nicht nie mehr an solche Anlässe eingeladen zu werden, behalte ich die Details für mich, auch wenn’ es zum Beispiel durchaus eine schöne Story gäbe vom Moment, als Schwäbi die Foyertreppe bestieg, um Ruhe bat, zur Menge sprach und den beiden scheidenden Leitern ein Lied widmete. Aber eben: keine Details.

Stattdessen möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Herrn Merguin und Herrn Pauli für ihre wunderbare, zum Glück selten unumstrittene Arbeit der letzten sechs Jahren zu danken! Sie haben Bern viele tolle und spannende Momente beschert! Danke! 

Dass die Dampfzentrale nun führungslos vor sich hintümple, wie von den Zeitungen immer und immer wieder behauptet wird, ist ein Affront. Zwar ist eine Nachfolge noch nicht gefunden, aber bis dies geschehen ist und die neue Person antreten kann, wird das Haus von einem äusserst fähigen, motivierten und guten Team mit jahrelanger Erfahrung geleitet. Ich hoffe, dass Medien und Politik dessen Leistung nun langsam auch anerkennen. Und dass die Turbulenzen der letzten Monate bald vergessen werden können und eine spannende neue Leitung wohlgesinnt in Bern begrüsst wird.

Schauen Sie hin!

Gisela Feuz am Montag den 26. März 2012 um 11:00 Uhr

Auf dem Bubenbergplatz liegt momentan eine arg zugerichtete junge Dame. Zum Glück aber keine Dame aus Fleisch und Blut, sondern eine Art Installation, welche zur Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus gehört.

Wahrgenommen wird das Plakat von vielen Vorbeieilenden nicht wirklich. Sieht man das Absperrband, denkt man automatisch «öppe wieder öppis am meche». Selbst der Herr Kollege, der zufällig mit dem Velo angeradelt kommt, will wissen, was ich denn da fotografiere, um sich mir dabei mitten vor das Motiv zu stellen. Irgendwie passt das ganz gut zum Thema der Aktionswoche, denn trotz Sensibilisierung schauen nach wie vor viele Leute einfach nicht hin, wenn es um Rassismus in seiner ganzen widerwärtigen Vielfältigkeit geht.

Philosophie.ch

Gisela Feuz am Donnerstag den 22. März 2012 um 06:02 Uhr

«Philosophie wird heute oft falsch wahrgenommen. Mit esoterischer Traumdeuterei hat das gar nichts zu tun, sondern Philosophie ist eine Wissenschaft, in der Texte analysiert und Argumente auf ihre Folgerichtigkeit geprüft werden.» Die Philosophie liegt ihr am Herzen, der Anja Leser (was für ein passender Name), das merkt man. Entsprechend kniet sie sich auch voll rein beim Projekt Philosophie.ch.

Philosophie.ch ist ein Projekt, dessen Ziel es ist, alles was in der Schweiz mit Philosophie zu tun hat, auf einer gemeinsamen Plattform verfügbar zu machen. Entsprechend finden sich hier neben Texten auch Informationen zu Schulen, zum Studium, Unterrichtsmaterialen für LehrerInnen und der Veranstaltungskalender aller philosophischen Institute. Über 40 Leute haben Zugang zu der Seite und generieren ehrenamtlich Inhalte.

Ab Juni sollen nun auch 15-25-seitige Themendossiers entstehen, welche eine gesellschaftlich relevante und aktuelle Fragestellung aus philosophischem Blickwinkel diskutieren. Als Einstieg wird das Thema «AHV als Problem der Generationen-gerechtigkeit» abgehandelt. Damit diese Themendossiers regelmässig erscheinen können, muss aber Geld her. Wenn Sie, werte Leser und Leserinnen finden, für schnöde Rockmusik und trashige Kurzfilme mag ich meinen Geldbeutel nicht zücken, aber eine Philosophie-Plattform ist definitiv unterstützenswert, dann helfen Sie doch mit beim Crowdfunding für Philosophie.ch. Frau Leser und die vielen Ehrenamtlichen können jeden noch so kleinen Zustupf bestens gebrauchen.

Erfolgsgeschichte Probepfeiler

Nicolette Kretz am Donnerstag den 1. März 2012 um 05:40 Uhr

Man kann in Berns Kulturlandschaft vieles beweinen, doch nicht alle Baustellen sind Scherbenhaufen. Manchmal funktioniert etwas auch und Neues entsteht. So zum Beispiel im sogenannten «Probepfeiler», dem Brückenkopf der Monbijoubrücke auf der rechten Seite, wenn Sie runterschwimmen. Da, wo einem der grosse Schriftzug von den Salsa Dancers ins Auge fällt, wenn man nicht schon weicheiig links aufs erste Treppchen zu schwimmt.

Das 800m2 grosse oberste Stockwerk dieses Pfeilers stand lange leer. Die Tanz Aktive Plattform, das Schlachthaus Theater und die Junge Bühne Bern taten sich zusammen und entwickelten ein Konzept der gemeinsamen Nutzung. Nach langen Verhandlungen mit den entsprechenden Ämtern, intensiver Geldsuche und einem grossen Umbau konnten dort gestern zwei Proberäume für das Schlachthaus, einer für die TAP, eine Spielstätte der JBB und ein gemeinsames Foyer eröffnet werden.

Die Arbeit hat sich wahrlich gelohnt! Die Proberäume sind grosszügig und haben federnden Parkett, die Spielstätte eine tiptope Ausstattung inklusive einer mobilen Tribüne. Da die Miete der Räume nicht ganz billig ist, werden sie auch an externe probende Gruppen vermietet. Die Berner Theater- und Tanzszene profitiert also gleich doppelt von dieser Initiative: perfekte Bedingungen für den Nachwuchs und neue Möglichkeiten für die Profis. Und durch die räumliche Nähe werden sich die beteiligten Parteien vielleicht auch künstlerisch befruchten, wie die junge (U14) Moderatorin des Abends sich erhoffte.

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Nach der gestrigen offiziellen Eröffnung findet am Samtag  ab 14h in den Räumlichkeiten ein grosses Fest mit Theaterspielen für verschiedene Altersstufen, einer weiteren Aufführung von «Struwwln» und anderen Feiereien statt.

Kein Tanz in. Bern in der Dampfzentrale

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 9. Februar 2012 um 16:27 Uhr

Ausgetanzt in der Dampfzentrale: Das Festival Tanz In. Bern – einer der Grundpfeiler der Tanzhauptstadt Bern – findet dieses Jahr nicht statt. Das wurde heute an einer Medienveranstaltung in der auf April führungslosen Kulturinstitution bekannt.

Das derzeitig Musik- und Tanz-Team hält den Betrieb in der führungslosen Zeit anstelle einer Interims-Lösung aufrecht und wird neben Tanzveranstaltungen auch das Musikfestival Saint Ghetto veranstalten.

Bald gibt es mehr Nachrichten, auch auf diesem Kanal.

Das Kornhausforum hat ausgetanzt

Gisela Feuz am Mittwoch den 18. Januar 2012 um 16:48 Uhr

Nach dem Sous Soul muss nun offenbar auch das Kornhausforum, die Partyreihe von ammonit im Kornhaus, dran glauben. Wie dem heutigen Newsletter des Kornhausforums zu entnehmen ist, finden die jeweils über Weihnachten/Neujahr, Ostern und im Herbst organisierten Veranstaltungen ab sofort nicht mehr statt. Der Grund? Ein aus Sicherheitsgründen verfügtes, absolutes Rauchverbot.
Der Regierungsstatthalter hat ammonit die Durchführung von Parties im Kornhausforum einst nur unter der Auflage erlaubt, dass ein temporäres Fumoir eingebaut werde. Damit sollte verhindert werden, dass spät nachts auf dem Trottoir vor dem Kornhauseingang gepafft und lauthals diskutiert wird. ammonit befolgte diese Anweisungen und baute auf eigene Kosten ein Lungenteer-Tempel ein. Leider wurden aber aus besagtem Fumoir einige Fehlalarme an die Feuerwehr rausgeschickt (wobei nicht geklärt werden konnte, ob der Rauch daran schuld war oder die Nebelmaschine), weswegen die städtische Liegenschaftsverwaltung, der das Gebäude gehört, intervenierte und das Fumoir verbot.

Mit diesem Verbot ist eine Durchführung von weiteren Parties praktisch unmöglich geworden, denn wenn der Hauseigentümer das Fumoir verbietet, die Bewilligungsbehörde ein solches aber verlangt, geht nichts mehr. Willkommen in Absurdibünzlistan. So hat sich’s nun also auch im Kornhausforum ausgetanzt. Schade!

«Itz eifach nid düredräie!»

Grazia Pergoletti am Mittwoch den 4. Januar 2012 um 01:50 Uhr

So die Worte von Soulmate Flo Eichenberger am heutigen Abdankungsfest des Sous Souls, des Clubs mit der grössten Seele, des Untergrundlokals für Tanzfüdli mit Tiefgang, Seelenverwandte auf Besuch und Unterirdische in Feierlaune. Okay. Hören wir auf, wenns am schönsten ist.



Von der Reitschule her
kam ein angemessen gekleideter Trauerzug die Altstadt runter geschritten und hat bei dieser Gelegenheit auch gleich die Kulturpolitik zu Grabe getragen.

Hier sieht man die Seele vom Sous Soul, wie sie entweicht:

Wir glauben aber an Reinkarnation und lassen uns deshalb nicht unterkriegen.

Apropos Abschied: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, trete ich nur noch selten als Autorin in Erscheinung. Tatsächlich löse auch ich mich hier auf dem Blog langsam in Luft auf. Und bleibe aber ab und an als Gast mit kleinen Beiträgen erhalten. Ganz nach Flo Eichenberger: Hören wir auf, wenns am schönsten ist!