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Archiv für die Kategorie „Daten & Termine“

Kulturbeutel 21/12

Gisela Feuz am Montag den 21. Mai 2012 um 05:02 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
LiebhaberInnen von Editors und Interpol sollten am Donnerstag das Konzert von I Like Trains im ISC keinesfalls verpassen. Die Mannen aus Leeds spielen intelligenten und abgründigen Synthie-Indie. Das Konzert von I Like Trains ist aus Krankheitsgründen abgesagt worden! Die wunderbaren Les Yeux sans Visages aus Luzern werden also am Donnerstag im ISC alleine auftreten. Am Freitag ist dann der Reverend Deadeye mit seiner No Man Gospel Band im Kairo zu Besuch. «Where I sit my ass is my church», ist das Moto des Mannes aus Denver. Weswegen am Freitag also nicht eimal den Hintern in die Kairo-Kirche verschieben?

Herr Sartorius empfiehlt:
Lunch-Kino mit Wes Andersons «Moonrise Kingdom», der ab Donnerstag dann auch regulär im Programm zu sehen ist. Die Fan-Presse war schon zweimal dort und wird dann auf diesem Kanal genauer berichten. Weiter gehts am Freitag mit einer alten Garage-Soul-Legende: Andre Williams aus Detroit macht im Thuner Mokka halt und grüsst zu seinem 75. Geburi. Zurück in Bern, stolpern Sie im Anschluss dann in den Dachstock, um mit Theo Parrish weiter in die Geschichte der Motor City einzudringen – oder Sie prüfen im Bonsoir, ob Geezer Mike Skinner, besser bekannt als ehemaliger The Streets, auch über einige Skills an den Plattentellern verfügt.

Auffahren

Benedikt Sartorius am Mittwoch den 16. Mai 2012 um 06:15 Uhr

Morgen Donnerstag ist bekanntlich Auffahrt – und das Basler Plattenlabel A Tree in a Field Records hat die richtige Musik, um neue Dimensionen zu erkunden:

Combineharvester: «Some Ditty, A Mountain II» // Roy & The Devil’s Motorcycle: «Getaway Blues» // Fai Baba: «Shine A Light» & «Love Sikk» // Papiro: «Negativ White 2» // Welttraumforscher: «Herzschlag Erde»

Um das zu kontern, hilft nur ein Pfarrer in Gestalt von Reverend Beat-Man und seinem Voodoo-Rhythm-Label, wo jüngst diese fromme Compilation erschienen ist:


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Ring them Bells für das grosse Label-Treffen, am Samstag im Dachstock.

Kulturbeutel 20/12

Benedikt Sartorius am Montag den 14. Mai 2012 um 05:04 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Hören Sie doch morgen Dienstag ab 10h bei Berns alternativem Kulturradio RaBe 95,6MHz rein. KulturStattBern trifft dort nämlich auf Rundes Leder oder genauer: Frau Feuz fühlt Herrn Rrr auf den Zahn und zwar live und ungeschnitten. Am Samstag gehen Sie dann in den Dachstock. Dort laden die beiden Labels A Tree in a Field und Voodoo Rhythm zur langen Rock’n'Roll-Nacht. Mit von der Partie sind Roy and the Devil’s Motorcycle, Flimmer, Fai Baba u.v.a.

Herr Sartorius empfiehlt:
Neben dem von Frau Feuz empfohlenen Label-Battle unbedingt auch das Legenden-Konzert von Sleep am Freitag, ebenfalls im Dachstock. Bevor Sie aber dorthin gehen, besuchen Sie früher an diesem Nach-Auffahrts-Abend im Kino der Reitschule die Norient-Produktion «Sonic Traces from Switzerland». Und nicht zu vergessen: Am Mittwoch spielen solch illustre Leute wie Fred Frith, Zeena Parkins oder Shazad Ismaily unter dem Formationsnamen Cosa Brava in der Bee-Flat-Turnhalle.

Fischer empfiehlt:
Programmkino im Multipack: The Black Power Mixtape 1967–1975 und eine ganze Menge formidabler Filme mit Yves Montand derzeit im Kino Kunstmuseum, und am Mittwoch Kubricks Filmbastard Full Metal Jacket im Lichtspiel.

Kulturbeutel 19/12

Benedikt Sartorius am Montag den 7. Mai 2012 um 05:49 Uhr

Herr Sartorius empfiehlt:
Einen Ausflug aufs Sonnendeck von PeterLicht am Mittwoch im Progr und aber auch am Freitag oder Samstag ins Schlachthaus, wo sein Stück «Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des Dritten Jahrtausends» gegeben wird. Dem Auawirleben sei dank.

Frau Feuz empfiehlt:
Live Musik. Gehen Sie doch am Mittwoch ins Kulturcasino einen Slivovitz trinken und lauschen dazu den Balkan-Klängen von Goran Bregovic. Am Donnerstag sollten LiebhaberInnen von melodischem Punkrock das Konzert der Bouncing Souls im ISC nicht verpassen und am Samstag gehen Sie entweder zu Cheap & Cheerful ins Kairo oder zu  Magnetfisch in die Mahogany Hall.

Fischer empfiehlt:

Einen Theaterabend abseits des Aua, aber auch durchaus mit gewagter Ausgangslage. Hermann Hesse mal anders – auf den kurzen Nenner könnte man den inszenierten Briefwechsel «Zweisiedlerliebe» bringen, der am Dienstag im Kunstmuseum zu sehen sein wird. 14jährig schreibt Ninon Ausländer dem 32jährigen, bereits weltberühmten Hermann Hesse ihren ersten Brief. Daraus entsteht eine nicht nur für die damalige Zeit sehr unkonventionelle Liebesgeschichte.

Kulturbeutel 18/12

Gisela Feuz am Montag den 30. April 2012 um 05:03 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Gehen Sie am Mittwoch ins Rössli zur Plattentauf-Taufe von David Emanuel. Der junge Berner hat eine Zeit lang in der Nähe von Bristol auf dem Land gelebt und im stillen Kämmerchen Songs aufgenommen, welche deutlich von den Grossen der englischen Pop-Geschichte inspiriert sind. Am Sonntag gehen Sie dann ins ONO. Dort präsentiert das Sofa Theater das live-Hörspiel «Die Nase» (nach Nikolaj Gogol), wobei die ZuschauerInnen bzw. -hörerInnen über Kopfhörer live das auf der Bühne Produzierte mithören können.

Fischer empfiehlt:
Ein ziemliches Theater am Mittwoch. Das heisst entweder die natürlich grad sehr aktuelle Podiumsdiskussion rund um Chancen und Risiken von Kultursponsoring im Kunstmuseum (erinnert seltsam daran – ist das womöglich auch ein wenig ironisch gemeint?). Oder aber der Start von Auawirleben in der Dampfzentrale, mit einem echten theatralen Paukenschlag: Sul Concetto di Volto nel Figlio di Dio.

Herr Sartorius empfiehlt:
Die Saxofonistin Matana Roberts, die den Jazz mit ihrem Zyklus «Coin Coin» neu belebt und in zwölf Kapiteln die Geschichte Sklaverei in den USA nachzeichnen will. Roberts tritt am Mittwoch im Bad Bonn Düdingen im Vorprogramm der mir unbekannten Band Hot Panda an – trotz Panda-Expertentum.

Geschichte auf der Bühne

Nicolette Kretz am Freitag den 27. April 2012 um 06:04 Uhr

Das letzte Projekt von Milo Rau und dem International Institute of Political Murder IIPM, in dem er den Prozess gegen das Ehepaar Ceausescu exakt nachstellte, war berechtigterweise ein grosser Erfolg. Dass er mit dem nächsten Projekt die ziemlich genau gleiche Form wählte, könnte einen misstrauisch machen. Doch Rau hat wieder ein Thema ausgegraben, zu dem dieses Prinzip perfekt passt.

«Hate Radio» beschäftigt sich mit dem Genozid in Ruanda von 1993/94 und im Besonderen von der Rolle, die der Radiosender RTLM dabei hatte. Dieser poppige Sender der Hutu rief mit zunehmender Deutlichkeit die Bevölkerung dazu auf, die Tutsi zu töten. Zwischen Pop-Songs und patriotischen Liedern witzelten sie über Leichen und schürten Hass mit allen Mitteln der Propaganda.

Rau inszeniert dies wiederum als Reenactment, d.h. das Radiostudio ist exakt Nachgebildet und vier Schauspieler und eine Schauspielerin spielen eine Radiosendung von RTLM (fast) ohne künstlerische Eingriffe nach. Die Sendung ging allerdings nie genau so durch den Äther, sonder ist aus verschiedenen Sendungsprotokollen zusammengestellt ist. Davor und danach hören wir Statements von den dargestellten Figuren und von (unterschiedlich direkt) Betroffenen.

So simpel diese Aufbau auch scheint, so wirksam ist er. Diese Texte in einer solchen Rohheit zu hören und sich unterschiedliche Wahnehmung der beiden Seiten vorzustellen, ist schlicht erschlagend. Immer wieder denkt man: „Wenn’s ein Drama wäre, würde es jetzt umschlagen. Eine der Figuren würde jetzt anfangen an seiner Tat zu zweifeln und ein schöner inner Konflikt würde sich entfalten.“ Doch man wartet vergebens darauf. Es ist eben kein Drama – sondern Geschichte.

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Die Vorstellungen bis Sonntag im Schlachthaus sind leider bereits ausverkauft. Allenfalls sind noch Karten an der Abendkasse erhältlich.


Tiere in der Stadt

Benedikt Sartorius am Montag den 23. April 2012 um 14:30 Uhr

Derzeit geht es in Bern recht tierisch zu und her: Füchse und andere Artgenossen hängen gekleistert an den Wänden, Schäfchen sind in der Nachbarschaft wieder eingezogen, während anderen Landbewohnern eine kleine Scrabble-Einlage auf den denkmalgeschützten Pflastersteinen dieser Stadt gewidmet ist:

Fehlen nur noch die Säue, doch die sind längst in der Stube angekommen – dank der neuen Schweinerock-Platte aus dem Hause Black Dice. «Mr. Impossible» heisst die Platte, die die Band aus Brooklyn von ihrer prolligsten Seite zeigt und neuen Stoff für den Pop-Abenteurer bietet:

Das Video gibts hier, doch man sollte es allenfalls nicht unbedingt im Bureau anschauen.

Kulturbeutel 17/12

Gisela Feuz am Montag den 23. April 2012 um 05:03 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Gehen Sie am Mittwoch zu Big Zis in die Turnhalle. Die «Grand Lady» des Schweizer Rap behauptet sich in der Männerdomäne hervorragend und zwar mit Intelligenz, Schärfe, Witz und Härte. Besuchen Sie ausserdem am Freitag oder Samstag eines der verschiedenen Projekte von ARTSTADTBERN.

Kofmel empfiehlt:
Ebenfalls Big Zis und am Donnerstag in den Dachstock Apparat hören gehen. Sascha Ring ist ein äusserst umtriebiger Musiker, der unter allerlei Pseudonymen werkelt. Was er unter dem Namen Apparat veröffentlicht, gehört immer wieder zum Interessantesten, was es in der elektronischen Musik zu hören gibt.

Herr Sartorius empfiehlt:
Milo Raus «Hate Radio» vom Donnerstag bis Sonntag im Schlachthaus. Der Theatermacher zeigt mittels eines Re-Enactments einer Sendung des ruandischen Radios RTLM, wie 1994 zum Genozid aufgerufen wurde.

Bücherkiste: 1001 Nacht

Roland Fischer am Dienstag den 17. April 2012 um 06:00 Uhr

Märchenstunde? Ein Bastard von einem Buch ist das; schon auf Seite 20, noch bevor die 1001 Nächte beginnen, geht es politisch bös unkorrekt zu:

«Als der Kaufmann die Rede des Hahnes mit dem Hunde hörte, stand er schnell auf, nahm einen Stock von Eichenholz, führte seine Frau auf sein Zimmer, riegelte die Türe zu, angeblich um ihr die Erklärung zu geben, und fiel dann über ihre Rippen und Schultern mit Schlägen her; er prügelte sie in einem fort; sie schrie um Hilfe und sagte: »Ich will dich nach nichts mehr fragen.« Zuletzt, als er müde war vom Schlagen, öffnete er die Tür, die Frau ging hinaus, den Vorfall bereuend, und durch den guten Rat des Hahns ward die Trauer in Freude verwandelt.»

Der gute Rat des Hahns wäre übrigens noch einiges unzimperlicher gewesen. Aber das nur beiseite, das eigentlich Verrückte an «Tausend und einer Nacht» sind nicht die Unzimperlichkeiten (alle gegen alle, Männer, Frauen – die schlagen auch mal zurück, Geister), sondern die wild verschachtelte Dramaturgie. Eine Meta-Spielerei sondergleichen wird da im alten Arabien (bzw. seiner Nachdichtung) betrieben, eine Avantgarde avant la lettre. Ich bin erst in der sechzehnten Nacht angelangt, und schon steht der Rekord bei sage und schreibe sechs ineinander hineingepackten Geschichten. Ich werde mal versuchen, das ein wenig aufzudröseln.

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Kulturbeutel 16/12

Gisela Feuz am Montag den 16. April 2012 um 05:02 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Gehen Sie heute Abend in die Cinématte. Dort werden an der vierten Ausgabe der «Night of Swedish Shorts» aktuelle schwedische Kurzfilme von diversen jungen RegisseurInnen aus dem hohen Norden gezeigt. Am Samstag ist Record Store Day, was so viel bedeutet, wie Tag der unabhängigen Plattenläden. Auf der ganzen Welt werden Sonderauflagen, Limited Editions, unveröffentlichte B-Seiten-Compilations etc. extra für diesen Tag hergestellt und in den Plattenläden gibt’s spezielle Instore Shows und Treffen mit Bands. In Bern macht der Rockaway Beach mit und drum gehen Sie am Samstag da hin was kömerlen.

Kofmel empfiehlt:
Am Samstag in der Dampfzentrale treten die Könige und Königinnen des Hochgeschwindigkeitstanzes auf. Die kanadische Gruppe La La La Human Steps ist mittlerweile seit mehr als dreissig Jahren unterwegs und zeigt ihr neustes Werk – bestimmt sehenswert.

Frau Kretz empfiehlt:
«Die Wolfshaut», ein Stück über mysteriöse Geschehnisse in einer ländlichen Dorfgemeinschaft nach dem zweiten Weltkrieg: ab Mittwoch im Schlachthaus.

Fischer empfiehlt:
Mal schauen, was sich auf der Gurtenbrauerei-Baustelle so tut. Nächsten Samstag ist Vernissage zu einer Gruppenausstellung, die sich passenderweise «Kunst in der Baustelle» nennt – am Abend spielen The Frozen Pony and the Hot Skirts auf.

Herr Sartorius empfiehlt:
Ein gewichtiges Stück Musikgeschichte mit den amerikanischen Flipper am Sonntag im Dachstock.