Der Buchmarkt konzentriert sich, die Akteure werden immer grösser und mächtiger. Inmitten dieser Konzerne mischt ein überraschendes Unternehmen mit, dem man in weltlichen Gefilden eigentlich längst keine Macht mehr zugedacht hätte. Die Weltbild-Läden («Ottos Warenposten für Bücher», wie eine Freundin treffend sagt) bieten Buchgenuss ohne intellektuelle Hemmschwelle und gehören – man höre und staune – der katholischen Kirche. Weltbild war einmal ein Zeitschriftenverlag für katholische Erbauungsschriften – das würde heute allerdings niemand mehr vermuten, der die bunten Ladenlokale (meist an allerbester Lage) betritt.
Ausser Branchenkennern wären die Besitzverhältnisse wohl niemandem geläufig, wenn der Buchboulevard nicht auch einige, sagen wir mal, etwas weniger christliche Sortimentsposten mit Erfolg bewirtschaften würde. Und so war der Skandal eigentlich vorprogrammiert: Die lange diskret im Hintergrund wirkenden Besitzer störten sich immer mehr am Geschäftsgebaren vor allem im Internet (wo Weltbild zusammen mit der Schnäppchen-Seite Jokers im deutschen Sprachraum immerhin die Nummer zwei hinter Amazon ist) und haben deshalb unlängst beschlossen, das eigentlich gut laufende Geschäft möglichst rasch loszuwerden.
Die Probe aufs Exempel an der Marktgasse verläuft indessen einigermassen enttäuschend, was Ungehöriges angeht. Explizite Erotik oder sonstwie Sündiges gibt es im Laden kaum, dafür ein ganzes, absurd gut sortiertes Gestell mit Vampirliteratur für Jugendliche. Im Internet wird man zwar fündiger, doch auch da muss man gewitzt suchen, um die verborgenen Schätze zu heben.
Also eigentlich ziemlich umsonst, die ganze Aufregung. Aber immerhin ein dankenswerter Anlass, um dem skurrilen Laden mal einen Besuch abzustatten. Und den einen oder anderen doch eher speziellen Sortimentsposten zu bestaunen. Die Kugelbahn wurde jedenfalls prompt auf die Weihnachtseinkaufsliste gesetzt.



















