Blogs


Ein inszenierter Abgang

Von Nicolette Kretz am Montag, den 13. Februar 2012, um 12:32 Uhr

Schon Peter Zumsteins letztjähriges Solo zeichnete sich durch viel Pathos aus. Sein diesjähriges Heimspiel-Stück «Es liegt an mir | Die andern sind schuld», ebenfalls ein Solo, setzt noch einen drauf. Es startet von 0 auf 100 mit einem minutenlangen Wutausbruch über alltägliche Ärgernisse wie langsame Kassenschlangen, fehlendes Klopapier oder undichte Kopfhörer im Zugsabteil. Der Performer mit Clown-Schminke gestikuliert und tobt auf der Bühne rum, das Publikum amüsiert sich prächtig.

Doch dann setzt sich Zumstein hin, schminkt sich ab und erklärt, dass dies seine letzte Theaterarbeit sei und dass er damit noch einmal so richtig ein Zeichen setzen und einen bleibenden Eindruck in der Kunstwelt hinterlassen wolle. In einer Talkshow, in der Zumstein gleich dreimal als Gast geladen ist, geht es um die bevorstehende Tat. Interviews ab Video (Zumstein als Psychologe, Philosoph, Politiker…) verarbeiten sie retrospektiv. Wir kennen diese – hier ins Absurde getriebene – Rhetorik aus zahlreichen Medienberichten und schliessen, dass der Performer als grosses, finales Gesamtkunstwerk sich selbst und uns tötete, möglicherweise sogar die Dampfzentrale in die Luft jagen wird. (Hallo, Scherbenhaufen…)

Auch wenn diese Masche nicht ganz neu ist, spielt Zumstein hier sehr schön mit der Beziehung zwischen den Zuschauenden und den Agierenden im Theater. Und er spielt mit diesen «was würd ich in dieser Situation tun»-Gedanken, die wohl jeder bei Berichten über Attentate schon einmal hatte, denn entweder kriegt man hier mindestens an einem Punkt ein mulmiges Gefühl oder man fragt sich, was es denn bräuchte, damit man eines kriegen würde.

Das Spektakel endete mit etwas Theaterblut und einer Tischbombe, die ein wenig den Tanzboden versengte. Die Dampfzentrale steht jedenfalls noch und es bliebt zu hoffen, dass Zumstein auch seine Drohung, dies sei sein letztes Stück, nicht wahr macht.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.