Was ist los in der Dampfzentrale? Was man heute zum Thema wieder lesen konnte, kann einen schon ein wenig ungehalten machen. «Wir arbeiten unter Hochdruck», sagt Ruth Gilgen, Vorstandsmitglied des Vereins Dampfzentrale, fast schon kalauerisch im Bund. Dabei hat man inzwischen aber endgültig den Eindruck, dass dieser Vorstands-Druckkessel aus dem letzten Loch pfeift. Jedenfalls geht’s überhaupt nicht vorwärts: Keine neue Führung bis 2013, ein sich abzeichnendes Programmloch in der zweiten Hälfte 2012 – was auch die Festivals Tanz in. Bern und Biennale Bern betrifft. Das ist, kurz und knapp, miserabel.
Man mag die Stirn runzeln, was das politische und kommunikative Geschick des Vorstands angeht. Viel irritierender ist aber, dass niemand zu wissen scheint, wo dieser Vorstand überhaupt hin will mit der Dampfzentrale. Mit der designierten (und dann resignierten) Leiterin Bettina Fischer hätte es beim Tanz eine inhaltliche Neuausrichtung gegeben, das ist ein offenes Geheimnis. Wer wünschte sich so einen Richtungswechsel nach der sehr bewährten Programmgestaltung von Roger Merguin? Sollte die Musik zurückgestuft werden oder nicht? Gab es dazu Grundsatzentscheide, und wenn ja, wer hat sie getroffen?
Und warum werden bei der Kommunikation zu diesem Thema bloss Nebelpetarden gezündet? «Der Tanz hat gegenüber der Neuen Musik in der Dampfzentrale mehr Gewicht», sagte Ruth Gilgen Ende Dezember. «Das Verhältnis zwischen der Stadt und der Dampfzentrale gründet auf dem vom Volk genehmigten Leistungsvertrag. Dieser lässt Änderungen im Angebot zu, aber keine Kehrtwenden.» So Veronica Schaller ein paar Tage später. Änderungen im Angebot? Kehrtwenden? Heute dann Barbara den Brok vom Kanton: Zu allfälligen Akzentverschiebungen zugunsten des Tanzes kann sich den Brok indes nicht äussern. «Ich sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Dampfzentrale nicht im bestehenden Sinne weitergeführt werden soll.» Das sehen offenbar nicht alle an der Entscheidung Beteiligten so.









Was mich persönlich stört, ist, dass man immer von diesem Leistungsvertrag spricht, der aber kaum was beinhaltet, was die Ausrichtung oder das Programm der Dampfzentrale, etc… angeht. Man kann sich gut dahinter verstecken, aber ich habe bis heute keinen Leistungsvertag gesehen (und ich haben einen Subventionsvertragskopie), der irgendwie ein konkret etwas definieren würde. Pauli und Merguin behaupten. das ja immer. Noch weniger kommt so eine Definition von der Stadt oder vom Kanton. Meines Wissens gibt es in Bern keine inhaltlichen Vertäge und die Definition “Kunsthaus” kommt vom Pauli-Merguin-Duo. Sie haben ja das “Konzept” (gibt’s wenigstens sowas?) auch selber geschrieben…
Der Vorstand der Dampfzentrale ist seit je das grösste Problem. Und wie jeder Vorstand, hat er auch das Gefühl (und muss er auch vermitteln), dass er alles im Griff hat. Aus irgendeinem Grund meint man bei der Dampfere immer noch Mitspracherecht und eine komische Gewaltentrennung (Vorstand und Geschäftsleitung) durchziehen zu müssen. Ganz schlimm finde ich aber die “Verbeamtisierung” der Dampfere. Es haben noch nie so viele Angestellt dort Löhne bezogen, wie jetzt. Für das Publikum reicht die Aufmerksamkeit kaum noch.
Macht den 10-Jahresvergleich. Es ist wirklich 70 % mehr Geld zu 70 % weniger Publikum in 10 Jahren. Es waren 500 Veranstaltungen (80’000 BesucherInnen pro Jahr) – jetzt sind’s noch 260 (20 – 23’000 BesucherInnen pro Jahr), wenn’s gut kommt. Die Dampfere ist hauptsächlich leer oder zu probezwecken da. Für so ein Haus geht das einfach nicht, das ist viel zu teuer. Mit der Kunst ist das Leben entwichen…
Für ensuite hat’s eine interessante Feststellung gegeben: Am Anfang – 2003 bis ca. 2005 – haben wir in der Dampfzentrale ca. 600 – 1’000 Magazine pro Monat abgesetzt. Jetzt, 2012, kann ich froh sein, wenn 30 – 40 weggehen. Das macht nachdenklich.
Etwas mehr Selbstkritik, Herr ensuite: Vielleicht hat dieser Rückgang ja auch einfach mit der Qualität von ensuite zu tun …
marry me, dwight!
Ich hab mal versucht etwas zu lesen in Ensuite. Das ist dann leider misslungen.
fül die, die nit lesen und sleiben können, hell JimBobIII…
Lesen und Schreiben für Erwachsene Bern
Rosita Della Morte
Aarbergergasse 5
3011 Bern
http://www.lesenschreiben-bern.ch
Aw c’mon, Mistelee, so geht das hier nun nicht. Wirklich nicht.
was man der dampfzentrale mit sicherheit nicht vorwerfen kann: mangelndes profil. wenn der vorstand nun den eindruck erwecken will, die ausrichtung der dampzentrale sei bei den personellen wirren kein grosses thema, dann fühle ich mich auf den arm genommen.
da ist mir die unverblümtheit von herrn ensuite lieber, die erlaubt immerhin eine diskussion. auch wenn ich es seltsam bis denkfaul finde, wenn man die arbeit des leitungsduos einzig und allein an den einschaltquoten bzw. besucherzahlen misst.
möglicherweise braucht es auch im dz-vorstand einen herrn gross. sonst wird das nie etwas mit kompakter dominanz auf den letzten 30 metern.
…oh, ich reduzieren die Leistung nicht auf Besucherzahlen, e.c. palermo. Ich finde es aber wichtig, dass man räumliche Dimensionen bei solchen Subventionshäusern miteinbezieht. Die DZ hat ein Jahresfassungsvermögen – mal auf die Säle und Räume, auch Umschwung gerechnet – von rund 80’000 Besuchern. Da sind sogar Ferienzeiten miteinberechnet. Das war mal eine unabhängige Rechnung und ich war erstaunt, dass vor 10 Jahren das Haus tatsächlich so gut besucht war. Ich glaube, 50’000 wären genauso ok… Wir sind aber – und wirklich auf die Grösse vom Haus betrachtet – bei irgendwie 22’000 BesucherInnen im Jahr. Dieses Resultat wäre für ein Kairo, ein Be-Jazz in der Vidmar, oder sogar schon die Kunsthalle, super. In der Dimension einer DZ finde ich das zu wenig. Beim Stadttheater wird über diese Zahlen jeweils sehr laut gedacht.
Es muss doch möglich sein, Geld, kulturelle Funktion, künstlerisches Konzept in einer Diskussion unterzubringen. Ich glaube nicht, dass es gerechtfertigt ist in der Kunst, jeden Preis zu bezahlen, nur weil es Kunst ist. Gleichzeitig ist mir ziemlich bewusst, dass Kunst ein eigenartiges Verhältnis zum Geld hat – und eben auch zur “Masse”. Ausschliessen darf man weder das eine, noch das andere.
Die künstlerische Leistung der DZ habe ich nicht bewertet, sondern den Erklärungsnotstand. Erinnern wir uns doch an den letzten Knall in der DZ. Da hat jeder den Ball dem Anderen zugeschoben, bis schlussendlich Bruno, der Beizer, gehen musste, nur weil er mit 60’000 Franken in der Kreide sass und sich dieser Diskussionsmentalität nicht anschliessen konnte.
Es fehlt immer noch an Begrifflichkeit in der Kulturdiskussion. Zu viele Dinge werden verglichen, die nichts miteinander zu tun haben. Eben, mein Thema: Kultur und Kunst sind zwei verschiedene Schuhe. Wenn wir gemeinsam hier Abhilfe schaffen, dann können wir effizienter einen Kulturdialog abhalten. Bis jetzt fehlt uns aber die Sprache dazu. Und dann schiebt man Bälle… (und keine Argumente).
an alle kultur-interessierten berner/innen die auch bereit sind selber etwas zu investieren ausser nur zu konsumieren;ich glaub dass ist heute dass problem…
es ist zeit klartext zu reden; dass heisst: auch mal einen eintritt zu bezahlen und etwas entdecken und anschauen was man noch nicht kennt!!!(schubladendenken)…diese gratis-mentalität macht mir am meisten zu schaffen…als kulturschaffender als dj und eventmacher und ideen-schmieder…es ist heute selbstverständlich nur noch über konsumations-einträge(trinken,essen) die kultur zu finanzieren…auf der strecke bleibt der künstler und die kunstform…
leider verkommt auch in der dampfzentrale speziel im foyer an vielen anlässen dies zu einem meet+greet an der bar und viele kundschaft/besucher interessieren sich mehr für ihren rotwein/cüpli statt dem kulturellen angebot…
speziel die dampfzentrale bot früher ein viel breiteres angebot als heute und alle räume standen offen…
inovative regelmässige angebote wie der zentral-markt muess es in der zukunft mehr geben…eine monatlich öffentliche ideenbörse für die kultur-veranstaltungen wäre doch ein anfang!!! martin gerber,berneoptimist…
@ensuite: natürlich darf und soll man auch über das geld sprechen. sie haben allerdings fast nur darüber gesprochen (und einen fehlenden auftrag bzw. eigenmächtigkeit unterstellt). ich finde, man kann die diskussion nicht so einseitig führen, und dann sagen, man beurteile damit selbstverständlich nicht die inhaltliche leistung, sondern habe auf einen vernachlässigsten aspekt hinweisen wollen. entweder man bringt die dinge zusammen oder dann eben nicht.
die sache scheint mir nicht so wahnsinnig kompliziert, und ich zweifle auch, ob es dazu elaborierte kunst-und-kultur-begriffsdiskussionen braucht. die dampfere steht für das, was bern so gerne wäre, aber selten ist: urban und am puls der zeit. und sie hat ein klares profil – man braucht kein konzept, um die handschrift lesen zu können. profilbildung bedingt allerdings auch abgrenzung, und es werden leute entäuscht oder interessen nicht bedient. wenn letztlich nicht genügend publikum zusammenkommt, dann muss man wohl festhalten: this
townvillage wasn’t big enough for both of them.p.s. bei den statistiken würde mich interessieren, wie vergleichbar die zahlen sind: sind das ähnliche veranstaltungen oder hat es in letzter zeit einfach weniger parties gegeben?
Klar rede ich über Geld, wenn wir über den Leistungsvertrag diskutieren. Das ist es ja eben: Das ist das einzige, was in diesem Vertrag klar geregelt wird. Die Stadt macht keine inhaltlichen Verträge. Es gibt also nur den Auftrag, den Pauli und Merguin sich selber auferlegt haben – dazu hat man sie ja geholt und “gewählt”. Jetzt habt die Stadt, der Kanton und der Vorstand von der DZ das Problem, dass die Hauptprotagonisten gehen – und eben diese Handschrift ist und war abhängig von den Beiden. Dieses Format jetzt zu konservieren, damit die DZ so weitergeht wie bisher, ist wohl auch das Problem aller Beteiligten. Zudem ist der Leitung sehr wohl bewusst, dass die Besucherzahlen nicht da sind, wo sie auch selber gewünscht sind. Das macht die Lösung für den Vorstand auch nicht einfacher: Mehr Öffnung, weg vom hohen Kunstanteil zu mehr Mainstream? Dann kommt eben grad das bisherige Format der DZ gewaltig ins Wanken…
Doch. Über Kultur zu diskutieren ist wahnsinnig kompliziert. Ich habe mal versucht, die Begrifflichkeit zusammenzustellen und habe alle mir bekannten wesentlichen Bücher zusammengetrommelt. Ich habe jetzt ca. 30 verschiedene Kultur-Sprachen beieinander und kaum jemand hat eine Sprachbasis und Definitionsbasis gelegt, die auf einen grösseren Radius angewendet werden kann. Nehmen wir den einfachen und vielverwendeten Begriff “Kulturvermittlung”. Da sind bei der ProHelvetia grad mal 1,7 Millionen für ein Projekt eingesetzt worden. Beim BAK aber wird der Begriff nicht verwendet, weil die gemerkt haben, dass nicht klar definiert ist, was darunter fällt. Wofür also hat man jetzt 1.7 Millionen bezahlt? Beim Kanton Bern ist es das Gleiche. Und so geht’s weiter. Schon nur der Begriff “Kultur” ist eine Oase von Definitionen – mit ziemlich unterschiedlichen Betrachtungsweisen.
Das mit den Zahlen der DZ: Klar, vor 10 Jahren waren in der DZ wesentlich mehr Konzerte und Parties. Da gab es auch noch einen Jazzkeller. Da war am Wochenende ab Donnerstag das Haus voll. Ich sage, ich kritisiere nicht die inhaltliche Leistung der DZ-Leitung, sondern das Verhältnis der DZ als Ganzes (räumlich) zum Leistungsvertrag (Geld) und zum Publikumsvolumen.
Das mit dem “urban” ist dann wieder eine eigene Diskussion. Urban und am “Puls der Zeit” sind ziemlich schwierige Begriffe. Finde die Reitschule “urbaner”, auch die Aarbergergasse. Und am Puls der Zeit? Was heisst das denn genau?
wie gesagt, auch über geld zu sprechen, geht selbstverständlich in ordnung. mit ihrer jetzigen darstellung habe ich kein problem.
meine aussage wegen der begriffllichkeiten hat sich auf den einzelfall dampfere bezogen: gerade weil ihr profil so prägnant ist, braucht man hier meines erachtens keine meta-diskussion zu eröffnen. man kann ziemlich klar fragen: ist es uns das wert? oder auch: was ist in bern überhaupt möglich? sobald man den kreis öffnet und z.b. über die verteilung von geldern unter verschiedenen institutionen spricht, wird es ungleich komplizierter, keine frage.
«urban» und am «am puls der zeit», ja klar – ich zweifle allerdings, ob man in solchen diskussionen je völlig trennscharfe begriffe findet. schwierig ist es im detail immer. es geht auch nicht darum zu behaupten, dass es solches nirgendwo sonst in bern gäbe. aber es scheint mir ziemlich offensichtlich, dass sich die dampfere beeinruckend kompromisslos um kunst bemüht, die sich engagiert mit den verhältnissen hier und jetzt auseinandersetzt und höchst international vernetzt ist. auf alle berntümelende nabelschau verzichtet. die aarbergergasse würde ich jetzt mal salopp der agglo zuschlagen.
Sehr schön, Herr Palermo.
Ich hoffe nur, dass diese zweite, angedachte Ausgehmeile rasch wieder verworfen wird und stattdessen andere museale Stadtteile wieder belebt werden.
geb ich also recht! – und mir gefällt vor allem die “berntümelende nabelschau” – herrlich.
ich quassle oft etwas weiter hinten in den begriffen, deswegen versteht man mich manchmal glaub wirklich kaum. ist mir also bewusst. danke, dass sie das auch verstehen… war also in der dampfere-sache genau so gemeint.
das mit dem leitungswechsel, den konzepten, ausrichtungen, etc, können wir ja auch gut an der mühle hunziken beobachten. oder stellt euch vor, der mc anliker wandert nach hawaii aus… da gäbe es wirklich grosse probleme, die “ausrichtung” oder das “konzept” auch nur einigermassen halten zu können. und für mich ist das eben jetzt ein grosses problem und überhaupt nicht klar bei der DZ. die DZ stirbt jetzt mit dieser geschichte ein weiters mal und muss sich erst wieder neu erfinden – auch im programm. da nützt kein vertag mehr was. leider. und damit fängt wieder alles bei null an. auch das publikum.
Ich möchte die DZ eigentlich gerne leiten, doch, oder mindestens das musikalische Teil das geleitet werden soll. Doch doch, das kann ich. Konzept: Polka jeden Tag, auch in Tanzform, wenns sein muss, und am Samstagabend immer das Trio from Hell live bis, sage mal, mindestens 2019 Sommer. Vorläufig. Jeden verdammten Samstag, that is! Ist die Bewerbung schon ausgeschrieben? Ich bin parat. Kompakt wie Sau vorne wie hinten auch noch dazu!
Die Kampagne lauft, bitte treten Sie jetzt alle geschlossen die Facebookgruppe zum Thema bei. Ich danke.
Ach so, langsam kommt die Machine doch noch ins rollen … eat this, Newt Gingrich! Fünf neue Mitglieder in nur 3 Stunden, da tut sich was!
Wichtig ist mir auch noch mitzuteilen dass die Sparte Tanz keineswegs zu kurz kommen wird in
meinedie neue Dampfere: Es wird 5 Tage die Woche Massenlinedanceveranstaltungen geben. Sex pur nur Hilfsausdruck!Und ja, der ganze Siegeszug der Holländer an der diesjährigen EM wird selbstverständlich gratis, mit krass reduzierten Bierpreisen an der hauseigenen Theke, ganzheitlich ausgestrahlt auf Grossbildschirm. In den Pausen zwischen den Spielen denke ich jetzt schon laut nach über so Burlesque-Tanzvorführungen, bisschen Kultur muss ja sein zwischendurch.