Braucht es für einen Western eigentlich Pferde, oder reichen Pferdestärken? Wenn ja, ist «Drive», das Meisterwerk des Dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn, sehr wahrscheinlich ein Western. Der einsame, wortkarge Held wurde jedenfalls seit langem nicht mehr so brilliant inszeniert.
Stilsicher, in besticktem Seidenblouson und Rennfahrerhandschuhen aus feinstem Kalbsleder, fährt der Driver mit einer unvergleichlichen Geschmeidigkeit durch die Strassen von Los Angeles. Er zeigt seinen weichen Kern bei der rehäugigen Nachbarin, verstrickt sich wegen ihr in düsteren Machenschaften, die in höchst brutalem Gemetzel münden. Akustisch äusserst beeindruckend, sind diese Szenen nur sehr nervenstarken Menschen empfohlen. Da der Regisseur kein fieser Kerl ist, ist glücklicherweise jeweils unschwer zu erkennen, wann man sich erneut hinter dem Winterschal oder Nachbarn in Sicherheit bringen sollte.
«Drive» ist einer dieser seltenen Filme, die als Buben- und als Mädchenfilm funktionieren. Er ist eine Art «Dirty Dancing» meets «Dirty Harry». Er huldigt unseren Teenager-Idolen, ist aber gleichzeitig in der nüchternen Gegenwart angekommen. Er überzeichnet gnadenlos, bedient sich ungeniert an allen möglichen Klischees und ist doch realitätsnaher, als manches, was wir in der Tagespresse serviert bekommen.
«Drive» ist ein sehr, sehr empfehlenswerter Film.








Ich sah damals auf der Piazza nur die ersten fünf «Drive»-Minuten – dann schlief ich unverzüglich ein, was in Locarno ja keine Seltenheit ist.
Nicht verschlafen sollten Freunde und Freundinnen der Band Radiohead übrigens am 31. Januar, sofern man ein Ticket für ihr Schweizerkonzert am 9. Juli kaufen möchte. Supportet wird die Band von Caribou.
Best movie of 2011
Lieber Herr Sartorius
Ihre Aussage spricht imfall nicht gerade für Sie! Aber eben, es gibt immer jemanden der noch schnell sagen will, wie hoch doch sein Niveau und Anspruch ist…
Freundlicher Gruss Samuel B.
PS: Was spielt Radiohead heutzutage noch für eine Rolle?
Sie hören nur Musik die heutzutage eine Rolle spielt, Herr Samuel B.? Maximum Respekt, Mann, das wil ich auch!
*überleg an*
Tami, jetzt müsste ich meine ganze Platten- und CD-Sammlung kübeln, taminomal …
*überleg aus*
wenn ich das en passant schnell loswerden darf: meine niveau und meine ansprüche sind noch viel höher als die von sleepy son sartorius. habe den film in locarno durchgewacht und reibe mir nun die augen ob dem hype. sie sind doch alles formfetischisten.
oh, formfetischismus, gutes stichwort. hab grad ‘the artist’ gesehen, dazu demnächst mal mehr.
Bin ich hier eigentlich der einzige der den Film NICHT, ach so exquisit, auf der PIAZZA in Locarno gesehen habe…?
Na, Jim Bob the 3rd, wohl aus einer anderen Generation? Er schläft vielleicht beim Film ein – ich bei Radiohead.
e.c.palermo: entweder muss der, der für dich einen guten Film kreiert, noch geboren werden oder du schaust möglicherweise nur irgendwelchen experimentellen französischen low-budget-Kram an.
Bez. Ff: wie gesagt, nicht mein Zeitalter.
Ich habe ihn auch nicht in Locarno gesehen. Und werde das auch im Kino nicht tun, der Trailer hat mir bereits vollumfänglich genügt.
Furchtbar, gellen Sie, Herr Samuel B.
allmählich beginne ich herrn samuel b.s faszination für diesen film zu verstehen.
aber zurück zur sache: mit den wunderschönen zweitletzten absatz von frau kofmels kritik würde ich ja sogar einig gehen, aber… realitätsnah? kofmel, frau! na ja. bei mir dominierte am ende vor allem der eindruck, dass auf stilvollendete weise einmal mehr 1980er-jahre-nostalgie betrieben worden ist, diesmal halt mit einer tüchtigen prise metrosexualität. viel mehr hat mir der film leider nicht gesagt.
und ich habe den bösen verdacht, dass man folgende kaufempfehlung erhält, wenn man die dvd in ein paar monaten auf amazon bestellt:
Also ich gehe den «Drive» schon noch mal wach anschauen, um meine Explorationen durch die Achtziger weiterzuführen – obwohl mir obiges Lied schon Angst macht. Aber das sehen wir ja dann
jup. ich find die figur des drivers äusserst realitätsnah. was ihnen wohl unter anderem als metrosexuell erscheint, gefiel mir als glaubwürdige charakterzeichnung eines mannes, der sich nur teilweise den stereotypen entsprechend benimmt, respektive sich an beiden enden der skala bewegt. Diese extreme zart/hart darstellung ist wahrscheinlich überzeichnet. es schadet sicher nichts, wenn man gefallen am kitsch findet bei diesem film, überzeichnungen also etwas abgewinnen kann.
besser?
spätes merci, frau komel. und, ach: wenn es um realitätsnähe und glaubwürdigkeit geht, dann kommt die diskussion halt leider irgendwann an ein ende. beziehungsweise: verschiedene welten, verschiedene erfahrungen.
aber dann habe ich doch noch eine vermutung: hat ihnen «wild at heart» gefallen? ich konnte damit etwa gleich wenig anfangen wie mit «drive», und das aus ähnlichen gründen. dafür finde ich eröffnungssequenz von «lost highway» grossartigst. vielleicht liegt da der hund begraben.
[...] muss mich wohl dazu bekennen «Formfetischistin» (e.c. palermo) zu sein und wir verkommen hier noch zu einem Kino-Blog – aber donnernochmal [...]
herr palermo: excüsé, nun meine spätespäte antwort. ich weiss gar nimmer so recht, wie das war mit «wild at heart». das ist ja immer noch ein anderes paar schuhe – die haltbarkeit der begeisterung. die eröffnungssequenz zu «lost highway» gewinnt auch bei mir im vergleich ganz klar.