Nach dem Trommelwirbel nun also der Tusch: Der neue Lars von Trier ist endlich in den Kinos. Ehrlich gesagt weiss ich gar nicht recht, wo anfangen, so viel steckt drin in dem Film. Und dann gibts auch noch von einer seltsamen kinematographischen Parallelwelt zu berichten. Das passt hier nie rein – aber gut.
Was Trier in «Melancholia» macht, ist eigentlich ziemlich unverschämt: Man nehme einen Katastrophenfilm und streiche kurzerhand alle Spannung aus dem Plot. Bei Trier fängt das Ganze gleich mal mit dem Ende an – und das Ende ist nicht einfach ein Flugzeugabsturz oder ein Erdbeben, sondern der ultimative Knalleffekt, der goldene Schuss aus dem All. Die Erde wird von einem anderen Planeten getroffen, einem blauen Riesending, dass uns ohne weiteres verschluckt – Ende aus.
Das Unverschämte hat bei Trier ja Methode, und es ist auch immer mehr als leere Geste. Wenn der Psychologe Trier also den Weltuntergang inszeniert, so interessiert ihn das Spektakel nur vordergründig (und deshalb kann er das Special-Effect-Feuerwerk auch gleich zu Beginn hochgehen lassen). Das Aussen war Trier nie wirklich wichtig, und darum macht er auch die Apokalypse zu einer sehr inneren Angelegenheit. Oder anders gesagt: Für die Hauptfigur geht die Welt zu Bruch, und Trier hat die Chuzpe, das einfach mal ganz wörtlich zu nehmen.
Es gibt in dem Film eine wunderbar abgründig spielende Kirsten Dunst (neben einem weiteren beeindruckenden Staraufgebot), es gibt Wahnsinnsbilder vom Ende der Welt (wieder eher aus der Innenperspektive), es gibt eine herrlich verdrehte Wissenschaftskritik (die Forscher sind sich einig, dass es nicht zur Katastrophe kommt, sie warnen nicht, sondern sie beschwichtigen – aber auch das wollen viele nicht einfach glauben). Es gibt Wagner, es gibt eine sehr berührende und eine sehr böse Rede, es gibt den feinen Pinsel und die grobe Keule. Soviel Film in gut zwei Stunden war selten, und dabei braucht Trier gar nicht zu hetzen, geht alles sehr gemächlich zuschanden.
Ach ja, die Parallelwelt noch: In zwei Wochen läuft «Another Earth» an, wo ebenfalls plötzlich ein grosser Planet neben der Erde auftaucht – die Bilder ähneln einander auf unheimliche Weise, auch wenn die beiden Filme sehr verschiedene Geschichten erzählen. Man sollte sich die ungleichen Filmzwillinge wohl hintereinander anschauen, an einem düster verregneten Sonntag.







am besten zieh ich mir den film nächsten sonntag nach dem cup-1/8-final rein, dann sollte ich in der richtigen stimmung sein. bedanktestmöglich für
den tippdie tipps.Excusez les Mots, Herr Fischer, es liegt nicht an Ihrer Besprechung, aber das tönt jetzt doch alles nach einem richtigen Scheissfilm nach köppelschem Muster worauf es sich sehr gut verzichten lässt. Jaja, ich weiss schon, Geschmäcker sind verschieden und so. Wenn ist eigentlich der neue Bond fertig?
Ja, da haben wir es wahrscheinlich schon mit einem «Scheissfilm» nach köppelschem Muster zu tun, Herr JimBobIII, wie eine kurze Relektüre des damaligen Artikels ergeben hat. Geben werde ich mir den Film trotzdem – quasi familiäre Pflicht – und die Planetenkollision soll ja sehr lustig sein.
Übrigens: Trier hat ja nicht nur Wagner gehört, sondern auch die von unserer Signora Pergoletti vor Jahren bereits gewürdigte Hymne «Allein allein» von Polarkreis 18 – allerdings im Remix der nicht minder brillanten Nephew. Trier im Presseheft zu «Melancholia»:
«Im Film sprechen die Schwestern über das Alleinsein. Darauf kam ich, als ich diesen Remix hörte, den die dänische Band Nephew von dem Song ‚Allein Allein’ der deutschen Band Polarkreis 18 produziert
hatte.»
Nephew war übrigens die Band, die den dänischen WM-2010-Song erschaffen hat. Für unentwegte Freunde der herkömmlichen
ScheissChartmusik geht es hier zum Lied.hm, herr jimbobIII, ich dachte, eines der vier sch****film-kriterien sei, dass bruno ganz mitspielt.
nicht scheisse, eher saisongerecht. zum glück, würde ich meinen. wie sonst soll man seine winterdepression in gang kriegen, bei der permanenten besonnung tag für tag?
vorallem ein sehr schön fotografierter film, auch wenn ich die blöde tante charlotte gainsbourg nicht mehr sehen kann.
und apropos: wieso müssen sich in jedem arthouse-film zwei kleinkunsthuren neben mich setzen. sie wissen schon: ergraute mittfünfzigerinnen, die sich ständig flüsternd unterhalten, verlegen kichern wenn mal eine nackte frau zu sehen ist und alle fünf minuten einen schluck aus der mitgebrachten mineralflasche trinken damit sie nicht dehydrieren.
ah, der artikel ist ja sogar noch im netz vorhanden. meine erinnerung hat mir einen streich gespielt: das kriterium heisst semidepressive grundstimmung, und bruno ganz ist eine seiner verkörperungen.
was man von trier kaum vorwerfen kann: gewollte langweile (kriterium nr. 2). wie auch immer: von trier hat das genre zweifelsfrei revolutioniert.
>>und apropos: wieso müssen sich in jedem arthouse-film zwei kleinkunsthuren neben mich setzen.
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Geben’s Sie’s zu: Sie sind wegen Kiefer Sutherland hingegangen und dachten es sei eine neue Staffel 24.
die kleinkunsthuren mit den wasserflaschen sind wie die obligaten ausdruckstänzerinnen an den konzerten. die mit den röcken und stulpen und ohne schuhwerk.
im kino gibts nur eins: an den rand sitzen. dort sitzen sie nie. sie tummeln sich immer in der etwa drittobersten reihe in der mitte.
Hihi, meneer Palermo.
bitte sehr herr jimbobIII:
http://www.jamesbond.de/
Hab ihn schon gesehen, den “neuen” Lars von Trier-Fil. Nicht der rede wert, ausser ein paar bombastischen Bildern. Schade, der Mann hat eigentlich so ein Talent…
Der definitive Himmelskörper-Kunstfilm ist eh’ schon gedreht worden:
http://www.imdb.com/title/tt0098606/
Hier, im Thuner Kino Rex, liefen jedenfalls keine Scheissfilme, als unsereiner noch Bub war, und das nun abgerissen wird:
Das Kino meiner Kindheit ist bald eine Überbauung
Also die Limousinenszene fand ich neben der Planetenspeisung auch ganz lustig.
Im Ciné Movie scheinen sie allerdings die Schallgrenze auf 83 Dezibel oder so zu begrenzen, weil nicht zum ersten Mal war es in diesem Kino zu leise, was natürlich bei der endlichen Apokalypse nicht gerade toll ist.
ist das jetzt ein ausgehtipp, herr sartorius?
einen schonen guten morgen überhaupt. und ein frohes wochenende wünsche ich ihnen:
Also nicht ins Silent-Kino Movie – falls Sie ein gut ausgebautes Heimkino haben, können Sie ein wenig zuwarten, und das sagt da einer, der die grosse Leinwand eigentlich sehr schätzt.
Und merci für die Türen, Herr Palermo, das nehme ich mir zu Herzen. Zuerst aber heisst es:
«Mein Ziel ist, mit 30 Jahren nicht mehr Geld verdienen zu müssen»
Sind das die “Golden Telegramm”-Türen?
nein, herr zuffi, das könnten glaub’s fast deren kinder sein.
die einen türen: http://mikiwiki.org/wiki/T%C3%BCren (a propos: was macht eigentlich albert kuhn?)
die anderen türen: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_T%C3%BCren
Konnte das Video damals nicht sehen. Bei einem Blick und einem Ohr voll wird’s dann doch ziemlich klar.
[...] hätte man grad so gut den Lehrerinnenfilm gucken gehen können. Oder den anderen Seich. Da hätte es am Schluss wenigstens noch eine anständige Explosion gegeben.» So das vernichtende [...]