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Kultur, Medien und die Zukunft

Von Nicolette Kretz am Freitag, den 2. September 2011, um 05:59 Uhr

Seit Januar gibt es die Plattform Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste. Sie soll «wichtige Akteure im Schnittfeld Kultur / Medien» vernetzen und führt gestern und heute die erste öffentliche KulturMedienZukunft-Tagung mit Denkwerkstätten und Workshops und dem Schwerpunkt TheaterMedienZukunft durch.

Tobi Müller schreibt in einem auf nachtkritik.de veröffentlichten Vortrag zur Tagung: «Theaterkritik erscheint mir (…) zunehmend als Farce, als tragikomische Wiederholung eines ehemals konfliktreichen und konkreten Geschäfts, als Kritik eine Instanz war in der Gewaltentrennung zwischen Theater, Presse und meist kommunaler Politik. (…) Man versucht, an manchen Idealen der Theaterkritik festzuhalten. Aber unter den gegenwärtigen Bedingungen ist das unmöglich und vielleicht noch nicht einmal ästhetisch sinnvoll. Übrig bleibt dann oft nur die schlechte Laune.» Er ruft auf zu neuen Formen, die den neuen Medien entsprechen, denn die «Autorität des Kritikers hat schon lange vor Web 2.0 und den damit verbundenen Erzählungen der Partizipation zu bröckeln begonnen.»

Eine andere Strategie haben die Initianten der Plattform theaterkritik.ch. Dieses Onlinemagazin will die Textform Theaterkritik ins Internet ziehen, wenn sie in den Printmedien immer weniger Platz erhält. Theaterkritik.ch soll im November starten und dafür sorgen, «dass jede professionelle Gruppe, die eine öffentliche Kritik haben will, diese auch erhält.» Das funktioniert so, dass die Gruppen oder Häuser ihre Produktionen anmelden, 600.- einzahlen und dafür am Tag nach der Premiere zwei Kritiken auf der Plattform erhalten. Dieses Prinzip ist nicht unumstritten und es ist schwer vorauszusagen, ob die Seite Fuss fassen wird.

Vor ein paar Tagen erschien ausserdem das neue Passagen-Heft der Pro Helvetia mit dem Titel «Blättern, bloggen, twittern, taggen: Kulturjournalismus im Wandel». Es widmet sich mit einigen informativen Artikel dem Thema: eine geschichtlicher Rückblick auf das Feuilleton, eine Zusammenstellung der wichtigsten kulturellen Blogs und Onlinemagazine wie auch verschiedene Positionen zu den Auswirkungen der ‚neuen‘ Medien auf die Feuilletons, die Kulturschaffenden, -konsumierenden und auf den gesellschafltichen Diskurs. Und ein paar sehr treffende Cartoons illustrieren die aktuellen Tendenzen.

Auch wenn niemand eine lupenreine Lösung bieten kann, wie das Verhältnis von Kultur und Medien in Zukunft aussehen soll, ist es doch erfreulich, dass darüber nachgedacht wird, wie es weitergehen soll, wenn wir die Kürzungen des Feuilletons mal genügend beweint haben. Wie Tobi Müller schreibt: «Zum Loslassen hilft, wenn wir uns einmal daran erinnern, wie historisch kontingent und kurz die Zeit der vielen dicken Feuilletons war, deren Verlust wir nicht aufhören zu betrauern. Der geistige Um- und Ausbau der Zeitungslandschaft im deutschen Sprachraum war ein durch die lange Hochkonjunktur der Nachkriegszeit begünstigtes Projekt, das Mitte der Sechzigerjahre begann und Ende der Neunzigerjahre endete. Davor ging es auch anders. Und nur anders wird es weitergehen.»

4 Kommentare zu „Kultur, Medien und die Zukunft“

  1. Herr Sartorius sagt:

    Gestern hat ja an dieser Tagung Diedrich Diederichsen, auch bekannt als Autor der gelben Bibel, einen Vortrag gehalten. War jemand dort?

    Und nun sehr off topic, aber auch für Sie, Frau Kretz: Am 16. September spielen im Bärensaal Thun Dürrenast anlässlich des 25. Jahre Jubiläums des Mokka die Band Element of Crime auf.

  2. pauli sagt:

    Die Pro Helvetia-Zeitschrift wagt die These, dass das Feuilleton gar nicht auf dem Rückzug sei, sondern für die Verleger immer noch noch das Statussymbol. Da gibt es offenbar verschiedene Meinungen.

    By the way: Das Kulturblog ihres Vertrauens wird in Passagen auch erwähnt.

  3. Fischer sagt:

    bezahlen für eine theaterkritik? ein allerdings eigenartiges system. das feuilleton als (zu buchender) echoraum der branche? ich dachte eigentlich, es sollte vor allem im dienst des publikums stehen und für dieses orientierung bieten.

  4. MIchael sagt:

    Weltfremd, aber verständlich, eigentlich sollten jetzt ein paar böse Musiker den Journalisten (so als kleine Rache) empfehlen, sie sollen doch T-Shirts verkaufen oder auf Tour gehen.

    http://www.google.com/trends/correlate/search?e=theater+review&t=weekly

    (Ist aber Amiland der Trend, unbedingt mal das drawing tool dort ausprobieren!)