Die Tagesroutine wird gestört: Bei seiner Heimkehr findet ein Journalist vor der Wohnungstüre ein fremdes Paar Männerschuhe. Grund genug, unter die Treppe zu ziehen und an seiner Reportage über die Erstbestzwingung der Eiger-Nordwand – zumindest in seinem Kopf – weiterzuschreiben und das Chaos zu ordnen. Stoff genug, um damit einen schmalen Roman zu füllen? Durchaus.
Der deutsche Autor Max Scharnigg legt mit «Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe» einen kleinen Roman vor, der die Welt nicht vermisst (denn dafür sind bekanntlich andere Ruhmsüchtige zuständig). Trotz der angeschrägten Perspektive erzählt Scharnigg mit einigermassen leisen Mittel die Welterfahrung des Journalisten Nikol Manz, der sich unsichtbar macht: Die Schritte der Hausbewohner, die über sein Treppenversteck wandeln, werden katalogisiert und mit der Weite gegengeschnitten, die 1938 die Erstbezwinger an der Eiger-Nordwand erfuhren. Wieviel Zeit wird unter der Treppe zugebracht? Ein Tag, ein Monat, nur eingebildete Zeit?
Ein schrulliger Nachbar, der sich ausschliesslich von Paprikahendl ernährt, hilft dem unsichtbaren Nikol schliesslich, das erzählerische und biographische Missing Link von der Krümmung bis zum Gipfel zu finden, und die Geschichte findet den Dreh ins hochalpine Treppenhaus, das besoffen bestiegen wird – und bis hin zum angestammten Wohnort des Journalisten und seiner kranken Freundin führt.
Jedenfalls: Dieses Buch des Bachmann-Wettlese-Teilnehmers von 2010, das mit einem rührenden Schluss aufwartet, kann man sich gerne geben.
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Max Scharnigg: Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe, Hoffmann & Campe, 2011, 28.90 Fr.






So, hier noch ein Medien-Resümee für Bergsteiger:
Erstbezwungen wird auch heute im «Bund» – und zwar die Jungfrau.
Der «Blick» hatte zum Start dieser neuen iPad-App die Route der Eigererstbesteigung – wie auch ein 360°-Bild für Höhenkranke. Zittern im Hochformat forever – hier gedreht: