
Die Kultur ging nicht bachab: Toilettenanlage im Berner Stadtrat. Bild: CP
Der Stadtrat hat es gestern gewollt, mit der einzelnen Abstimmung über jeden der 20 Kulturverträge der Stadt Bern für 2012-15. KulturStattBern veröffentlicht darum das Rating der Berner Kultursubventionen:
Institution: Ja / Nein / Enthaltung (Irrtum vorbehalten)
Konzert-Theater-Bern: 46 / 17 / 8
Historisches Museum: 59 / 0 / 0
Kunstmuseum: 59 / 0 / 0
Zentrum Paul Klee: 63 / 7 / 0
Dampfzentrale: 63 / 10 / 0
Kornhaus: 71 / 1 / 1
Kunsthalle: 59 / 11 / 2
Schlachthaus: 66 / 3 / 3
Beeflat: 68 / 2 / 2
Bejazz: 70 / 1 / 1
Kammerorchester: 70 / 0 / 1
Buskers: 63 / 7 / 1
Camerata: 71 / 0 / 1
Grosse Halle: 67 / 2 / 2
Reithalle – Rückweisungantrag: 42 / 31 / 0 *
Kino Kunstmuseum – Antrag der Kommission: 57 / 9 / 1 **
La Capella, Puppentheater, Effingertheater: 69 / 0 / 2
Aua wir leben: 69 / 4 / 0
Anmerkungen
Die Rückweisung des Vertrages mit der Ikur (Reithalle) ist ein Sturm im Wasserglas, der vor allem ein paar zusätzliche Sitzungen verursacht (*). Die Rückweisung der Reduktion beim Kino Kunstmuseum, auf Antrag der vorberatenden Kommission, ist ein Erfolg der/für die Berner Kulturszene (**).
Fazit
Von 2012 bis 2015 gibt die Stadt Bern pro Jahr 26’970’484 Franken für alle Kulturinstitionen mit mehrjährigen Verträgen aus. Das gibt für jedes Drücken des Ja-Knopfes im gestrigen Stadtrat 23’825.52 Franken. Ich weiss zwar nicht, was diese Zahl bedeuten soll, aber es scheint mir interessant zu sein. Der Stadtrat redet zwar komisch, stimmt aber kulturfreundlich. Das ist gut so. Nun sollte dies auch das Berner Stimmvolk am 15. Mai 2011 tun.





unsere analysen ergeben:
das höchste parlamentariermobilisierungspotenzial teilen sich die dampfzentrale, das kornhaus, die reithalle und «aua wir leben». da wurde jeweils 73mal aufs knöpfchen gedrückt. am wenigsten zu mobilisieren vermochten das historische museum und das kunstmuseum.
das grösste polarisierungspotenzial (wird im kulturrating traditionellerweise als indikator für künstlerische qualität und urbane attraktivität verwendet) hat die reitschule. danach folgen «konzert theater bern» und die kunsthalle.
den höchsten verdichteten ratingindex (gewichtetes mobilisierungspotenzial x quadriertes polarisierungspotenzial) erreicht somit mit abstand die reitschule. wir gratulieren.
Mich hat das Pissoir gestern am meisten Spass gemacht (Bild). Sowas von vulgär habe ich noch selten gesehen. Üble Fantasien überkommen da einem beim Pinkeln… (nimmt mich wunder, wie alt diese Dinger sind…)… Und das ist ja erst die Besuchertoilette…
Bern IST kulturfreundlich. Ich habe gestern – bis auf eine kleine Ausnahme – keine Gegenstimme gegen Kulturelles gehört (und das widerspiegelt auch das Abstimmungsresultat – Danke Pauli). Was mir aber zu Denken gegeben hat, sind die Argumente, welche angeführt werden. Die Linken reden über Blumenfelder und “wie schön Kultur sei”… die Rechten reden über konkrete Details, wie zum Beispiel das Wort “Leistungsvertrag”, wenn keine Leistung vorgegeben wird und stellen Fragen. Abschaffen will Kulturelles niemand (bis auf einen ganz speziellen Redner, der schon fast als Satiriker galt). Das fand ich spannend. Die Linke-Ratsmenge fragt nämlich nicht, sondern “will und findet wichtig” – die anderen sind schon fast philosophisch unterwegs und ich habe ein paar ganz wichtige Argumente aufgeschnappt.
Es wäre ganz wichtig, dass wir (und damit meine ich Kulturschaffende) diesen Fragen beim rechten Lager gut zuhören würden. DIese Antworten können wir geben – vielleicht müssen wir etwas denken dabei – aber nur so können wir politisch vorwärts kommen und auch mal krisenfrei mehr Geld für einen Umbau oder für die freie Szene organisieren. Jetzt haben wir Angst und kein Vertrauen in das politische Gefüge – deswegen bangen wir vor solchen Abstimmungen und zeigen wenig Selbstvertrauen. Auch hatte ich nicht das Gefühl, dass die Kultur vor der Abstimmung durch Lobbying etwas bewirken konnte: Die Meinungen waren politisches Programm – deswegen auch diese komischen Reden zu Beginn…
Ich fand das Schauspiel gestern denkwürdig und stellte fest, wie wenig wir über Kultur in dieser Stadt wirklich wissen. Wir haben sie (die Kultur), aber wir leben sie nicht.
wow, angriff aufs kino kunstmuseum abgewendet, und dann gleich noch deutlich. überhaupt, die stimmverhältnisse sind ja durchs band erstaunlich.
Das heisst, es wird keinen mühsamen Abstimmungsk(r)ampf geben?
Ich gebe ensuite recht, das Blumenfeld war gestern vielleicht grad etwas gar harmlos ausgefallen – ich war auf Votum eher am Schluss der Rednerliste eingestellt und hätte gerne ein paar Argumente der Bürgerlichen widerlegt und grad etwas überrumpelt. Aber seis drum, man kann nicht immer DIE Perormance hinlegen.
Ich denke aber auch, dass es ganz wichtig ist, erhobenen Hauptes und ohne Angst in diesen Abstimmungskampf zu gehen. Viel von dem Gepolter gestern hatte wenig mit dem “Gegenstand” an sich zu tun als mehr mit internen stadträtlich-gemeinderätlichen Befindlichkeiten, das ist nun halt mal das politische game.
aber noch wichtiger finde ich, dass wir uns nicht erst in vier jahren wieder treffen und über Kulturpolitik diskutieren, wenn es um die nächsten Verträge geht, sondern den Dialog und die Kontakte aufrecht erhalten.
@ Nicola: JA! Unbedingt! Ich befürchte zwar, dass sich eben grad wieder jedefraumann in die Höhle zurückzieht, kaum wird die Abstimmung vorbei sein. So ist man in Bern getuned. Deswegen stellt sich die Frage, ob es nicht einfach gesund wäre, wenn wenigstens ein Vertrag “vertagt” würde. Das würde wachhalten… (ein wenig Provokation muss erlaubt sein…)
Hr. Ensuite, da bin mit Ihrer Einschätzung für einmal einverstanden: Bern ist kulturfreundlich, aber nicht unbedingt kulturlebendig. Von mir können wir das gerne ändern, ich bin auch debattierfreudig, wie Sie wissen. Nur, diese Debatte kann man nicht vom Zaun reissen. Die Methode à la Samuel Schwarz haut die Leute vom Stuhl, dann wollen sie nix mehr sagen.
Frau Nicola: In der Tat ist es schwierig, wenn Politiker/innen über Kultur reden. Da stellen sich bei unserereins schnell mal die Nackenhaare. Aber immerhin hat der Stadtrat am Donnerstag geschlagene drei Stunden über Kultur gesprochen – nicht schlecht!
Übrigens,Streiten ist auch Kultur. Wie soll ich einer alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern erklähren,wiso andere Zig Millionen brauchen, nur um sich selbst verwirklichen, oder darstellen zu können? Über subventionierte Kultur muss, darf und soll man Streiten, sonst verkommt sie zur Staatskultur und wird Wertlos.Ja man muss sogar außenstehenden, inkompetenten und Kulturgegnern das Demokratische Recht zugestehen, mitzureden. Subventionierte Kultur muss sich auch am “Ertrag” und nicht nur am “Aufwand” messen lassen.
Lieber Jimy Hofer
ich geb dir recht, dass Streiten auch in eine Kultur gehört. Wenn man allerdings Kunst mit Selbstverwirklichung und -darstellung gleichsetzt, argumentiert man sehr undifferenziert und hat sich nicht mit der Natur der Sache auseinandergesetzt, was aber eigentlich eben auch zu einer anständigen und sachlichen «Streiterei» gehören würde. Meine Meinung.
Danke sehr Frau Feuz! Im Theater arbeiten sehr viele Alleinerziehende, und bereiten zu einem bescheidenen Lohn vielen Leuten immer wieder grosse Freude. Erklären Sie diesen, Herr Hofer, warum sie nun plötzlich arbeitslos werden sollen. Was fällt Ihnen eigentlich ein, unsere Arbeit einfach als Selbstdarstellung zu diffamieren, sie Selbstdarsteller.
werter herr hofer, allerdings ist streiten auch kultur, zum konstruktiven streiten braucht es jedoch eine gesunde streitkultur. aussagen wie die ihrige tragen zu einer solchen sicher nicht bei. sie beleidigen mit ihren unsinnigen ansichten nicht nur alle kulturschaffenden, sondern auch alle alleinerziehenden mütter.
Es ist ja praktisch, sich vereint gegen Jimmy Hofer zu erheben. So muss man sich der Hauptfrage nicht stellen, warum sich die Künstler & Veranstalter sich nicht wehren gegen KONZERT THEATER BERN und der Einsetzung von so viel Geld in ein zum Scheitern verurteites Theatermodell ( das die meisten Gelder schluckt ). Jimmy Hofers Spitzen gegen Staatskultur sind nicht das Problem. Das Problem ist das SVP Theater von Hans Lauri. Das scheint ihr zu wollen oder nicht bekämpfen zu können aus Befangenheit. Und so sind eure Kommunikationen nur Scheindebatten in der Nestwärme des Internets. Leider verpasst man so die Chance, sich mehr Geld zu erkämpfen. Ihr werdet auch in vier Jahren nicht über Kultur reden, leider, wenn ihr es jetzt nicht tut.
Wer ist Ihr? Wer sind Wir? Es sind nicht alle einfach befangen und feige, die Ihre Meinung nicht in allen Punkten teilen, Herr Schwarz. Diese “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich” – Haltung nervt extrem, auch bei Ihnen.
@ Jimy Hofer: Und siehe da, ich fand an der Stadtratssitzung übrigens ganz wichtig, was Du da von DIr gegeben hast. Aber nicht das Theater ist das Problem, sondern die Fragen, wie es organisiert, wer es braucht, warum man es braucht etc… Ich fand Deinen Einwurf mit dem “Leistungsvertrag”, der keiner ist, sehr gut. Stimmt nämlich. Es ist ein einfacher Vertrag für eine Geldzahlung – mit keiner Leistung verknüpft. Und wer so eine Kulturdebatte führen will – sprich: Dinge falsch benennt oder einfach Voraussetzungen als gegeben hinstellt, der führt eben keine Debatte, sondern will herrschen. Genau das ist ein Problem mit der Kultur/Kunst.
@ Frau Feuz: “Wenn man allerdings Kunst mit Selbstverwirklichung und -darstellung gleichsetzt, argumentiert man sehr undifferenziert und hat sich nicht mit der Natur der Sache auseinandergesetzt, was aber eigentlich eben auch zu einer anständigen und sachlichen «Streiterei» gehören würde.” Dem stimme ich auch zu, aber: Diese Auseinandersetzung findet ja eben gar nicht mehr öffentlich statt.Oder vielleicht noch in der Probestube. Wo sind denn diese angeregten Diskussionen über Kunst, was sie ist und was sie will? Ich selber bin seit über 22 Jahren “Kulturschaffender” – in verschiedenen Sparten. Ich erinnere mich, dass künstlerische Debatten noch vor 15 Jahren normal waren. Unterdessen, im journalistischen Bereich, stirbt sie sogar ganz aus. Gerade jungen Generationen, können den Begriff “Kunst” gar nicht mehr zuordnen. Dabei müssen wir immer neu diese Begriffe für jede Zeit definieren. Es gibt hier den Zustand “erreicht” nicht.
@ Pergoletti: Auch hier bin ich total mit Ihnen einverstanden. “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich” – das funktioniert nicht. Und auch das nicht: “Wer nicht für Kunst/Kultur ist, ist gegen Kunst/ Kultur”. Genauso doof.
Bitte nicht vergessen,dass es ausschliesslich um die subventionierte Kultur geht und vor allem darum, dass die Gelder ungerecht verteilt werden. Die Platormen der Diskusion hat sich halt vom Stammtisch in das Internet verlagert. So hat jede Zeit ihre eigenen Diskusionskulturen. Und auch nicht vergessen,dass Geld Kultur nicht nur fördern kann, sondern, wie das Beispiel Stadttheater zeigt, auch zum stagnieren und einschlafen bringen kann. Das der alternative Kuturverein Reitschule heute eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung geniesst als das Stadttheater, würde mir als Verfechter dieser Institution zu denken geben.
Auch im Stadttheater geht es nicht einfach um Selbstdarstellung, sondern sind die meisten Beteiligten mit sehr viel Herzblut am Werk, sorry, aber das ist einfach so. Und verdienen tun auch nicht alle viel, sie würden sich über die tatsächlichen Umstände wundern, mein Wort darauf. Dass man über einige völlig überspitzte Löhne, wie zum Beispiel des Intendanten, dringend einmal reden sollte, dieser Meinung bin ich natürlich auch! Und ich bin auch der Meinung, dass man das neue Modell unbedingt verhindern muss, das wieder einmal von irgendwelchen Leuten im stillen Kämmerlein ausgetüftelt wurde und das Theater noch mehr ins Abseits bringen wird.
Allerdings glaube ich nicht unbedingt an alle Arten von Polemik. Die letzten Polemiken haben letztlich auch dazu geführt, dass das Schauspiel aus der Stadt heraus an den Rand getrieben werden konnte und auch deshalb an Präsenz und Bedeutung verloren hat. Ich fürchte, dass dieser sogenannte Kampf um ein besseres Theater zu einer noch grösseren Schwächung des Theaters führt, bis es schliesslich aufgesplittert wird und jeder Teil davon so schwach ist, dass gar kein Rückhalt mehr zu erzeugen ist.
Ich muss allerdings auch sagen, dass es mich tatsächlich auch langsam etwas anödet, immer für das Stadttheater zu weibeln, während von den tatsächlichen Machern dort so wenig kommt. Scheint mir jedenfalls so. Ich bin keineswegs der Anwalt Erich Sidlers. Mir geht es darum, dass eine Hauptstadt ein Stadttheater braucht, meine Meinung. Aber es ist auch in der Tat so, dass ich keinen Bock habe, in diesem Ton, der immer gleich angeschlagen wird, zu diskutieren. Das kann man mir und auch anderen vorwerfen, ist halt aber einfach so.
Dass die Gelder ungerecht verteilt sind, meine Rede, Herr Hofer. Und dass die Reithalle so eine grosse Akzeptanz geniesst, liegt natürlich daran, dass sie einfach spannender und lebendiger ist, als das Stadttheater :) Aber auch daran, dass sie nicht viel kostet.
Lieber Samuel Schwarz
Woher kommt er nur, Ihren unbändigen Hass auf das Stadttheater Bern? Hat das etwas mit nicht erhaltenen Aufträgen zu tun?
Meiner Meinung nach ist Ihre negative Haltungs, -und öffentliche Schreibweise stets auf persönlichem Frust, gegenüber dem Stadttheater Bern, basierend. Ihre “Abrechnung” in der vorletzen Ensuite Ausgabe beweists…….
Sie wollen dem Konzert-Theater-Bern ein Ende bereiten? Treten aber mit Ihrer Truppe in ebendiesem Haus auf? Der unterbezahlte Reinigungsdienst hatte übrigens eine Riesenfreude am beseitigen der Eierspuren. Dachten sie etwa Herr Adam putzt das?
Nein!!!!
Um die 200-300 Leute (mich eingeschlossen) arbeiten in diesem Haus. Und alle geben 200 % um jede Vorstellung perfekt zu machen. Wenn Sie die ganze Institution angreifen dann greifen Sie auch alle Mitarbeitenden auf, hinter und neben der Bühne an.
Auch wir sind nicht mit allem Einverstanden was in der Teppichetage abgeht. Ja auch Intern brodelt es oft über das Vorgehen und zum Teil Inkompetenz der Führung. Wo ist das nicht so?
Ich finde, das Stadttheater hat grossartige Produktionen in jeder Sparte. Ich persönlich gehe auch ins Tojo, in die Dampfzentrale oder ins Schlachthaus die auch grossartige Produktionen haben. Wenn es nach mir ginge dürften auch diese Spielstätten mehr Geld erhalten. Geld ist jedoch bekanntlicherweise immer knapp bei der Kultur. Schade, wir würden lieber gemeinsam für alle Theater und Kulturinstitutionen einstehen, als uns gegenseitig versuchen auszuschalten. Der gerade gewählte Herr Amstutz freut sich bestimmt an solchen Quereleien unter den Kulturmachern……..
Ich verstehe nicht, wie Sie als Theaterschaffender, sich in einer derartig negativen Weise über das Stadttheater äussern.
Lassen Sie Ihren persönlichen Frust zuhause.
Lieber Iwan
Ich weiss nicht, wie Sie zu der Einschätzung kommen können, dass es eine unbefangene Position geben könnte in so einer Diskussion. Ja, ich bin persönlich befangen, nur wer ist das nicht? Sie etwa nicht? Schliesslich arbeiten Sie ja an dieser Institution, selbstverständlich verteidigen Sie sie dann auch. Zu den Eiern. Wir haben mitgeholfen, die paar wenigen Eierschalen wegzuputzen, die durch unsere Kunstaktion an und im Stadttheater entstanden und vor dem Haus herumlagen. Zudem habe ich in einem Brief an das Haus zusätzlich betont, dass unsere Aktion eine Reflexion über Hoch- und Tiefkultur sein soll und keine Attacke an die Menschen, die in dem Haus arbeiten. Den Opfermythos der dadurch beleidigten MitarbeiterInnen können Sie ruhig weiterpflegen, er entspricht aber nicht der Wahrheit. Persönlich befangen bin ich in der Hinsicht, dass ich mir ein Stadttheater wünsche, bei dem andere, modernere Hierarchieformen gepflegt werden, die Künstler/Gruppen und Techniker mehr eingebunden werden in die oberste Hierarchieebene – gerade weil diese für eine vernünftigere Einsetzung der Ressourcen garantieren, aber auch für dringlichere Kunst. Ich bekämpfe das kommende Modell, weil es bereits auf der Ebene der Wahl des CEO’s jeglichen professionelle Abläufe vermissen lassen lässt und in dem Sinne bereits eine Vorahnung gibt, wie der Stiftungsrat auch in Zukunft geschäften wird. Ich habe auch die Wahl von Herr Adam aus nächster Nähe verfolgen können und auch bereits da öffentlich zurecht kritisiert. Wenn Sie nun meine Kritik zu “persönlichem Frust” minimieren, helfen sie mit jener Deutung zu Recht zu verhelfen, die jede Kritik an solcher Unprofessionalität als persönliche Abrechung verniedlicht. Ich denke und argumentiere letzlich in Ihrem Interesse – sie selber scheinen ja Mühe mit der Teppichetage zu haben und deren Entscheidungen. Es scheint aber auch für Sie einfacher zu sein, sich auf einen “äusseren Feind” zu einigen – in diesem Falle auf mich – anstatt die unprofessionellen Abläufe zu kritisieren, die viel negativer auf ihr eigenes Leben einwirken werden als meine Kritik am Modell. Es lag und liegt mir fern, Mitarbeiter des Stadttheater zu kritisieren. Im Gegenteil: Die tolle Belegschaft hat bessere Chefs verdient.
@ Pergoletti: DANKE für diesen Satz: “Und ich bin auch der Meinung, dass man das neue Modell unbedingt verhindern muss, das wieder einmal von irgendwelchen Leuten im stillen Kämmerlein ausgetüftelt wurde und das Theater noch mehr ins Abseits bringen wird.” – ich finde den so eigentlich schon ziemlich polemisch :-) (aber eben gut so).
Was mich am neuen Theater ebenso frustet ist, dass man sich brüstet, dass St. Gallen doch ganz gut mit dieser Fusionsform funktioniere. Aber als Hauptstadt müssen wir einfach ein besseres Theater hinkriegen, als die (sorry St. GallerInnen!) Provinz. Kommt doch kein “internationaler Name” mehr nach Bern – weder als BSO-Dirigent, noch als Theaterdirigent… WIr klassieren uns mit dieser neuen Gesellschaft in eine Liga tiefer unten. Und das mit sehr viel Geld – dabei müsste dieses Geld doch Ansporn sein, für was Grösseres…
Dazu kommt, dass ich vermute, dass die wirklichen Einsparungen, die man mit der Fusion hinkriegt, nur grad die neuen Beraterlöhne, Direktorenlöhne zu decken vermögen.
Sicher ist: Für ein nettes Theaterchen und ein nettes BSOli, welches den noch ältern Publikum gerecht werden soll (die leiten diese Gesellschaft ja auch…) reicht das Ganze allemal. Für mich aber wirkt es wie eine Beleidigung.
(und ich möchte damit nicht sagen, dass die SchauspielerInnen, die MusikerInnen, und die arbeitende Guilde von beiden Institutionen nicht hervorragende Arbeit leisten…)
Lieber Samuel
Danke für deinen Text, er hat mich dir gegenüber bereits etwas milder gestimmt. Ich bin deinen Forderungen und Meinungen im übrigen auch gar nicht so abgeneigt wie du vielleicht denkst. Auch ich möchte das die künftige Institution anders strukturiert ist. Der Stiftungsrat aufgefrischt und Hierarchien abgeflacht werden. Auch ich möchte keine horrenden Löhne für Direktoren und dergleichen.
All das, und da bin ich nun mal der totale Realist, ist nun mal einfacher gesagt als getan. Demonstrationen? Möglich….
Gespräche mit Kulturbossen in unserer Stadt ala Pulver? Möglich…..
Texte verfassen? Eher nicht….
Realist eben.
Sie argumentieren im übrigen nicht in meinem Interesse wenn Sie der Leserschaft ein Nein vorschlagen zur kommenden Abstimmung.
Auch einige mich nicht auf einen, wie Sie es sagen, “äusseren Feind”. Was mich am Theater stört diskutiere ich im Theater. Mit meinen Chefs. Nicht immer ist alles für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich versuche lediglich Ihnen etwas Wind aus den Segeln zu nehmen.
Ich persönlich bin übrigens der Meinung das der Muff von 100 Jahren langsam vergeht. Wenn ich ins Publikum blicke, und das mache ich arbeitsbedingt oft, sehe ich auffallend mehr junge Leute als auch schon. In allen drei Sparten. Auch bei wenigen Führungspositionen spüre ich frischen Wind. Ganz ehrlich…..
Ach und das mit dem sehr vielen Geld für das STB. Sie alle wissen schon, das wir im Vergleich weniger Geld erhalten als beispielsweise Basel, Zürich und sogar St. Gallen.
Werter Herr Iwan, sagen Sie Ihren Chefs, Sie sollen mal rauskommen, und sich dieser Diskussion stellen.