Das Musikfilm Festival Norient ging gestern Abend im Kino in der Reitschule in die zweite Runde und stand dabei ganz im Zeichen des Islams. Zu «Muezzin» kann Ihnen unser werter Herr Sartorius mehr berichten, die Schreiberin schaffte es wegen dieser Premiere erst auf den zweiten Filmbeitrag ins gemütlichste Kino der Stadt Bern.
Punk und Islam ist etwas, was auf den ersten Blick nicht richtig zusammenzupassen scheint. Bereits die Eröffnungsszene von «Taqwacore: The Birth of Punk Islam» von Omar Majeed, zeigt aber, dass durchaus zusammengeht, was so unvereinbar scheint: In einem schön punkig angesifften Keller irgendwo in Boston headbangen junge Männer und junge Damen inklusive Tattoos und Piercings zu den brettharten Klängen von The Kominas und singen lauthals «I am an Islamist! I am the Anti-Christ!» Wenn die Texte nicht wären, wenn nicht hie und da eine junge Frau ein Kopftuch tragen würde und wenn die Tattoos nicht in arabischer Schrift geschrieben wären, würde man kaum einen Unterschied zu europäischen oder amerikanischen Punks bemerken, ausser vielleicht, dass halt mehr gekifft als gesoffen wird.
Die sogenannte Taqwacore-Bewegung wurde von einem jungen, bemerkenswerten, intellektuellen Provokateur namens Michael Muhammad Knight ins Rollen gebracht. Dieser hatte in seinem 2003 erschienenen Buch «The Taqwacores» eine fiktionale Gruppe von jungen muslimischen Punk-Rockern beschreiben. Seine Geschichte stiess bei vielen jungen, amerikanischen Muslims auf offene Ohren und was einst nur Fiktion war, wurde bald Realität. Omar Majeed dokumentiert in seinem Film diese Taqwacore-Szene und begleitet dafür Michael Muhammad Knights Band bei ihrer Tournee quer durch die Staaten und bei einem Ausflug nach Pakistan. Da prallen auf höchst amüsante Weise Welten aufeinander, wobei es aber auch immer wieder gelingt, Brücken zu schlagen.
Drüben im Rössli sorgten dann die Dee Diglers aus Neuchâtel mit ihrem brettharten Punk à la Dead Kennedys gleich für den passenden Abschluss dieses Punk-Abends. Dany Digler, Rampensau erster Güte, lieferte mit seinen Ausflügen ins Publikum, seinem Spastidance und 200-prozentigen Körpereinsatz beste Unterhaltung und sorgte auch gleich für die Gretchenfrage des Abends: Darf man einen Menschen, der schielt, Hammerhai nennen?





«Muezzin» war sehr sehenswert und insbesondere einer der Rufer ein wunderbarer Charakter. Allerdings verlor er das Halbfinale des prestigeträchtigen Super-Muezzin-Sängerwettbewerbs, worauf er sich nicht mehr filmen liess, was schade war, vor allem für den Film.
Hier noch der Trailer:
[...] Nowak dem Norient Musikfilm Festival auf ByteFM eine ganze Stunde. Gisela Feuz berichtete auf KulturStattBern über den zweiten Abend des Festivals. Christian Gasser schrieb im Bund eine wunderbare Reportage [...]