Noch wurde in diesem Jahr kaum neue Musik gehört und die Stadt erhielt nur ganz kurze Besuchszeiten, denn: Es lockte – wieder einmal – das Werk von Roberto Bolaño, das nun auch bei mir immer mehr zum viel zitierten «Planeten Bolaño» mutiert. Schuld an dieser Ausweitung sind die letzthin als schmale Taschenbücher erschienenen «Die Naziliteratur in Amerika» und «Stern in der Ferne».
Ersteres ist eine zunächst komisch erscheinende Anthologie, die 30 Autorenporträts enthält. Viel sehr üble und wüste Literatur scheinen die vorgestellten (und obacht, Spoiler, natürlich fiktiven) Autoren und Autorinnen fabriziert und verlegt zu haben und so liest sich der Band wie ein Pulproman, der mit dem letzten Porträt des futuristischen Dichters Carlos Ramírez Hoffmann alles vermeintlich Komische verliert und aufs Ganze geht.
Da in der «Naziliteratur» das Porträt von Hoffmann gemäss der Herausgeberfiktion unzulänglich wiedergegeben wurde, erzählt «Stern in der Ferne» die ausgedehnte Version der Kollaborationskarriere Hoffmanns, der nun Carlos Wieder heisst und noch grausamer erscheint als in der kurzen «Naziliteratur». Wie beinahe immer bei Bolaño besteht das stark autobiografisch gefärbte Hauptpersonal aus Dichtern, die Schreibwerkstätten besuchen, Geschichten erzählen, über Literatur reden, in der Literatur leben und dem Leser genügend Tipps für eine weitere Reise durch die Weltliteratur schenken. Der «Stern in der Ferne» ist bedingt durch den historischen Hintergrund des chilenischen Militärputsches keine schöne, aber eine unendlich faszinierende Lektüre.





[...] alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Dies ist (unter anderem) ein Roberto Bolaño-Fanblog. Und da es bis zur Erscheinung des nächsten (und, so steht zu befürchten, wohl auch [...]