Wenn es ums Sparen geht in Bern, dann geht es auch immer um den Status dieser kleinen Kapitale, um die Rolle, die sie spielen will: Haupt-, Provinz-, Durchschnittsstadt? Bei der Diskussion rund um die drei Theatersparten waren da rasch Schmerzgrenzen erreicht: eine Hauptstadt ohne Stadttheater? Das geht nicht, unvorstellbar. Richtig, aber damit hört es ja nicht auf.
Es ist schon ein wenig furchterregend, wie radikal der kulturpolitische Zweihänder derzeit geschwungen wird. «Viel kann, nichts muss» scheint das aktuelle Motto in der Berner Kulturpolitik zu sein. Am Stadttheater steht so ziemlich alles zur Disposition, und nun erwischt es auch das ambitionierte Kino. Das Kino Kunstmuseum wird wohl die Tore dichtmachen müssen, ein Drittel weniger Subventionen von der Stadt, dazu kaum noch Unterstützung (weder finanziell noch ideell noch räumlich) vom Kunstmuseum – so lässt sich ein Betrieb kaum mehr vernünftig aufrecht erhalten.
Während es doch einiges Geschrei und Lamento rund ums Stadttheater gab, droht das Programmkino in Bern ganz still zu Grabe getragen zu werden. Es muss erlaubt sein, da auch mal dazwischen zu lärmen: Nein, eine grosse Stadt ohne vernünftiges Reprisenkino, das geht ebenso wenig, wie – siehe oben. Man möge da bitte Kultursparten nicht gegeneinander ausspielen, auch das Kino braucht ein schönes Zuhause, auch in Bern.
Ja, der Status Quo ist unbefriedigend, da werken zuviele Leinwand-Helden an zuvielen Initiativen herum: Cinématte, Kino Reitschule, Lichtspiel, Kino Kunstmuseum. Da verzettelt sich so einiges, was man wohl besser bündeln würde (siehe zum Beispiel Zürich, wo es mit dem Filmpodium und dem Xenix zwei sich wunderbar ergänzende Programmkinos gibt). Ein Vorschlag also zur Güte: Das Kino Kunstmuseum sucht sich ein neues Zuhause, zusammen mit dem Lichtspiel, das ja wohl ohnehin bald umziehen muss. Zusammen bilden die beiden ein echtes Programmkino-Bijou, wie es nur wenige Städte in der Schweiz zu bieten haben. Und zwar nicht in einem billigen Industriebau, sondern an einem zentralen und attraktiven Ort. Ist im Progr genug Platz für die Lichtspiel-Sammlung, vielleicht im Dachstock? Juwelen gehören ins Schaufenster, nicht in einen schummrigen Keller oder ins Lager.





sorry herr fischer, wenn ich die diskussion auch nicht wirklich in schwung bringe, weil: da gibt es nichts mehr anzufügen. ausser vielleicht das erstaunen, dass sich der staat genau dann vornehm zurückzieht, wenn das programmkino auf dem freien markt keine zukunft mehr hat. ich dachte immer, das funktioniert umgekehrt, das mit dem staatlichen handeln.
herr palermo…, das haben sie jetzt aber gut gesagt… gemäss frau schaller ist das kino ja rückläufig – grund genug für sie, die subventinoen zu kürzen. weil die stadt nicht mehr für den film, sondern der kanton jetzt dafür zuständig ist, zieht sie sich eben zurück, dankbar, dass man ein “legitimes” argument gefunden hat. da verwirrt wiederum die subventionserhöhung beim lichtspiel – auch wenn ich denen wiederum jeden rappen gönnen mag. und was ist eigentlich mit dem kellerkino? immerhin das erste kino dieser gattung in der schweiz gewesen… und die cinèmatte, und das reitschulkino?
bern war mal kinohauptstadt der schweiz. nachdem wir den berner tanz, den berner jazz, den berner pop-rock ruiniert haben, kommt jetzt also auch noch das berner kino. super. ich glaube, frau schaller und herr tschäppät brauchen ganz dringend nun doch noch eine vision…
was mir bei all diesen subventionsdiskussionen immer wieder auffällt: allen ist klar, dass sich eine stadt wie bern nicht alles leisten kann, deshalb einsparungen machen und schwerpunkte setzen muss.
dass es da nichts bringt, an allen ecken und enden wild drauflos zu sparen (so macht es nach aussen jedenfalls den eindruck), scheint einleuchtetnd. vielmehr müsste grundsätzlich entschieden werden, was wir uns leisten wollen und was nicht.
könnte das mal jemand an die hand nehmen?
hui.. auf dem Estrich des progr ists aber auch ganz schön muffig..
@ spot: …vor allem: wer will all diese projektoren da rauftragen!!!
@gnos: voll klar. wir haben jetzt dann bald jeden schwerpunkt verloren. was bleibt sind die veranstaltenden institutionen, die müssen aber das “kulturprogramm” importieren, weil das städtische bern kaum noch selber was auf die beine kriegt… das finde ich bedenklich! wir haben eine importkultur grossgezogen statt eine exportkultur. anders ist’s mit den privaten, die immer noch bessere basis bieten (beispiel progr) – von der stadt aber geschmäht werden… (siehe beispiel beflat).
muffiger estrich ist nichts. gibt es denn sonst keine brachen, die für ein lichtspiel-central in betracht kämen?
Hm… kommt mir grad in den Sinn: Im Sandrainareal, da wo die Hochschule der Künste Theater zu Hause ist/war, wird irgendwann in nützlicher Frist Platz frei… Könnte je nach dem interessant sein… Hätte sogar einen Lift oder aber im Parterre einen Saal… (hat viele Räume, die frei werden…) Ist eine städtische Liegenschaft, die ja auch schon bisher halbwegs kulturell genutzt wurde…
Die Grabeslieder von Hr. Ensuite klingen etwas bizarr in meinen Ohren. Ein Lichtspiel-Central im Sandrain hingegen find ich interessant. Die Off-Kinos sollen doch mal zusammen sitzen (wenn sie es nicht schon gemacht haben…).
…welche grabeslieder? das einzige was ich sagte ist, es sei “bedenklich”… der rest kommt ja nicht vom mir… und red dann im januar mit der GFL… die reden dann ziemlich “bedenklicher..:” …
[...] bitte Kultursparten – speziell Kino und Theater – nicht gegeneinander ausspielen, war hier vor ein paar Tagen zu lesen. Aus gegebenem Anlass sei hier doch auf eine entsprechende Keilerei [...]
was mir im cinematografischen polittrubel ganz entgangen ist: das lichtspiel hat gerade den kulturpreis der burgergemeinde zugesprochen bekommen – oder anders gesagt auf einen klapf in etwa die summe, die das kino kunstmuseum von der stadt in zukunft bekommt. was fängt man damit wohl am besten an? man darf gespannt sein.
[...] recht ums Überleben. Das Miseren-Fass zum Überlaufen brachte Ende letztes Jahr schliesslich die Ankündigung der Stadt, dem Kino Kunstmuseum die Subvention um einen guten Drittel zu kürzen. So traf sich denn gestern [...]