Es gibt ja diese kleinen Kunstwerke, die beim Telefonieren entstehen, wenn gerade Stift und Papier zur Hand sind. Da zeichnet man dann ohne Plan drauflos, lässt den Formen ihren Lauf und die Muster wuchern. Plötzlich entstehen Gesichter, die zu floralen Ranken werden, die wiederum in einen dunklen, alles verschlingenden Wirbel münden. Das hat natürlich nicht viel mit Kunst zu tun. Oder vielleicht doch – zumindest als Ansatz, als (ganz zeitgemässe) Arbeitshypothese.

Die Milieu-Galerie nimmt diese Idee zum Ausgangspunkt für eine kleine feine Schau, die gestern Vernissage hatte. «Zeichnen ist live», sagt der Ausstellungsmacher Vinzenz Meyner, die Zeichnung entstehe oft ohne Konzept, sie schaue weder zurück noch nach vorne, auf das fertige Werk. Die Ausstellung versammelt dementsprechend vieles, was rasch hingeworfen aussieht, mitunter auch unfertig – aber das kann ja durchaus auch den Charme eines Kunstwerks ausmachen.
Manches erschliesst sich da mit einer launigen Pointe, anderes bleibt rätselhaft, manches neigt zum Ornamentalen, anderes sucht die klare, einfache Linie. Auch interessant: Zeichnen ist heutzutage nicht mehr unbedingt ein stilles Tête-à-tête von Bleistift und weissem Blatt Papier (mit dem Künstler als über die Hecke schielendem Drittem), es wird auch digital gezeichnet, ob mit Photoshop oder mit Pixelwerkzeugen. Ein abwechslungsreiches Potpourri – zu sehen noch bis Ende November.





fabio pirovino, von dem auch arbeiten im milieu zu sehen sind, hat übrigens gerade den zkb-förderpreis gewonnen.