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Sonische Spuren

Von Benedikt Sartorius am Freitag, den 10. September 2010, um 11:43 Uhr

«Film und Musik» lautet derzeit das Motto in der wunderbaren grossen Halle der Reitschule. An acht Abenden werden klassische Stummfilme musikalisch begleitet, neue Produktionen gezeigt oder der interkulturelle Kontakt gepflegt. Gestern nun begann die Reihe mit der audiovisuellen Norient-Vorlesung «Sonic Traces from the Arab World», die vom Duo Praed, bestehend aus dem Bassisten und Klarinettisten Paed Conca sowie Raed Yassin am Laptop und Kontrabass, konzertant flankiert wurde.

Michael Spahr, Simon Grab und Thomas BurkhalterIn der collageartigen Bildspur sahen die Besucher MTV-Trailer aus dem Libanon, Videoclips, die Frauen auf den Mond spicken und den «schlechtesten Hochzeitsänger» alias den New-Wave-Dabke-König Omar Souleyman. Entsprechend fiel die geschickt mit Zitaten, Thesen und Erklärungen montierte und live gemischte Tonspur aus: Tradition und Avantgarde, Werbemusiken und Psychedelia beschrieben eine dezentrale «Globocity,» in der Musiker wie der Beiruter Trompeter Mazen Kerbaj die Bomben und Gewehrschüsse des ewigen Bürgerkriegs in ein bestimmendes Element ihrer Klangsprache übersetzt haben und in der um die sogenannte Authentizität und allfällige Verwestlichung gestritten wird.

Collage aus «Sonic Traces from the Arab World»Ziemlich zum Schluss führten die sonischen Spuren in die Wüste: Kameltreiber waren auf der Leinwand zu sehen, ein Ufo flog collagiert über die Szenerie und ich fragte mich, ob die Musikerinnen und Musiker im nahen Osten – ähnlich wie die Afro-Futuristen – ihre Entfremdung mit der Space-Metapher sichtbar machen. Denn, man kann nach diesem Abend schon mutmassen: Diese nomadisierende Musik, die scheint überhaupt nicht und nirgends zu Hause.

1 Kommentar zu „Sonische Spuren“

  1. Herr Sartorius sagt:

    Auch eine Collage, diesmal aus den USA: Evan Roth setzt ein Girl-Talk-Mashup mit kickenden Treibgut-GIF-Animationen visuell um:

    Cache Rules Everything Around Me from Evan Roth on Vimeo.

    Und in eigener Sache: Musik & Film bzw. Song & Dance Men-Musikkino gibt es nächsten Donnerstag zudem an der kurzfristig einberufenen Vorpremiere von «Nowhere Boy» in der Cinématte. Ein Biopic, für das sich für einmal ein Kinogang lohnt, versprochen.