Während unsere Chefetage sich an Openairs rumtreibt, die einander das Wasser abgraben, besuchte ich zwei gut besuchte Berner Festivals, die wegen der schlechten Wettervorhersage keine Openairs waren. Das 3. Berner Literaturfestivals war von der Altstadt in den Progr verlegt worden. Zwar schade, aber auch gut: Die interessierte Szene konnte sich im gleichzeitig an mehreren Stellen bespielten Haus in immer wieder anderen Konstellationen treffen.
Grosse Unterhaltung bot die szenische Lesung mit unseren beiden KSB-Damen Grazia Pergoletti und Nicolette Kretz: Berner Autorinnen und Autoren wie Ariane Von Graffenried, Raphael Urweider und Pedro Lenz hatten prominente Bernerinnen und Berner wie Henri Bienvenu, François Loeb und Chantal Michel porträtiert. Pergoletti, Kretz, Vera von Gunten, Jonathan Loosli und Thomas U. Hostettler trugen die Texte vor. Ein Volltreffer etwa der Text von Ariane von Graffenried über SVP-Stadtrat Peter Bühler, vorgetragen von Thomas U. Hostettler. Oder Christoph Simon zu François Loeb. Oder Pedro Lenz zu Emilio Dudar. Meine Erkenntnis: Man wird (halb-)berühmt, wenn man simple, verkürzte Sache mit Überzeugung macht und predigt. Und: Hier in Bern wachsen keine unsympathischen Promis in den Himmel. Irgendwie beruhigend und erschreckend zugleich.
Später dann Les Digitales im Botanischen Garten: Das Minigratistagesfestival für elektronische Musik, das die r3s3t-Leute nach Bern geholt hatten, verzeichnete eine gelungene Premiere. Super Idee, toller Ort, gute Musik, nette Leute – sehr entspannt. In Liegestühlen flätzend klangliche Landschaften betrachten und kühles Bier trinken, macht Spass. Mir kommt das Konzept von Les Digitales sehr romand vor: Zeitgenössische Kultur fürs Volk, unverkrampft, mitten in der Stadt. Schön, dass es so was nun auch in Bern gibt.
Schön übrigens auch, dass es dank unseren Steuern solche Kultursamstage gibt. Kann auch mal gesagt werden. Weil sonst gäbe es die nicht.









…ach, das war auch noch alles los… diese wochenende ist ein einziger planungsfehler der kulturveranstalterguilde. zwar haben die besucherInnen eine tolle auswahl – aber es gibt schlicht zu wenig besucherInnen für so viele gute veranstaltungen. himmel.
wer den kater heute wieder loswerden will, kommt noch ins murifeld… grosses mindstrassen-zmorge und für die kids das (mein) altes nostalgie-karussell (das ding läuft mit seinen 60 jahren immer noch…). zudem gibt’s noch ein paar konzerte – mitunter den einzigartigen murifeld-chor…
…bis ca. 16.00 uhr…
Noch ein Bericht aus der Chefetage:
Meinereiner kaufte sich gestern die «Bild»-Zeitung in 3D – und betrachtete mit der beigelegten Brille Herrn Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, den mächtigsten Schreibtisch featuring Frau Merkel, das Haus von Wolfgang Joop, ein Bild-Girl, Herrn Ballack und die historische Spuckattacke von Herrn Rijkaard.
Die «Bild»-3D-Aktion wurde im Übrigen mitpräsentiert von ARTE, das gestern Abend «Bei Anruf Mord» und noch ein historischer Mutantenfilm in 3D ausgestrahlt hat.
Aber eigentlich müsste man ja nicht jeden Scheiss mitmachen.
Hier noch der Text von Christoph Simon über Herrn Loeb:
http://www.derbund.ch/bern/Gluecklich-als-vogelfreier-Pensionaer/story/27152411
Ich denke, die Verkürzung und das Simple dieser Portraits hat bei einem grossen Teil der Portraitierten eben mit dieser Form des Portraits zu tun und ist nicht Ausdruck ihrer Art zu arbeiten oder sich auszudrücken. So etwas zu folgern ist vielleicht etwas verkürzt und versimpelnd, lieber Herr Pauli :) Aber danke für das Lob!
Wie wars am Abend? war jemand dort? Ich musste leider erkältet im Bett bleiben und das Auflegen Herrn Urweider überlassen. Schnief.
aber es gibt schlicht zu wenig besucherInnen für so viele gute veranstaltungen.
stimmt so wohl nicht. gegenbeispiele: buskers, tour de lorraine, antistadt-fest während gurtenfestival etc.