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Schlaue Kunst, eitle Kunst

Von Roland Fischer am Samstag, den 28. August 2010, um 12:22 Uhr

Ein ebenso eigenartiger wie fabelhafter Fund im Netz: ein «Video-Essay» von Oliver Laric, einem jungen österreichischen Künstler (oder Kunst-Forscher, je nachdem). Laric hat ein grosses Thema, eine Obsession, könnte man auch sagen: die visuelle Wiederverwertung, quer durch die Epochen.

Seine Funde und Gedanken zur fliessenden Natur der Bilder, zu ihrem Eigenleben, ihrer dauernden Neuinterpretation und -aneignung in wechselndem Kontext, präsentiert er auf eine sehr netzgemässe Weise: als Video eben, mit frappierenden Fallbeispielen und einer begleitenden Tonspur. Bisschen schwer das ganze, vor allem die mit sonorer Stimme vorgetragene theoretische Unterfütterung, aber ungemein faszinierend zum Anschauen auf jeden Fall. Als Journalist würde man die Sache anders erzählen, aber das ist ja nicht der Punkt.

oliver_laric_vvversions

Vielleicht erinnert man sich noch an die seltsame Geschichte vor zwei Jahren, als mit einem Foto angebliche iranische Raketentests dokumentiert werden sollten. Vier startende Raketen waren darauf zu sehen, doch manche Rauchschweife ähnelten sich verblüffend. Kurz darauf kam eine zweite Version des Bildes in Umlauf, auf dem bloss drei Raketen zu sehen waren. Welches war echt? Das mit vier, das mit drei Raketen? Keines von beiden? Laric hat das Bild weitermanipuliert und eine ganze Bild-Armada erstellt, ein visuelles Chaos, dem man überhaupt nichts mehr zutraut – jedenfalls nicht mehr in Sachen Dokumentation.

laric_missileLaric sei übrigens Mitglied einer neuen Kunstbewegung – der Neen Art -, die gänzlich virtuelle Kunstwerke schaffen will. Zum Credo der «entmaterialisierten Kunst» passt im Grunde ganz wunderbar, dass man unter der hie und da noch verlinkten Adresse neen.org in die virtuelle Wüste geschickt wird. Nichtsdestotrotz hat elektronische Kunst Konjunktur, auch und vor allem auf unüblichen Märkten.

Ein Artikel unlängst in der New York Times hat den Boom kleiner iPad-Apps beschrieben, die schön, aber «zu nichts nütze» – also Kunst sind. Oder in den Worten des Künstlers Scott Sona Snibbe: «Some negative reviews would say things like, ‘This is a useless program,’ which I loved. Is a short story useful? Is a painting useful?» Snibbe verdient übrigens nicht schlecht an der Nutzlosigkeit – seine Apps tauchen derzeit ganz oben auf den Download-Ranglisten auf.

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