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Träumender Irrlauf

Von Benedikt Sartorius am Samstag, den 31. Juli 2010, um 10:34 Uhr

Die Affiche versprach viel: Endlich wieder einmal eine grosse, anscheinenend geschickt gemachte Hollywoodkiste, die sowohl das Publikum wie auch die Kritiker zufriedenstellt und vor allem ein Film, der einen markanten Gegenpunkt neben all den Twilights, Karate Kids und Sex and the Cities setzt, die derzeit die Berner Kinos verstopfen. Kurz, ich freute mich im Vorfeld auf «Inception», der Träume-Manipulierer und Ideenhändler bei der verzwickten Arbeit im Unterbewussten zeigt.

Die Darstellung der verschiedenen Traumwelten ist dann einigermassen unoriginell: Spiegel gibt es zu sehen, eine verstorbene Ehefrau versemmelt Missionen, der Vater ist natürlich ein zu überwindender Endgegner, die schöne Labyrintherbauerin heisst bedeutungsschwer Ariadne, die actionreiche Skiwelt träumt von James Bond und Hans Zimmers durchgängiger Soundtrack kleistert alle möglichen Dynamiken zu.

Natürlich, «Je ne regrette rien» als Aufwachsmelodie für die Traumdiebe ist ein wunderbarer Einfall, das zusammengefaltete Paris sowie einige schwindelnde Treppen sind eindrücklich in Szene gesetzt. Aber wie der seltsam spannungslose zweieinhalbstündige Film von Christopher Nolan als melodramatischer Schinken endet, in dem Leonardo DiCaprio nach dem schauderhaftem «Shutter Island» einmal mehr als kraftmeierischer Darsteller auffällt, war dann doch, Sie entschuldigen bitte, ein schlechter Traum.

Paris faltet sich

4 Kommentare zu „Träumender Irrlauf“

  1. Michael sagt:

    Ich war auch enttäuscht. Der Film baut u.a. eine Logik hinter den Träumen auf, die er dann selber nicht einhält, ich glaube Terry Gilliam hätte viel mehr daraus gemacht (wenn er den final cut vor de Pleite geschafft hätte;-))
    Naja, wenigstens gibt’s 5Minuten Michael Caine, das entspricht in diesem Film etwa 2Stunden diCaprio (dabei mag ich den ja eigentlich).
    Und noch ein praktischer Tipp: vorher auf die Toilette, es dauert sehr lange bis zur Pause.

  2. Herr Sartorius sagt:

    Ah, dann waren Sie das, der kurz vor der Pause vor meinem Kopf durchgehuscht ist, Herr Michael.

    Im Übrigen plädiere ich auch bei Filmen, die gefühlte fünf Stunden dauern, für pausenlose Vorführungen.

  3. Michael sagt:

    Übrigens: das Hauptcue der Filmmusik entspricht einem sehr stark time-gestretchten ‘je ne regrette rien’ (die bekannteste Sequenz davon, ohne Gesang), das ist im Zusammenhang mit der im Film verschwurb-zapften Theorie über den Zeitverlauf im Traum fast die beste Idee des Ganzen.

  4. Michael sagt:

    Nachtrag: das haben natürlich andere auch schon bemerkt und sogar youtube-istriert:
    http://www.youtube.com/watch?v=UVkQ0C4qDvM