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Performatives soziales Netzwerken

Von Nicolette Kretz am Donnerstag, den 29. Juli 2010, um 07:00 Uhr

Was Myspace für die Musik ist, ist Facebook für die szenischen Künste geworden – wenigstens zu einem gewissen Grad. Kaum ein festes Haus oder eine freie Gruppe, die keine Fanpage betreiben, kaum ein Veranstalter, der kein Profil hat. Die Event-Funktion wird verwendet, um rechtzeitig über Vorstellungen zu informieren, auf der Wall werden Youtube-Videos von aktuellen Projekten verbreitet oder Probefotos werden hochgeladen – und vor allem wird wie wild genetworkt. Es ist viel einfacher geworden, die Übersicht zu behalten, wer wann wo an welchem Festival spielt, wer wann wo Premiere hat, weil man dazu nur noch seinen Facebook News Feed öffnen muss, statt zwischen zig Websites hin und her zu surfen.

Contemporary PerformanceDies hat auch der Blog Contemporary Performance entdeckt. Dieser informiert mit einer erstaunlichen Internationalität über einige Höhepunkte der Performing-Arts-Szene. Festivals werden beschrieben, Gruppen porträtiert und Bücher rezensiert. Erstaunlich ist vor allem die Kombination von amerikanischen und europäischen Themen, welche in andern Fachpublikationen nicht in solchem Masse zu finden ist. So liest man unter den letzten Beiträgen zum Beispiel einen zur kanadischen Gruppe Small Wooden Shoe neben einem zum Internationalen Sommerfestival Hamburg.

Der Blog, den es seit einem Jahr gibt, war schon von Anfang an stark mit Facebook verbunden und vor kurzem hat er nun sein eigenes Social Network gegründet. Der Blogbetreiber Caden Manson, seines Zeichens Gründer und Regisseur der New Yorker Big Art Group, schreibt dazu:

«We’ve been wanting to find a way to connect all of the talented readers and artists that visit the blog and make it simpler for you to share your work. …We hope you will think of this new network as a global festival hub. A place where artists, curators, festivals, and scholars can come together to share there work, make acquaintance, and collaborate. Please join and post your events, images, videos and blogs.»

Ob es neben Facebook ein gesondertes Fach-Netzwerk braucht, wird sich zeigen. Die Seite hat jedenfalls in seinen ersten drei Wochen bereits über 300 Mitglieder akquirieren können und täglich werdens mehr – wie auf Facebook berichtet wird.

16 Kommentare zu „Performatives soziales Netzwerken“

  1. Herr Gnos sagt:

    Was Myspace für die Musik ist, ist Facebook für die szenischen Künste geworden

    das würde ich gerne in folgende formulierung umschreiben lassen:
    «Was Myspace für BANDS ist, ist Facebook für die szenischen Künste geworden»

    denn für veranstalter ist myspace absolut unbrauchbar. facebook ist hier wesentlich besser und direkter – auch weil in der schweiz kaum privatpersonen ein myspace-profil haben. aber um bands schnell zu finden und reinhören zu können ist myspace – trotz fürchterlicher layouts – immer noch ungeschlagen.

  2. Herr Gnos sagt:

    sorry, werte frau kretz, wenn ich gleich nochmals mit musik komme…

    gestern bin ich auf eine site gestossen, die das potenzial hat, myspace abzulösen: http://www.reverbnation.com/monotales. einfach, übersichtlich und mit der nicht zu unterschätzenden funktion, dieses profil als widget in facebook einbauen zu können.

    nur wer die verschiedenen plattformen verbinden kann, wir künftig eine chance haben. wenn dies das contemporary performance network schafft, hat es eine chance. wichtig dabei ist: ich muss keinen neuen account eröffnen, sondern kann meinen facebook-account einbinden lassen.

    (so, jetzt hab ich doch noch die kurve zum ausgangsthema gekriegt ;-)

  3. Kretz sagt:

    merci für die Präzisierungen her Gnos! das wusste ich in der Tat nicht, dass Myspace gar nicht so sehr professionell verwendet wird, wie gerne behauptet wird.
    dieses Reverbnation sieht ja in der Tat ziemlich brauchbar aus!

    und ja, beim Contemporary Performance Network kann man sich gleich mit dem Facebook-Profil verbinden lassen. oder mit Myspace, Twitter oder Yahoo. also ich find dieses neue Internet jedenfalls recht praktisch. ich bräuchte jetzt nur noch eine GoogleCalendar App, welche mir alle Spielpläne Europas durchsucht und einen bestmöglichen Reiseplan zusammenstellt – unter Berücksichtigung meiner Vorlieben.

  4. Herr Gnos sagt:

    oh, das wäre sehr schön! als zusatzfunktion würde einem dieser kalender auch gleich noch die nötigen geldgeber suchen und neue freunde in den neuen städten vorschlagen, bei denen man dann übernachten könnte.

  5. Fischer sagt:

    ein facebook-couchsurf-google-tripadvisor-foursquare-monstrum – da sträuben sich einem datensensibelchen wie mir allerdings ein paar haare. sie wollen mich wohl verappeln…

  6. Herr Gnos sagt:

    ach, dieser datenschutz ist doch wie der süden: komplett überschätzt.

  7. Kretz sagt:

    Herr Fischer, sind sie eigentlich im Telefonbuch? nein, im Ernst, man muss da natürlich schon achtgeben, was man da alles preisgibt. ich hab aber generell nicht wirklch Angst, dass es auf meinem Facebook-Profil irgendwas gibt, was gegen mich oder den Rest der Menschheit verwendet werden könnte.

    Herr Gnos, das ist DIE Marktlücke! wir könnten die neuen Zuckerbergs werden! ein Stiftungs-App mit “Welcher Mäzen passt zu mir?”-Quiz muss her!

  8. Fischer sagt:

    das ist nun aber gar pauschal, vor allem was den süden angeht. und der datenschutz hat viel mit selbstbestimmung zu tun. deren bedeutung kann man eigentlich gar nicht überschätzen, finde ich.

  9. Herr Gnos sagt:

    datenschutz hat viel mit selbstbestimmung zu tun

    eben: sie bestimmen, ob sie bei facebook mitmachen. und wenn ja: was sie da veröffentlichen. das geschäftsgebahren der facebook-besitzer ist zwar mitunter schweinisch. aber was man daraus macht, bleibt die eigene entscheidung.

    @ frau kretz: das mit dem mäzenen-quiz ist eine grandiose idee! ich bräuchte da grad ganz dringend einen. fangen sie schon mal an zu programmieren?

  10. Kretz sagt:

    übrigens… die KSB-Präsenz bei Facebook lässt ja auch zu wünschen übrig…

  11. Fischer sagt:

    ganz recht: wer bei facebook mitmacht, wählt die daten-freizügigkeit selbst. dummerweise ist das nicht überall im netz so. und draussen in der realen welt schon gar nicht. und nur zur erinnerung: die selbstbestimmung bei facebook gibt’s erst, seit kritik laut (besser gesagt sehr laut) geworden ist.

  12. Herr Gnos sagt:

    pssst, frau kretz, das hätten sie jetzt nicht sagen dürfen ;-)

  13. Herr Sartorius sagt:

    Also ich komme grad vom Gärtnern rund um die Welt und muss sagen, dass die heutigen Datensammler die Weltexpeditiönler von damals waren. Aber ich stürze mich wohl besser ins Bier oder in die bedeutungsschweren Vororte. Prost!

  14. Michael sagt:

    Wenn man genug alter Sack ist, sollte man sich zumindest etwas schmunzelnd über den Geisteswandel (gerade auch im “progressiven” Bereich) bezüglich des Datenschutzes wundern. Z.B. Stichwort Volkszählung in den 80ern. Vielleicht hätte der Bund damals auch etwas gratis abgeben sollen, damit die Leute mitmachen.

  15. Kretz sagt:

    ich finde, man sollte dem Sartorius diese Bücher wegnehmen. die tun ihm nicht gut.

  16. Herr Gnos sagt:

    sagen sie sowas nicht, frau kretz. der herr sartorius gibt ihnen diese bücher sonst noch freiwillig ab.