Von Benedikt Sartorius am Dienstag, den 13. Juli 2010, um 08:37 Uhr

Literarische Duelle

Fecht- und Schiessduelle – mitsamt allen Regeln und den obligatorischen Sekundanten – gehören zu meinen Lieblingssujets in der Literaturgeschichte. Leider taucht der Kampf zur bürgerlichen Identitäts-Bewahrung seit den raumgreifenden Duell-Verboten in der aktuellen Literatur kaum mehr auf. Umso mehr freute ich mich, als ich gestern Abend beim seit dem WM-Schluss wieder entspannteren Lektürieren über eine äusserst komische Schilderung eines Duells stolperte. Die Ausgangslage geht in etwa so:

Degen-ZangeEin Schriftsteller fordert aus Angst vor einem heftigen Verriss den Kritikerpapst zum Degenduell auf. Treffpunkt ist ein zur kalten Jahreszeit verwaister Nudistenstrand an der katalanischen Küste. Der eine Sekundant denkt zuerst an einen groben Scherz, kriegt es dann doch mit der Angst zu tun, als er die blitzenden und echten Degen erblickt. Zum Schluss ist nicht viel geschehen, ausser, dass sich die beiden Duellanten «wie zwei durchgedrehte Kinder ununterbrochen auf die Schulter hauten.»

Zu finden ist diese hier leider nur mangelhaft wiedergegebene groteske Duellszene im überwältigenden Buch «Die wilden Detektive» des verstorbenen Ziegelschreibers und Stimmenimitators Roberto Bolaño, das mir weit besser gefällt als das posthum erschienene «2666». Eine grossartige Lektüre.
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Den Degen zum Buch gibt es übrigens beim führenden Online-Buchhändler zu kaufen. Besser aber, Sie besuchen eine Bücherei in der Stadt.

10 Kommentare zu „Literarische Duelle“

  1. Herr Gnos:

    a propos duelle: drüben bei den seriösen wird gerade der herr lenz gebasht. pink-fans scheinen mir etwas zarte gemüter zu sein. dass man so eine konzertkritik nicht mit dem nötigen humor nehmen kann, verstehe ich einfach nicht.

    http://www.derbund.ch/kultur/pop-und-jazz/So-faellt-Pink-vom-Berner-Himmel/story/16301328

  2. Herr Sartorius:

    R.I.P. Harvey Pekar.

    Und Sie sollten heute Abend alle «American Splendor – einen der schönsten Filme dieser Welt – zum Gedenken an den Comicautor anschauen.

  3. Herr Sartorius:

    Von wegen Pink: Ich kann verstehen, dass Leute, die hundert Franken oder mehr für einen schönen Abend zahlen, nicht lesen wollen, dass der Abend eventuell doch nicht so gut war. Denn das ist doch immer so: Wird ein Stadionkonzert verrissen, melden sich die Leser ziemlich prompt – und in schwierigem Tonfall.

  4. eddie c. palermo:

    herr gnos, ich hoffe, sie und vor allem herr lenz nehmen die humorlose kritik mit humor und gelassenheit zur kenntnis. neu ist das ja nicht, und glaubs auch nicht auf pink-fans beschränkt. denn wie die kommentatoren feststellen: es werden IMMER die falschen schurnis an die wirklich geilen konzerte abdelegiert. amüsant auch, welche konzerte dem herr lenz anempfohlen werden: die eigenen scheuklappen werden besonders hübsch sichtbar, wenn man auf die vermeintlichen scheuklappen anderer zeigt (wer an pink herummäkelt, soll halt mit céline dion vorlieb nehmen).

    wenn wir gerade dabei sind: sehr interessant war auch die eminem-kritik bei der alten tante, nachdem die durchlauferhitzer- und boulevardpresse schon mal mit superlativen um sich geschlagen hatte:
    http://www.nzz.ch/nachrichten/international/ein_schwitzendes_haeufchen_elend_1.6550401.html

    und schliesslich: sorry herr sartorius, jetzt haben wir einen höchstlöblichen buchbeitrag kommentarmässig wieder in seichte popmusikalische gefilde ‘runtergezogen. himmelsack. aber andererseits: mit dem degen am nudistenstrand. tz, tz.

  5. eddie c. palermo:

    ah, man überschneidet sich, auch inhaltlich. und ebenso filmgeschmackmässig.

  6. Protagonist:

    zurück zum thema (mehr oder weniger): mein lieblings duell wird im ‘the baroque cycle’ von neal sephenson ausgetragen; weder mit degen noch pistolen, sondern über 200 schritte distanz mit kanonen. es ist immer gefärhlich, jemanden zum duell aufzufordern und ihm die wahl der waffen zu überlassen.

  7. häck:

    Duelle gibt es auch heutzutage noch. 2004 hat der damalige FPÖ-Obmann Strache eins ausgefochten. Ich find grad keinen schlaueren Text dazu, als diesen da.

  8. zuffi:

    Danke für die Steilvorlage, Herr häck:

  9. Fischer:

    soso, haben sie die wilden detektive auch noch entdeckt. ein furioses buch, im wahrsten sinn des wortes. bei 2666 bin ich irgendwo in der mitte steckengeblieben, die wilden detektive sind dagegen an mir vorbeigeschossen wie – wilde detektive, eben.

  10. Herr Sartorius:

    Ich meinte, ich hätte da schon mal einen Kommentar reingeschrieben, aber Herr Wordpress spukt wohl.

    Item, was ich jetzt sagen wollte: Der Impala ist nun in der Wüste Sonora endültig gestrandet – und der Leser ist allein und hat auf einmal dieses Lied im Kopf.

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