
Bekult-Podiumsdiskussion im Kunstmuseum Bern, 3. Mai 2010. (Bild Manuel Gnos)
Dem Schreibenden ist auch jetzt, einige Stunden nach der Bekult-Podiumsdiskussion, nicht ganz klar, was eigentlich ihr Ziel war. Das Thema war mit «Was ist los in Bern? — Kultur, Kulturpolitik, Kulturberichterstattung» weit gefasst, zu weit vielleicht. Dass die beiden Chefredaktoren der zwei grossen Berner Tageszeitungen zum Podium geladen waren, machte jedoch die Richtung, die das Gespräch nehmen sollte, schon etwas klarer.
Neben Michael Hug von der «Berner Zeitung» und Artur K. Vogel vom «Bund» sassen Veronica Schaller, Leiterin der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern, sowie Thomas Beck, Direktor der Hochschule der Künste Bern auf dem Podium. Geleitet wurde die Sache von Bekult-Vertreter Beat Glur.
Nehmen wir es gleich vorneweg: Das Resultat gestern Abend entsprach dem Resultat einer jeden Podiumsdiskussion… Ratlosigkeit. Einige interessante Themenfelder wurden trotzdem abgesteckt. Hier deshalb in recht willkürlicher Form ein kurzer Überblick:
Veronica Schaller: «Bern macht sich kleiner, als es ist.» Sie verwies dazu auf eine Auszählung der «Berner Kulturagenda», in der man herausfand, dass in Bern 200 kulturelle Veranstaltungen pro Woche angeboten werden. Zudem würden jährlich 60 bis 70 Millionen Franken an öffentlichen Geldern in die Kultur investiert, was für die Grösse der Stadt ein ansehnlicher Betrag sei. «Warum also ist man hier so unzufrieden?»
Thomas Beck: «Die Berner Kulturszene ist sehr vielfältig, gleichzeitig fehlt es ihr aber an Profil.» Gravitationszentren und Akzente wie die Art Basel oder das KKL in Luzern gebe es hier nicht. «Deshalb ist die Wahrnehmung von aussen nicht besonders gross.»
Michael Hug: «Wir sind nicht da, um den Kulturschaffenden ein Feedback zu geben, sondern um den Leserinnen und Lesern bei der Auswahl aus den vielen Veranstaltungen zu helfen.» Dabei könne man nicht in grossem Ausmass auf Nischenangebote Rücksicht nehmen. Wer aber gut programmiere, werde dank grösseren Namen die Aufmerksamkeit auch auf den Rest des Programms lenken können. «Wir können den Veranstaltern dieses Risiko jedoch nicht abnehmen.»
Artur K. Vogel: «Wir hätten die Kulturagenda sehr gerne als Beilage im ‘Bund’ gehabt.» Das habe leider nicht geklappt; aus Gründen, die er heute noch nicht verstehe. Es sei heute zudem illusorisch zu erwarten, dass eine Tageszeitung alleine eine Veranstaltungsbeilage finanzieren könne. Auch deshalb, weil in Bern niemand in einem solchen Produkt inseriert habe, wie Michael Hug ergänzte: «Das ist ein trauriges Zeichen für diese Stadt.»
Zum Schluss brachte es Bekult-Präsident (und KulturStattBern-Autor) Christian Pauli auf den Punkt: «Jede Stadt hat die Zeitungen, die sie verdient.» Man könne die Verantwortung dafür nicht nur den Redaktionen zuschieben, sondern müsse auch die Politik und nicht zuletzt das Publikum in die Verantwortung nehmen; denn offenbar wolle dieses keine andere Kulturberichterstattung einfordern.
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Ohne Bad Bonn, ohne mich!








Etwa genauso gehaltvoll:
Jeder Leser hat die Stadt, die er verdient.
Jede Zeitung hat die Leser, die sie verdient.
Jeder Leser hat die Zeitungen, die er verdient.
Jede Stadt hat die Leser, die sie verdient.
Jede Zeitung hat die Stadt, die sie verdient.
Es geht hier nicht im Poesie, Herr/Frau Permutti, sondern um das Kulturverständnis in dieser Stadt. Ich finde, das ist etwas ganz Konkretes. Es geht darum, dass der Hang zum Mittelmass in der Berner Kulturlandschaft nicht den Medien alleine angehängt werden kann. Das Publikum, die Politik, die Behörden, die Veranstalter und aber auch die Medien: sie alle sollten ein spannenderes, riskanteres Kulturleben goutieren, verlangen, organisieren und vemitteln.
Wenn ich etwas verlangen könnte, ich hätte gerne ein Z-7 in Bern.
angesichts des überangebots an kulturveranstaltungen in der stadt bern wird sich hier bald eine bereinigung ergeben. in den bereichen kino und musikläden hat diese bereits eingesetzt, andere bereiche werden bald ebenfalls davon erfasst. aus den persönlichen erfahrungen in der medienbranche würde ich jetzt mal ableiten, dass es in erster linie einige der grossen häuser sowie auch mittlere treffen wird. kleine, gut aufgestellte produkte haben da eher eine überlebenschance (siehe jungfrau-zeitung).
hier übrigens noch der entsprechende “bund”-artikel dazu:
http://www.derbund.ch/kultur/diverses/Der-Jazzband-ausTokioVorwurf/story/20491541
Wie wär’s mit einem Club-Sterbe-Bingo, Herr Gnos?
Es war meine erste Podiumsdiskussion seit Jahren- naja Diskussion kann man das meineserachtens nicht nennen.
Und ich bin auch 24 Stunden später sehr enttäuscht darüber, dass alle anderen Medien ausgeblendet wurden.
Allen voran dieser Blog hier- Herr Vogel hätte einige Anlässe gehabt diese zu erwähnen, ja gar zu würdigen.. nicht passiert.
Kurz angesprochen wurden Ensuite und die Kulturagenda.. aber über deren Inhalt… kein Wort.
Nicht einmal Erwähnt wurden die 3 Radiostationen und das RegioTV, die ebenfalls zu den Berichterstattenden Medien dieser Stadt gehören.
Und was ebenfalls sehr auffällig war: es ging dauernd um Geld: welche Kulturbetriebe erhalten wie viel Geld von wem, welche Redaktion hat wie viel Geld wofür zur Verfügung…. Auch nichts Neues…
Ich bin irgendwie enttäuscht…. aber irgendwie habe ich auch nicht mehr erwartet…also: bleibt alles so wie es ist….
Tja, liebe Frau M von RaBe: Das ist ja eben grad das erschreckende Mittelmass, welches Herr Pauli und Co. ansprechen. Nix passiert. Man erinnere sich nostalgisch an das Sterben der “Berner Woche”. Nach 14 Tagen war das Thema gestorben – es folgte nichts (ausser ensuite)…Zwischendurch wird der Name wieder erwähnt, doch der Wind ist aus den Segeln.
Aber es gibt eben in der Tat auch ein anderes Bern. Das sage ich vom ensuite, da ich dieses erlebe. Diejenigen die hier in der Stadt den Ton angeben, sind jene, die diesen muffeligen Groove auslösen. Aber ich schätze 75 Prozent der Bevölkerung ist wirklich glücklich in dieser Stadt, bindet sich mit einem anderen Bild, einem positiven Bild – hängen aber nicht in diesen Mittelpunkt-Szenen ab. Es sind jene Otto-NormalverbraucherInnen, die wie alle, ein – bis zweimal einen Kulturort pro Monat besuchen. Und das genügt Ihnen. Es sind jene, die sich nicht dauernd beschäftigen müssen, nicht dauernd von einem Event zu nächsten rennen, weil sie etwas verpassen könnten. Und denen es einfach auch Wurscht ist, wenn YB gewinnt, in der Dampfere ein Heidenkonzert stattfindet oder im Kairo ein Österreicher jodelt. Aber wenn sie dann an so einem Anlass dabei sind, dann freuen sie sich einfach darüber… Ohne Sinn und Unsinn.
Denn: Die Bekult-Veranstaltung hat ja eben auch gezeigt, dass vor allem Kulturschaffende an diesem Anlass Interesse hatten. Wieviele “nicht-direkt-Betroffene” waren denn am Anlass zugegen, also zum Beispiel LeserInnen?
DAS müsste doch auch zu denken geben…
gut gegeben, herr ensuite!
Noch zwei drei Worte aus Sicht bewegungsmelder, der ja auch nicht erwähnt wurde, was noch viel weniger erstaut, als bei den oben aufgeführten.
Es macht den Anschein, dass ausser bei ein paar Kulturohilen – einem kleinen Grüppchen – offenbar das Bedürfnis an einer “Berner-Woche” ähnlichen Kultur-Zeitung nicht sonderlich gross ist. Die Frage sei auch erlaubt, ob ein solches Produkt überhaupt nötig ist, die Form dem Zeitgeist (noch) entspricht und wenn ja, wer es denn finanzieren sollte.
Zur ständigen Geld-Diskussion nur dies: Ob die beiden anderen Print-Produkte auf dem Platz Bern (Kulturagenda, Ensuite) ihre Subventionen wert sind, will ich hier nicht beurteilen. Wir kriegen zwar keine, gönnen jedoch den andern ihren Teil, haben aber die Meinung, dass wir durchaus auch den Anspruch erheben könnten. Dies obwohl wir natürlich nicht den selben Ansatz haben und eine etwas andere Zielgruppe bedienen als KA und ensuite. Mit dieser “Ungleichbehandlung” haben wir uns aber abgefunden – ebenso mit dem uns immer wieder verliehenen eher despektierlichen gemeinten Titel “Partypostille”. Hand aufs Herz: hatten alle von Euch schon in jungen bis sehr jungen Jahren das selbe Interesse und die Definition von Kultur wie heute? Egal, irgendwie wursteln wir uns seit Jahren immer durch.
Grundsätzlich ist doch die kulturelle Vielfalt in Bern ein wunderbarer Zustand. Dass dabei die Sicht der Veranstalter, einer der Kultur nahe stehenden Leserschaft, dem hin-und-wieder-Kulturkonsument und den Verlagen eine sehr unterschiedliche ist, liegt auf der Hand. Ich würde meinen, mit der Kulturagenda, dem ensuite, dem bewegungsmelder, kulturblog, den Kulturseiten in Bund und BZ, Radio Rabe, Radio Energy, den Privat-Radios, TeleBärn, RonOrp und verschiedenen Blogs wird auf verschiedenen Ebenen über und für die Kultur oder eben Veranstaltugen kommuniziert. Bin eher der Meinung, dass wir in Bern vieles kleiner machen als es ist (vorallem im Vergleich mit anderen Städten der CH). Ob wir im internationalen Vergleich ähnlich abschneiden, vermag ich nur bedingt zu beurteilen. Fakt ist: bei aller kritischen Betrachtung der hiesigen Verhältnisse sollte man die positiven Punkte nicht vergessen!
…kleine Korrektur, herr bmler: ensuite kriegt keine Subvention. Wir kriegen ausserordentlich Kulturförderbeiträge – in nicht planmässiger Höhe. Gemäss den neusten Gesprächen bewegen wir uns auf einem – pardon – lächerlichen Niveau. Die Aussage von der Abteilung Kulturelles erschreckt: Die Präsidialdirektion (zuerst war es noch Alexander Tschäppät) hat sich für die Berner Kulturagenda entschieden. Damit müsse man sich abfinden.
Für die Präsidialdirektion ist die Berner Kulturagenda Kultur genug. Dass ensuite ein paar Almosen kriegt, hat mehr mit meiner Polemik zu tun, als mit Logik oder Interesse. Aber vor allem: Mir fehlt grundsätzlich ein Konzept oder eine überzeugende Antwort in dieser Sache von der Abteilung Kulturelles, wie dem Stapi, wir auch von den VeranstalterInnen, wir auch von den LeserInnen…
Und es stimmt übrigens auch nicht ganz: Der Bewegungsmelder hat auch schon Geld von der Abteilung Kulturelles erhalten. Also nicht ganz so jammerig bitte.
@ ensuite
gerne. aber ich finde, dass ich alles andere als jammerig bin. Habe im übrigen auch nicht behauptet, wir hätten nie Geld bekommen (das war ein einmaliger Beitrag im mittlerweile 12ten Jahr, übrigens in der Höhe von 30’000 Franken) und drittens erwähne ich ja auch, dass ich ensuite und kulturagenda ihre zuwendungen gönnen mag. Und ich finde, weder Leserinnen oder Leser, noch Veranstalterinnen und Veranstalter haben ein Konzept vorzulegen. Wie heisst es so schön aus dem Sport: Manager managen, Trainer trainieren, Spieler spielen. Ich würd meinen, ein Rezept, das durchaus auch in der Kulturberichterstattung seinen Platz haben könnte.
P.S. Finde eher, dass es jammerig ist, “läppische 65’000 Fränkli” der Abteilung Kulturelles aus den letzten zwei Jahren als Almosen zu bezeichnen. Bei allgemeinem Interesse konsultiere man auch http://www.bern.ch/stadtverwaltung/prd/kultur/foerderung.
In einem Punkt sind wir uns da nämlich einig: hier fehlt mir auch ein Konzept und zwar nicht, weil wir nix kriegen, sondern als ehemaliger und bald wieder zukünftiger Steuerzahler dieser Stadt.
ich finde auch nicht, dass der werte herr bmler hier jammerig daherkommt. und, werter herr ensuite, die neue “berner woche” kann ihnen zwar umfangmässig nicht das wasser reichen, inhaltlich aber durchaus, wie ich finde.
oh, ich hatte das gejammer eigentlich eher humoristisch gemeint. gejammert hat hier wirklich niemand. bitte nicht angegriffen fühlen – das wäre gänzlich falsch verstanden worden…
achtung: die 65’0000 franken sind auf 2 jahre zu verteilen. denn die betrafen 2008 und 2009, sind aber im gleichen jahr – aus budgettechnischen gründen bei der stadt, ausbezahlt worden. von DIESEM geld habe ich aber nicht gesprochen – oder dann eben, dass dies kulturförderungsgeld ist – keine subvention. da gibt es einen unterschied. wir reden mit der stadt über beiträge von 0 bis 25’000 franken pro jahr. der begriff “almosen” stammt von der kultursekretärin – nicht von mir.
im vergleich: die “berner kulturagenda” erhält pro jahr 105’000 franken von der kulturkasse plus die kulturdaten von der espace, welche die stadt auch noch einkauft für ca. 23’000 franken.
herr gnos: ich habe gar nichts gegen die “berner woche” gesagt. wie kommen sie darauf. weder gegen die alte noch die neue. und mein votum, um auf den letzten montag zurückzukommen: ich finde, die tageszeitungen machen ihre arbeit ganz gut. die jetztige “berner woche” erreicht mich halt nicht mehr.
@ ensuite
das wäre gänzlich falsch verstanden worden
Dann formulieren Sie mal so, dass man Sie versteht. Hier und in Ihren Editorials.
…@ guschti: was haben jetzt meine editorials mit dem thema zu tun…
aber ich helfe ihnen: diese angesprochenen editorials – und ich denke, sie meinen irgendwelche editorals aus der vergangenheit (notabene ca. 2 jahre her…) – haben aus der sicht von thema “kultur und medien” sehr viel bewegt. es ist nicht nur die meistgelesenste rubrik von ensuite, es sind auch diejenige texte, die am meisten leser-feedback ausgelöst haben – siehe auch hier in diesem blog, mehrfach erwähnt. es ist eine meinungsäusserung – ob nur von mir ist eigentlich egal – die man in der heutigen presselandschaft kaum mehr findet. und darum geht’s doch eigentlich: meinungen für die meinungsbildung. ich bin froh, wenn sie anderer meinung sind als ich. es wäre aber auch schön, wenn sich in einem dialog diese dinge bewegen liessen.
ich weiss nicht wer oder was sie sind, wert/e guschti, aber denken sie daran, dass jeder schritt, den wir beim ensuite tun einen grund hat, der sicher nicht selbstschädigend gedacht ist. man mag vielleicht so denken, wenn man nicht hinter den vorhang sieht. doch nach 8 jahren betrieb ist etwas richtig gelaufen. ich vertrete in all der unternehmerschaft von einem kulturmagazin die idee, dass moral und gemeinschaft noch ganz wichtige komponenten sind, die es zu pflegen gilt. deswegen äussere ich mich ziemlich direkt, wenn etwas nicht stimmt und ich das gefühl habe, man will mich über den tisch ziehen. logisch, dass dies nicht allen passt, logisch, dass man sich damit auch unbeliebt macht. seien sie aber getrost: das ist mein problem, nicht das ihre.
und so bedanke ich mich auch bei ihnen für das lesen meiner editorials. sie können auch gerne mal einen leserbrief dazu schreiben.
Lustig finde ich, dass
-das Theater um seine Direktoren offenbar spannender ist, als die im Stadttheater aufgeführten Stücke.
-die Diskussion um das Weiterleben der Zeitungen offenbar spannender ist, als ihr Inhalt.
-der Streit um die Kulturagenden offenbar spannender ist, als die darin angekündigten Anlässe.
In der Tat! Sehr treffend bemerkt, rodolphe de hut… :-)