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Superhelden

Von Benedikt Sartorius am Sonntag, den 2. Mai 2010, um 00:58 Uhr

Das Comic-Festival Fumetto lädt seit gestern wieder ein, einen Ausflug nach Luzern zu unternehmen. Neben den schillernden Wasserfarben des «Nachtschwärmers» Brecht Evens, dem poetischen Honkonger Chihoi, dem grossflächigen
Wandbild «Bastrokalypse» von M.S. Bastian sowie dem grossartigen Schauerkabinett von Thomas Ott, mitsamt Präparaten, missratenen Föten und anderweitigen medizinischen Schauderkeiten, steht das Festival dieses Jahr ganz im Zeichen der Superhelden.

Fantastic FourSuperhelden, das sind die Geschöpfe, die die Comicindustrie ab den dreissiger Jahren reich machten – dank Helden wie Superman, Captain America und den Fantastic Four. Jack Kirby, dem eine grosse dreistöckige Schau in Luzern gewidmet ist, war Miturheber der beiden letzteren Serien. Die Ausstellung zeigt die populären Comicstrips in der Original-Bleistiftrohform oder nachgetuscht und führt durch die Geschichte der versehrten und meist – wie ihr Erfinder – kriegtraumatisierten Helden, die die Comickultur nachhaltig prägten.

Als Antwort auf diese Klassiker der Popkultur erfand der geschätzte österreichische Minimalist Nicolas Mahler seinen Engelmann. Besser: Der Unterhaltungskonzern «Konzern» ersann den effiminierten Helden, dem als Eigenschaften «ambivalent, tolerant, hört gut zu» auf seinen geflügelten Leib zugeschrieben wurden und der gegen den Schönheitschirurgen Gender Bender und die drohende Geschlechtsumwandlung ankämpfen muss. Selbstredend wurde der Engelmann ein phänomenaler Flop. Die Luzerner Ausstellung zeigt auf herzerweichende Art die Verkaufskurve der wenigen Engelmann-Folgen und einige Merchandise-Artikel, die nie den Prototypenstatus überwunden haben. Auch zu hören ist in der Geschichte dieses Meta-Superheldencomic der «Sound for Engelmann», der allein die Reise in die Leuchtenstadt lohnt.

Ausschnitt aus «Engelmann». Kaufen Sie es!

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