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Am Schluss will keiner es gewesen sein

Von Manuel Gnos am Freitag, den 30. April 2010, um 02:50 Uhr

Aus aktuellem Anlass präsentieren wir Ihnen hier den Kommentar von Daniel Di Falco im «Bund»:

Ein Abteilungsleiter, der seine Sache so gut macht, dass seine Abteilung als einzige im Betrieb die Vorgaben erfüllt und schwarze Zahlen schreibt. Ein Direktor, der diese Abteilung belohnt, indem er ihr das grösste Sparopfer abverlangt und ihr Budget um 100 000 Franken kürzen will. Ein Verwaltungsrat, der diesen Budgetvorschlag genehmigt, obwohl er die Not des Abteilungsleiters kennt. Jetzt geht der Abteilungsleiter. Er ist das beste Pferd im Stall.

Es könnte eine Farce über den Lohn der Arbeit sein. Es ist die Realität am Berner Stadttheater. Dass Erich Sidler aufgibt, kann ihm keiner vorwerfen. Seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren bekommt er zu spüren, wo die Macht in diesem Hause hockt: beim Musiktheater. Und bei Marc Adam, der nicht nur das ganze Haus, sondern auch die Oper leitet. Das erklärt am besten, warum seine Sparte kosmetisch sparen, Sidlers Schauspiel aber bluten soll. Wohlgemerkt: Der Oper laufen die Zuschauer davon, nicht dem Schauspiel. Und dafür soll es «solidarisch» (Adam) sein.

Vor einem Jahr konnte Sidler das Schauspiel noch vor Adams Plänen retten, indem er seinen Kopf riskierte und sich direkt an den Verwaltungsrat wandte. Der verschob 100 000 Franken vom Musiktheater ins Schauspiel. Sidler hat recht, wenn er seine damalige Aktion als «Schuss vor den Bug» bezeichnet – bloss, der ist verhallt. Damals reagierte der Verwaltungsrat, jetzt nicht mehr. Man sei fürs «operative Geschäft» nicht zuständig, aus den Budgets seien die Spartenmittel nicht ersichtlich, und es habe keine Zeichen gegeben, dass der Konflikt zwischen Adam und Sidler derart eskalieren könnte. Sagt Henri Huber, Präsident des Verwaltungsrats.

Trotzdem bleibt an diesem Gremium, in dem die öffentliche Hand subventionshalber, aber auch aufsichtshalber sitzt, der Vorwurf hängen, nicht besser hingehört zu haben. Wer, wenn nicht der Verwaltungsrat, hätte Adam zur Vernunft bringen können? Dieses Versäumnis bezahlt man jetzt mit Sidlers Rücktritt. Und bedauert ihn sehr. Immerhin: Für Sidler ist es ein Abgang im Erfolg. Er darf es sich und seiner Truppe anrechnen, die neue Spielstätte in den Vidmarhallen mit Leben gefüllt und auf Kurs gebracht zu haben. Umso schwieriger wird die Suche nach einem Nachfolger: Der müsste sich 2011 auf ein Theater einlassen, das ein Jahr später neue Strukturen bekommt. Und Marc Adam? Jetzt glaubt höchstens noch er selber an eine Verlängerung seines Vertrags über 2012 hinaus.

Auf eine Zukunft mit Sidler hätte das Stadttheater dagegen setzen können. Aber gestern hat sich, so wie man das aus den Tragödien der alten Griechen kennt, das Problem gegen die Lösung durchgesetzt. Und am Schluss will keiner es gewesen sein.

40 Kommentare zu „Am Schluss will keiner es gewesen sein“

  1. die Kretz sagt:

    sehr schön auf den Punkt gebracht, Herr Di Falco!

  2. passiver attacker sagt:

    aha, erfolg wird jetzt plötzlich an der farbe von zahlen gemessen, spannend.

  3. Fischer sagt:

    da fehlen ein paar zahlen, um sich ein bild machen zu können. weiss jemand, wieviel die anderen sparten sparen müssen? und eine ketzerische anmerkung dazu: in den vidmarhallen eine tolle auslastung zu erreichen, ist natürlich einiges einfacher als im grossen haus.

  4. signora pergoletti sagt:

    Das ist allerdings wahr. Wenn wir damals im Grossen Haus 300 Leute pro Vorstellung hatten, hiess das, eine Produktion läuft harzig und man machte sich Sorgen – die Vidmarhalle ist mit denselben 300 ausverkauft. Trotzdem sollte nicht das Schauspiel noch mehr sparen müssen, das ist ganz klar.

  5. Schnapsnase sagt:

    Man könnte natürlich wie zu ‘Bewegigszyte’ mal ein paar Tomaten oder Eier schmeissen gehn… Vielleicht könnte man ja Fashion damit aus dem Ruhestand locken. Karajan haben wir ömu auch verwütscht. Hach, das gmahnet mich: Mal wieder ‘E nachtlang Füürland’ schauen, so aus Nostalgie:)

  6. die Kretz sagt:

    Wichtiger als die absoluten Zahlen finde ich die Wachstumskurven der Zuschauerzahlen. Die sind ja, wenn ich das richtig verstanden habe, in der Vidmar und im grossen Haus genau gegenläufig. Ich denke nicht, dass hier Erfolg an der Farbe der Zahlen gemessen wird. Erfolg hängt hier, wie doch eigentlich meistens, mit dem Erreichen von gesetzten Zielen zusammen. Und im Falle eines Stadttheaters muss eines der Ziele die Generierung von neuem und/oder die Erhaltung des aktuellen Publikums sein.

  7. Schnapsnase sagt:

    Das Sie eine Kettensäge haben, Frau Kretz, stimme ich Ihnen zu. Persönlich wäre mir aber “muss eines der Ziele die Generierung von neuem und die Erhaltung des aktuellen Publikums sein.” Ansonsten besteht zu sehr die Gefahr, dass eins auf Kosten des anderen abläuft und unter dem Strich wieder eine Null bleibt (oder in Bern natürlich ein Minus).

  8. die Kretz sagt:

    Das stimmt. Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass wenn man neues Publikum ansprechen will UND das alte unbedingt behalten will, programmiert man so, dass man beide enttäuscht. Aber Sie haben natürlich schon recht, man kann nicht auf das Stammpublikum pfeiffen und in einer Stadt wie Bern gibts schlicht zu wenig Leute, um es ganz umzuwälzen. Dies ist wohl die grösste Gratwanderung eines Stadttheaters überhaupt – aber eben auch seine grösste Aufgabe.

  9. signora pergoletti sagt:

    Ich bin keine grosse Operngängerin, aber mir scheint Adam versucht mit seiner Programmation durchaus auch wie Sidler eine Wende hin zu moderneren Produktionen. Bloss, dass das Berner Opernpublikum dies überhaupt gar nicht zu schätzen scheint, im Gegensatz zum Schauspielpublikum in einer kleineren Spielstätte. Alarmierend ist auf jeden Fall, dass es zu einer derartigen Zerrüttung kommen konnte.

  10. Schnapsnase sagt:

    Come sempre, la signora ha ragione. Hab sogar in der Broschüre mal wieder was gesehen, dass von Interesse ist. Der Scartazzini erfreut mein Herz, den Korngold wollte ich schon als kleines Meitschi mit Zöpfen und wullige Strumpfhosen sehen

  11. pauli sagt:

    Ich bin nicht oft Besucher vom Stadttheater, auch nicht in der Vidmar. Aber mir scheint das Programm eigentlich ok zu sein, auch im Musiktheater. Da hat es sogar auch mal Zeitgenössisches drin. Eben wie dann Scartazzinis Wut im September. Das ist übrigens zugleich die Eröffnung der Biennale. Das Foyer des Stadttheaters wird das Festivalzentrum der Biennale sein, und mit einem überraschenden Rahmenprogramm aufwarten. Bigger Club im Stadttheater. Nicht schlecht. Was ich sagen will: Vom Programm ist im Stadttheater, auch bei Marc Adam, durchaus der Wille spürbar, neue Ufer zu erreichen.

    Aber offenbar sind die internen Verhältnisse desolat. Jetzt scheint das Stadttheater im freien Fall zu sein. Was eine Katastrophe ist. Weil nicht nur das Stadttheater unterzugehen droht, sondern die ganze Kulturszene Schaden nimmt, zumindest was das Ansehen der Kultur in der Politik betrifft. Für mich ist es klar: Es braucht ein Stadttheater, ein kerniges, auch mal provokatives, zeitgenössisches Haus für mindestens zwei Sparten. Aber ob das im Stammhaus sein muss, das nun renoviert werden muss, weiss ich nicht. Vielleicht sollte man sich vom Hauptsitz lösen und neue Orte suchen. Es braucht jetzt vor allem Mut, damit nicht nur Köpfe rollen, sondern die Weichen anders gestellt werden.

  12. signora pergoletti sagt:

    Immerhin ist das Haupthaus im Herzen der Stadt und aus diesem sollte sich das Theater nicht noch weiter hinausdrängen lassen! Im örtlichen wie wörtlichen Sinn, ich glaube nämlich, dass das durchaus zusammenhängt.

  13. signora pergoletti sagt:

    …dass es wahrscheinlich grundsätzliche Änderungen geben sollte in der Struktur, da gebe ich Ihnen natürlich recht, werter Pauli. Das Stadttheater sollte eigentlich für alle da sein, es ist kein Nischenbetrieb, weder auf die eine noch andere Seite, das darf man nicht vergessen. Dieser Spagat ist tatsächlich sehr schwierig, aber in anderen Städten auch hinzukriegen.

  14. ensuite sagt:

    Prost Herr Pauli, gehe also einig mit Ihnen. Allerdings würde mich beim “zeitgenössisch” ein Fragezeichen machen. Es macht irgendwie keinen Sinn, wenn jetzt alles zeitgenössisch wird/ist. In ein paar Jahren ist das genauso alter Mist von gestern und dann sitzt die Berner Kultur in der Altlast. Nein, ich finde ganz gut, dass das Stadttheater noch etwas von dem nostlagischen Kern beibehält. Und der momentane Mix finde ich sogar löblich – auch wenn ich das Stadttheater nur noch vom Hörensagen wahrnehme… Tja… Aber ich habe ja auch noch ein paar Jahre Zeit, dorthin zu pilgern…

    Aber der Schaden, der Bern durch den Abgang nimmt, ist nicht schön. Gar nicht schön…

  15. Herr Lich sagt:

    Das Stadttheater muss für alle da sein und darf durchaus etwas konservativ sein. Für neue Würfe gibt es ja die freie Szene. Bei der Oper ist es etwas schwieriger, weil hier (mangels Alternativen) eigentlich fast alles abgedeckt werden müsste. Das Problem liegt hier aber nicht beim Gegensatz traditionell/zeitgenössisch und auch nicht beim Publikum (das ist offener, als man denkt), sondern schlicht bei der bisweilen zweifelhaften Qualität der Inszenierungen (Musik und Gesang sind eigentlich meistens gut bis sehr gut). Hier steht Herr Adam in der Verantwortung. Oper und Schauspiel dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, aber das Verhalten des Intendanten hat nun genau dazu geführt.

  16. Schlaumeier sagt:

    Egal wie “konservativ” oder “zeitgenössisch”, egal wie viel Geld dieses Theater kostet: Es stellt sich die Frage, wie unfähig der Verwaltungsrat dieses Theater ist – Der hat schlussendliche diese Misere zu verantworten!

  17. ensuite sagt:

    …sie sind schlau, herr schlaumeier…

  18. henri huber sagt:

    Herr Di Falco schreibt in seinem Kommentar, der Verwaltungsrat habe nicht hingehört, sonst hätte er intervenieren und die Trennung verhindern können. Das stimmt nicht. Vielleicht war ichgegenüber den Medien zu wenig klar,, deshalb schildere ich hier noch einmal, wie sich die VR-Sitzung abgespielt hat:
    Der Verwaltungsrat hat das Budget zusammen mit dem Spielplan in der ersten Hälfte März diskutiert und verabschiedet. An dieser Sitzung war Herr Sidler anwesend und er hat wie immer zusammen mit dem Chefdramaturgen seinen Spielplan für die nächste Spielzeit präsentiert. Ein Jahr zuvor hatte der Schauspielchef an der gleichen Stelle mehr Mittel moniert und die Zuteilung der Ressourcen durch den Intendanten kritisiert. Dies hatte den Verwaltungsrat im Vorjahr veranlasst, zu intervenieren und 100’000 Franken zu Gunsten des Schauspiels zu sprechen.
    Bei der diesjährigen Spielplan und Budgetsitzung war es ganz anders. Erich Sidler liess – anders als ein Jahr zuvor – kein Wort darüber verlauten lassen, dass es zwischen ihm und Marc Adam einen Ressourcenkonflikt gebe. Wir führen diese Spielplan- und Budgetsitzung immer in Anwesenheit der Spartenleitungen durch Sitzungen durch, damit sie Gelegenheit haben, dem Verwaltungsrat direkt über ihre Probleme zu berichten.
    Zwischen mir und Erich Sidler herrscht ein sehr gutes Verhältnis, jeder kennt die Probleme des anderen gut und wir reden viel miteinander. Hätte sich Erich Sidler von mir im Stich gelassen gefühlt, hätte er nicht gezögert, dies zu erwähnen. Wer Erich Sidler richtig zugehört hat, weiss, dass es bei ihm nicht primär um einen Verteilkampf unter den Sparten ging, sondern um Transparenz bei der Mittelverteilung und um Vertrauen in der Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Intendanten. Erich Sidler hat die Budgetkürzungen wie alle anderen im Haus immer solidarisch akzeptiert, die fehlende Transparenz und das fehlende Vertrauen des Intendanten hat er hingegen nicht mehr akzeptieren können. Wenn zwei nicht miteinander arbeiten können oder wollen, dann nützen alle Interventionen von oben nichts. Herr di Falco hängt das Problem beim Budget und beim VR auf. Da liegt er nicht völlig falsch, Konflikte im Stadttheater haben sehr oft mit knappen Ressourcen zu tun und entsprechend ziehen sich die Konflikte auch hinauf bis in den VR. Hier ging es aber um etwas ganz anderes. Um eine tief zerrüttete, nicht mehr zu rettende persönliche Beziehung. Ich habe – entgegen der Vermutung von Herrn di Falco – Erich Sidler sehr gut zugehört.
    Henri Huber, Präsident VR

  19. signora pergoletti sagt:

    Es ist durchaus respektabel, dass Sie sich hier öffentlich der Diskussion stellen, Herr Huber, danke für diese Erläuterungen aus Ihrer Sicht. Transparenz ist gefragt.

  20. Fischer sagt:

    bemerkenswert, der “bund” zitiert in einem artikel aus obigem kommentar von henri huber: http://www.derbund.ch/kultur/theater/Wird-Marc-Adam-freigestellt/story/14942106. bloss schade, dass sonst niemand darauf reagieren mag.

  21. pauli sagt:

    Gute Bemerkung, Herr Fischer. Warum kochen die Leserbriefspalten in den Zeitungern nicht über, vor lauter Stadttheater?

    Meine Befürchtung: Adam wird jetzt abgeschossen, aber was passiert in den strukturellen Schwierigkeiten? Ich erinnere daran, dass es nicht möglich war, beim Ballet einen vergleichweise kleinen Schritt zu machen. Wie dann soll diese Stadt in der Lage sein, die ungleich grösseren Hürden von Musiktheater und Renovation/Betrieb Stammhaus zu überwinden, oder noch besser: Ganz neue Wege zu finden? Da sind der Stapi und seine Kultursekretärin gefordert.

  22. Herr Lich sagt:

    Danke, Herr Huber, für die Klarstellung!

    Ja, warum gibt es kaum Kommentare (vielleicht kommen sie aber auch noch)? – Könnte es damit zusammenhängen, dass das Stadttheater für viele keine Herzensangelegenheit (mehr) ist? Könnte dies wiederum damit zusammenhängen, dass Herr Adam von manchen als süffisant und arrogant wahrgenommen wird? Sicher, es gibt strukturelle Probleme, aber vor allem fehlt eine Integrationsfigur.

  23. Christa Wolters sagt:

    Ja, lieber Herr Huber, zuhören und handeln sind eben zweierlei!

    Ich erinnere Sie an Ihre Passivität im Konflikt zwischen Chor und Adam. Trotz rotem Parteibüchlein standen Sie brav hinter dem Intendanten, als dieser den Chorvertrag einseitig abändern d.h. verschlechtern wollte.

    Wetten dass Adam auch nach seiner teuren Freistellung am Stadttheater Opern inszenieren darf – und bestimmt nicht gratis?

  24. Sophie Morgen sagt:

    Was mich bestürzt, ist das Ausmass in welchem Eigeninteressen und private Eitelkeiten, Unfähigkeiten und Ränkespiele diese ganze Situation seit Monaten überschatten. Theaterkritiken lösen Skandälchen aus. Ein musikalischer Leiter kann sich in absolut inakzeptabler und völlig unkonstruktiver Manier öffentlich gegen die Institution stellen, die ihn anstellt und wird dabei vom Verwaltungsrat noch gestützt. Auf provinziellstem Niveau gehen innere Zänkereien auf Kosten der künstlerischen Arbeit und des Rufs des – doch mit beträchtlichem Budget unterstützten – Hauses. Der Intendant ist ein Problem, das hat man erkannt, aber längst nicht das einzige. Viele der Märtyrer, die in letzter Zeit so lautstark auf ihn geschossen haben, würde man lieber selber mal genauer unter die Lupe nehmen…

    Wann endlich geht es wieder um die Sache: um künstlerische Prozesse, um inhaltliche Fragen, um formale Experimente und die Auseinandersetzung damit!? Und um eine konstruktive und faire, im Gespräch entwickelte (und nicht wiederum von irgendwelchen Teilinteressen lange im Voraus strategisch geplante) Lösung angesichts der kommenden Strukturänderungen?

  25. Marlise Moser sagt:

    Lieber Herr Lich

    Mein Herz schlägt sehr wohl für das Stadttheater, besonders für das Schauspiel! Und trotzdem schreibe ich keinen Leserbrief, der ja sowieso nichts nützen würde. Es gilt jetzt, Erich Sidler und sein grossartiges Ensemble zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, um auf diesem hohen Niveau weiterzuspielen. Wie könnte man das besser, als wenn man vermehrt- oder in meinem Fall noch mehr- ins Theater geht und möglichst viele Leute dazu animiert, es gleich zu tun. Ein volles Theater ist mehr Motivation als viele Leserbriefe.

  26. [...] gestellt hat, und auch Journalisten des Bund haben die Politiker bereits mehrmals auf dem Blog “KulturStattBern” und in Zeitungsartikeln mehr oder weniger direkt aufgefordert Stellung zu [...]

  27. henri huber sagt:

    Ich bedaure am meisten, dass im Zusammenhang mit dem Stadttheater nie über Inhalte debattiert wird, über das, was auf der Bühne passiert. Die grösste Lust scheint darin zu bestehen, sich darin zu übertreffen, wer nun die grössere Pfeiffe ist, ist es der Huber, ist es der Adam, oder doch der Sidler, am Ende gar Dinic?
    Wichtig ist, was auf der Bühne stattfindet und noch wichtiger ist, dass all die grossartigen Künstlerinnen und Künstler ein Publikum finden, das sich auf die nächste Vorstellung freut. Liebe Bernerinnen und Berner, ihr dürft mich jeden Tag in die Pfanne hauen, wenn ihr dafür dem Theater einen Besuch abstattet! Wer das Theater liebt, lässt es nicht ausgerechnet dann im Stich, wenn es sich anders benimmt, als man es gerne hätte. Man liebt seine Eltern, seine Kinder, seinen Hund, seine Katze, sein Theater, sein Orchester, für das, was sie sind und was sie einem bedeuten. Empathie für das Theater ist kein Sonntagsgewand. Was ich tue, macht nur dann Sinn, wenn es die Künstlerinnen und Künstler erreicht. Sich im Blog Wortgefechte zu liefern und zu streiten, mag einen gewissen Lustgewinn verschaffen und bei witzigen Beiträgen sogar einen gewissen Untzerhaltungswert haben. Wer dem Theater etwas Gutes tun will, der geht ins Theater. Das ist das, was ich mir am meisten wünsche. Ein Besuch lohnt sich (fast) immer.
    Henri Huber

  28. signora pergoletti sagt:

    Eh ja. Und so ein Drama, das gehört zum Theater auch dazu. Sowas hat das Theater bis heute jedenfalls nicht umgebracht.

    Und übrigens ist das womöglich etwas recht urbernerisches, dass man seine Helden sofort im Stich lässt, wenn sie schwächeln. Fragen Sie mal YB :) Wobei sich ja auch das in letzter Zeit etwas verändert hat, scheint mir.

  29. Schnapsnase sagt:

    Ich gebe jährlich Tausende von Franken für Kunst im weitesten Sinne aus. Lassen wir mal beiseite, dass ich mit deutschsprachigem Theater kaum was anfangen kann. Gestern Abend war ich in den Carmelites. Ein grauenhaftes Bühnenbild, Kostüme, die mehr als fraglich waren, ein schlecht geführter Chor. Sängerisch und musikalisch war es sehr schön, wenn auch vom Orchester her viel zu laut. Es geht nicht an, von mir zu verlangen, dem Theater etwas Gutes zu tun. Das Theater hat MIR was Gutes zu tun, schliesslich zahle ich (je nach Theater) bis zu Fr. 300.00 und mehr pro Karte und es wird von meinen Steuern subventioniert.. Nach dem gestrigen Abend zu urteilen, werde ich dabei bleiben und mit meinen Opernfix in Genf, Zürich oder Basel oder sonst irgendwo im Ausland holen. Nächstes Jahr werde ich garantiert Scartazzinis Wut anschauen, eventuell noch die Tote Stadt, mehr ist mir das Stadttheater nicht (mehr) wert. Oder in anderen Worten, für mich kommt auch hier Angebot und Nachfrage zum Tragen. Ich gehe dorthin und gebe mein Geld dort aus, wo es das entsprechende Angebot gibt.

  30. signora pergoletti sagt:

    Das ist ja klar, werte Schnapsnase. Wenn Sie über weitere Strecken an ein Haus oder an eine Gruppe gebunden wurden, dann würden Sie wohl auch eine Durststrecke oder ab und zu eine Bruchlandung hinnehmen, nehme ich an. Aber diese Anbindung eines Publikums muss natürlich erst mal passieren.

    Ich fand Herrn Hubers Gefühlsausbruch trotzdem sympathisch. Sowas ist jedenfalls nicht das, was das Theater zerstört.

  31. signora pergoletti sagt:

    …hüstel, ich habe die Carmelites nicht gesehen, vom Bühnenbildner Alain Rappaport allerdings kenne ich einige Arbeiten, die mir sehr gefallen haben! Er ist gar nicht etwa ein unbeschriebenes Blatt, auch beim “Sturm” von Christoph Frick zum Beispiel war er für die Ausstattung zuständig. Das fand ich ja auch gut, etwa 50 Abonennten hingegen verliessen damals türeknallend die Première. Was heisst das jetzt? Hm. In Bern scheint der gute Mann anscheinend einfach kein Glück zu haben.

    http://www.rappaport.info/index.php?page=8

  32. henri huber sagt:

    Danke Signora Pergoletti für Ihr verständnis. Opernkritik ist Glückssache, es kommt darauf an, welche man zu lesen kriegt. Deshalb empfehle ich die Rezension in der Opernwelt, wo die Berner Inzenierung als Meisterwerk beschrieben wird.
    Henri Huber

  33. Schnapsnase sagt:

    Herr Huber, von welcher Ausgabe der Opernwelt sprechen Sie? In der Besprechung der Opernwelt vom April 2010 (auf der Homepage des Stadttheaters zu finden) kommt das Wort Meisterwek nicht vor, gelobt wird der Gesang, das Bühnebild wird nur beschrieben die Kritik der NZZ bemängelt ebenso die Lautstärke, die in der BZ erinnert auch an die Premieren-Buhrufe. Man sollte sein eigenes Haus nur in Worten loben, die auch zu belegen sind. Zitieren bzw. Wiedergeben ist eben Glücksache.

  34. Schnapsnase sagt:

    *GRUMMEL* Herrn Hubers Herablassung hat mich jetzt so hässig gemacht, dass ich glatt den Link zur Besprechung Dialogues des Carmelitesvergessen habe.

  35. ensuite sagt:

    wow. das ist stark…

  36. Herr Lich sagt:

    Der Berner hat schon die Tendenz, sein eigenes Theater schlechter zu machen, als es ist. Im “Eugen Onegin” habe ich Bekannte aus Basel angetroffen, die öfters nach Bern kommen, weil es bei uns viel besser sei als bei Ihnen…

  37. henri huber sagt:

    Schnapsnase, Sie haben Recht, der Ausdruck meisterwerk war fehl am Platz. Ich würde die Rezension als wohlwollend bezeichnen, eine gute Inzenierung mit einigen Abstrichen. Ich habe keine ausverkauften Vorstellungen erwartet, aber mehr Leute hätte die Produktion verdient, auch wenn sie kein Meisterwerk ist….
    Henri Huber

  38. Herr Sartorius sagt:

    Eine andere Baustelle zwar, aber sie sei trotzdem hier zur Diskussion gestellt:

    http://www.derbund.ch/kultur/theater/Konflikt-zwischen-Stadttheater-und-BSO-Huber-wirft-Handtuch/story/18050897

  39. Herr Sartorius sagt:

    Neuigkeiten seien auch hier, wenn auch sehr spät, noch nachgereicht:

    http://www.derbund.ch/kultur/theater/Erich-Sidler-hat-seine-Kuendigung-zurueckgezogen/story/12410109