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Es war ein langer Weg

Von Manuel Gnos am Dienstag, den 6. April 2010, um 12:11 Uhr

«It’s been a long way», sagte Alain Croubalian mehrmals im Verlaufe des gestrigen Auftritts seiner Dead Brothers in der Dampfzentrale zu Bern. Und ja, der Weg war wirklich lang, seit sich die Band der Urtoten vor drei Jahren aufgelöst hatte. Für Croubalian führte er über Soloauftritte und das Dead Brothers Sweet String Orchestra (siehe auch hier) zurück zu den Dead Brothers in neuer Besetzung, die gestern vor ausverkauftem Haus ihre Berner Premiere hatten.

Diese Premiere wurde zu einer grossen Feier. Die Stimmung war schon vor dem Konzert andächtig und erwartungsfreudig. Als sich dann das Sextett musizierend den Weg durchs Dampfere-Foyer suchte, folgten die Menschen gerne diesem Begräbniszug, der kein Ableben zu betrauern hatte, sondern eine Wiederauferstehung feiern durfte.

Die Dead Brothers am 5. April 2010 in der Dampfzentrale, Bern. (Bild Manuel Gnos)

Die Dead Brothers am 5. April 2010 in der Dampfzentrale, Bern. (Bild Manuel Gnos)

Dann, eingerichtet auf der Bühne, der eigentliche Start des Konzerts. Und nach wenigen Takten war klar: Hier wird Grosses passieren. Schon da waren die Zweifel, die unser Herr Sartorius im Vorfeld berechtigterweise formulierte, verflogen und die Begeisterung wurde von Augenblick zu Augenblick grösser. Die Musik erschien live vielfältiger als bei den früheren Dead Brothers: tieftrauriger Blues, verhalten fröhliche Volksweisen mit Appenzeller Anklängen, lüpfiger Cajun und nachdenkliche Kammermusik gehören jetzt zum Repertoire. Alles viel ruhiger arrangiert als früher, deswegen aber nicht mit weniger Intensität dargebracht.

Grandios wie es die Band schaffte, punktgenau auf den Erlösungssong hinzuspielen. Dieser kam in Form einer Coverversion des Undertones-Klassikers «Teenage Kicks» und löste auf, was vorher fein säuberlich aufgebaut wurde: Die Frage nämlich, was das Leben angesichts des Todes bedeutet. Nicht dass Croubalian und seine Mannen die Frage beantwortet hätten – aber sie entliessen das Publikum mit dem Gefühl, dass es keine so grosse Rolle spielt, die Antwort nicht zu kennen.

Irgendwie passte an diesem Ostermontagabend einfach alles zusammen: der lange (Kreuz-)Weg, der Tod und die Wiederauferstehung. Croubalians Unberechenbarkeit und Zerbrechlichkeit ist es zu verdanken, dass die Analogie an diesem Punkt nicht weiter gedacht werden musste…

5 Kommentare zu „Es war ein langer Weg“

  1. Herr Sartorius sagt:

    Wunderbar, wunderbar war dieses Konzert.

  2. Herr Gnos sagt:

    in eigener sache darf ich noch anmerken, dass der auftritt von delaney davidson am vergangenen samstag im ausverkauften café kairo ebenfalls von der allerschönsten art war.

    und anzufügen gilt, dass pierre omer als dritter untoter am 9. april auch ein neues album veröffentlicht, das er dann am 29. april 2010 im café kairo vorstellen wird: http://www.myspace.com/pierreomer.

  3. Herr Gnos sagt:

    bei diesem bild verzeihen sie bitte die ungenügende qualität:

    Die Dead Brothers im Foyer der Dampfzentrale Bern, 5. April 2010. (Bild Manuel Gnos)

    es dient lediglich dokumentarischen zwecken. spielte die band zum abschluss nochmals im foyer der dampfzentrale.

  4. Pwei sagt:

    Schön dass sich meine Prognose vom 30.7.2007 bewahrheitet hat und die Dead Brothers zumindest teilweise wieder zueinander gefunden haben.

  5. [...] Tipp: The Dead Brothers am 12. September. Von deren Plattentaufe im April dieses Jahres war ich restlos begeistert. Turnhalle im Progr Bern. (Bild Franziska [...]