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Schall & Ekstase

Von Benedikt Sartorius am Montag, den 8. März 2010, um 12:30 Uhr

Dirk von Lowtzow (Quelle: http://festivals.mtv.de/22-06-2008/fotos-tocotronic-live-hurricane-2008/) Als das Matrosenlied ab Band zu Ende war, ein Teil des Publikums den Saal bereits verlassen hatte und der restliche Teil trotz der Abbau-Musik und des Saallichts mit glänzenden Augen immer mehr forderte, da kehrte die Band noch einmal zurück, spielte fiebrig wider die pure Vernunft an, denn wenn die Worte fehlen, darf auch mal gelallt und in den La-la-la-la-Chor eingestimmt werden.

Bis die kollektive Auflösung erreicht war, dauerte es bei Tocotronic gestern Sonntagabend in der Roten Fabrik in Zürich dann aber doch eine Weile. Die Band um Dirk von Lowtzow, die spätestens seit dem neuen Album «Schall & Wahn» einen generationenübergreifenden Konsensstatus geniesst, präsentierte zu Beginn zu viel neues Material aus der hochstaplerisch betitelten «Berliner Trilogie». Die theatralisch-überhöhten «Dankeschöns» wurden wie gewohnt zelebriert und banale Ansagen wie «Das macht Spass euch zuzuschauen» sind beim mittlerweile graumelierten von Lowtzow im 17. Karrierenjahr keine billigen Ranschmeisser, sondern bedeutungsvolle Überleitung zum Spiegelbildliebeslied «Imitationen».

Die Vier streiften dann und wann natürlich auch die vergangene Trainerjackenära der 90er, als ihre Lieder noch sloganhafte Titel wie «Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit» oder «Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen» trugen und die sorgfältig errichteten Feedbacksounds der Gegenwart noch kaum erahnbar waren.

Zum Schluss des regulären Sets bewiesen Tocotronic ihre in all den Jahren erreichte Gitarrenlärmschicht-Meisterschaft im epischen «Gift», denn süsser lassen sich die Ohren zurzeit kaum zerschmettern – dank dem überwältigenden Schall, dem Untertan zu sein ein schönes Privileg ist und Ekstase bewirken kann.

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Das Internet munkelt, dass Tocotronic an einem hier beliebten Festival auftauchen werden. Mehr dazu gibt es am Donnerstag ab zehn Uhr vormittags auf diesem Kanal.

9 Kommentare zu „Schall & Ekstase“

  1. Herr Sartorius

    Lustig war auch das Sololied und die ungeschickten Posen des ewig-bubenhaften Arne Zank, dessen Schlagzeug halt doch überdimensioniert wirkt.

  2. zuffi

    An dem Zwischenteil scheiden sich die Geister. Auf der Heimfahrt waren die Lager “Lustig” und “Peinlich” auszumachen.

  3. johnny leoni

    tocotronic sind bestätigt für die kilbi. glaubt openairguide kein wort, aber glaubt dem herr leoni.

  4. passiver attacker

    tocotronic, die i love kilbi und die rote fabrik in einem beitrag, welch ein start in die neue woche!

  5. passiver attacker

    und jetzt auch noch herr patton und co auf dem gurten. oléolé wochenstart!

  6. Shearer

    A propos, wo sind eigentlich die Early Warnings hingekommen?

  7. Herr Gnos

    weil sie zurzeit komplett veraltet sind, haben wir sie versteckt. hoffentlich nur vorübergehend…

  8. Herr Sartorius

    Dank dem Konzert vom Sonntag finde ich nun das Titellied des neuen Albums schon sehr sehr schön:

    Und natürlich immer das «Gift» der wunderbaren Gitarren.

  9. [...] und auch hier dauerte es ein bisschen länger, bis dieser Rausch erreicht war: Die Band um den [...]