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Globalisierung, grafisch

Von Roland Fischer am Samstag, den 6. März 2010, um 11:47 Uhr

Die Ausstellung ist zwar schon seit anfangs Jahr offen, so richtig Furore hat sie allerdings noch nicht gemacht – was ein wenig schade ist, wie wir finden. Es mag wohl am seltsamen Ausstellungsort (und den entsprechend besonderen Öffnungszeiten) liegen, dass sich jeweils nur ein paar wenige Besucher in die Räumlichkeiten des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) im Kirchenfeld verirren. Was es da an den Wänden von Büros, Korridoren und Sitzungszimmern (keine falsche Scheu, einfach überall reintrampen) zu sehen gibt, ist aber ebenso schön wie anregend: Kunst im öffentlichen Raum, buchstäblich.

Barcelona

«Liniennetzpläne» heisst die Ausstellung, und sie versammelt grafische Meisterstücke aus der ganzen Welt: von Barcelona über Krakau nach Hong Kong und Montreal. Eine solche Übersicht macht sofort klar, dass sich längst eine globale Übereinkunft ergeben hat, wie ein Liniennetzplan auszusehen hat: es gilt, wie im interessanten Infoblatt zur Ausstellung nachzulesen ist, das ‎«45°-Prinzip». Der Plan abstrahiert so die Geographie der Stadt auf das Wesentliche: Anzahl Haltestellen, wichtige Verkehrsknoten, grobe Richtungen. Exakte Distanzen interessieren dabei ebenso wenig wie topographische Finessen.

New York 1964

Dieses Prinzip geht auf die ‎«Mutter aller Liniennetzpläne» zurück, die London Underground Map von Harry Beck aus dem Jahr 1933. Diese ist in der Ausstellung leider nicht vertreten, dafür ein sehr schönes altes Exemplar aus New York (1964). Spannend auch die liniennetzplanerische Zeitreise aus Berlin (1985), die die Zerrissenheit der Stadt auf sehr simple Weise anschaulich macht. Pläne neueren Datums wiederum zeigen, wie Grafikbüros (versuchshalber) mit dem ‎«45°-Dogma» zu brechen beginnen, mit durchaus überzeugendem Resultat, wie die Beispiele des koreanischen Büros Zero per Zero zeigen.

Osaka off

Dabei stellt sich indessen die Frage, ob hier die globale Gleichschaltung nicht für einmal zu begrüssen ist, schliesslich findet sich, wer in Bern den öffentlichen Verkehr zu lesen gelernt hat, auch in Tokyo oder Moskau relativ rasch zurecht.

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Die Ausstellung im Gebäude des VöV am Dählhölzliweg 12 ist von Montag bis Freitag während der Büroöffnungszeiten offen.

7 Kommentare zu „Globalisierung, grafisch“

  1. Herr Sartorius sagt:

    Und dann kommt der Shrigley und macht die Ordnung wieder kaputt:

    Oder natürlich auch der Patterson:

    In gross hier.

  2. Fischer sagt:

    ich hab auch noch ein paar kunstlinks:
    hier gibt’s tierchen im u-bahn-gewühl http://www.animalsontheunderground.com/elephant.html
    und hier eine darstellung des internets als u-bahn-netz: http://informationarchitects.ch/wtm4/

    und dann noch der link – schon seltsam, womit die leute sich so die zeit vertreiben:
    http://people.reed.edu/~reyn/transport.html

  3. Herr Sartorius sagt:

    So eine KSB-Station hätte ich eigentlich schon noch gerne auf der Internet-Karte. Jetzt aber ab.

  4. Fischer sagt:

    a propos globalisiertes design: http://www.museum-gestaltung.ch/welcome.html

  5. Julie sagt:

    Ich werde die Öffnungszeiten, so ich sie denn finde gleich mal bei uns im ÖffnungszeitenBuch aufnehmen, vielleicht finden dann ein paar Besucher mehr den Weg dorthin :-)

    LG
    Julie

  6. Fischer sagt:

    und hier gleich noch ein verweis auf die steps-webseite, passend zum thema: http://www.steps.ch/Spielplan/6/Default.aspx