Blogs


Ode an das Fauteuil-Kino

Von Gisela Feuz am Mittwoch, den 24. Februar 2010, um 07:00 Uhr

Eigentlich hätte es gestern ja ein lustiger Dienstag werden sollen. Da dieser allerdings bumsvoll war (der Anlass im Tojo, nicht der Dienstag) und der Abend gerade erst angebrochen war, entschied sich die Schreiberin dem guten alten Kino in der Reitschule einen Besuch abzustatten. Dort wurde im Rahmen von «Uncut -Warme Filme am Dienstag» eine Dokumentation über das Geschwisterpaar Mann gezeigt.

mann_geschwister

«Escape to Life», so der Name dieses Doku-Dramas, zeigt die symbiotische Lebensweise von Erika und Klaus Mann und wie sich die beiden in einem Zeitalter des Umbruchs, der Instabilität und des Faschismus’ durchs Leben schlugen. Der Film setzt sich aus einem Mix zwischen Archivaufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und Verwandten und Spielszenen zusammen und vermag durch seine stilistische Vielfalt auch die Vielfältigkeit seiner Protagonisten wiederzugeben. Denn spannend und abwechslungsreich war es definitiv, das Leben der beiden ältesten Kinder von Thomas Mann. Die Dokumentation erzählt von den Exzessen der «Roaring 20ies», von Schauspielerei, vom Bohemien-Leben, vom Reisen ohne Geld, von Homosexualität und vom Leben im amerikanischen Exil, während in Europa der kleine Mann mit dem absurden Schnauz wütete.

Erika Mann kam mit den moralischen und politischen Schwierigkeiten der damaligen Zeit offenbar besser zu Ranke als ihr kleiner Bruder. Während Sie im Exil weiterhin antifaschistisches Kabarett inszenierte (so z.B. auch in Zürich mit ihrer legendären Pfeffermühle), vermochte der Schriftsteller Klaus Mann (zu Unrecht) nicht aus dem Schatten des Übervaters Thomas herauszutreten, verfiel zusehends den Drogen und nahm sich schlussendlich desillusioniert das Leben.

Am Ende des gestrigen Abends war die Schreiberin dann doch ganz zufrieden, den lustigen Dienstag verpasst zu haben und dafür eine spannende Dokumentation zu einem der schillernsten Geschwisterpaare gesehen zu haben. Und zudem gibts wohl in Bern kein gemütlicheres Kino als dasjenige in der Reitschule. Denn wo sonst kann man sich genüsslich in einen Fauteuil fläzen, hat die Bar gleich im Kinosaal und bekommt dort erst noch selbstgebackene Apfelküchlein? Eben.

12 Kommentare zu „Ode an das Fauteuil-Kino“

  1. Herr Gnos sagt:

    Und zudem gibts wohl in Bern kein gemütlicheres Kino als dasjenige in der Reitschule.

    ganz sicher nicht gemütlicher ist das kino jura 3, wo ich mir gestern “a serious man” angesehen hab! also wenn kino ein derartiges unvergnügen ist, wundert es mich nicht, wenn saal um saal geschlossen wird. früher mag das funktioniert haben. heute im zeitalter der multiplexe und von beamern in der privaten stube müssen die sich definitiv etwas überlegen. denn der preis im dritten/kleinsten jura-saal ist gleich hoch wie im ersten/grössten, also will ich auch da den gleichen komfort.

    so, und jetzt guten morgen allerseits!

  2. Schnapsnase sagt:

    Einen guten Morgen auch Ihnen, Herr Gnos, und ganz besonders natürlich der verehrten Frau Feuz. Frau Feuz, hatten die Öpfuchüechli auch Zimmet drauf und gab’s Vanillesauce dazu?

  3. Protagonist sagt:

    Und zudem gibts wohl in Bern kein gemütlicheres Kino als dasjenige in der Reitschule.

    …dicht gefolgt vom ABC, dessen bar zwar nicht im saal ist, und das auch keinen kuchen serviert, aber dennoch.

    guten morgen allerseits!

    …Öpfuchüechli auch Zimmet drauf und gab’s Vanillesauce dazu?

    jetzt hab ich aber hunger. tami! (neinnein, Herr Gnos, nicht Frau Hunger, nur hunger)

  4. Frau Feuz sagt:

    Jura 3 ist tatsächlich übelst. Da muss man sich ab einer Körpergrösse von 1.80 die Beine hinter die Ohren falten beim Sitzen.
    Also ich glaub Vanillesauce war nicht drin aber Zimt schon. Es waren eben so krapfenmässige Faltküchlein, in die man nicht reingucken konnte. jedenfalls leckerst!
    und ja, jetzt hab ich auch Hunger. Guten Morgen allerseits.

  5. Herr Gnos sagt:

    ja, das ABC ist tatsächlich auch sehr löblich. darum sollte ich baldmöglichst da wieder mal hingehen. zum beispiel, um “nord” zu schauen.

    übrigens, der 22. märz kommt schon bald!

  6. Schnapsnase sagt:

    Ich bin 1.80, mache Yoga und litze mir immer die Beine hinter die Ohren. Jetzt brauche ich ein Chacheli Gaffeeh.

  7. Protagonist sagt:

    mit über 1.90 find ich die sardinenbestuhlung im kellerkino am schlimmsten. obschon ich das kellerkino als institution noch so gern hab.

  8. newfield sagt:

    fantastisches foto frau Feuz.

  9. Schnapsnase sagt:

    Das stimmt, Herr Newfield. Gibt es eigentlich etwas, dass Frau Feuz nicht kann?

  10. Herr Gnos sagt:

    Gibt es eigentlich etwas, das Frau Feuz nicht kann?
    wir auf der redaktion hätten jedenfalls bis jetzt noch nichts gefunden!

    und übrigens:
    Fasnacht ist Kult(ur)

    gelesen hier:
    http://www.derbund.ch/bern/Tribuene-Bern-ist-eine-Fasnachtsstadt/story/15973203

  11. Frau Feuz sagt:

    Botzdonner, mein Ego wird ja mal wieder auf Hochglanz poliert hier. Sehr schön, herzlichen Dank! Auch wenn es tatsächlich einiges gibt, was Frau Feuz nicht kann, speziell im Bereich der Körpermotorik. Und seitwärts einparkieren kann sich auch so richtig gar nicht (ja ja ich weiss, Cliché lässt grüssen).

  12. Protagonist sagt:

    ach was, Frau Feuz, autofahren ist extrem überbewertet (läuft ja in gewissem sinn auch unter motorik).