Die Solothurner Filmtage waren hier ja nur mit einer kurzen Vorschau präsent. Weil das dann doch ein wenig mager (und dem schönen Festival nicht recht angemessen) war, an dieser Stelle noch eine kleine Nachschau.

Im Kellerkino läuft im aktuellen Programm «Dharavi, Slum for Sale», der dieses Jahr für den «Prix de Soleure» nominiert war. Der Dukumentarfilm erzählt vom seltsamen «Aufschwung» in der grössten Slumsiedlung Asiens. Dharavi war mal ein Slum wie viele andere, am Rande von Mumbai gelegen, abseits der Aufmerksamkeit von Politikern und Stadtplanern. Doch die indische Metropole wuchs in den letzen Jahren rasant, und damit wurde Dharavi auf den Stadtkarten allmählich an eine ganz neue Position gerückt: aus der Peripherie ins Zentrum, in die unmittelbare Nachbarschaft teurer Finanzdistrikte.
Ist das für die Siedlung nun Fluch oder Segen? Umtriebige Stadtplaner wollen das ganze Viertel neu strukturieren («aufwerten», sagen sie gern dazu), um Platz zu schaffen für neue Bürotürme. Und davon sollen alle profitieren: Die Slumbewohner sollen subventionierten Platz zum Wohnen und arbeiten erhalten, in «richtigen» mehrgeschossigen Häusern. «Es soll mir niemand erzählen, dass irgend jemand freiwillig so leben will», sagt der Chefplaner mal bei einem Rundgang durch Dharavi zur Kamera.
Das macht den Film so stark: Der Regisseur Lutz Konermann geht ganz nah ran und lässt alle wichtigen Akteure – quer durch die Hierarchie – zu Wort kommen. Und er lässt am Schluss die schwierige Frage stehen, ob es wohl tatsächlich am besten ist, einen elenden Slum so wie er ist zu bewahren, weil er immerhin aus den Bedürfnissen und für die Bedürfnisse der Bewohner gewachsen ist.
Ab Donnerstag dann gibt es im Kellerkino eine Auswahlschau der diesjährigen Filmtage mit vielen weiteren Perlen aus Solothurn.





