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Serien-Behandlung

Von Roland Fischer am Mittwoch, den 17. Februar 2010, um 11:35 Uhr

Ich finde, gute Geschichten sind wie ein Filet. Das zerstückelt man ja auch nicht und macht Geschnetzeltes daraus. Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass ich Fernsehserien nicht besonders mag.

Es gibt aber Ausnahmen,
und eine davon läuft seit dieser Woche auf 3sat. ‎«In Treatment» war schon letzten Sommer auf SF1 zu sehen, warf da aber keine grosse Wellen. Nun, jahreszeitlich viel passender, gibt es auf dem Kultursender (ein Ritterschlag für eine amerikanische Erfolgsserie) also eine zweite Chance.

intreatmentUnd der Sender passt: Wenn man bedenkt, was diesbezüglich sonst so aus Amerika kommt, ist ‎«In Treatment» einigermassen radikale Fernsehuntehaltung – zumindest formal. Schon das Thema: Es geht um Therapiesitzungen – dementsprechend wird viel geredet (tatsächlich passiert sonst, abgesehen von beredtem Schweigen, so gut wie gar nichts). So reduziert hat man schon lang nicht mehr ferngesehen: Pro Folge eine Sitzung, ein langes Gespräch, die Kamera bleibt immer im selben Raum. Keine Rückblenden, kein Kopfkino, die Geschichten werden ganz einfach und altmodisch erzählt – wenn auch meist widerstrebend, stockend; darin liegt wohl auch ein Reiz der Serie.

Der Clou ist aber ein anderer: Keine Situation aus dem echten Leben kommt so nahe an die Serienstruktur heran. Eine Therapie ist Serie, könnte man sagen, allmähliches Geschichtenerzählen in festem Rahmen, und je länger desto abgründiger. Und auch der obligate Cliffhanger, der den Zuschauer zum Wiedereinschalten verführen soll, ist keine Erfindung von Fernsehautoren. Wie schloss doch die allererste Folge: Eine wunderschöne, völlig aufgelöste Frau (die dem Therapeuten gerade ihre Liebe gestanden hat) sagt: «Was soll ich denn jetzt tun?» – «Darüber reden wir dann das nächste Mal», erwidert dieser und geleitet sie zur Tür. Abspann.

27 Kommentare zu „Serien-Behandlung“

  1. sic!

    Wenn man bedenkt, was diesbezüglich sonst so aus Amerika kommt

    Ich behaupte mal, dass an TV-Formaten in den letzten 10, 15 Jahren wesentlich mehr Innovation aus den USA gekommen ist als aus (dem deutschsprachigen) Europa. Vergleichen sie nur mal “24″, “Twin Peaks” oder “Lost” mit den gängigen Serien auf den hiesigen Sendern. Einzig aus Grossbritannien kommt hin und wieder mal etwas Spannendes.

  2. sic!

    Nicht zu vergessen: “Big Brother” und all dieser Schrott kommt übrigens aus Europa.

  3. Schnapsnase

    Danke Herr/Frau sic! Ich darf und muss Ihnen da von ganzem Herzen zustimmen. Herr Fischer war wohl nicht gut aufgelegt, als er dies schrieb. Leider habe ich die letztjährige Ausstrahlung auf SF verpasst, denn die synchronisierte 3sat-Version ist für mich nicht konsumierbar, ich war untröstlich und musste mich meinen Therapeuten Fräulein Parisienne und Herrn Talisker in die Arme werfen.

  4. passiver attacker

    3sat goes sat1, ole!

  5. signora pergoletti

    Ich liebe Fernsehserien und bin ebenfalls der Meinung, dass das Beste aus Amerika kommt – Twin Peaks, Sopranos, Six Feet Under. Aber auch über die Dialoge und Darstellerinnen in Desperate Housewifes kann ich mich bestens amüsieren. So leicht, wie das daherkommt, ist das nämlich nicht. Die Figuren in diesen (und anderen) amerikanischen Serien haben Tiefe, sind glaubhaft und lebendig. Genau dafür hat man zum Beispiel bei “Tag und Nacht” leider überhaupt keine Genauigkeit aufgebracht.

    Ganz billig gemachte Englische Serien wie zum Beispiel “Warten auf Gott” sind natürlich zum Teil auch ein Brüller.

    “In Treatment” fährt auch mit hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern auf. Und erzählt etwas darüber, wie menschliches Zusammenleben funktioniert, oder eben nicht. Das interessiert. Eigentlich haben solche Serien die ehemalige Funktion des Theaters übernommen und das Theater diesbezüglich links überholt, scheint mir.

    Jadenfalls, danke Herr Fischer! Endlich darf ich wiedermal was zu meiner Leidenschaft TV-Serien sagen :)

  6. Herr Gnos

    oh ja, sopranos, werte signora. der absolute hammer, wie ich finde.

    was mir zudem kürzlich durch den kopf ging: in den späten 80ern und frühen 90ern war eine der erfolgreichsten sitcoms die unsägliche “schreckliche familie”. heute ist es “two and a half men”. und da wird behauptet, es werde immer alles nur schlechter…

  7. Herr Gnos

    alleine die shirts von charlie harper sind eine wahnsinnige kulturelle errungenschaft:
    http://www.charlieharpershirts.com/

  8. signora pergoletti

    Wahrscheinlich muss er deshalb ständig vor Gericht. Strafbare Hemden.

  9. Herr Gnos

    sie meinen, ich sollte mir keines dieser hemden bestellen, werte signora?

  10. derbund.ch

    Der «Bund» verlost 10×2 VIP-Arrangements für das 35. Internationale Jazzfestival Bern und 10×2 Eintrittskarten für das Minifestival «Vrruckt». Weitere Informationen und das Tailnahme-Formular finden Sie hier: http://engagement.derbund.ch

  11. Das diesjährige Forum des Internationalen Filmfestivals Freiburg (FIFF) widmet sich dem Phänomen Fernsehserie. Die Veranstaltung findet vom 17. bis 19. März 2010 statt. Sie steht Schweizer und internationalen Filmprofis, Filmschulen und dem Publikum offen.

    Präsentiert werden vier Serien aus Israel, Syrien und Saudi-Arabien, die während drei Tagen die Grundlage für Vorträge, Diskussionsrunden und eine Master Class bilden. Namentlich heisst das FIFF dafür Ori Sivan willkommen, Regisseur und Drehbuchautor der israelischen Serie “Betipul”. Diese wurde 2007 von HBO gekauft und adaptiert. Zurzeit wird sie unter dem Titel “In Treatment” auf 3sat ausgestrahlt.

    Unter den weiteren Teilnehmer/innen finden sich Soziolog/innen, Produzent/innen, Filmschaffende, Einkäufer/innen, Expert/innen und Fans. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Situation der Schweizer Fernsehserien erörtert werden.

    Das komplette Programm, Informationen über die Podiumsteilnehmer/innen und das Einschreibeformular finden sich auf der Interseite http://www.fiff.ch.

  12. signora pergoletti

    Hm. Es gibt ja Männer, die sehen auch in Hawaii-Hemden richtig cool aus. Solange Sie Charlie’s Haarschnitt meiden, dürfen Sie es von mir aus versuchen, werter Herr Gnos.

  13. signora pergoletti

    Oh, welch interessanter Hinweis! Herzlichen Dank!

  14. Schnapsnase

    Ach, das möchte ich mal wieder sehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=uRQnrY5V-rY

    das auch:

    http://www.youtube.com/watch?v=akyJYeBVbuM&feature=related

    und das:

    http://www.youtube.com/watch?v=zxdxk0RpBQg&feature=related

    Die Jungspunde werden wohl keine Ahnung habe, welche Zeiten das waren….

  15. Fischer

    sehr interesssant, tatsächlich, vor allem der hinweis auf das original aus israel. womit mir ein schönes sprungbrett bereitet wäre zu einer revanche in sachen us-serien. natürlich schwappt da hin und wieder etwas interessantes über den teich, aber man soll mir bitte nicht erzählen, dass ‘lost’ oder ’24′ irgendwelchen kulturellen tiefgang haben. und siehe da: wirklich originelle formate sind zumindest teilweise geklaut… was ich betonen wollte, war das ‘reduce to the max’ – etwas, wofür amerika nun wirklich nicht berühmt ist. und ja, die synchronisation tut ein bisschen weh, werte schnapsnase. zum glück sind ihre lieblingstherapien polyglott.

  16. Schnapsnase

    Ich beneide Sie, Herr Fischer, dass Sie vom Fernsehen bzw. einer Serie kulturellen Tiefgang erwarten. Grad gestern habe ich meiner Nachbarin in der Waschküche gesagt, dass ich gerne mal wieder eine Bergmann-, Fassbinder-, Kurosawa-, Goddard- oder Fellini-Saison hätte… da ist für mich eher ‘Tiefgang’ drin als in einer Serie.

  17. signora pergoletti

    Die Sopranos haben zum Beispiel sehr viel Tiefgang, ebenso Six Feet Under. Es gibt da schon enorme Unterschiede, da gehe ich mit Herrn Fischer absolut einig. Aber okay, eine Serie darf natürlich auch einfach unterhalten. Schon das ist nicht so leicht.

    Und: Skippy oléolé! Fehlt nur noch Arpad der Zigeuner :)

  18. passiver attacker

    in treatment hat ungefähr den tiefgang von dem da:
    http://woman.brigitte.de/leben-lieben/psychologie/
    aber ist ja auch ok.

  19. @FIFF

    Ein Hinweise zu den TV Serien am Forum@Fiff:

    Die Original-Serie ‘In Treatment’, auf hebräisch ‘Betipul’, wird während des Forums gezeigt! Fünf Episoden von ‘Betipul’ werden von Mo, 15.3. bis Fr, 19.3. gezeigt. Des Weiteren im Programm – die erfolgreiche israelische Serie ‘Arab Labor’, ‘Almost’ aus Saudi Arabien und ‘Waiting’ aus Syrien.

    Details auf: http://fiff.ch/fiff2010/index.php?option=com_content&view=article&id=278&Itemid=287&lang=de

  20. Fischer

    das ist jetzt aber nicht nett, herr attacker. aber beurteilen kann ich das natürlich noch nicht, ich sehe erst mal einen vielversprechenden anfang. und hergott nochmal, ja, auch vom fernsehen darf man tiefgang und hintersinn erwarten (service public, gewissermassen). ich glaube übrigens, dass der einfühlsame psychiater da mit absicht ein wenig klischiert gezeichnet wird. er muss ja auch ein wenig verloren gehen mit seinen simplen konzepten. sonst wäre die rollenverteilung etwas gar einfach, und dramaturgisch wenig ergiebig.

  21. Kretz

    wieso läuft alles gute eigentlich immer zu so saublöden Zeiten? und wer definiert eigentlich wann Primetime ist?
    wie? der Mainstream? Himmelherrgott, kann sich dieser Mainstream nicht mal irgendwo raushalten?

  22. Pwei

    Tiefgang gibts im Fernsehen höchstens in diesen Unterwasserdokus.

  23. passiver attacker

    nett vielleicht nicht, werter herr fischer, aber erlich.
    im ernst: formal finde ich in treatment auch spannend (zumindest für die ersten 4 folgen), inhaltlich ist es aber leider etwas platt. auch dagegen ist ansich nichts einzuwenden, nur leider bin ich in diesem fall biographisch bedingt (langjähriger sohn eines psychotherapeuten und aber auch partner einer klinischen psychologin) etwas voreingenommen.
    sie mögen mir verzeihen!

  24. Fischer

    keine ursache. ob ich da wohl dem reiz des neuen auf den leim gegangen bin? gestern habe ich nicht geschaut (woran nicht der hase schuld war – kann sonst jemand berichten?), bin gespannt auf die heutigen folgen.

  25. Herr Gnos

    eine Serie darf natürlich auch einfach unterhalten. Schon das ist nicht so leicht

    sie sind meine heldin, werte signora! einmal mehr…

  26. Fischer

    darf ich übrigens schnapsnases wunschliste fürs fernsehchristkind noch ergänzen?
    http://www.youtube.com/watch?v=EFebGZ7FJQQ

  27. When you’re in the corner and have no cash to move out from that point, you would require to receive the loans. Because it would aid you for sure. I take bank loan every time I need and feel myself good because of it.