Ich wollte heute eigentlich ins Kino. Und da ich im Moment in Berlin bin, machte ich mich angesichts der dicken Ausgehmagazine auf die Qual der Wahl gefasst. Schlussendlich bin ich in der Bar um die Ecke ein Bier trinken gegangen. Es gab beim Durchforsten der Kinosparte zwar viel Qual, aber nicht viel Wahl, wenn man Filme lieber im Original schaut.
Hier eine kleine Statistik: 970 Vorstellungen gab’s heute in den Berliner Kinos, davon waren gerade mal 109 Originalversionen (dem gewitzten Suchtool auf der Zitty-Webseite sei an dieser Stelle gedankt). Wenn man sich den neuen Film von Woody Allen («Whatever Works» bzw. «Liebe sich wer kann») anschauen will, so hat man allein dazu 17 Mal Gelegenheit – Originalkopien gibt’s in Berlin allerdings nur gerade zwei, eine davon läuft am Nachmittag, die andere weit weit weg von meinem Quartier.
Zum Vergleich: Rasch gezählt ist das Verhältnis von synchronisierten und untertitelten Filmen in Bern etwa ausgeglichen. Und ohne das pathétische Westside wären die Originalversionen immer noch deutlich in Front. Doch die Tendenz ist auch in der Schweiz klar: Immer mehr grosse Hollywood-Vehikel kommen durchgehend synchronisiert in die Kinos (es wurde hier auch schon beklagt) – das Publikum wünsche das so, heisst es. Stimmt es denn tatsächlich, dass die jungen Kinogänger ihre Idole nicht mehr lieber im Original fluchen, witzereissen, flirten hören wollen? Oder ist das eine kurzsichtige Defensivstrategie der Kinobranche angesichts schwindender Umsätze? Seltsame Ironie dabei: Gerade Cinéphile werden immer öfter auf DVDs zurückgreifen, um ihre Lieblingsfilme noch im Original sehen zu können.
Bange Frage also: Wie lange werden die Kinobetreiber und Verleiher hierzulande noch den Aufwand betreiben, die Filme speziell für die Schweiz zweisprachig zu untertiteln (das sind doch CH-Sonderanfertigungen, oder?). Zumal man die fertig synchronisierten Filme ja günstig aus dem Nachbarland beziehen könnte. Ein gewichtiger Nachteil, verglichen mit anderen kleinen Ländern wie Dänemark oder Norwegen, wo man sich diesbezüglich wohl viel weniger Sorgen zu machen braucht.




Was mir im Vergleich zu grossen Städten immer wieder auffällt, dass Bern im Verhältnis zur Grösse der Stadt, das viel bessere Filmangebot. Natürlich gibt es in Paris oder Berlin Hunderte von Kinosälen, aber es läuft ja fast überall derselbe Film.
Was die Untertitelung der Filme angeht, da teile ich die Sorge. Ich war es so gewohnt, dass Filme in Bern im Originalton gezeigt werden/wurden (mit der bekannten Ausnahme der Kindertrickfilme am Nachmittag), dass ich ausgerechnet “Bienvenue chez les Ch’tis ” bei Pathé anschauen ging – weil ich auch mal das Westside anschauen wollte – und erst als der Film anfing, merkte dass der Film synchronisiert war. Und das bei einem Kinobetreiber mit einem französischen Namen.
aus aktuellem anlass und weil mister gill scott heron in diesem forum auch schon thema war. hier können sie sein neues album hören: http://3voor12.vpro.nl/speler/luisterpaal/43032178#luisterpaal.43032178
etwas hintergrund gibt es hier: http://newsnetz-blog.ch/kulturstattbern/blog/2009/01/20/the-revolution-will-not-be-televised/
die jugend Herr Fischer, es ist die verdammte Jugend, die geht bachab und zwar ungebremst!
*OI* JuniorK, daher, sofort…
merci herrk, auf für den gearchibloggten link zum interview mit diesem netten herrn von der kitag. lieblingszitat: «schauen sie, es ist wie bei mcdonalds».
das ist dann das problem mit diesem weiten kulturbegriff, wenn er soweit geht, dass er sich in bwl verflüchtigt.
das inti gibts auch auf derbund.ch. nur falls sie uns ein paar klicks bescheren möchten:
http://www.derbund.ch/kultur/kino/Gut-moeglich-dass-bald-alle-KinoFilme-synchronisiert-sind/story/16790410
Oh Herr Gnos, jetzt haben Sie mich aber sehr deprimiert. Bleibt bald nur noch TiVi-2-Kanal-Ton?? Mich deucht, ich werde das auf meine alten Tage noch mitmachen müssen. Ich bin mit Untertiteln aufgewachsen und will auch damit sterben, sonst kann man das Kino gleich bleiben lassen. Auch wenn ich eine Sprache nicht verstehe, so bringen doch die Stimmen und die unterschiedlichen Sprachmelodien der Schauspieler mir immer noch mehr, als immer die gleichen Synchronsprecher. Aaus Protest gehe ich jetzt füdleblutt raus in die Kälte und mache einen Glauser. Adöh….*frier*
ja, die jugend. weiss wieder mal nicht, was sie sich entgehen lässt. zum beispiel gratis englisch-lektionen der amüsanten art. mein lieblings-übersetzungsschnitzer aus dem kinosaal: ‘could you give me a hand?’ fragt der schauspieler – ‘könntest du mir eine hand geben?’ steht darunter.
und kommen sie bitte sofort wieder rein, schnapsnase.
Zu Befehl, der Herr, aber auch nur, weil mich die vorbeifahrenden Ghüdermanne so lüstern angeschaut haben
“Get stuffed!” – “Lass dich ausstopfen.”
nun ja, dann war der protest wohl für den müll. ehrenwert war’s aber allemal.