Von Christian Pauli am Donnerstag, den 21. Januar 2010, um 07:07 Uhr

Wohin Progrts?

Am Dienstagabend liessen sich zirka 30 bekult-Mitglieder von der neuen Stiftung und Geschätsleitung des Progr über dessen Zukunft informieren. War nötig. Da diese Veranstaltung nur halb-öffentlich gemeint war, verbreite ich hier keine Infos. Dies muss und wird der Progr selber tun müssen. Ich will hier nur ein paar Thesen aufstellen. In den Gesprächen am anschliessenden Apéro hat sich nämlich wieder einmal gezeigt, dass in Bern ganz viel Kritik zum Progr geäussert wird – interessanterweise nur nicht öffentlich.

Eigentlich könnte man sagen: Der Progr ist, seit das Gebäude auf Anfang 2010 von der Stadt an die entsprechende Stiftung übergeben worden ist, eine private Angelegenheit. Sollen die Künstlerinnen und Künstler und Veranstalter dort machen, was sie wollen. Die Zukunft dieses Kulturortes ist für Bern aber von grosser Bedeutung. Kritische Fragen sollten vom Progr in nützlicher Frist und offensiver beantworten werden. Denn der Druck der internen und externen Auflagen und Erwartungen wird den Progr schneller als erwartet einholen: Dies liegt in der Natur von Kulturzentren, die aus einem Provisorium in einen Dauerzustand übergehen.

Progr_Bern

  • Es gibt keine kulturpolitische Diskussion, wie der Progr aussehen soll: Das «Zentrum für Kulturproduktion» wurde aus dem Boden gestampft, die Rotgrünen haben sich diese Erfolgsgeschichte auf die Fahnen geschrieben. Dann mussten Abstimmungen im Parlament und Volk gewonnen werden. So machte sich eine Beisshemmung breit: Die Berner Presse hat bisher nicht oder zu wenig gefragt, wie der «neue» Progr aussehen soll. Und die rotgrüne Mehrheit hat das Projekt als ihren Erfolg abgehakt.
  • Der Progr ist eine Mogelpackung: Für die ganz grosse Mehrheit der Bevölkerung und der Besucher(innen) ist der Progr eine Ausgehzone an bester Lage, und kein Atelier- und Produktionshaus. Der Progr muss seine Bestimmung ins Zentrum rücken, sonst werden interne Spannungen überhand nehmen.
  • Schwache Leitung: Der neue Progr wird sein dem 1. Januar 2010 mit einem 50%-Pensum von der Kulturmanagerin Susanne Ammann geleitet. Das wird nicht hinhauen. Dieser Ort braucht eine Leitung und eine Figur, die auch für künstlerische Inhalte und nicht nur Administration hinsteht. Und der Stiftungsrat muss sich auf strategische Fragen beschränken.
  • Die vermieteten Ateliers sind die Achillesferse des Progr: Alle, die nicht dabei sein können, weil es nicht Platz für alle hat, denken sich: Hier hat sich ein Filz etabliert. Und alle die drin sind, werden nicht mehr gehen (wollen). Es braucht eine vielfältige, transparente, finanziell vernünftige Vermietpolitik, die eine dauernde Auffrischung und künstlerische Relevanz garantiert.
  • Die Vermietung der Turnhalle ist die kommzielle Knacknuss: Auch hier muss intern und gegen aussen möglichst grosse Transparenz hergestellt werden. Es wird zu viel Halbwissen über die «Goldgrube» Turnhalle herum geboten.

Keine Frage, dem neuen Progr soll man die Zeit geben, sich zu festigen. Die Schonfrist aber wird bald ablaufen.

20 Kommentare zu „Wohin Progrts?“

  1. Halt, halt… Ich habe von der Veranstaltung gehört. Und auch mit einigen Leuten schon diskutiert. Es ist naheliegend, dass Berner VeranstalterInnen Kopf stehen. Aber: Der PROGR kann tun und lassen, was er will. Er IST privat. Es gibt keinen Auftrag mehr, den er sich nicht selber auferlegt. Auch die Turnhalle: An bester Lager IST das eine Goldgrube – es ist nur die Frage, welches Konzept man sich SELBER auferlegt. Je nachdem können dort durchaus auch kommerzielle Konzerte stattfinden – und andere könnten in die subventionierten Konzertlokale übersiedeln. Warum nicht? (Das ist nur eine These!)

    PROGR ist ein ein Eifersuchtsdrama. Und es klingt fast etwas zynisch, wenn die Dampfzentrale mit knappen 2.5 Millionen Subventionen (Gebäude, Kultur, etc…) den Finger hochhält. Der PROGR ist OHNE diese Subvention immer noch mehr Kulturtreffpunkt. Die Frage ist also, was der PROGR daraus machen will – aber das ist SEINE Entscheidung.

    Der PROGR ist eine Erfolgsgeschichte so oder so. Und der grösste Erfolg ist: Man diskutiert jetzt öffentlich über Kultur und Kunst, ärgert sich oder freut sich, ist eifersüchtig oder spendet frivol an ein wirkliches Stück Kulturgut sein letztes Hemd. Ich finde, wer sich darüber ärgert ist entweder zu faul, mit diesem Kulturgeschenk etwas anzufangen, es zu nutzen oder aber immer noch ein nicht selbstbewusstes, konservatives und ängstliches Kulturparasitchen.

    PROGR heisst ARBEIT für alle. Und statt mit verschränkten Armen, zurücklehnend Erwartungen und Bedingugnen zu stellen, sollte man die Schaufel in die Hand nehmen… Es geht jetzt um Kulturelles, um eine Eigenbewirtschaftung – und die betrifft alle. Bee-Flat macht ca. 1 Million Umsatz. Die Turnhalle als Barbetrieb macht auch noch Umsatz. Und wenn man einige Abläufe optimiert, so kann dieser Umsatz noch besser werden. Dann werden auch die Mietpreise adäquat.

    Hinter dem PROGR stehen keine Deppen. Der Stiftungsrat ist noch jung und man will die Sache langsam angehen. Zeit steht auf der PROGR-Seite. Die Missgunst auf der Gegnerseite. Und nach nicht mal 20 Tagen Kritik zu üben, ist etwas kurzsichtig. Die Dampfzentrale hat über 2 Jahre gebraucht, um überhaupt eine Sichtbarkeit zu erzeugen. Jetzt ist in der Dampfere auch wieder ein Geist drin – aber das hat Zeit gebraucht – und war auch nur ein Leitungs- und Konzeptwechsel…

    Der PROGR ist NICHT die kulturelle Rettung für Bern. Diese sind WIR selber. Der PROGR ist ein Gebäude.

    Ist das ein brauchbarer Diskussionseinwurf?

  2. zuffi:

    Das fehlende Bewusstsein in Sachen Ateliers ist mir auch schon aufgefallen. Und hat mich zu Abstimmungszeiten auch genervt. Es ging ja nicht darum, ob man dort weiterhin ein Bier trinken kann oder nicht.
    Und die Zeit ist meiner Meinung nach eben gerade nicht auf der Seite des Progrs. Das Haus wird nicht 2 Jahre haben dürfen bis “dr Charre louft”, so schön das auch wäre.

  3. Schnapsnase:

    Der Begriff ‘Kulturparasit’ kommt unter anderem auch in dem Machwerk ‘Judentum und Musik’ vor und nur weil sich jemand ev. über etwas ärgert, ist solch eine Abqualifizierung auf allerniedrigstem Niveau nicht gerechtfertigt.

  4. Herr Gnos:

    Und es klingt fast etwas zynisch, wenn die Dampfzentrale mit knappen 2.5 Millionen Subventionen (Gebäude, Kultur, etc…) den Finger hochhält.

    diesen satz müssen sie mir erklären, herr ensuite. ich war nämlich bisher der meinung, dass jeder seine meinung kund tun darf. und wenns vom bekult-scheff kommt, ists wohl eine nicht so schlechter absender. da die dampfzentrale gegen den progr auszuspielen, erscheint mir eigenartig.

  5. signora pergoletti:

    Hm. Ziemlich difig, wie hier Thesen aufgetischt werden. Natürlich braucht der neue Progr noch etwas Zeit, es ist grade mal Mitte Januar. Von wegen “Mogelpackung”, “Filz” und “Goldgrube”: Das sind übliche Schlagwörter, die immer sofort fallen, wenn eine Kulturinstitution Geld kostet. Gerade Sie, werter Herr Pauli sollten das wissen. Immerhin ist der sogenannte Filz im Progr ein breit gewobener, viele Einzelpersonen ziehen aus dessen Existenz Nutzen, nicht alle, aber viele, immerhin.

    Ich finde auch, dass die Diskussion über den Progr und dessen Zukunft unbedingt lebendig und öffentlich bleiben sollte. Es ist meiner Meinung nach allerdings nicht so, dass der Progr nun grade die Institution ist, die als einzige und am meisten aufregt.

  6. pauli:

    Immerhin ein paar Reaktionen.

    Herr Ensuite: Dieser Anstoss zur Diskussion hat mit der Dampfzentrale nicht viel zu tun. Dass Sie den Link machen, enttäuscht mich ein bisschen. Weil er ist sachlich falsch.

    Frau Pergoletti: Da sind in der Tat starke Wörter. Aber ich denke, es ist im Interesse vom Progr, wenn diese Behauptungen, die ich aufgenommen und zugespitzt habe, diskutiert werden.

    Kurzum: Mir geht es darum, dass der Progr ein gutes Projekt bleibt. Ich glaube, das sollte aus den obigen Zeilen hervorgehen. (Herr Vogelsang, warum sollte ich mich dann so aussetzen?)

  7. :-)

    Es war schon Absicht, etwas Gegendruck zu geben zum Text von Herrn Pauli – der mag das schon verkraften… :-) Danke Frau Pergoletti – die Differenzierung tut gut. Und es stimmt: Es wummert in der Veranstalterszene Bern wieder mal…

    Das mit dem “Kulturparasit” und dem Vergleich mit dem ‘Judentum und Musik’ finde ich allerdings unter der Gürtellinie. Also wirklich…

    Im Unterschied zu vielen Kulturinstitutionen stehen hinter dem PROGR Treuhänder und ein Ring von Kunstmäzenen (jemand nannte diese Mäzenen alte Greise, die hier nichts zu sagen hätten…). Die Rechnung machen diese Leute also im Bewusstsein von Geld und Möglichkeiten. Rechnen können die. Und es liegt auf der Hand, dass die Räume vom PROGR immer vermietet werden können. Dazu braucht es nicht viel, die Warteliste ist da.

    Die neusten Vorstösse, die Ateliers und Kunstausstellungen zu stärken, finde ich zum Beispiel sehr begrüssenswert. Kunstmuseum, Annex14, Bischoff, Kretlow, Loge – das ist ein guter Anfang. Die Atelier müssen überhaupt nicht öffentlich zugänglich sein – ich möchte nicht, dass immer jemand bei mir im Büro steht. Und in den Ateliers wird auch nichts für eine Laufkundschaft verkauft. Also.

    Kreativität findet sicher auch bei einem Bier statt – der PROGR definiert sich aber nicht über Bier, sondern über den künstlerischen Output. Und der finden nun mal in den MIetateliers statt – nicht in der Turnhalle. Die Turnhalle und Bee-flat haben sich selber in eine “Abhängigkeitssituation” gespielt. Sicher zurecht und im Hinblick auf Kosten und Funktion. Aber eben, es ist eigentlich ein Club und muss die gleichen Bedingungen haben, wie jeder andere Club auch.

    Vorher, als der PROGR der Stadt gehörte, was das anders. Jetzt gelten neue Verhältnisse und Aufträge. Und es ist klar, dass diese Veränderungen nicht jedem gefällt. Oder?

  8. passiver attacker:

    finde herrn paulis thesen als diskussionsgrundlage, inkl. “Mogelpackung, “Filz” und “Goldgrube”, nicht schlecht.
    vorallem aber exponiert er sich eben gerade nicht als herr dampfzentrale, sondern als herr bekult (so zumindest verstehe ich ihn da).
    davor ziehe ich den hut.

  9. Herr Gnos:

    kann mich mal jemand in sachen turnhalle und bee-flat aufdatieren? ich scheine da eine wissenslücke zu haben…

  10. [...] wir grad schon beim Progr sind: Ich war gestern Abend am Konzert von Anna Aaron in der Bee-Flat-Turnhalle. Ein freudiges Ereignis, [...]

  11. ariane:

    Christian Pauli’s Thesen sprechen mir aus dem Herzen. Als kleine Darlehensgeberin (unter vielen) habe ich das Geld für die Vision eines lebendigen und farbigen Kulturzentrums gegeben. Entscheidend für mich war die Idee der Erhaltung von bezahlbaren Ateliers, neben Kulturorganisationen und Ausstellungszonen. Erhofft habe ich mir eine bessere Nutzung von Synergien, dank einem gesunden Nebeneinander von Zonen mit und ohne Publikumsverkehr. Die Angebote der Turnhalle sollten dabei nur ein Teil der öffentlichen Zone sein. Enttäuschend hingegen ist, dass ich von der Stiftung ebenfalls keine Informationen erhalte und somit, oft kritische, Kommentare in meinem Umfeld nicht kommentieren kann. Die mangelnde Kommunikation, bei allem Respekt für die geleistete Arbeit, fördert nicht gerade das Vertrauen.

  12. Herr Sartorius:

    Anbei der Beitrag zum Progr aus dem heutigen «Bund»:

    http://www.derbund.ch/bern/Es-rumort-im-Progr/story/12566830

  13. Heyer:

    Das Projekt PROGR braucht Zeit zur Neuorientierung, das ist bei einem Vorhaben dieser Komplexität immer so, nicht nur bei Kulturinstitutionen. Geduld ist also angesagt.
    Doch: Sobald es privat wird, wird es still, das war und ist bei den vielen Projekten “Museum für Gegenwartskunst” so und nun anscheinend auch beim PROGR. Da wird viel gearbeitet, hinter den Kulissen, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit, obwohl es ein Projekt mit eindeutig öffentlichem Bezug ist. Da dürfen wir gespannt sein, was das Mediengespräch von kommendem Freitag bringen wird.

  14. Heyer:

    Beim nochmaligen Durchlesen des Textes von Christian Pauli fällt mir der Satz auf: “In den Gesprächen am anschliessenden Apéro hat sich nämlich wieder einmal gezeigt, dass in Bern ganz viel Kritik zum Progr geäussert wird – interessanterweise nur nicht öffentlich.” Typisch Bern, könnte man sagen, doch das stimmt nicht ganz. Vor der Abstimmung wurde sehr wohl am Konzept des PROGR Kritik geübt, auch öffentlich, nur wollte niemand hinhören. Denn wichtiger war, dass “Kultur” vor “Wirtschaft” gesetzt wurde. Leider wurde dabei vergessen, dass der PROGR fast nur Wirtschaft ist, und wenig Kultur. Denn bei der Grössenordnung an Investitionen und Mieteinnahmen und Veranstaltungen ist der Bewirtschaftung grösste Bedeutung zuzumessen. Tolle Ateliers und Konzerte alleine bringen noch nicht die Franken ein, dies es zum langfristigen Erhalt braucht.

    Dann: Wer genau zuhörte und mit Künstlern sprach, die im PROGR in Residence waren, wusste, dass das “unvergleichliche Zusammenwirken” der Kunstschaffenden im PROGR nicht stattfand.
    Zu hören war von den Promotoren der Abstimmung, dass die internationale Szene auf Bern schaut, auf eine Stätte, die unvergleichlich sei. Doch wer genau hat geschaut. Hat jemand Namen gehört, konkrete Aussagen in einer relevanten Dichte?

    Wer die Euphorie in Frage gestellt hat, musste sich anhören, parteiisch zu sein – und kulturfeindlich. Man war einfach für den PROGR. Und vor allem die waren für den PROGR, die nun nicht schauen müssen, dass sich das Kulturprogramm wirtschaftlich lohnen wird.

  15. pauli:

    Herr Heyer, Ihr Kommentar irritiert mich ein bisschen. Ist es Applaus aus der falschen Ecke? Nur, damit Sie mich richtig verstehen: Der Progr ist kulturell ein wichtiger Ort, das ist für mich unbestritten. Es geht also nicht um Kultur versus Wirtschaft, diese Frage ist eh schon entschieden.
    Es ist allerdings richtig wenn Sie fragen, was die Aussenwirkung dieses Kulturzentrums ist. Zuweilen sind da die einen oder anderen Sätze aus dem Progr etwas gar vollmundig geraten und auch ich habe mich ein paar Mal gefragt: Wo zum Teufel ist hier eigentlich die zeitgenössische Kultur? Aber ehrlich gesagt: Mir ist das auch schon passiert, wenn ich die Dampfzentrale verkaufen musste. Unter dem Strich würde ich meine: Das grosse Plus am Progr ist die kulturelle Vernetzung, die hier passiert. Also eher Wirkung gegen innen. Irgendwie typisch für Bern.

  16. Heyer:

    Herr Pauli, weshalb die Frage nach der falschen Ecke? Keine Sorge, ich stehe nicht gegen den PROGR, die Abstimmung schaffte Tatsachen und nun muss es gelingen – drücken wir den Daumen.

    Gemeint habe ich, dass vor der Abstimmung das Allreal-Projekt als Wirtschaftsprojekt, als kulturfeindliches Projekt hingestellt wurde. Plötzlich waren viele für die Kultur im Zentrum der Stadt. Oder waren sie einfach nur für einen weiteren Event-Ort? Bleiben die Befürworter auch dabei, wenn es finanziell eng wird?

    Der PROGR ist nicht mehr nur Kulturort, sondern auch Wirtschaftsort. Solange der PROGR als subventioniertes Gebilde bestand, waren die wirtschaftlichen Aspekte nebensächlich. Die Kritik kam bereits im Vorfeld der Abstimmung auf, dass das Konzept PROGR sich in der gewünschten neuen Form nicht wird weiterführen lassen, gerade weil wirtschaftliche Aspekte wie Gebäudesanierung, Vermietung, Einnahmengestaltung etc. das Zusammenwirken im PROGR beeinflussen wird – und es jetzt auch tut. Vor der Abstimmung war der PROGR im freien Raum angesiedelt, was den besonderen Reiz ausmachte und förderte. Nun ist der PROGR von etlichen wirtschaftlichen Zwängen bestimmt, die den gesamten Betrieb beeinflussen und einengen werden. Im wirtschaftlichen Zwang steckt die Gefahr, die Ungezwungenheit zu verlieren, die den PROGR zu dem machte, was er war und hoffentlich bleibt.

    Die grosse Herausforderung: Trotz der Zinslast, den Auseinandersetzungen mit den Mietern und Geldgebern, trotz dem Unterhalt des Gebäudes etc. einen Kulturbetrieb aufrecht zu halten, der ohne Konventionelles, das normalerweise das Sponsorengeld anzieht, auskommen will und muss. Viele werden für diese Gratwanderung keine Geduld haben und abspringen.
    Vor der Abstimmung wurden diese Bedenken auf die Seite geschoben und das Tolle, das Neue, das international Ausstrahlende (noch ist nicht geklärt, wer im Ausland was gesagt hat) hervorgehoben, das es zu retten und weiterzuführen gelte. Dass dies nicht ohne Risiken zu haben ist, wurde verdrängt. Die Frage nach der Überlebenswahrscheinlichkeit des PROGRS in der bisherigen Form durfte trotz den enormen Geldsummen nicht gestellt werden, das habe ich gemeint. Und wer fragte, wie lange sich der PROGR finanziell über Wasser halten kann und was geschehen würde, wenn dies binnen vier Jahren nicht mehr der Fall ist, wurde mit Nichtantworten abgespiesen, also Antworten, die gut tönen, aber nichts aussagen.

    Das heisst nun eben nicht (zum Thema falsche Ecke), dass ich gegen den PROGR bin, doch die kritischen Fragen sind immer noch unbeantwortet. Sie zu verdrängen, heisst das Scheitern in Kauf zu nehmen. Noch aber ist es nicht so weit, warten wir den Freitag ab.

  17. pauli:

    Alles klar, Herr Heyer. So teile ich Ihre Meinung. Am Freitag bin ich leider in der Ferne, aber dank Internet doch wieder halb in der Nähe.

  18. Herr Sartorius:

    Hier die eben eingetroffene Meldung zur heutigen Progr-Medienkonferenz:

    http://www.derbund.ch/bern/Progr-Neuorganisation-aufgegleist/story/23718718

  19. Die Pressekonferenz hat bestätig, was ich eingangs erwähnte. Der PROGR hat die Sache im Griff. Es wäre sehr befremdend, wenn Banken, Mäzene, Darlehensgeber, öffentliche Hand, MieterInnen sich so verrechnet hätten, dass die Finanzierung nicht planbar funktionieren könnte. Bestätigt hat sich für mich auch, dass viel Kritik im Vorfeld wesentlich unprofessioneller war, als der Stiftungsrat vom PROGR es ist.

    Aber es ist verständlich, es ändert sich eine Gewohnheit. Dass man keine KuratorIn braucht, stimmt absolut überein mit dem Konzept, dem der PROGR seit jeher unterliegt. Es ist der alte PROGR im neuen PROGR. Aber wo viele Menschen sind, sind auch viele Ideen – und sehr viele sehen den PROGR als IHREN PROGR. Und das war und ist im Grundsatz falsch – schon immer gewesen. (Es gab zuvor eine Kuratorin – das war auch kein JEKAMI)

    Und gerade weil der PROGR seriös ein eigenes Konzpet erdacht hat, gerade weil er einen anderen Weg wählt, wird der PROGR problemlos existieren können – jetzt und in Zukunft. Ich glaube zu 100 % an das Gelingen vom PROGR. Dies kann ich aus eigener Erfahrung wohl auch behaupten.

    Ganz wichtig scheint mir: Gerade weil der PROGR keinen “Direktor” hat, kann die Beweglichkeit aufrecht bleiben und neue Partnerschaften entstehen. Logisch wird immer wieder einiges verändert oder wegfallen. Aber eine Direktion würde wohl einiges mehr polarisieren, als die demokratische Struktur…

    Der PROGR ist sogar verdammt dazu “zeitgenössisch” zu bleiben. Die Angst, dass der PROGR zuviel versprochen hat und nicht einhalten wird, ist unbegründet und in sich so falsch. Die einzige Änderung ist in der Tat, dass die öffentlichen Gelder nicht mehr gleich fliessen und der PROGR sich selber verwaltet. Also etwas weniger gesicherte (bei unserer Politik?) Subventionskultur.

    Aber: Der PROGR wird, was Bern mit seinem Bewusstsein daraus machen wird. Und genau das wird eben grossartig sein.

  20. Heyer:

    Vor so viel Selbstsicherheit von ensuite kann man nur den Hut ziehen und bescheiden schweigen.

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