
Wie es dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein dürfte, zieht es mich ab und zu in dieses Luzern. Und wenn, dann meistens in den Südpol, ein (jedenfalls von innen) charmanter Ort mit spannendem Programm sowohl in der Sparte Musik wie Theater, für den es sich lohnt, den persönlichen Kulturkartenausschnitt etwas zu erweitern. Gestern lockte mich die Lesung von Max Goldt dahin, den ich seit wohl etwa zehn Jahren nicht mehr lesend erlebt hatte. Der Ausflug hat sich gelohnt!
Sein neustes Buch mit dem schönen Titel «Ein Buch namens Zimbo: Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird» hatte ich bereits genüsslich, stets ein bisschen in die Texte verknallt, verschlungen. In üblicher Manier springt Goldt vom einen zum nächsten, völlig unverbindbaren, Thema, dann noch zu einem, um am Schluss doch alles irgendwie wieder zusammenzubringen, manchmal bloss mit einem Satz, der im Grunde mit dem ganzen Text gar nichts zu tun hat. Es geht um Dinge wie «die neue deutsche Dunkelheit» (den Trend zum Schummerlicht), die «virtuose urbane Ignorierungskunst» (mit der Obdachlosenzeitschriftenverkäufer in Berliner U-Bahnen begegnet werden) und sehr oft um die Tücken von Hotelzimmereinrichtungen, ein deutlicher Hinweis darauf, dass Herr Goldt oft auf Lesereise unterwegs sein muss.
Das merkt man auch seinem Auftritt an, was überhaupt nicht so negativ gemeint ist, wie es klingen mag. Goldt geht die Sache sehr ruhig, professionell, geplant an. Der Ablauf sitzt. Die Dramaturgie ist geprüft und für gut befunden. Sie beginnt mit eher ruhigen Texten, dreht dann langsam auf und nutzt geschickt die Tatsache, dass das Publikum an Lesungen nach der Pause immer(!) heiterer ist. So gibt sich Goldt gegen Schluss auch mal tüchtig in die Texte rein und strahlt Freude am Spiel mit seinen verschrobenen Figuren aus.
Während den zwei einstündigen Blöcken interagiert der Autor nur sehr selten mit dem Publikum, wenn, dann wohlbedacht und eloquent wie in seinen Texte. Ein zögerlicher Pointenapplaus anerkennt er mit einem höflichen «Ja, klatschen Sie ruhig ein bisschen»; vor der Zugabe erklärt er, wie und wo das Buchsignieren vonstatten gehen soll, und dass sich doch bitte jemand opfere und ihn um eine Unterschrift bitte. Beim letzten Besuch in Luzern sei er nämlich ganz alleine am Büchertisch gesessen. Das sollte diesmal kein Problem gewesen sein. Das sehr durchmischte Publikum schien (zu Recht) deutlich angetan von dieser sympathischen Kolumnen-Koryphäe.






wenn wir schon bei Ausserbernischem sind: gute Nachrichten aus Basel! Subventionserhöhnung für die Kaserne!
http://bazonline.ch/basel/stadt/Kaserne-erhaelt-mehr-Geld/story/25449756
unsere freunde aus luzern berichten natürlich auch darüber:
http://www.kulturteil.ch/2010/was-halten-wir-eigentlich-von-chefinnen-in-bodenlangen-jeansrocken-max-goldt-im-sudpol/
[...] script» heisst, macht einemnschon etwas hellhörig. Ist das eines dieser beliebten Paradoxa, die Max Goldt «das Lieblingsinstrument eilfertiger rhetorischer Verblüffer» nennt? Oder steckt da mehr [...]